Must-haves.

18. August 2015

Es gibt Dinge, von denen wusste ich damals, als ich noch in der Großstadt lebte, nicht einmal, daß sie existieren. Geschweige denn, wofür man sie verwenden sollte. Dinge, ohne die ein Überleben auf dem Lande aber schlechterdings unmöglich ist.

Heute: Schneckenkorn.

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Ja, ich kannte Molle mit Korn, logo, tranken alle Laubenpieper in Berlin nach Sonnenuntergang, aber Schneckenkorn, das hatte ich noch nie gehört. Inzwischen wollen wir das nicht mehr missen, man lebt, man lernt. Klar, ich höre schon den kollektiven Aufschrei, und ich hätte vor Jahren auch noch mitgeschrieen. Schneckenkorn ist pfui. Aber Schnecken sind noch pfuier, glauben Sie mir.

Die Landfrau sät und zupft und gießt und harkt, und kaum haben die ersten grünen Spitzen das Licht der Welt erblickt, kaum entwinden sie sich Mutter Erdes Schoß und durchbrechen die fruchtbare Krume, kommen diese widerwärtigen Drecksviecher angekrochen, diese schleimigen gräßlichen Wesen, und fressen alles kaputt.

Eben.

Wir haben es am Anfang ohne versucht, ehrlich, das müssen Sie uns glauben. Die kleinen Schleimer eingesammelt und ihnen gut zugeredet. Oooooommmm, naja, Sie wissen schon. Sie irgendwann mit Salz bestreut. Tonnenweise Salz haben wir so verbraucht, das war auch ökologisch nicht vertretbar. Dann ging mein Geo dazu über, sie mit einer Küchenschere zu zerschneiden, das wiederum behagte mir nicht, weil es den Ekelfaktor potenzierte. Schließlich kaufte mein Geo Schneckenkorn beim Bingenheimer, die Kenner unter Ihnen wissen da bescheid, anthroposophisch, undsoweiter. Die Schnecken lachten sich halb tot, aber eben leider nur halb, nicht ganz.

Als sie schließlich nicht nur zerstörerisch im Gemüsegarten wüteten, sondern auch an der Hauswand schleimspurziehend in die Höhe krochen und uns durch das inzwischen schon verschleimte Küchenfenster zuwinkten, war schluß mit lustig. Die Entscheidung war gefallen, ganz unantroposophisch.

Und wenn Sie jetzt auf Ihrer großstädtischen Couch sitzen und fragen ja, wie kann man nur, dann lade ich Sie herzlich ein: verbringen Sie mal einen Sommer in unserem Gemüsegarten, ohne Schneckenkorn. Lauschen Sie dem Schmatzen und dem Kichern der Nacktschnecken, wenn sie ihre nächtlichen Schleimbahnen ziehen zwischen jungem Salat, Wirsingkohl und Erbsen, betrachten Sie morgens die traurigen grünen Fetzen, die übriggeblieben sind und sehen Sie dann zu, wie Sie satt werden wollen.

Eben.

 

 

 

 

 

 

  • 8 Kommentare
  • Peer van Daalen 18. August 2015
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    Schneckenkorn? Haben wir auch mal probiert. Ist auf die Jahre gerechnet viel zu teuer. Oder?
    Schon mal von Kupferband-Barrieren gehört?

    Bei Kontakt mit dem Schneckenschleim und dem Kupfer kommt es zu einem für die Schnecken sehr unangenehmen Oxidations-Prozess .

    Wirkt gleich zu Beginn ganz gut und wird bei fortschreitender Oxidierung des Kupfers immer besser. Also nicht gleich verzagen …

    Viel Erfolg PvD

  • waswegmuss 18. August 2015
    Antworten

    Und dann noch das Gute. Brav. Dieses sogenannte „Bio“ taugt meines Erachtens nur für den direkten Beschuss mit der Zwille.

    Und jetzt noch ein geldwerter Tipp: Du musst das erst Mal im Februar streuen. Es hat im Februar meist ein paar verhältnismäßig „warme“ Tage. Mangels tauglichem Grünzeugs werden die blauen Körnchen gerne genommen. Außerdem kommt dann kommt die Molluske zu ersten Mal zur Paarung und Eiablage. Will sagen: Du hast dann diese Biester für den Rest des Jahres um gefühlte 80% reduziert.

