şaşırtıcı

Die Bewohner unserer schönen Gemeinde haben sich ja inzwischen daran gewöhnt, dass der zuständige Polizeiposten mit Sitz im klitzekleinen Nachbardorf seit Jahren unverputzt in der Gegend herumsteht. Das ist zwar ein etwas un-schöner Anblick und mag auf finanzielle Engpässe hier und da hinweisen, zeigt aber andererseits einmal mehr, dass die Ordnungshüter und Verbrecherjäger in Baden-Württemberg eben mehr um inhaltliche Arbeit bemüht sind als um schnöden Tand und äußerliche Eitelkeit.

Polizeipräsidium Limbach-Wagenschwend. Oder so.

Immerhin wird der ansonsten etwas trostlos anmutende Gebäudekomplex derzeit farblich belebt, mit einer schicken Fahne an der Fassade. Das ist insofern ein echter Hingucker, weil man derlei Fahnen hier sonst eher selten sieht, um es mal vorsichtig zu formulieren. Aber irgendwer hat sich da Gedanken gemacht. Wir wissen leider nur noch nicht, wer genau das war.

War das vielleicht der baden-württembergische Innenminister? Denen traut man ja so manches zu. Waren es die diensthabenden Beamten selber, des grauen Büroalltags müde? Der Arbeitskreis Ausländer bei der Polizei? Schlicht ein Farbenfetischist? Oder gar ein türkisches Untergrundkommando, das vom komplett unverdächtigen nordbadischen Limbach-Wagenschwend aus unauffällig die Weltherrschaft an sich reißen will?

Es ist und bleibt ganz rätselhaft. Oder şaşırtıcı, wie der Türke sagen würde. Wir bleiben dran. Sachdienliche Hinweise richten Sie bitte an uns oder an den Polizeiposten Limbach, Besuchszeiten Montags bis Freitags 8 bis 17 Uhr oder so ähnlich.

 

 

Update 14 Uhr 55: Die Fahne ist inzwischen offenbar von einem Mitbürger heruntergeruppt entfernt worden. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Und nun sage noch einer, auf dem Land sei nichts los.

 

2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Kroitzsch,

    hier in Wagenschwend sind wir Bewohner mit Sicherheit unterschiedlicher zu betrachten als irgendwelche Großstädter bspw. aus Berlin.

    Und uns zeigt es wieder einmal, dass es vermeintlich wichtige rasende Reporter gibt, die wohl auf vieles achten, allerdings nicht auf Hintergrundwissen, so wie Sie es in Ihrem Blog hier oben beweisen.

    Sie wissen weder um die Umstände, weshalb das Gebäude noch nicht verputzt wurde, noch wissen Sie überhaupt nichts hinsichtlich der Mieter, die im Obergeschoss wohnen.
    Stattdessen verunglimpfen Sie lieber mit Ihrem unangemessenen Sarkasmus uns als Eigentümer sowie die türkische Familie, die in diesem Gebäude wohnt.

    Ich kann Ihnen gerne den Umstand der türkischen Flagge erklären:

    Es handelte sich schlicht und ergreifend um den 1. Geburtstag der Tochter von der Familie Aydogmus, welcher bei uns im Hof sehr angenehm in deutsch-türkischem Kreis gefeiert wurde.
    Damit die aus dem weiteren Umfeld stammenden Familienangehörigen gleich wissen, wo gefeiert wird, hat sich Herr Aydogmus dazu entschlossen eine türkische Fahne auszuhängen.
    Diese Flagge wurde dann offensichtlich entwendet.

    Frau Kroitzsch, ich finde es sehr schade, dass Sie unsere Familie als Eigentümer des Gebäudes sowie die Familie Aydogmus mit Ihrem, in meinen Augen arroganten Sarkasmus in Wagenschwend und Umgebung verunglimpfen.

    Was passiert ist, ist passiert und lässt sich auch nicht mehr rückgängig machen aber vielleicht sollten Sie sich bei Ihren Recherchen etwas mehr anstrengen und Ihren Sarkasmus bremsen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Heiko & Vera Bissinger sowie im Namen der Familie Aydogmus

    • Na, da stehe ich jetzt wohl metertief im Fettnapf, liebe Familien Bissinger und Aydogmus. Ich bin tatsächlich seit jeher davon ausgegangen, dass das Gebäude der Polizei gehört, weil ich hier nicht als rasende Reporterin recherchiere und schreibe, sondern als stinknormale Zugereiste, die ihre ganz subjektiven Eindrücke schildert. Mal sind die richtig, mal falsch. Hier lag ich mit den Besitzverhältnissen des Hauses falsch und fand dabei, dass an einem öffentlichen Gebäude eine türkische/syrische/amerikanische/französische Flagge doch tatsächlich ein Hingucker sei, noch dazu auf diesen Dörfern hier, in denen es ja noch nicht immer so ganz und gar durchgehend üblich ist, sich …naja, wie soll ich sagen… anderen Kulturen zu öffnen.

      Für mich als gebürtige Berlinerin ist so ein Anblick nicht nur völlig normal, sondern auch noch herzerfrischend (nicht zuletzt, weil ich einen großartigen türkischen Neffen und inzwischen eine noch großartigere türkische Großnichte habe), umso mehr wollte ich diese kleine Begebenheit hier mit einer gewissen augenzwinkernden Ironie berichten. Das ist mir offenbar nicht gelungen. Dass dann auch noch jemand hergeht und die Fahne runterreißt, das spricht ja nun leider fast wieder Bände – tja, was soll ich dazu sagen. Es wäre fast wieder einen eigenen Blogbeitrag wert, aber dann würde ich wohl tatsächlich sarkastisch, den Herunterreißern (den tatsächlichen und denen im Geiste) gegenüber. Seis drum.
      Da es sich nun also offenbar nicht um eine polizei-eigenes, sondern um ein Privathaus handelt, geht mich gar nichts an, was Sie mit dem machen, Putz oder nicht-Putz, das ist mir alles wurst. Zumal ich selber in einem zwar verputzen Haus wohne, das aber seinerseits mit Fug und Recht ansonsten als das hässlichste Gebäude zwischen Buchen und Mosbach bezeichnet werden darf.

      Langer Rede kurzer Sinn: Ich freue mich über jeden neuen Bewohner hier auf unseren Dörfern, und über jeden neuen Farbtupfer, und sei es in Form von irgendwelchen Fahnen. Wir brauchen das. Ich hoffe, dass sich die Familie hier wohlfühlt und in der Dorfgemeinschaft ankommt. Wenn sich irgendwann mal wieder irgendwer in den Weg stellen muß, weil irgendwer anders eine Fahne herunterreißen will, die ihm nicht passt, dann werde ich das sein, das können Sie glauben. An meiner Ironie werde ich offenbar noch feilen müssen. Und wenn Sie mögen, und wir das Mißverständnis noch mal face to face ausräumen sollten, kommen Sie gerne alle zusammen mal auf einen Kaffee ins Nachbardorf.

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