Neue Wege.

29. September 2021

Es ist ja nicht zu fassen, ich bin nach Feierabend mehr oder weniger vor der Haustür zu einer kleinen After-work-Wanderung gestartet, und ich habe doch tatsächlich schon wieder einen neuen Weg entdeckt, ja, ist es denn zu glauben. Man sollte meinen, ich kenne die inzwischen alle.

Aber manchmal sind da eben diese unscheinbaren Weglein, die ich bisher geflissentlich ignoriert habe, und irgendwann erbarme ich mich doch, Ach, kleiner Schrumpel-Weg, komm, dann gehe ich Dich halt mal, in Gottes Namen, mal gucken, wo Du eigentlich so hinführst; und dann, bäääämmm!, finde ich mich in einem Märchenwald wieder, völlig unerwartet. Jede Menge neue An- und Aussichten, ein wunderbares Lichtspiel in der Abenddämmerung, ein Traum von einem Unterholz, ich weiß gar nicht, wie mir geschieht. Man könnte das jetzt glatt auf das wahre Leben übertragen, unscheinbare Schrumpelwege gibts da ja auch, man müsste sie halt nur mal sehen und gehen, naja, Sie wissen schon.

Mir wurde jedenfalls direkt ein bißchen philosophisch ums Herz. Bis zu dem Moment, als die Eichelhäher mich entdeckten, es müssen Dutzende gewesen sein, ach, was sage ich, hunderte waren es wohl, sie hoben zu einem solchen Geschrei an, dass selbst Frau Lieselotte vor Schreck stehen blieb, und das will nun wirklich was heißen. Die Häher machten ihrem Spitznamen als Polizei des Waldes alle Ehre, sie brüllten und kreischten, als wollten sie jegliche Kreatur zwischen Stuttgart und Frankfurt am Main vor mir warnen. Nun isset aber ma langsam jut mit det Jekreische, sagte ich nach einer Weile Richtung Himmel, ich spreche ja immer mit mir oder den Tieren oder den Bäumen, wenn ich da draußen unterwegs sind, wundern Sie sich also nicht, falls Sie mir mal begegnen. Diese Art von Gesprächen ist ja mitunter die bereicherndste, – naja.

Ich muß da mal mit einer vernünftigen Kamera hin.

Aus irgendeinem Grund fühlte mich mich für einen Moment ins Affenhaus des Berliner Zoos zurückversetzt, mit zwei Zöpfen und in rotweißen Ringelstrümpfen stehe ich an dieser dicken Panzerglasscheibe, hinter der die Schimpansen herumturnen und sich an irgendwelchen Gittern entlanghangeln, und kaum, dass sie mich erblicken, brechen sie in ein unsägliches Geschrei aus. Ob aus Entsetzen oder Entzücken, wer weiß das schon, jedenfalls musste ich, tief im Odenwald, heute also an den Berliner Zoo denken, und an das Affenhaus. Ich sollte da mal wieder hin. Obwohl ich inzwischen kein Freund von Zoos mehr bin. Ich trage ja so gesehen auch keine geringelten Kniestrümpfe mehr.

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A propos Neue Wege: Ihr Lieblingsgasthaus im Odenwald hat neuerdings gleich drei Ruhetage statt bisher einen? Na, denen gehts wohl zu gut, dass die sich sowas erlauben können?! Nee, ganz im Gegenteil. Die haben alle keine Mitarbeiter mehr, also jedenfalls nicht mehr genug. Alle fort, auf Nimmerwiedersehen, mal etwas überspitzt formuliert. Corona und Lockdown lassen grüßen. Bevor Sie also mit Ihrem Lieblingswirt schimpfen, erstmal (klick!) hier nachlesen, das hat mich heute beschäftigt, ganz schön blöde Situation.

Kurt Meidel von der Linde in Gerolzahn. Der sucht auch händeringend MitarbeiterInnen.
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