wmdedgt.

5. Januar 2024

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, das fragt immer wieder am Fünften eines Monats die freundliche Nachbarbloggerin, und ich frage mich das heute auch. Was mache ich eigentlich den ganzen Tag? An einem freien Tag noch dazu? Auf dem Lande, in der vermeintlichen Provinz?

Morgens starre ich erstmal in den Himmel. Da ist ein bißchen Blau. Da auch. Und hier vorne, noch ein bißchen, ja, ist es denn zu glauben?! Kein Regen? Draußen legen sich Sonnennstrahlen auf Felder und Wiesen, in riesigen Pfützen glitzert das Licht. Die Hunde rennen über die durchweichten Flächen, nach wenigen Minuten sehen sie aus wie Erdferkel, vermoddert von oben bis unten, aber glücklich. Ist das nicht herrlich!, frage ich sie wieder und wieder, eine rein rhetorische Frage. Wer wie ich zu Selbstgesprächen neigt, weiß Hunde als Alibi zu schätzen.

Der Vormittag geht vorbei mit Bürokratenkram am Rechner, Versicherungen, dies, das, Termine ausmachen, umherscrollen im Internet. Mich schon mal gedanklich vorbereiten auf die Bauernproteste am Montag, auch hier in der Region wird mobilisiert, und falls Sie am Montag früh bei Osterburken auf die Autobahn müssen, sollten Sie sich lieber einen anderen Weg ausdenken, da oben an der Auffahrt zur A 81 wird zwischen Sechs und Zehn Uhr nicht viel gehen. So ist der Plan. Und ich überlege mir schon mal, wie und wann ich selber da hinkomme, ich muß mitten rein in die Geschichte, rasende Reporterin, Naja, Sie wissen schon.

Ich scrolle dann noch ein bißchen herum, es ist der seelischen Gesundheit nicht eben zuträglich, aber es ist wie bei einem Verkehrsunfall: man will nicht hinstarren, aber man muß irgendwie, man bekommt die Augen kaum abgewendet. Bei den üblichen Verdächtigen auf allen Kanälen Kampfgeschrei und Hetze, die Hasserfüllten triumphieren, kübelweise schütten sie ihren Hass in die Kommentarspalten und in die Chats, es kann einem angst und bange werden.

Dann doch lieber am frühen Nachmittag nochmal mit den Hunden ins Unterholz, nach dem klitzekleinen Bächlein schauen, dass inzwischen zum reißenden Fluß geworden ist. Ich bahne mir einen Weg am Ufer entlang, über dicke sattgrüne Moospolster, die wie vollgesogene Schwämme auf dem Boden liegen. Bei jedem Schritt schmatzt und gurgelt es, tief versinken die Schuhe im Untergrund, Wasser läuft über die Schuhe, macht nix. So laut rauscht die Bach (sagt man hier so: die Bach), dass ich bei Selbstgesprächen, siehe oben, mein eigenes Wort nicht verstehe.

Wieder zuhause, es duftet nach selbstgebackenem Kuchen, der Kaffee dampft, der Kamin bullert. Hunde schnarchen selig, unter dem Tisch putzt sich die Katze. Alles sehr friedlich. Zum Abendessen: Spiegeleier. Ja, da staunen Sie! Ich staune auch. Die Hühner legen wieder, Halleluja! Zumindest in einer Woche so viel, dass es für ein Abendessen reicht. Mühsam zusammengesammelt, aber es reicht, also bitte. So nimmt dieser Tag doch noch ein schönes Ende.

  • 2 Kommentare
  • C Stern 5. Januar 2024

    Das Grün des Mooses zaubert einen ganz tiefen Frieden, so, als gäbe es in dieser Welt nichts Schlechtes. Warum diese Wege so beliebt sind, kann ich vollends nachvollziehen. Schon das Hinschauen macht was Gutes mit einem, zumindest meine Erfahrung. Nun, Vierbeiner, die unbedingt raus müssen bei Mieswetter, die habe ich nicht – und meist mangelt es mir auch an dichtem Schuhwerk, das ist fast wie ein Fluch auf meine nässeempfindlichen Füsse, die da einfach nicht rauswollen. Dennoch habe ich mir selbst viel mehr Bewegung für dieses Jahr verordnet – und ich will auch ehrgeizig sein.
    Selbstgespräche führe ich ebenso, da könnte ich mich durchaus verdächtig machen – aber mir begegnen immer mehr Menschen, die sich ohne Begleitung unterhalten. Liegt wohl auch an unserer Zeit …
    Wundervoll, dass die Hühner wieder Eier legen. Bei mir ums Eck leben auch glückliche Hühner, da bleibt künftig die Eierschachtel in den Supermärkten wieder in den Regalen.
    Auf einen gemütlichen Abend! Liebe Grüße in den Norden, C Stern

  • Gabriela 5. Januar 2024

    Wie schön zu wissen, daß es doch einige Menschen gib, die dieses Wetter bzw. die daraus resultierenden Landschaften lieben! Schöne Grüße aus der Nachbarschaft, Gabriela

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