Offener Brief.

28. Januar 2016

Ihr Lieben, es wird Zeit für ein paar klare Worte. Wir haben lange geschwiegen, aber es gibt Dinge, die nun auch mal in aller Deutlichkeit ausgesprochen werden müssen.

Wir tun wirklich alles für Euch. Putzen, waschen, kochen. Wir kämpfen uns bei Eis und Schnee und Sturm und Regen rüber zu Euch, um nach dem rechten zu sehen, um Euch kühle Getränke und gutes Essen zu bringen, um zu schauen, ob Ihr es auch warm genug habt. Wir schaufeln den Schnee auf Eurem Grundstück, damit Ihr nicht ins Rutschen kommt, wir klopfen die Eiszapfen von den Fenstern und schmieren Euch bei Bedarf die Kämme ein, damit sie nicht erfrieren.

Wir schütten Vitamine ins Trinkwasser und kochen Kamillentee, damit es an nichts fehle. Wir schleppen teure Körnerfuttersäcke vom Raiffeisenmarkt heran, wir häckseln Brennesseln und Rote Beete, Äpfel, Knoblauch und Salat, stundenlang, jeden Abend, den Gott werden läßt, weil Euch das angeblich ja schmeckt.

Wir sprechen mit Euch und wir hören Euch zu, auch wenn uns das Gegacker manchmal auf die Nerven geht.

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Und was macht Ihr?

Nichts. Gar nichts. Kein Ei. Kein einziges. Seit Monaten nicht mehr. Ich möchte hier nicht ausführen, wieviel Zeit und Geld wir investieren, seit Monaten, ohne eine einzige winzige eiförmige Gegenleistung dafür zu bekommen.

Der Deal war ein anderer.

Ihr lieben Hühner, wenn Ihr nicht endlich wieder mal ein Ei legt, ein einziges nur, dann machen wir es wie Freund Karlheinz aus der Nachbarschaft: Wir schlachten Euch. Ratzfatz. Vor lauter Zorn über dieses Miß-Verhältnis. Kosten-Nutzen-Analyse undsoweiter. Ja, da guckt Ihr.

Wir haben ja schon heimlich Eier zukaufen müssen, beim Biomann, für teuer Geld. Haben Sie nicht erzählt, Sie hätten selber Hühner?, hat der noch ganz scheinheilig gefragt und dumm gegrinst.

 

Ich meine: Hallo? Gehts noch?

 

 

 

 

  • 18 Kommentare
  • Peer van Daalen 28. Januar 2016
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    Das kenn´ ich! Habt Ihr mal beobachtet wo das liebe Federvieh sich tagsüber so überall herumtreibt? Büsche, Hecken, Erdhöhlen und sogar AUF! Bäumen?

    Unsere haben manchmal wochenlang die Eier in die dichtesten und übelsten Brennesel-Büsche direkt in die Einflugschneise von Erdwespen gelegt. Oder unter dem Boden des Stalls oder der Geräteschuppen und so Scherze …

    Und stimmt! Ein kleines öffentliches Autodafé mit dem Köpfbeil ganz früh am Morgen direkt an den Futterschalen sorgt für eine längere Zeit für klare interaktive „Geschäfts-Strukturen“.

    • LandLebenBlog 28. Januar 2016
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      Sag es bitte niemanden: wir sind bereits x-mal auf allen vieren, wahlweise bäuchlings, durchs Gehege gekrochen und haben gesucht. In allzu enge potentielle Verstecke haben wir kleinwüchsige Kinder geschickt. Und?? Nichts.Über das Autodafe denke ich nach.

  • Matthias Eberling 28. Januar 2016
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    Ich beobachte von meinem Schreib-Tisch aus ein ebenso unheimliches Phänomen: Das Futter im Vogelhäuschen bleibt dieses Jahr praktisch unangetastet. Ich will dich ja nicht beunruhigen – aber meiner Meinung nach haben die Vögel „irgend“etwas vor (bitte jetzt eine Hitchcock-Film-Melodie pfeifen).

    • LandLebenBlog 28. Januar 2016
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      Ich ahne soetwas schon länger.

  • Howe trang 28. Januar 2016
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    Deine Hühner sind unglücklich….deshalb legen Sie nix! Mach sie glücklich…überrasch sie…Theater Kino leckeres Abendessen… Irgendwas halt!!! Dann klappts auch mit dem legen. PS: vielleicht vermissen sie die Stadt???

