Einstreu

einstreu

Nur mal so eingestreut.

Weil es doch mit mir umgeht…

Kükencontent. Wie Katzencontent. Geht immer. Und juckt mich immer in den Fingern. Aber ich kann doch nicht immer hier sitzen und Küken kieken und Küken posten.

Früher ging kein Tag ohne dauernd google-news und spiegel-online. Brüllende Schlagzeilen, schon morgens nach dem Aufstehen. Bad news is good news. (Mit einem Teil dieses Geschäftes verdiene ich mein täglich Brot, ganz nebenbei bemerkt.)

Ganz schlimm: Freche Schnüffel-Amerikaner gucken in meinen Rechner rein. (eigentlich egal, da sind ja derzeit fast nur Küken drin). Gottseidank: Frau Merkel nimmt die Sache in die Hand. Der Wahlkampf läuft auf vollen Touren. Herr Steinbrück sagt was Wichtiges, und die CDU im Land regt sich über irgendetwas auf. Frau Schwarzer zankt mit Bushido (who the hell ist Bushido?).

Ach so, auch das noch: Blutbad in Bagdad. 65 Tote. Am Bodensee ein Seebeben. Die Geothermie ist schuld. Der Eurohawk eine Pleite. Mein schönes Steuergeld. Die Bayern zerlegen die Hamburger, auf dem Fußballplatz. Und überall im Rest der Welt ist Krieg, klein oder groß. Liest man, weiß man.

Und ich sitze hier und kieke Küken.

Und weiß aktuell nur, daß es wichtig ist, dreimal täglich Brennnesseln und Löwenzahn fürs Kükenfutter kleinzuhacken.

Und suche händeringend nach einem Rezept für Marmelade.

Und nach einem für die Lammkeule heute abend.

Zeige dem staunenden Nachbarskind die Deutschen Riesen im Garten.

Denke darüber nach, ob ich morgen oder lieber über-morgen auf den höchsten Berg steige, den Sonnenaufgang zu bestaunen.

Ob ich den Rotschwänzchen die Einflugschneise zu ihrem Nest freischneiden soll, damit sies etwas leichter haben.

Und was wir mit den vielen Kirschen machen dieses Jahr.

Denke darüber nach, wo wir die Äpfel lagern werden.

Und wann der Mann endlich das Kaminholz bringt.

Und darüber, wann und wieso sich eigentlich die Perspektiven so grundlegend verschoben haben.

2 Kommentare

  1. „Denke darüber nach, […] wann und wieso sich eigentlich die Perspektiven so grundlegend verschoben haben.“

    Über diesen letzten Satz von Friederike habe ich heute nachgedacht. Ich empfand erst einmal Seelenverwandtschaft. Dann dachte ich, weshalb? Ich bin „bald“ (nur noch in Tagen gezählt) 48 Jahre alt. Ich schaue heute mit anderer Perspektive auf „die Dinge“. Ich fliege nicht mehr gerne um die Welt, wie ich es früher aus dienstlichen Gründen tat. Heute bleibe ich gerne „im Büro“ und „Zuhause“ – auf dem Land, in der „Provinz“ in einem Ort mit 150 Einwohnerinnen und Einwohnern.

    Weshalb, frage ich mich? Weil ich das als „Heimat“ empfinde, weil ich mich „wohl“ fühle, weil ich abends die 20 Minuten „vom Büro“ aus „der Kleinstadt“ (im Vergleich zu München, Berlin oder Köln) gerne „über die Felder“ „nach Hause“ fahre. Und dabei bin ich in dem wunderbaren Ort mit den wunderbaren Menschen, in dem und bei denen ich wohnen darf, gar nicht aufgewachsen. Ich bin ein „Nei’gschmeckter“ (Zugezogener).

    Also, wann hat sich meine Perspektive so grundlegend verschoben? Als ich gespürt habe, dass ich nicht wegen meines Berufs und „Status'“ (was ist das?) Wertschätzung von den Menschen im Ort entgegengebracht bekomme, sondern weil ich bin wie ich bin und es sein darf, ohne z.B. der katholischen Kirche im Ort beitreten zu müssen, um wertgeschätzt zu werden? Als wir mit zwei Nachbarfamilien, die echte Freunde sind, gemeinsam einen aufblasbaren Pool für unsere insgesamt sieben minderjährigen Kinder gekauft und auf unserem Grundstück während des vergangenen Sommers aufgestellt haben? Als meine Frau, Kinder und ich ein Haus von unseren Nachbarn und Freunden zum Kauf angeboten bekamen, das sie nicht zum Verkauf sondern nur zur Vermietung neben ihrem eigenen Haus gebaut hatten, uns aber langfristig als Nachbarn behalten wollten (wir wohnten zuvor auf der anderen Straßenseite in einem Haus zur Miete)?

    Und weshalb hat sich die Perspektive so verschoben? Weil ich mich „zuhause“ fühle? Weil ich es abends nicht erwarten kann, „nach Hause“ zu fahren? Weil ich sehr früh am Morgen meine Laufrunde während der vier Jahreszeiten durch die „Wallachei“ drehe und dabei der glücklichste Mensch der Welt (das unterstelle ich) bin? Weil ich den Menschen im Ort vertraue, ohne „nachzurechnen“? Weil ich mich darauf freue, die Menschen im Ort zu sehen, treffen und zu sprechen?

    Es gibt noch viele „wann“ und „weshalb“ – die Perspektive ist definitiv verschoben. In eine Richtung, die mir gefällt. Eine neue Perspektive, die meinem Alter und meiner Lebenserfahrung geschuldet ist. Nein, nicht „geschuldet“ sondern ver- bzw. gedankt ist.

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