Milcherzeugung, französisch.

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Was ein baden-württembergischer Amtsveterinär wohl zu diesem out-door-Melkstand sagen würde? Ich nehme an, er würde irgendeine EU-Hygieneverordnung zitieren und den Stand dann dichtmachen. Dem Geruch nach hätte er sogar wohl recht.

Den Kühen hier sind die EU-Verordnungen aber eh wurst. Die leben glücklich das ganze Jahr draußen auf riesigen Weiden, und immer in der Herde. Vater, Mutter, Kind. Das können Odenwälder Kühe in der Regel nicht von sich behaupten. Da nützt der schickste Melkroboter nix.

kühe

 

8 Kommentare

  1. Die Bauern hier in Frankreich müssen sich genauso an die Vorschriften halten, auch hier wird durch das Veterinäramt kontrolliert, und auch hier kriegen die Milchbauern keinen ausreichenden Milchpreis, müssen die Landwirte um ihr Überleben kämpfen, all das ist in Frankreich nicht besser als in Deutschland.

    Wie immer der Bauer den fotografierten Melkstand durchkriegt oder ob dieser den Behörden überhaupt bekannt ist und es irgendwo noch einen offiziellen gibt – keine Ahnung, das ist jedenfalls nicht der Standard, jedenfalls nicht hier in Südfrankreich. Auch wenn es auf dem Foto idyllisch aussieht.

    Die Kuhweiden mit den kompletten alle-Generationen-Herden dienen meist der Fleischgewinnung, denn die Kälber trinken ja die Milch und dann lohnt sich die kommerzielle Milchgewinnung erst recht nicht mehr. Daher werden für die Milchgewinnung die Kälber mit Milchpulvergedöns getrennt von den Mutterkühen aufgezogen.

    Hier im Südwesten Frankreichs ist die Fleischgewinnung neben dem Ackerbau die Haupteinnahmequelle, und deswegen haben wir hier auch noch richtige Rinderherden ganzjährig auf der Weide – immerhin besser als industrielle Massentierhaltung. Manchmal fragen wir uns, ob ein Unterstand nicht vielleicht besser wäre bei Sommerhitze oder Dauerregen oder eiskalten Winternächten, oder sind das nur unsere verweichlichten Städtergedanken …

    Auch hier ist nicht alles toll und heile Welt, aber manches ist, zumindest scheinbar, besser. Und ja, ich weiss, so kann nicht jeder leben, wir haben Glück, uns unseren Traum leisten zu können. Nein, wir betreiben keine Viehwirtschaft, haben aber immerhin einen Resthof mit grossem Gemüsegarten, halten einheimische vom Aussterben bedrohte Hühner und wollen all dies auch nicht mehr missen. Mit all den Unterschieden, Vor- und Nachteilen, die es zwischen Deutschland und Frankreich plus dem Stadt- und Landleben gibt.

    Und ja, das alles hat auch seinen Preis, den wir gerne dafür zahlen. Ob man diesen zu zahlen bereit ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es kann auch gut sein, dass es zwischen dem Landleben in Deutschlands Pampa und Frankreichs Pampa gar nicht so den grossen Unterschied gibt – ausser dem Wetter und der Sprache 🙂 Und dass die Menschen hier gelassener leben, allerdings mit genau dengleichen EU-Vorschriften, die auch in Deutschland gelten.

    Vielleicht ging es gerade ein bisschen mit mir durch, aber in letzter Zeit habe ich so oft hören müssen, dass in Frankreich jeder mache was er wolle und sich an keine Vorschriften halte und dererlei, dass ich die „Zustände“ in meiner Wahlheimat mal ein kleines bisschen klarstellen wollte.

    Salut aus der France profonde

    • Daß es den Bauern hier im franche Comte nicht viel besser geht als denen im Odenwald – oder vieleicht sogar schlechter – glaube ich sofort. Man sieht es an den verlassenen Höfen und den vielen aussterbenden Dörfern. Das kann also auch nicht der wahre Jakob sein, das Landleben hier. Unabhängig davon scheint mir auf den ersten Blick einer (regelmäßigen) Touristin hier der Umgang mit dem Vieh deutlich „besser“, die Franzosen achten ja tatsächlich mehr auf die Qualität der Dinge, die sie essen und trinken. Das sieht man hier nur wirklich an jeder Ecke. Leider reicht mein Französisch nicht mal annähernd, um die Leute hier zu befragen, den Bauern, den Bürgermeister usw. Anderswo mache ich das oft, das erspart vorschnelle Urteile und Fehleinschätzungen.

  2. Ja, die Qualität der Nahrungsmittel hat hier deutlich mehr Priorität als ich das in Deutschland erlebt habe, auch die Bereitschaft, dafür einen höheren Preis zu zahlen – trotz des Erfolgs der deutschen Discounter, die auch hier um sich greifen.
    Ohne ordentliche Basis, aber so nach Augenschein werden Fleisch, Käse und Milchprodukte dort (von den Ansässigen) eher nicht gekauft, das tun eher die „Ausländer“ (denen diese Discounter vertraut sind).

    Auf Arte gab es neulich übrigens eine Sendung, in der Sarah Wiener das gasconnische Huhn vorgestellt hat (in anderen Sendungen andere Lebensmittel). Da ich nicht weiss, wie das rechtlich so ist, tue ich mal keinen link, es ist die Sendung „Sarah W…s erste Wahl, die fünfte Sendung, wer Zeit und Lust hast, ein bisschen heile Welt, aber da ich einige der Personen kenne weiss ich, dass das Dargestellte der Realität entspricht.
    Salut

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