Schlammschlacht.

Das Wetter war am Ostersonntag in etwa wie befürchtet, es regnete, es goss, es hagelte, es kamen nasse Schneebrocken vom Himmel, zwischendurch lachte sich kurz am Himmel die Sonne schenkelklopfend schief über all jene, die kurzentschlossen einen Spaziergang wagten, um Minuten später doch wieder durchnässt zu werden.

Ich war natürlich auch draussen, ich wurde natürlich auch durchnässt, und das wurde dann ein bisschen frisch, und dann wollte auch ich lieber wieder heim. Da hatte ich aber die Rechnung ohne Petrus und seine irdischen Vollzugsgehilfen gemacht, jedenfalls musste ich zwecks Heimfahrt kurz wenden, ich tat das Richtung eines im Regen versunkenen Ackers, ich machte das wirklich sehr vorsichtig und nur zentimeterweise, ich kenne mich ja inzwischen aus und fahre ohnehin in allen Lebenslagen vorbildlich, – und dann blieb ich im Schlamm stecken.

 

Es ging weder vor noch zurück, ich bin da wirklich halbwegs erfahren, ich habe mich mit allerlei Autos noch aus jeder acht-Meter-hohen Schneewehe herausgekämpft, mir macht man selbst bei Glatteis wenig vor. Aber hier ging nichts mehr. Nichts.

Überall Matsch und Schlamm, die Reifen drehten durch, und ich tat es ihnen irgendwann gleich. Gab dann vermutlich auch zuviel Gas, der Schlamm spritzte, die Reifen drehten mit einer Art Fiep-Ton glitschig auf der Stelle, der Wagen glitschte nach hier und glitschte nach da, aber bloß nicht da hin, wo es Richtung Zuhause ging, und im Kofferraum kläfften wie wild die nassen Hunde. All das mitten in Gottes freier und völlig menschenleerer Natur, logo, is klar.

 

 

Um es kurz zu machen: Irgendwann kam der Forellenmann des Weges, out of the blue, quasi, ihn hatte der Himmel geschickt. Zu zweit konnten wir in Sachen Schlammschlacht wenig ausrichten, aber der Forellenmann erwartete zum Abendessen Gäste in seiner Hütte am See, eine kleine österliche Festgesellschaft sozusagen, die würde helfen und den Karren aus dem Dreck ziehen.

 

Ratlos im Schlamm.

 

 

Ich sah also vor meiner schlammbespritzten Sehhilfe, vorallem aber vor meinem geistigen Auge bereits feingewandete Damen und Herren, die nun also mit eleganten Schühchen und dunklen Hosen auf des Forellenmanns Befehl hin in den knöcheltiefen Schlamm waten sollten, um sich dann von meinen durchdrehenden Reifen komplett einsauen zu lassen. Ich schätze die ländliche Solidarität in Notsituationen ja sehr, aber das hier schien mir doch zu weit zu gehen.

Egal, wie, irgendwann kamen die Gäste in einem Stadtauto den holprigen Feldweg hinunter, sie staunten schon aus dem Fenster auf das verschlammte Auto und die verschlammte Frau und stiegen dann aus. Allesamt – und damit meine ich: allesamt – an den Füßen bekleidet mit professionellen Gummistiefeln. Zwei Herren, eine Dame, ein kleines Mädchen, ein halbwüchsiger Junge. Alle in Gummistiefeln. So sehen wir immer aus, wenn wir bei solchem Wetter hier zum Essen eingeladen sind, sagte einer der Männer, so, als seien Gummistiefel das einzig wahre Outfit für ein Odenwälder Osterabendessen.

Eins!, …Zwei!, …Drei!! Die Herrschaften in den Gummistiefeln schoben mich also mal eben aus der Schlammerei heraus, es war eine Sache von wenigen Minuten, und dann gings zur Schlemmerei an den See. Und ich fuhr dankbar schlammspritzend Richtung heimischem Abendessen und fühlte mich, als käme ich eben von der Siegerehrung eines off-road-Rennens.

 

Dafür liebe ich das Landleben. Ich meine, haben Sie mitten in einer Großstadt schon mal Leute getroffen, die zu einer Abendessenseinladung in Gummistiefeln erscheinen? In Berlin-Wilmersdorf oder Hamburg-Nienstedten oder in der Münchener Isarvorstadt?  Eben. Ich auch nicht.

(Dass es mitten in der Großstadt auch keine Schlamm-Äcker gibt, in denen man versinken kann, ist dann natürlich wieder eine andere Geschichte, das ignorieren wir an dieser Stelle einfach.)

 

 

 

6 Kommentare

  1. Schlamm kann wirklich übel sein.
    Man kann es ja auch kaum glauben, so wie Sie es eben beschrieben haben kennt man sich doch in Schnee und Eis aus, aber bei Schlamm, da geht echt nix mehr.
    Wobei….ich habe das mal auf einem Festival beobachtet, Sie kennen das sicher auch noch, viele Leute, Zelte, Musik, Woodstock für Arme und am Sonntag morgen abreise.
    Gerne auch mit Regen und Schlamm.
    Da hatten die Autos mit Breitreifen, also die sog. „dicken Schlappen“, egal ob noch mit Profil oder die Sparversion, am wenigsten Probleme.

  2. Großartig.

    In unserer ländlichen Kleinstadt Nichtweitvomodenwald hat jeder zweite einen Anhänger und eine Kettensäge. Gummistiefel sind mir bisher nicht aufgefallen. Werde künftig darauf achten. Bis dahin überlege ich, was professionelle Gummistiefel sind.

    Viele Grüße,
    Klaus

    • Die mit Stahlkappen und säurefesten Sohlen wie auch Knöchelschutz.
      Auch ein kleines Detail ist die kleine Kante hinten an der Ferse damit man mit dem anderen Schuh beim Ausziehen besser einhaken kann.
      Dann die Farbe, natürlich Gelb, nur die Metzger tragen weiß.

      • Sooo professionell sind meine nicht. Dafür handgemacht und aus Naturkautschuk. Grün. Ohne Kante hinten, die faule Stadtfrau auf dem Lande nutzt bequemlichkeitshalber einen Stiefelknecht.

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