Herzliche Weihnachten.

Ich möchte Ihnen doch an dieser Stelle herzliche Weihnachten und ein recht neues Jahr wünschen. Ursprünglich wollte ich das Ganze mit einem Foto meines Geo-Gatten illustrieren, der an einem Heiligen Abend in Köln unter dem absolut stechenden Blick seines radikalautoritären strengen Kölner Großvaters ein Weihnachtsliedchen auf der Blockflöte vorträgt.

Dem etwa Sechsjährigen auf dem vergilbten Foto ist die panische Angst vor der möglichen Strafe deutlich anzusehen, und wahrscheinlich hat mein Geo die Fotografie auch deswegen vernichtet eines Tages. Sie war jedenfalls heute nicht mehr aufzufinden. Sagt aber immernoch viel darüber aus, warum der Gatte sich mit Heiligabend schwertut. Ebenso wie ich. Aus Gründen.

Stattdessen fand ich beim Blättern im Familienalbum – was man halt so macht an Tagen wie diesem – eine Fotografie, die beweist, dass mein Kölner Geo schon als kleines Kind im Odenwald unterwegs war, also bitte, da sage noch einer, wir seien Zugezogene oder gar Fremde.

Waldmichelbach, 1944.

Der kleine Kölner Geo hatte einen Vater, der wiederum aus Mannheim war. Und dem seine dessen Eltern waren die heißgeliebten, gar nicht strengen, aber vornehmen Mannheimer Großeltern. Die hatten natürlich, wie sich das gehörte, ein Dienstmädchen aus dem Odenwald, ja, so machte man das damals.

Das Verhältnis zwischen den Mannheimer Großeltern und dem Dienstmädchen war so gut, dass die Großeltern immer wieder die Odenwälder Verwandtschaft des Dienstmädchens besuchten. Und wenn Klein-Geo in Mannheim zu Besuch war, alleine, bei Großvater und Großmutter, dann durfte er natürlich mit. Können Sie folgen?

So sitzt mein oller Geo also schon 1944 da vorne rechts auf dieser Odenwälder Treppe, mit seinem heißgeliebten Dackel. Der Mannheimer Großvater ist der dicke Herr oben in der Mitte.

Das Foto hat dann aber auch noch eine andere Geschichte, das fällt mir eben so auf, die ist ganz und gar un-odenwälderisch, sondern eher weltumspannend und allgegenwärtig. Passt aber zu Heiligabend, Herbergssuche undsoweiter, naja, Sie wissen schon. Schauen Sie sich den kleinen Zwerg mit seinen dicken Beinchen da auf dem Bild nochmal genau an.

Kurz, nachdem die Aufnahme entstanden ist, fuhr der klitzekleine Geo wieder zurück zu den Eltern nach Köln, im Frühsommer 1944. Da schnappte ihn sich seine Mutter, nahm ihn an die Hand und lief los. Hochschwanger, mit einem wackligen Kinderwagen für ein paar Habseligkeiten, von der Kölner Haustür aus liefen sie los, Richtung Franken.

Den stolpernden Geo am Arm und ein noch ungeborenes Kind im Bauch. Köln wurde evakuiert, Frau und Kinder mussten weg. Unterwegs wurde Geos Schwester geboren, dann ging es quasi nahtlos weiter. Über ein paar hundert Kilometer. Am Ende kamen alle in Franken an und unter, und was Geos Mutter unterwegs erlebt hatte, vielleicht, vielleicht auch nicht, darüber wurde eigentlich nie mehr gesprochen. Sie hatten überlebt, aus, Ende, fertig.

Es dürfte ein Albtraum gewesen sein. Aber einer mit Happy-end, so halbwegs. Anders als so viele andere, bis heute.

Wie die Geschichte der Evakuierung weiterging, und was davon bis heute erhalten ist, darüber habe ich (Klick!) hier schon mal berichtet.

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