WMDEDGT.

Ja, ist es denn zu glauben, die Zeit rennt, und mit dem Alter wird das immer schlimmer, naja, Sie wissen schon. Und jetzt ist also schon wieder der Fünfte eines Monats, genauer gesagt der Fünfte im Juli, wenn ich das richtig sehe, also fragt die freundliche Frau Brüllen einmal mehr, was ich heute so gemacht habe. Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt. Tagebuchbloggen nennt man das, und ich bin gern dabei.

Das war heute der stinknormale Tag einer rasenden Reporterin in der vermeintlichen Provinz, also bitte sehr, wenn Sie möchten, begleiten Sie mich einfach. Nach dem ersten Kaffee gehts um 7 Uhr auf die große Hunderunde, durch die Felder und Wälder und raus zum See, Forellen füttern.

Still liegt er da am Waldrand, der See, die Forellen führen sich auf wie junge Hunde, sobald man das Grundstück betritt, sie planschen erst fröhlich in meine Richtung und schwimmen dann eilend neben mir her zur Futterstelle, ich spreche natürlich mit ihnen, und wenn ich ganz leise bin, höre ich sie schmatzen und juchzen und nach dem Futter rufen, es ist eine Wonne. Fast möchte ich jeder einzelnen einen Namen geben, aber letzten Endes sind sie doch schwer zu unterscheiden, 500 planschende Forellen im See, da kann man schon mal durcheinander kommen, also lassen wir das besser mit den Namen.

Außerdem muss ich weiter, ins Büro im kleinen Großen Kreisstädtchen, die Arbeit ruft.

Auf dem radio-logischen Programm steht heute ein Beitrag über eine Frau, die ich gestern kennengelernt habe, sie macht ein Ehrenamt der etwas anderen Art, sie bringt freiwillig und im Namen der Kirche Menschen unter die Erde, mal salopp gesagt. Begräbnisdienstleiterin nennt sich das offiziell, ein Amt, das also auch Laien ausüben dürfen, und neuerdings sogar Frauen, na, wenn das im Odenwald mal gut geht. Aber die Begegnung mit der Frau war herzerfrischend, aus dem geplanten Kurz-Interview-Termin wurde ein angeregtes Gespräch, Fortsetzung folgt hoffentlich. Jetzt also den Beitrag dazu machen, schreiben, sprechen, produzieren und den Kollegen im Funkhaus rüberbeamen.

Dann ein rasanter Themenwechsel. Von der ehrenamtlichen katholischen Begräbnisfrau zum Castortransport an den Neckar, mal rasch eine vermeintliche Gassirunde mit dem Bürohund am Kernkraftwerksgelände Obrigheim gemacht, Bürohund Lieselotte muß ja schließlich ganz plötzlich ganz dringend raus, musst Du doch? nicht wahr, und ich kann nebenher ganz unverfänglich-unschuldig ein paar Fotos von den Absperrungen, den Sichtschutzwänden und dem Transportschiff machen und die aktuelle Lage checken. Das nenne ich mal investigativen Journalismus vom Allerfeinsten, aber hallo. Den Pulitzerpreis werde ich dann mit Frau Lieselotte teilen, ist ja klar.

Nur leider tut sich nicht so wirklich Wegweisendes am Kernkraftwerk, ein leerer Castortransporter wird hin- und hergeschoben, die Schiffe dümpeln im Wasser, also fahren wir zurück ins Büro, für einen neuerlichen Themenwechsel. Jetzt steht die Wallfahrt in Walldürn auf dem Programm, dann Rechtsstaat-Unterricht für Flüchtlinge in Mosbach, und die Meinung der evangelischen Kirchen in der Region zu Afghanistan. Im Schweinsgalopp also  durch die aktuellen Themen der kleinen großen Odenwälder Welt, ein Potpourri des Landlebens. Mein täglich Brot, heute besonders abwechslungsreich.

Dazu ein Schwätzchen am Büro-Fenster mit einer 30köpfigen Gruppe schwäbischer Hausfrauen auf Mosbacher-Altstadt-Besuch, die sich als eingefleischte Fans ihres Heimatsenders outen, sowas hat man immer gerne, denen erzähle ich dann noch ein bisschen was von der Kurpfalz allgemein und radio-logisch, ja, ich bringe da tatsächlich etwas zusammen, ich staune selber immer wieder, aber das habe ich von meinem Chef gelernt.

Der hat mir einst auch beigebracht, wie ich in aggro-Diskussionen über Rundfunkbeiträge und Co argumentieren kann, auch das muss ich heute am Bürofenster noch anwenden. Mein Gegenüber ist aber leider nicht so wirklich einsichtig. Vielleicht sollte ich einfach weniger ans Fenster gehen, das würde Zeit und Nerven sparen.

A propos Zeit: Nu is Feierabend, und wir machen uns auf den Weg nach Hause, Bürohund Lieselotte und ich. Geschafft haben wir genug für heute. Also rein in die Odenwälder rush-hour.

Über Kilometer fährt vor mir ein Auto, Feierabendverkehr auf dem Lande, der Verkehrsinfarkt ist nicht mehr fern, ich ahne das. Und ich ahne, dass ich vor dem Fotografieren während der Fahrt vielleicht mal meine Windschutzscheibe putzen sollte, aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.

28 Grad zeigt das Thermometer immernoch, selbst hier oben im Hohen Odenwald, in Badisch-Sibirien. Jetzt ein Kaffee auf der Terrasse, später noch ein bisschen Gartenarbeit, dann nochmal an den See, Forellen füttern. Ich bin da ja derzeit für Heranwachsende zuständig, immerfort haben sie Hunger, sie fressen einem die Haare vom Kopf, bis sie eines Tages dick und rund sind und gebraten und gegrillt werden. Wenn Sie Kinder haben, werden Sie wissen, was ich meine. Also zumindest im ersten Teil des Satzes.

 

 

 

 

 

 

 

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