Wimbi

22. November 2021

Weil das hier ja ein Blog mit einem Bildungsauftrag ist, habe ich vom Büro in der vermeintlichen Odenwälder Idylle aus mal recherchiert, was eigentlich das deutsche Wort Welle auf Suaheli heißt, das ist ja immerhin eine der größten Verkehrssprachen in Afrika, und allein der Begriff Suaheli hat für mich einen ganz besonderen Klang und löst irgendeine merkwürdige, fast körperliche Sehnsucht in mir aus.

Jedenfalls heißt Welle auf Suaheli Wimbi, das ist zwar kein besonders wertvoller Erkenntnisgewinn, aber doch einer, der mich für kurze Zeit froh machte. Wimbi, oh Wimbi, möchte ich rufen, das klänge doch gleich irgendwie ein bisschen netter als alles, was man sonst so hört im Odenwald und anderswo zu diesem Thema. Im Übrigen heißt Die vierte Welle auf Suaheli demnach wimbi la nne, die fünfte Welle wimbi la tano, und die zehnte Welle wimbi la kumi. Nur, dass wir da schon mal bescheid wissen.

(Ich habe in diesem Zusammenhang außerdem erfahren, dass die Suaheli-sprechenden Menschen längst nicht so schwer von den einzelnen Wimbis betroffen sind, wie ursprünglich befürchtet, das ist sehr interessant, Sie können das (Klick!) hier mal nachlesen.)

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Auf der Mittagshunderunde durchs Städtchen stolpern der Hund und ich inzwischen nicht mehr nur über weggeworfene und vom Winde verwehte OP-Masken, sondern auch über Schnelltestreste. Ich habe das oben im Beitrag mal für Sie fotografisch festgehalten, es erinnerte mich an irgendeinen Science-fiction-Horrorfilm, der – wenn es ihn nicht schon gibt – irgendwann dieser Tage gedreht wird, ganz bestimmt.

Ein idyllisches kleines Fleckchen Erde wird von Ausserirdischen mit Biologischen Waffen angegriffen, der Bio-Hazard, die biologisch-chemische Gefahr also, fällt vom Himmel und lauert dann an jeder Ecke, selbst auf der Hunde-Pippi-Wiese an der Stadtmauer, Menschen sterben, viele drehen durch, das ist so in etwa das Handlungsgerüst für den Film, so stelle ich mir das vor, und am Ende kommt von irgendwoher Rettung.

Wie die jetzt genau aussieht, diese Rettung, das weiß ich doch auch noch nicht, ich bin ja schließlich keine Drehbuchschreiberin, aber ich bin sicher, uns fällt noch irgendwas ein, irgendwann.

Der große Parkplatz oben am Rathaus ist gesperrt, hier werden Weihnachtsmarkt und Eisbahn aufgebaut. (Hier müssen Sie sich jetzt eine bedeutungsschwere Kunstpause vorstellen.) Ich erinnere mich an feucht-fröhliche Winter-Nachmittage auf der Berliner Schlittschuhbahn, die war gar nicht weit von uns zuhause, kreischend und johlend zogen wir unsere Bahnen, schniefend und prustend lagen wir uns in den Armen, heißer Atem, nassgeschwitze, glühende Gesichter. Und danach rein ins Gedränge des Weihnachsmarktes, mittenrein.

Ja, nee, is klar.

Und wann müsst Ihr das alles wieder abbauen? Vielleicht morgen schon?, frage ich die zwei freundlichen Arbeiter an der Schlittschuhbahn-to-be. Mal gucken, sagen sie und zucken mit den Schultern.

Zur obligatorischen Linsensuppe ins Café. Im Zeitlupentempo dreht sich die glitzernde Weihnachtskrippe auf einem der Regale, zwischendurch die einzige Bewegung im Raum. Während in der Küche die Suppe heißgemacht wird, fegt eine Mitarbeiterin die Brotregale, Frau Lieselotte schnarcht unter einem der Tische.

