Kalaueralarm.

11. Januar 2017

Ich war mir einige Zeit unsicher, ob und wie ich Ihnen das beibringen soll, ob ich überhaupt darüber sprechen oder es lieber verschweigen sollte, manche Dinge behält man ja doch lieber für sich. Vor allem, wenn die Gefahr besteht, dass akademisch gebildete Großstädter aus den Kulturmetropolen dieses Landes mitlesen. Ich habe keine Ahnung, ob das so ist, aber zu befürchten ist es allemal. Aber nun habe ich mich doch entschieden, die Wahrheit zu sagen, nichts als die reine Wahrheit. Kurz und schmerzlos. Also bitte:

Ich war im Bauerntheater.

Und, um noch eins draufzusetzen: Ich fand es herrlich.

Der Saal im Nachbardorf gerammelt voll, die in der ersten Reihe saßen halb schon auf der Bühne, die Luft zum Schneiden, ein tobendes Publikum, freudiges Gebrüll, Gelächter und Geschrei. Ein Haufen hochgradig vergnügter Menschen, die über mehr als zwei Stunden einen Heidenspass hatten, das gibt es leider ja nicht alle Tage. Und icke also mittendrin. Der Einzige, der nicht so recht folgen konnte oder wollte, allein schon wegen der Sprachbarrieren, war der Herr neben mir, da reiht sich ja doch Kalauer an Kalauer, sagte er zwischendurch mit halb amüsierter, halb pikierter Miene zu mir rüber. Während ich mich bog vor Lachen.

Jaja, Macbeth an der Berliner Schaubühne ist anders, ich weiß das allzu gut, Minetti undsoweiter, aber mal ehrlich: wenn sich beim Theater im Nachbardorf nicht Kalauer an Kalauer gereiht hätte, dann hätte ich mein Eintrittsgeld zurückverlangt, das kann ich Ihnen aber sagen. Dazu die Begeisterung auf und vor der Bühne, das in vielen Stunden selbstgebaute Bühnenbild, die Bewirtung vom Musikverein in der Pause, jeder kannte jeden, alles lachte, alles scherzte, nein, es war alles wirklich herrlich.

Eine Art Sonderurlaub fürs Gehirn, eine zweistündige Blitzkur für die Hypophyse und das ganze Drum und Dran, eine Mischung aus Lachtherapie und Schüttelyoga, ich ging heraus aus dem Theater wie aus einer Autowaschanlage, durchgerüttelt, vom mentalen Alltagsdreck befreit und durchgespült bis in den letzten Winkel. Und mit Bauchschmerzen vor lauter Lachen. Ich erinnere mich nicht, wann ich das zum letzten Mal erlebt habe.

Und das allerbeste: Neunzig Prozent der Kalauer habe ich trotz Sprachbarrieren, siehe oben, tatsächlich auch verstanden, manchmal habe ich sogar als erste im Saal laut losgeprustet, ja, da staunen Sie. Das wäre doch gelacht, wenn das mit der Integration nicht irgendwann noch klappen würde, also bitte.

Ich kann das also nur empfehlen, wenn Sie mal wieder genug haben von den Fernsehnachrichten und von der Weltenlage. Gehen Sie in ein gutes Bauerntheater und schmeißen Sie sich weg vor Lachen. Zumindest, wenn Sie auf dem Lande leben, dürfte das ja machbar sein.

Wenn Sie vielleicht sogar hier in der Gegend wohnen: es gab schon ein paar Zusatzaufführungen, von wegen des Erfolgs und so, und für eine Zusatzzusatzzusatzaufführung gibt es grad noch Karten, am kommenden Sonntag, 15. Januar,  um 14 Uhr wird nochmal aufgeführt in Wagenschwend im Dorfgemeinschaftshaus, Karten können Sie bei dem freundlichen Herrn Schäfer und seiner Frau bestellen unter 06274-95 002.

 

 

 

 

 

  • 4 Kommentare
  • Rosi 11. Januar 2017
    Antworten

    na dann hast du ja wirkliche einen vergnüglichen Abend gehabt
    das muss auch mal sein..
    leichte Kost fürs Gehirn und die Lachmuskeln trainiert..
    was will man oder frau mehr..

    liebe Grüße
    Rosi

  • Astridka 11. Januar 2017
    Antworten

    Ich stelle fest: Der Herd mit Ofenrohr, Wäschetrockner und diesem Emaildings ist immer noch beim Bühnenbild aktuell wie seinerzeit…
    GLG
    Astrid

  • Linda 12. Januar 2017
    Antworten

    Bauerntheater sind die besten Theater. Zumindest hab ich hier noch keinen Schlafen sehen.
    (Ganz im Gegensatz zu anderen Theatern!)

    Liebe Grüße,
    Linda

    PS: Bei einer Sprachbarriere findet sich sicherlich jemand im Dorf, der gewillt ist, einem den Dialekt in Reinform beizubringen.
    Andererseits bringen Sprachbarrieren auch schöne Geschichten hervor, wie zum Beispiel die einer Kollegin aus Dresden, die bei uns im tiefsten Hegau gelandet ist und ein an der Wand gepinnten Zettel sah, auf welchem in wunderbarem Dialekt ein Spruch geschrieben stand. Sie ging zu einer anderen Kollegin, die aus Frankreich stammt, und meinte zu ihr: ‚Du, kannst du mir das mal übersetzen? Weißt du, ich spreche kein Französisch.‘

  • asty 12. Januar 2017
    Antworten

    nein, also BauernTheater ist nichts für mich. Ich habe in unserem Dorf etwa 2 mal zugeschaut (vielleicht auch aus Integrationsgründen) und es war mir einfach zu viel, zu albern, zu platt. Vielleicht muss man vorher erst noch in die Dorfkneipe, um da den ganzen Abend mitlachen zu können. Ich weiss nicht.

    Aber schön, dass es Ihnen gefallen hat. :-)

    Liebe Grüsse
    asty

  • Antworten

Vorheriger Artikel Ortstermin.
Nächster Artikel 12 von 12.