In Fels gebaut.

Wir hatten es hier ja schon manchmal von der guten alten Zeit auf dem Lande, die bei näherer Betrachtung so gut gar nicht war. Ich hätte da nochmal ein hübsches Beispiel für Sie, diesmal urlaubsbedingt aus den Vogesen, genauer gesagt aus Grauphtal oder Graufthal, das liegt ziemlich am Ende der Welt, und wir haben es mehr oder weniger durch Zufall entdeckt.

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Wenn Sie auf dieses Bild klicken, werden Sie zu einem Fotoalbum bei facebook weitergeleitet, das Sie auch anschauen können, wenn Sie nicht bei facebook Mitglied sind, wir wollen hier ja niemanden ausgrenzen. Waren aber zu faul, alle Bilder nocheinmal durchs französische Wlan zu jagen.

In Grauphthal gibt es eine kleine Handvoll winziger Felsenhäuser, hineingebaut in den dunkelroten Buntsandstein, das sieht irgendwie wild-romantisch aus auf den ersten Blick, da haben die Menschen wie in Höhlen gelebt, aber wir sprechen hier nicht von französischen Neandertalern oder vom Mittelalter. Wir sprechen von Männern und Frauen, die hier im Fels bis 1958 wohnten. Sie können an dieser Stelle mal darüber nachdenken, wie Sie oder Ihre Eltern und Großeltern 1958 gewohnt haben, so bekommt man die Relationen manchmal etwas besser in den Griff.

Die Höhlen im Fels dienten einst als Lagerraum für das Kloster im Dorf, aber irgendwann zogen auch Menschen hier ein. Es war ihnen schlichtweg zu blöd, dass regelmäßig das Tal überschwemmt und damit ihr Haus unter Wasser gesetzt wurde. Sie kennen das ja vielleicht selber, wenn Sie an entsprechenden Orten leben und zuletzt die Sturzflut-Unwetter im Frühjahr erlebt haben. Jedenfalls zogen einige also da oben in den Felsen, da war es zwar dauerfeucht, und in der Küche wuchsen die Farne aus der Wand, aber die Ausrichtung nach Süden sorgte dafür, dass die gute Stube hin und wieder warm und halbwegs trocken wurde, und hier oben war man vor Hochwasser dann doch sehr sicher.

So hackten die Männer und Frauen sich ein bisschen Behaglichkeit aus dem Felsen, Stück für Stück, und wenn mehr Platz gebraucht wurde, oder ein Kinderzimmer her musste, griff Vati wieder zu der Hacke, und hack-hack, zack-zack ging der Aus- und Umbau. Und Geld gespart hatte man auch noch, denn weder war ein Fundament nötig, noch Decken- oder Holzarbeiten, hier und da ein paar Bretter vielleicht, fertig ist die Laube. Für Hobby-Bastler und Häuslebauer eigentlich ein Paradies, immer ist etwas zu tun, nie wird man fertig, aber das ist nun vielleicht doch eine etwas romantisierende Sicht der Dinge.

1958 ist die letzte Bewohnerin hier ausgezogen, das ist eine Zahl, die man sich, siehe oben, mal auf der Zunge zergehen lassen muss. Ihre Wohnung war wohl die modernste von allen, Sie können das auf den Fotos im Album erkennen. Und dann nochmal drüber nachdenken, wenn Ihre Heizung vorübergehend mal nicht funktioniert oder ihr Induktionskochfeld mal spinnt.

Naja, Sie wissen schon.

 

 

 

 

Wenn Sie da mal unterwegs sind: hier gibts ein paar Infos zu Graufthal. Und hier auch, allerdings zunächst auf Französisch. Ich kann das ja nicht, aber Sie vielleicht. Die Felsenhäuser gelten als ziemlich einmalig in Europa und stehen inzwischen unter Denkmalschutz, ich kann Ihnen einen Abstecher dorthin also wirklich empfehlen.

 

 

10 Kommentare

  1. Danke für den Tipp – für solche Geschichte kann ich mich erwärmen.
    Ich hab auch gehört, dass es irgendwo auf der Welt (Ortsnamen sind Schall und Rauch für mich) Menschen gibt, die immernoch so ‚hausen‘. Beeindruckend und doch auf das Wesentliche reduziert.

    Danke auch für die schönen Fotos.

    Liebe Grüße,
    Linda

    • So ein Tagelöhnerhaus gibt es auch im Odenwälder Freilandmuseum, ganz gräßlich, wenn man mal die rosarote Brille absetzt und das nüchtern betrachtet. Danke für den Link!

  2. Pingback: Woanders – Mit Felsen, Trolen, Podcasts und anderem |

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