    • LandLebenBlog 28. Januar 2016
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      Papperlapapp! Das sind die glücklichsten Hühner der Welt, gefälligst!

      • Horst 28. Januar 2016
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        Hey da kommt ihr Städter aufs Land…und dann funzt das nun gar nicht so wie ihr euch das vorgestellt habt und wies in den Büchern stand…waaaas…die legen keine Eier? Nicht pünktlich wie die s-Bahn? Na dann Rübe ab! Meeeensch…bissl Respekt vor der Natur..vor deren Eigenprozessen…es ist halt nicht alles auf der Welt so wie man sich das in SO36 vorstellt…

    • Peer van Daalen 28. Januar 2016
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      Lecker Essen? So was in der Art?

      Kommt immer gut!

  • Roswitha 28. Januar 2016
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    Unsere Hühner hatten sogar einige Stunden Licht im Winter, um die Eierproduktion anzukurbeln. Aber es fand sich kaum ein Ei!
    Dann mussten wir umziehen und den Stall abbauen, und den Ziegenstall räumen, Stroh wegbringen – überall fanden wir versteckte, wunderbare Nester mit Eiern, deren Alter wir nicht kannten.
    Die hatten gewonnen, totaler Boykott! Oder einfach Unkenntnis der Hühnerpsyche.

    • LandLebenBlog 28. Januar 2016
      Antworten

      Unsere Hühner würden soetwas nie tun, siehe oben. Oder wir haben die Verstecke nur noch immer nicht entdeckt.

  • Eva 28. Januar 2016
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    Hm,
    vielleicht müsst ihr einfach so ein Verhältnis zu Hühnern entwickeln wie wir zu unserer Katze…..die ist auch recht unproduktiv.
    Aber ich kenne jetzt auch nicht so viele Gericht mit Katzenfleisch, mit denen man drohen könnte!
    Vielleicht wird´s im Frühling besser? Oder wie lange dauert der Winter noch im Odenwald?
    Viele Grüße,
    Eva

  • Manuela 28. Januar 2016
    Antworten

    Mann tut das gut, ich hatte einen so Sch………Elternabend mit lauter Hühnern und überzwerchen Hähnen, da ist laut lachen jetzt genau das Richtige.
    Wie ich lese, habt ihr sehr viel investiert an Betreuung, gutes Fressen und Seelenpflege.
    Das gibt eine so gute Hühnersuppe, das wage ich mir kaum vorzustellen – wie die schmeckt.
    Oberlecker! Ich würde zu Taten schreiten…….

    • LandLebenBlog 31. Januar 2016
      Antworten

      Ich trau mich noch nicht.

  • saxana 29. Januar 2016
    Antworten

    Ich dachte, die Hühner würden im Winter nicht so eifrig legen, wie sonst. Jedenfalls sagte mir das eine Bäuerin von hier. Wartet halt noch ein bisschen mit dem Kopf-Ab Projekt. Es wird schon wieder werden!

  • swig – filz felt feutre 30. Januar 2016
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    Ich bin gerade vorhin im Bioladen am (ziemlich leeren) Eierregal auf einen Entschuldigungszettel gestoßen, der erklärte, dass die Hühner der Zulieferer derzeit nicht genügend Eier legten, was auf den heißen und trockenen Sommer zurückzuführen sei. Nicht, dass ich Eure Luxushennen mit armen wenn auch bio Eierproduzentinnen vergleichen würde, aber wer weiß, vielleicht können sie wirklich alle momentan nicht? Oder es handelt sich um einen länderübergreifenden Legestreik (wahrscheinlich vom französischen Geflügel angezettelt)…
    Beste Grüße aus der Grossstadt.

    • LandLebenBlog 31. Januar 2016
      Antworten

      Oha, das beruhigt mich doch schon mal!

  • Regina 31. Januar 2016
    Antworten

    Also die Franzosen sind unschuldig, unsere Hühner haben die Eierproduktion seit Mitte Januar wieder aufgenommen. Allerdings sind die Temperaturen bei uns wohl auch deutlich angenehmer, sie haben nachmittags meist Sonne und freuen sich an blühenden Narzissen und Gänseblümchen. Von letzteren fressen sie gerne die Blüten, vielleicht fehlt das noch bei Ihnen im kalten Odenwald ?
    (Heute haben wir allerdings auch nur 11 Grad und Nieselregen, nur kein zu grosser Neid :))

  • meertau 31. Januar 2016
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    ich dachte eh, dass nur Wollmilchsäue Eier legen :-)

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