Es ist dieser Moment, wenn ich da draußen auf den Feldern stehe: der Regen kommt in waagerechten Wellen auf mich zugerollt, wie Brandung im Sturm, die Gischt wie tausend Nadelstiche im Gesicht, Wasser im Kragen, Wasser in den Schuhen – in solchen Momenten also frage ich mich (nicht ganz zu unrecht, wie ich meine), wer eigentlich auf die komplett idiotische Idee gekommen ist, Hunde anzuschaffen.

Hätte man (zum Beispiel) Goldfische als Haustiere, dann müsste man die nicht mal spazierenführen, damit sie klatschnass werden, das wäre doch praktisch. Das ginge auch ohne Gassirunde auf den matschigen Feldern. Nur so ein Gedanke. Auch die Hühner werden ohne mein Zutun nass, dreckig und verschlammt, sie fordern nicht, sie jammern nicht, und siehe: so gehts doch auch. Aber nein, es mussten ja Hunde sein.

Dabei fällt mir ein, dass ich mir schon als Kind sehnlichst einen Hund gewünscht habe, bevorzugt zu Weihnachten, ich bekam stattdessen im ersten Jahr ein Aquarium voller dämlicher, stummer Fische. In einem der Folgejahre schenkte man mir einen Käfig voller Zebrafinken, die jedesmal hysterisch wurden, sobald ich mich dem Vogelbauer nur näherte, es war ein Elend. Dafür vermehrten sie sich wie die sprichwörtlichen Karnickel, wir mussten einen zweiten Käfig kaufen, und einen dritten, und ich hatte immer mehr Arbeit mit den ungeliebten Viechern. Irgendwann starb der Letzte der Zebrafinken-Sippe, und ich weinte ihm keine einzige Träne nach.

Auch die Geschichte mit dem Aquarium endete auf vergleichsweise unrühmliche Weise, das große Glasbecken platzte an einem lauen Berliner Sommerabend im Jahre 1982. Genau gesagt war es der 11. Juli, und wir waren natürlich nicht daheim. Unter uns saß in seiner Erdgeschoß-Wohnung der freundliche Zahnarzt Dr. M. und fieberte beim WM-Finale Italien-Deutschland mit, ein eingefleischter Fußballfan.

Bis es im Haus einen Schlag tat und wenig später das Fisch-Wasser bei ihm von der Wohnzimmer-Decke tropfte, direkt auf sein Fernsehgerät, das war dumm. Das WM-Finale war ihm quasi verhagelt; es wäre für den freundlichen Zahnarzt auch dann ins Wasser gefallen, wenn Deutschland damals gewonnen hätte. Nicht einmal das einzige Tor der Deutschen, Paul Breitner in der 83. Minute, nicht einmal das bekam der arme Zahnarzt mit, er war mit Wischen und Wasser-Schöpfen beschäftigt und für die kommenden Monate nicht gut zu sprechen auf uns. Ich für meinen Teil war aber eigentlich ganz froh, dass das Thema Aquarium beendet war.

Inzwischen also besitze ich endlich Hunde, und das hab ich nun davon, siehe oben.

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Am dritten Adventssamstag wage ich mich ins Städtchen, Wie kann man an einem Adventssamstag freiwillig in ein Städtchen gehen?, fragt der Gatte oberlehrerhaft, aber ich bin zu allem entschlossen, ich muß in ein bestimmtes Geschäft, ich werde irgendwo einen Parkplatz ergattern und mich dann durch die wogenden Massen gestresster Weihnachtseinkäufer kämpfen.

Aber das Städtchen liegt am dritten Adventssamstag still und leer, nur wenige Menschen sind in der klitzekleinen Fußgängerzone unterwegs. Die sind alle in den großen Städten, sagt die Frau im Laden, hier im Städtchen macht doch keiner Weihnachtseinkäufe. Vielleicht übertreibt sie, vielleicht wird es morgen, am vierten Adventssamstag, dem Tag vor Heiligabend, nochmal richtig voll im Städtchen, vielleicht gehen dann all die einkaufen, die immer beklagen, dass das Städtchen langsam ausstirbt, so Einzelhandelsmäßig.

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Bei facebook lese ich den Bericht eines Odenwälder Weihnachtsbaum-Anbauers ganz aus der Nähe, dass des nachts sein Christbaum-Verkaufsstand bei Frankfurt geplündert worden sei, der oder die Täter haben die Umzäunung aufgebrochen, 70 Weihnachtsbäume professionell eingenetzt und abtransportiert, das nagelneue große Stromaggregat haben sie auch mitgenommen. Und jetzt verkaufen sie die Odenwälder Tannenbäume als die ihren und machen ordentlich Reibach.

