WMDEDGT.

Der Fünfte des Monats, Tagebuchbloggen, Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, naja, Sie wissen schon. Die Frau Brüllen möchte von uns einen kleinen Abriss eines stinknormalen Tages, also bitte sehr.

So ganz stinknormal ist das natürlich nicht, denn wir sind im Urlaub. Der Hund da oben im Bild fasst das im Prinzip eigentlich schon sehr gut zusammen, was wir hier so tun in den Vogesen, aber Faulenzen wird ja auf die Dauer auch langweilig, weil man nie genau weiß, wann man fertig ist damit, deswegen tun wir also noch anderes. Zumindest zwischendurch.

Auf Gallenkoliken warten zum Beispiel. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ich warte. Mal mit, mal ohne Erfolg. Heute blieb ich verschont, da freut man sich. Keine Bange, sagt der deutsche Arztfreund zu meinen detaillierten Beschreibungen der dramatischen Szenerie am Telefon, da musste durch, is blöd, aber nicht gefährlich. Man wird halt nicht jünger. Nicht mal im Urlaub.

Leider wird man auch nicht satt. Der französische Zwieback gilt zwar unter Connaisseusen als das non-plus-ultra der internationalen Zwieback-Kunst, hat aber noch niemanden jemals wirklich satt gemacht. Also gibt es zum Frühstück erst einen kleinen Zwieback, dann einen großen Hunger. Und dazu einen feinen Kümmel-Fenchel-Tee. Ja, da staunen Sie.

Und weil ungewöhnliche Vorkommnisse in diesem Urlaub offenbar groß im Kommen sind, fahre ich nach dem Frühstück schon wieder Richtung Deutschland, Richtung Saarland. Ein Todesfall im Freundeskreis, da fährt man hin. Ein alter Mann ist da gestorben, ein Vater, Opa, Uropa, das geht in Ordnung, und die Trauerfeier im riesigen Familienkreis ist wunderschön, ich kann es gar nicht anders sagen. Ich finde ja überhaupt Feiern in riesigen Familienkreisen immer ausgesprochen beneidenswert, aus Gründen, aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte. Oder nur ein romantisierendes Vorurteil, das müssen jene entscheiden, die einen riesigen Familienkreis ihr Eigen nennen.

Jedenfalls fahre ich bei strahlender Sonne und milder Luft ein paar Stunden über Land, das Navi lotst mich von einem Dorf ins nächste, über Nationalstraßen und Rue Dingsbums und Avenue Sowieso, das Navi spricht alle diese französischen Namen amerikanisch aus, das ist zuweilen lustig, erfordert vom Fahrer allerdings auch allerlei phonetische Phantasie.

Die Dörfer sind alle sehr hübsch, aber auch sehr ausgestorben, das hat auch wieder einen romantischen Reiz, ist aber vermutlich für die Dagebliebenen nicht der Brüller. Die Szene bei Regenwetter würde man vermutlich trostlos nennen.

In Frankreich scheint das Land noch deutlich strukturschwächer und reizärmer zu sein als im angeblich so strukturschwachen Odenwald, so wirkt es beim Passieren zumindest. Kein Cafe, kein Restaurant, an jeder Ecke Häuser zu verkaufen, Läden zu vermieten, die entsprechenden Schilder sehen so aus, als würden sie schon seit 1870/71 erfolglos nach Käufern oder Mietern rufen.

Und wieder mal ärgere ich mich, dass ich zuwenig Französisch spreche, andernfalls wäre ich auf dem Rückweg von der Beerdigung mal ausgestiegen und hätte irgendjemand angequatscht, ein paar Leute sind immerhin hie und da unterwegs in den Dörfchen.

Meine Französisch-Sprachkenntnisse sind aber in etwa auf dem Niveau eines Kleinkindes, also lasse ich das und fahre weiter über Land, vorbei an riesigen Feldern, über eine lange Birken(!)-Allee, ich tuckere hinter Traktoren und Schulbussen her und bewundere über -zig Kilometer die Rückfront eines dieser merkwürdigen Winzmobile, die hier gerne von Rentnern gefahren werden, Maximalgeschwindigkeit 15 Stundenkilometer. Überholen verboten, ja, gut. Aber ich habe ja Zeit. Ich habe ja Urlaub.

Umme Ecke vom Ferienhaus.

Am Abend bin ich zurück im Ferienhaus, die Hunde bellen und wedeln wie wild, mein Geo freut sich und kocht eine Diät für mich, Kalbsschnitzelchen mit Spargelrisotto oder sowas in der Art. Es schmeckt herrlich und ich lasse sicherheitshalber zwei Drittel der Portion stehen. Nur wer jemals eine Gallenkolik hatte, kann das verstehen.

Dann sitzen wir in diesem fremden und doch schon vertrauten Häuschen bei Kerzenschein in der Küche, wir essen und trinken und reden, dem Anlass angemessen, über das Leben und über den Tod. Und darüber, ob sich gläubige Menschen wohl mit dem Sterben leichter tun als nicht-gläubige. Und darüber, wie man im Jetzt lebt, im Heute, und nicht dauernd im Gestern, im Morgen.

Man sollte das ja überhaupt viel öfter tun: im Heute leben, im Jetzt. Zumindest könnte man ja mal anfangen, es regelmäßig zu üben. Heute. Spätestens morgen.

 

 

 

 

3 Kommentare

  1. Ich habe es durch mein Halswirbelsyndrom lernen müssen. Heute ist ein guter Tag. (Wenn man von den abartigen 24 Grad mal absieht. Lach.)

  2. Da hätte ich einen guten Spruch dazu, nicht von mir sondern von Jonathan Swift:
    Genau genommen leben sehr wenige Menschen in der Gegenwart. Die meisten bereiten sich vor demnächst zu leben.
    Schönen Urlaub noch,
    Martina

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