Irgendwann sind zwei weitere Tische besetzt, an dem einen reden zwei Frauen über die Wirkung von Morphium-Pflastern, Genaues kann ich aufgrund der eigenen Kaugeräusche nicht verstehen, bin aber nicht böse drum. Dann fragt eine Frau nach einer veganen Linsensuppe, – weil es die nicht gibt, entscheidet sie sich nach kurzem Zögern für ein Stück Schwarzwälder-Kirsch-Torte.

Beim Bezahlen frage ich die Chefin nach dem werten Befinden, sie ignoriert meine EC-Karte und versucht stattdessen erfolglos, die cafe-eigene feuerrote Kundenkarte in das EC-Kartelesegerät zu stopfen. Jetzt muß ich wohl nichts mehr dazu sagen, wies mir geht, sagt sie, als sie ihr Mißgeschick bemerkt, und rollt mit den Augen. Und dann müssen wir beide lachen. Wenigstens das.

Naja, Sie wissen schon.

Oh, und dann kommt noch das hier rein. Buchener Weihnachtsmarkt. Abgesagt. Der in Mosbach auch. Die Buchener Schlittschuhbahn soll aber angeboten bleiben. Mit Voranmeldung undsoweiter.

  • 6 Kommentare
  • Walter Jaegle 22. November 2021
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    Weihnachtsmarkt ade! Es war höchste Zeit! Anscheinend gehen die Uhren in Buchen doch etwas langsamer!

    • LandLebenBlog 22. November 2021
      Antworten

      Die Uhren andernorts gingen wohl auch nach. Aber jetzt kommt eine Absage nach der nächsten, auch Stuttgart hat jetzt ein einsehen und sagt den Weihnachtsmarkt ab.

  • Marion 23. November 2021
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    Die “Bundesstadt Bonn” hat den Schuß noch nicht gehört. Hier ist der Weihnachtsmarkt noch in vollem Gange. Abstand? Nun ja. Wie wohltuend ist da der wunderbare Landlebenblog. Humor, Bildung, wunderbare Fotos und alles feinst ausgewogen. Herzlichen Dank!!! LG Marion
    PS: und wenn’s mal so gar nicht mehr gehen wollte, dann klickte ich mich zu den Viechfotos. Der kleine Fuchs schaute treuherzig, die Kuh, das kleine Kitz, die Schafe… – aber sie sind leider nicht mehr da :o( Es gibt bestimmt Gründe; ich vermisse sie nur.

    • LandLebenBlog 23. November 2021
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      Die Viechfotos mussten der Werbung für das Fotobüchlein vorübergehen weichen, aber das Fotobüchlein ist ja jetzt ausverkauft. ;-)

  • Alwin 27. November 2021
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    Soweit ich weiß ist das Suaheli-Wort für “Auto” “motoka”, also vom englischen “motor car” abgeleitet, und simba heißt Löwe. Ich hatte in meiner Kindheit mal ein Buch mit einem kleinen Suaheli-Wörterbuch, darin ging es um einen kleinen Negerjungen (ja, damals durfte man das noch sagen), aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was aus dem Jungen und dem Buch geworden ist. Der Junge wurde vielleicht ein daktari, also Arzt. Ein Wort für “Rechtsanwalt” oder “Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung” gab es in dem Wörterbuch nicht.

  • Franziska 30. November 2021
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    Umarmen heißt auf suaheli kukumbatia. Der liebe Mensch, von dem ich Suaheli lernte – vor gefühlten tausend Jahren in Tansania – ist leider im letzten Jahr an Corona verstorben. Ob es dort wirklich nur wenige Fälle gibt oder keine Tests und zu wenig statistische Erfassung bleibt dahingestellt…ich würde diesen Menschen sehr gerne noch einmal umarmen und ihm sagen, wie wichtig mir der Kontakt mit ihm war…das ist das Einzige, was ich an diesen Tagen mag: Unendlich viel Zeit und Ruhe für innere Einkehr – davon hab ich noch nicht genug…Bleiben Sie gesund! Liebe Grüße Franziska

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