WMDEDGT.

Blogger in ganz Deutschland, ach, was sage ich, in ganz Europa, wenn nicht im gesamten Universum, beantworten heute wieder die Frage Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt. Die freundliche Frau Brüllen will das wissen, und am Ende des Tages veröffentlicht sie alle Tagenbuchblogbeiträge hier.

Das ist heute ein Sonntag ganz nach meinem Geschmack, mal abgesehen von den Temperaturen. Blauer Himmel, Wind und Sonne, sattes Grün vor den Fenstern und munteres Gebrüll der Stare und Spatzen und Rotschwänzchen im Garten.

Erstmal früh am Morgen das tägliche Programm. Katze reinlassen, Hunde rauslassen, Hühner füttern, Ziegenstall öffnen, Ziegen füttern.

Dann Kaffee, endlich. Katze Emmy erzählt maunzend von ihren nächtlichen Abenteuern, und die Kratzer am Hals lassen auf die eine oder andere gescheiterte amouröse Annäherung schließen. Frühling halt.

Dann raus. Vier Stunden lang geht es über die Felder und durch die Wälder, niemand ist unterwegs, keine Menschenseele, nur ich und die Hunde. Nur das Singen und Quasseln der Vögel ist zu hören, der Wind in den zarten Buchenblättchen, die so saftig-hellgrün sind, dass man schier neidisch werden könnte. Die Hunde rascheln im Unterholz und gucken fliehenden Rehen hinterher, Frau Lieselotte buddelt imaginierte Mäusen aus und schaufelt den wohlig warm-duftenden Waldboden in die Gegend. Ich setze einen Fuß vor den anderen und atme die klare Luft, vier Stunden lang. Vier Stunden lang nur sehen und fühlen und hören und riechen.

Auf der halben Strecke kehre ich auf einen Kaffee ein. Gut, wenn man Freunde mit einem Aussiedlerhof hat.

Zurück geht es über die Felder und vorbei an den riesigen Pferdekoppeln. Als ich wieder am Ausgangspunkt angekommen bin, läuten die Glocken des Dorfes den Mittag ein.

Wieder zuhause, verfluche ich die Sonne dann doch, denn in ihrem Licht lachen mich fröhlich die Wollmäuse an und winken mir zu. Aus jeder Ecke des Hauses. Man glaubt ja gar nicht, wie viele Ecken so ein Haus haben kann. Und wie viele Oberflächen, auf denen der Staub liegt und sich in der Sonne räkelt, es ist zum Verzweifeln. Aber wir leben schließllich auf dem Lande, das ist dann immer meine Ausrede, ich habe das (Klick!) hier vor Jahren schon einmal näher ausgeführt.

Die Hunde sind erledigt, ich bin es auch, und außerdem ist heute Sonntag, der Tag des Herrn, Am siebten Tage sollst Du ruh’n, von Hausarbeit war da keine Rede. Also muss die Rumba-Christel ran. Sie tut es ohne Murren und saugt brummend und schnurrend zumindest all jene Wollmäuse ein, die von der Größe her schon eher als Woll-Ratten oder Woll-Meerschweinchen durchgingen. Ähem.

Manchmal verfängt sie sich in irgendwelchen Kabeln, oder sie manövriert sich zwischen Computer und Scheuerleiste in eine ausweglose Situation, dann piepst sie wie wild und eine ernste Stimme befiehlt Move Roomba to another location!, sie befiehlt das mit mehreren hörbaren Ausrufezeichen, und ich eile natürlich an den Ort des Geschehens, um die arme Rumba-Christel zu befreien, ich nehme sie hoch, trage sie an eine schönere location und setze sie wieder ab, auf dass sie weiter ihre Runden drehe, ungestört.

So müsste das im richtigen Leben sein, denke ich so bei mir. Immer, wenn man sich irgendwo eingeklemmt oder verfahren hat, – also im übertragenen Sinne -, immer dann würde eine Höhere Macht befehlen Move Frau Landlebenblog to another location! Und irgendwer würde kommen, der einen mit starken Armen und doch zärtlich in die Höhe nimmt und flugs woanders wieder absetzt, an einem ganz und gar idyllischen und problembefreiten Ort, an dem einem nichts mehr passieren kann, außerhalb des Raum-Zeit-Kontinuums, oder wie das Ding heißt.
Eine Art ritterlicher Roomba-Retter für Menschen. Ach, wäre das nicht herrlich? Naja, Sie wissen schon. Staubsaugerphilosophie undsoweiter. Mit solchen Gedanken kann man seinen Sonntag ja auch rumbringen. (Und ja, ich besitze einen Staubsaugerroboter, irgendwann mussten Sie es ohnehin erfahren, jetzt isses eben raus.)

Am späten Nachmittag kommt die facebook-Freundin zu besuch, die inzwischen auch das sogenannte real life bereichert. Nicht nur so überhaupt und mit ihrer fröhlichen Art, sondern auch mit marrokanischen Süßteilchen. Rund 3.846 Kalorien pro Stück, vermute ich mal so, aber das leckere Zeug läuft unter der Bezeichnung RamadanFastenspeise. Soll mir recht sein, ich wollte ja ohnehin mal wieder fasten, fangen wir also beim Kaffee gleich damit an.

Und weil wir gerade dabei sind, gehts zum Abendessen zu Freunden ins Städtchen. Nach dem heilsam-einsamen Vormittag also eine kalorienreiche, kommunikative zweite Tageshälfte.

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muss los.

3 Kommentare

  1. Keine Sorge, auch in der Stadt findet man Wollmäuse. Oder finden sich alle städtischen Wollmäuse bei mir ein? Bei Sonnenschein könnte ich schwören drauf… Schönen Sonntagabend noch

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