Zack.

Mein Geo hat ja schon manches erlebt im Leben, und manches gesehen, aber das hier faszinierte ihn nun sehr. Was hat der für riesige Löcher in den Ohren? wisperte er mir an den Hinterkopf, da kann man ja durchgucken! und Wieso macht man das?, nein, also sowas hatte er noch nie gesehen, und im braven Odenwald schon zweimal nicht. Mein Gatte ist manchmal etwas un-up to date, falls Sie verstehen, was ich meine.

Die Tunnel in den Ohren jedenfalls gehören zu einer Facebook-Bekanntschaft, die ich nun endlich mal im wahren Leben kennenlernen wollte, zu einem Herrn, der sogar im Personalausweis unter der Rubrik Künstlername als Zack benannt wird, das klang ja schon mal spannend. Eigentlich heißt der Gute Ralf, aber, mal unter uns, Zack klingt schon irgendwie zackiger und cooler. Und passt auch besser zu dem Outfit und den Löchern in den Ohren.

Zack ist nun außerdem Geopark-Vor-Ort-Begleiter, das ist zwar auch eine sehr coole Sache, klingt aber auf den ersten Eindruck zunächst mal halbwegs spießig und nach pensioniertem Oberlehrer, das alles machte die Sache also umso spannender.

Wir wanderten also drei Stunden lang mit Zack durch den Wald bei Gottersdorf, eine Gruppe überwiegend jüngerer Leute, von uns mal abgesehen, es ging um Bildstöcke und Marienverehrung, um Waldwirtschaft und alte Sagen, es ging um badisch-bayerische Grenzen im Verlauf der Jahrhunderte, um Fischdiebstahl und Grünkern.

Zumindest, soweit wir das verstanden haben, Zack spricht breiten Dialekt, einen wunderbar weichen Singsang, der irgendwo aus dem badisch-bayerischen Grenzland kommt und den man doch eigentlich nur noch den Alten zutrauen würde, da ist viel üüüü und ööö und schschsch, wo unsereiner es niemals vermuten würde.

Viel üüüü und dieses runde weiche ööö kamen also aus dem Zack heraus, und jede Menge Heimatliebe, Heimatverbundenheit, Heimatkunde. Worte, die ich manchmal immer noch in Anführungszeichen schreiben möchte, weil sie mir so schwer von den Lippen gehen. Worte, die ich mit einem Zack auf den ersten Blick nicht in Verbindung bringen würde. Worte, die mich heimlich immer auch ein bisschen neidisch machen.

Worte, die immernoch und immer wieder missbraucht werden von irgendwelchen Brüllaffen und Knallköppen, die nicht einen Bruchteil dessen über ihre Heimat wissen, was ein Zack und all die anderen Geo-Park-Ranger und Vor-Ort-Begleiter liebe-voll und locker aus dem Ärmel schütteln.

Ich ahne, dass ein Zack der Paradiesvogel unter den Fremdenführern ist, den die Tourist-Infos der Region so zu vermitteln haben. Ich ahne auch, dass nicht alle seine alteingesessenen Fremdenführerkollegen nur begeistert von ihm sind, wie der überhaupt rumläuft undsoweiter. Obwohl er doch, – oder vielleicht gerade weil er doch – auch ein jüngeres Publikum anzieht. Das nicht mal unbedingt fremd ist, sondern einfach mehr erfahren möchte über diese Heimat. 

Also, wie dem auch sei. Drei Stunden ging es durch den Wald, was gelernt habe ich auch, das Hündchen fiel zwischendurch in den stinkenden Schelle-See und kam aus eigener Kraft allein nicht mehr heraus, hinterher waren wir beide pitschnass und stinkig, das Hündchen und ich, aber die Laune war bestens, und Zack ist einfach klasse. Sie sollten ihn bei Gelegenheit buchen, wenn er im kommenden Jahr wieder Führungen anbietet.

Das erfahren Sie dann über die Website der Stadt Walldürn oder beim Freilandmuseum Gottersdorf. Da schauen Sie dann nach Ralf Zang, das ist sein ausgesprochen bürgerlicher Name. Am Ende der Führungen geht eine Sammelbüchse rum, da können Sie dann etwas reinwerfen.

Von den Einnahmen geht Zack beim Schwiegervater ein Bierchen zischen. Wenn er nicht, wie heute Nacht, was schaffen muß. Im Eisenwerk. Flüssigen Stahl bewegen, wie er es nennt. Danach morgens die Kinder in die Schule bringen. Und dann erstmal schlafen.

 

 

 

 

6 Kommentare

  1. Walldürn hat schon einige bemerkenswerte Menschen hervor gebracht, man nenne den von mir sehr geschätzten Kabarettisten Rolf Miller wie auch die weltweit bekannte ehemalige Bundestrainerin Silvia Neid !

  2. Das Madonnenländchen also! Als Kind hatte ich noch Heimatkunde ( so hieß das und hat aus mir keine Rechte gemacht ☺️ ), da haben wir jeden Bildstock der Umgebung ins entsprechende Heft gezeichnet. Schön fand ich es & habe deshalb Geschichte studiert.-
    Bei meinen letzten Besuchen habe ich immer wieder festgestellt, dass in der Provinz mehr Freaks herumlaufen als ich in einem Jahr hier zu Gesicht bekomme. Gibt es hier doch größeren Druck, mehr „Mainstream“?
    Eine gute Woche!
    Astrid

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