Regen und Nebel

18. Mai 2024

Regen und Nebel: die besten Voraussetzungen für eine Hunderunde am Katzenbuckel. Höchster Berg des Odenwaldes, ehemaliger Vulkan undsoweiter, beliebtes Ausflugsziel. Bei Regen und Nebel menschenleer und märchenhaft. Ich habe ein bißchen herumgeknipst, damit Sie wissen, was Sie versäumen, wenn Sie bei Mistwetter zuhause bleiben. Und eine Bitte habe ich an Sie, ganz unten, am Ende vom Beitrag.

Ganz still ist es da oben, alles gedämpft, alles wie in Watte verpackt. Der Nebel läßt den Wald an manchen Stellen fast unwirklich erscheinen, oder klischeehaft. Ein Wald wie aus der Berliner Schaubühne, wenn der Regisseur dem Bühnenbildner sagt Du machst uns jetzt mal einen richtig deutschen WALD, und der Bühnenbildner nimmt das allzu wörtlich.

Ich habe früher manchmal in Berlin im Theater gesessen und bei Wald-Bühnenbildern gedacht Naja, das is jetzt aber schon ein bißchen dicke aufgetragen, dabei kannte ich damals noch gar keinen echten Wald, nur den überfüllten Grunewald, und da sieht man den Wald vor lauter Menschen nicht. So müssen Sie sich das bei Mistwetter im Odenwald, besonders aber da oben am Katzenbuckel vorstellen. Ein Wald wie aus einem Theaterstück, wie aus einem Märchen.

Am Fuß des Aussichtsturms tauchen plötzlich zwei Gestalten aus den Nebelschwaden auf, erst erkenne ich nur Umrisse, obwohl ich sie schon deutlich hören kann, wie sie miteinander sprechen, es ist ein bißchen umheimlich – dann irgendwann erkenne ich zwei Jungs mit Rucksäcken. Sie sind in dem Alter, in dem man sich irgendwo rumdrückt, um heimlich zu rauchen oder alkoholische Getränke zu sich zu nehmen, die eigentlich erst ab 18 freigegeben sind, aber die beiden hier mümmeln an mitgebrachten Klappstullen, die Kapuzen tief in die Stirn gezogen, die Rucksäcke neben sich auf einer Bank, Hosen und Schuhe schon sichtbar nass.

Wo sie herkommen, wo sie hinwollen, frage ich, Wir wollten einfach mal wieder auf den Katzenbuckel, antwortet der Eine, und jetzt gehen wir gleich wieder nach Hause. Mich überkommt eine gewisse Rührung, soweit sind wir also schon. Und dann sagt der Eine noch zu mir Falls Sie auf den Turm steigen und die Aussicht genießen wollen: Man kann nichts sehen. Das hatte ich mir schon gedacht, man sieht ja schon die Hand vor Augen nicht bei all dem Nebel, aber offenbar wollen die beiden der alten Frau den mühsamen Aufstieg und die folgende Enttäuschung ersparen, ich finde das ausgesprochen höflich.

Wenn Sie im Übrigen grade eh am Rechner sitzen, bitte ich Sie, diese (Klick!) Spendenaktion mal anzugucken, eine Freundin von mir hat sie gestartet, um eine ihrer Schülerinnen zu unterstützen, wenigstens finanziell. Als ich die Geschichte gelesen habe, dachte ich mal wieder darüber nach, welches Glück im Leben ich doch habe, und welche Lasten andere, viel zu junge Menschen oft tragen müssen. Wer ein paar Euro hat und die entbehren kann, der spende gerne. Danke schon mal dafür!

  • 8 Kommentare
  • Siewurdengelesen 18. Mai 2024

    Hab´ mal was in den Topf geworfen, auch wenn es “nur” Geld ist.

    Selber denke ich mir, dass die “heutige Jugend” nicht besser oder schlechter ist als sie schon immer war. eher hat man den Eindruck, dass die Alten manchmal von dieser noch etwas lernen kann.

    Danke auch für die immer wieder schönen Naturfotos.

    • LandLebenBlog 19. Mai 2024

      Danke!!

  • Beate 18. Mai 2024

    Gern würde ich spenden, aber nur per Überweisung. Eine Kontonummer habe ich nicht gefunden.

    • LandLebenBlog 19. Mai 2024

      Es müsste dort auch die Möglichkeit geben, beim Kästchen Spenden per Überweisung ein Kreuz zu machen. Und dann müsste das doch gehen – auf jeden Fall schon mal vielen Dank für die Mühe!

  • Susa 19. Mai 2024

    Herzlichen Dank für den Post und die wunderschönen Fotos!
    Ich habe auch etwas in den Topf geworfen und kann berichten, dass das Spenden per Überweisung ohne Probleme funktioniert.

  • Stephan 19. Mai 2024

    Wieder einmal wunderbare Fotos, vielen Dank!
    Spende über PayPal hat gut funktioniert.

  • Gabriela 19. Mai 2024

    Vielen lieben Dank für die wunderbaren Bilder – sie hätten hinter meinem Eltenhaus entstanden sein können, haben mich in meine Kindheit und damit wieder in große Dankbarkeit versetzt, für ein Aufwachsen in einer solchen Umgebung.

  • Franziska 21. Mai 2024

    Die Bilder sind wie immer einfach wunderschön und regen, wie die Texte, zum Nachdenken an. Sollte man nicht einige der Bilder als Postkarten oder Drucke erwerben können? Ich bin da glaube nicht die Einzige, die da gerne drauf zugreifen würde! Also gerade Bild eins würde ich dann direkt bestellen :)
    Ebenfalls gespendet. Diese Lehrerin ist toll. Wenn man das was sie da hat und tut doch einfach mit einem Zimtstreuer in die Welt streuen könnte. Gut… aktuell müsste da ziemlich viel Zimt in die Welt…

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