Vor einigen Jahren erwischte es einen anderen Anbauer ein paar Dörfer weiter, hier wurde nichts gestohlen, aber die Täter säbelten allen seinen Tannenbäumen die Spitzen ab und machten sie damit quasi unverkäuflich. Das Christbaumgeschäft ist ein eher un-besinnliches Metier, will mir scheinen.

Wir halten uns da lieber raus und mischen uns nicht ein, es muß auch in diesem Jahr ohne Tanne gehen. Der Lorbeer, den wir einst in einem winzigen Töpfchen kauften und auf die Fensterbank stellten, er greift inzwischen übermannshoch nach der Decke und den Sternen. Umgetopft in ein eckiges Plastik-Ungetüm, verbringt er die kalte Jahreszeit in unserem Esszimmer. Eine elektrische Lichterkette bekommt er ins Lorbeer-Haar, das muß reichen, das ist doch weißgott besinnlich genug.

Der Gatte (Klick!) ist auch ganz besinnlich.

5 Kommentare zu “Das hat man nun davon.”

  1. Ja, wer A wie Fische, B wie Zebrafinken und C wie Hunde hatte und noch hat (mag?) muss auch D = Durchhalten, ohne Rücksicht auf’s Wetter und sonstige Unregelmäßigkeiten.
    Liebe Grüße nach Balschboch, mit allen guten Wünschen zu den Festtagen.

  2. Noch schöner sind bei dem Wetter übrigens Pferde in einem eher rustikalen Stall. Den Hund kann man nämlich drinnen fertig mit Halsband & Co. ausstatten, sich selber ebenfalls und dann dreht man halt seine Runde. Das Pferdle möchte, sofern man es nicht nur stupide in der (an den Seiten offenen, daher bei Wind und Regen größtenteils gefluteten) Halle führen möchte, erstmal aus seiner Decke geschält werden (Format Zweimannzelt, wiegt natürlich ein bisschen was, und dabei schön aufpassen, dass die Innenseiten nicht nass werden). Dass einem selber dabei das Wasser in die Ärmel läuft, die Hose durchweicht, … gut. Dann wollen Sattel & Co. draufgepackt werden, aber tunlichst ohne dass vorher das Pferd klatschnass wird. Nun befinden sich Offenstall + Pferd, Reithalle und Sattelkammer bei uns aber an 3 verschiedenen Bereichen auf dem Hof und sind nicht durch überdachte Gänge verbunden. Ergo ist eigentlich alles nass und matschig, bevor man auch nur oben sitzt. Und dann äppelt das Tierchen natürlich mitten in die größte Matschepfütze der ganzen Halle und während man das dann mühselig wieder rausfischt, erwägt man ebenfalls die Anschaffung von Goldfischen. :D

  3. Die Vorzüge von Hunden kann ich, selbst hundeliebend, voll und ganz nachvollziehen. Überhaupt zu Vierbeinern, die einem emotional sehr nahekommen können, da kann ich auch Pferdefreundin Anne verstehen. Selbst hatte ich früher viel Bezug zu Hunden und in der Kindheit war der kleine Bauernhof meiner Großeltern das Herrlichste für mich, was ein freies Leben beinhalten kann. Viele meiner dankbaren und glücklichen Erinnerungen reichen in diese Zeit zurück!

    In einem österreichischen Medium wurde über den Diebstahl von Keksen aus Keksdosen in einer Amtsküche berichtet. Angeblich wurde sogar eine Anzeige erwogen – viel Lärm um relativ wenig, würde ich meinen. Der weihnachtliche Frieden konnte hoffentlich zurechtgespendet werden, mit anderen Keksen … Da hat sich wohl niemand was Schlimmes dabei gedacht, in der Dose nach Köstlichkeiten zu suchen. Bin relativ sicher, es kann nicht von einer Einzeltätertheorie ausgegangen werden …
    Ganz anders verhält es sich, wenn Christbäume auf so eine Weise verschwinden oder gar mit gemeiner Absicht beschädigt werden. Das finde ich ebenfalls ziemlich unverfroren.
    Bei mir reicht das kleine immergrüne und immergeschmückte Bäumchen – das grünt jedes Jahr um diese Zeit in meiner gemütlichen Wohnküche.
    Sehr nett die Weihnachtsgrüße des Gatten, das Bild dazu gefällt mir bestens!
    So grüße ich herzlich in den Odenwald und wünsche aus dem ebenfalls regnerischen Oberösterreich eine gut verbrachte Weihnachtszeit, weihnachtliche Grüße auch an die Hunde und Hühner! C Stern

  4. Danke für alle Blog-Beiträge und Kommentare dieses Jahres 😊
    Und allen Autor“innen und Leser“innen ein schönes Weihnachtsfest und kommen Sie/ihr gut im Neuen Jahr an!

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