Liebesleben.

Falls Ihnen beim Lesen hier im ansonsten ja eher harmlosen Blog Minderjähige über die Schulter schauen sollten, entfernen Sie diese jetzt lieber. Die Geschichte, die hier in aller gebotenen Kürze erzählt wird, ist nicht zu hundert Prozent jugendfrei.

Also. Was ich eigentlich sagen wollte: Da warte ich dieser Tage an der Kasse eines kleinen Supermarktes in einem der umliegenden Dörfer, ich begucke die geräucherte Wurst in meinem Einkaufswagen, die zwei Putenschenkel und das samtweiche Toilettenpapier, dreilagig, das es im Angebot gibt. Außerdem habe ich Fenchel-Kümmel-Tee erstanden, und alkoholfreies Bier. Ich stehe also da herum und warte.

Die Wartenden um mich herum plaudern und lachen, hier kennt jeder jeden, man bringt sich gegenseitig auf den neuesten Stand, kommentiert seine eigenen Einkäufe und die im Wagen des Nachbarn, die einen warten, die anderen zahlen, und dann wünscht man sich n’scheener Daach noch. Die Kassenzone ist hierzulande quasi der Dreh- und Angelpunkt der dörflichen Kommunikation und des gesellschaftlichen Austauschs.

Und wie ich so warte und warte und meine Blicke wandern lasse vom Einkaufswageninhalt quer durch die Leute und quer durch den Laden, merke ich, dass ich hier im Kassenbereich direkt neben einem Verkaufsaufsteller für Adventskalender stehe. Der zieht nun meine Aufmerksamkeit auf sich, nicht nur der Advent steht vor der Tür, sondern hier also vielleicht auch der passende Odenwälder Adventskalender.

Leider handelt es sich bei näherer Betrachtung allerdings nicht explizit um einen Odenwälder Adventskalender, sondern um das Prachtstück eines Adventskalenders eines der bundesweit führenden Hersteller von erotischem Spielzeug. Für jeden Tag ein anderes Toy, oder sowas in der Art verspricht der Kalender, ich kann ja nicht allzu genau und auffällig da hinglotzen und lesen, hier im Dorf kennt ja jeder jeden, und was sollen denn die Leute denken.

Jedenfalls lese ich dank der ratzescharfen Gleitsichtkontaktlinsen etwas von Handschellen und Augenbinden und irgendwelchen Fesselstrippen und feuchtem Gel. Allerlei Zeugs also, dass den Menschen wohl auch und besonders in Badisch-Sibirien die langen und kalten sibirischen Nächte versüßen soll. Ganz billig ist der Spaß nicht, den ich da im Vorbeigehen an der Dorf-Supermarkt-Kasse mitnehmen soll, aber bitte, man muss vielleicht einfach Prioritäten setzen.

Die plaudernde Kassenschlange rückt langsam vorwärts, ich rücke natürlich mit und denke aber so für mich über Kassenschlager und Ladenhüter nach, über Kundensegmente und Verkaufsförderung, über diskrete Produktplatzierung, Sicht- und Greifhöhe-, Reck- und Bückware und über den Point-of-sale, also den aller-aller-allerbesten Ort in einem Laden, um ein bestimmtes Produkt gezielt an den liebeshungrigen Odenwälder Mann und an die verwöhnte Odenwälderin Frau zu bringen. Die Marketingexperten unter Ihnen kennen das.

(Im Internet verspricht der Sexadventskalenderhersteller übrigens absolut diskrete Zusendung per Post, weißer Umschlag, ohne Firmennamen und das ganze PiPaPo, falls man sich da online was bestellen will. Muss ja nicht gleich der Postbote und dann das ganze Dorf wissen, undsoweiter, haha, naja, Sie verstehen schon.)

 

Und jetzt weiß ich auch nicht.

 

 

P.S. Nein, ich habe natürlich kein Foto von dem Sex-toy-Adentskalender-Warenträger gemacht. Hier kennt doch jeder jeden. Was sollen denn die Leute denken. Also, ehrlich.

 

 

 

7 Kommentare

  1. Ich muß so lachen! Auch beim zweiten Mal Durchlesen, ist es ein Knaller. Das haben wir nicht mal hier in Bonn. (Wo neben vielen Kneipen auch eine gewisse Offenheit herrscht. Ahem.)

    Herzliche Grüße (ohne Handschellen) von
    Franziska

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