  • Astridka 18. August 2015
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    Von der großstädtischen Couch kommt nur Zustimmung! Die Erfahrungen und Praktiken waren nahezu identisch, nur statt Salz gab es hier Bier. Das hat sich im Carré sehr schnell herumgesprochen: Bei K’s ist Party, so dass wir bei einem Kasten Bier pro Woche dann die Reißleine gezogen haben. Inzwischen ist auch der Gemüseanbau eingestellt, den solche Ernten ( wie eure der Möhren ), ernährt den Städter auch nicht, nicht mal wenn er auf Diät gesetzt ist.
    Den Tipp von „Waswegmuss“ werde ich fürs nächste Jahr beherzigen. Schließlich habe ich noch eine Hosta – Sammlung…
    Liebe Grüße
    Astrid

  • Ekke 18. August 2015
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    Halt, halt, halt – nur kein Schneckenkorn!!! Nicht wegen der Schnecken, die haben es verdient, aber deine Hunde – das Zeug schmeckt süß und wenn die Hunde es fressen krepieren sie elendiglich! Bei Bekannten sind gleich zwei Aussies dran gestorben, also mach irgendwas, aber kein Korn!

    Gruß, ekke&consorten

    • waswegmuss 18. August 2015
      Antworten

      Weil ich wusste, dass dieser – zu Teil gerechtfertigte – Einwand kommt folgt nun eine längere Abwandlung nebst Rant.

      Ja, es ist wahr dass Medaldehyd(Wirkstoff) für Säuger eine letale Wirkung haben kann.
      Das liegt dann aber an der Anwendung oder besser beim Anwender!!!!
      Die Aufwandmenge liegt bei ca. 60 Gramm SK pro 100m². Das heißt so ca. 50 Korn auf einem m² – locker gestreut*. Da geht kein Hund dran. Sind sie viel zu faul dafür die Dinger einzeln aufzulecken.
      Wie kommt es nun zu diesen Unfällen aus Unbildung?
      Das SK hat eine starke Lockwirkung auf Schnecken. Deshalb wird es auch so lose ausgebracht. Die Mollusken sind verwirrt und nehmen das nächstbeste Korn auf. Das reicht.
      Nun gibt es aber so Spezialisten, die meinen etwas besonders Gutes zu tun indem sie Häufchen zwischen die Salatköpfe legen – oder gar noch doller ganze Linien legen. In Industrie hat sogar so Döschen entwickelt. Derartiges Vorgehen hat auf die Schnecken eine Wirkung wie ein Angebot für Kinderkleidung beim Aldi auf Mütter ;-)
      Es ist verständlich, dass sowas ein echtes Angebot für einen Flohbutz ist. Schließlich enthält das Zeug Kleie als Bindemittel. Dann braucht die Töle kein Gras zu fressen.

      Das wird Ihnen jeder, der sachkundig*² ist, sagen können. Er muss es sogar. Diese Sachkunde muss nachgewiesen werden und es ist alle drei Jahre eine Fortbildung vorgeschrieben. Die Packungsgröße ist für den Hobbygärtner auf ein Kilogramm begrenzt. Völlig unverständlich ist, dass jeder Hundevergifter bei Ebay, Amazon und sonstigen zwielichtigen Vertriebsformen jede mögliche Packungsgröße, 10 Kilogramm sind hier keine Seltenheit, von allen möglichen Pflanzenschutzmitteln deren Einsatz dem Profi überlassen sein müsste, per Mausklick erwerben kann. (Ob diese Sachen dann überhaupt mit der Post verschickt werden dürfen steht auf einem anderen Blatt)
      Das wäre übrigens mal ein Aufregerthema für die einschlägig bekannten Fernsehsendungen im ÖR.

      *Einfach einen Quatratmeter markieren und 0,6 Gramm Schneckenkorn darauf ausstreuen. Ein Erweckungserlebnis.

      *²http://www.lfl.bayern.de/ips/recht/054922/

  • ekke 18. August 2015
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    hallo waswegmuss,
    sie mögen sachverständig für wasweissichnicht sein, aber von Hunden und ihrem Fressverhalten haben sie offensichtlich keine Ahnung.
    Machen sie mit einem einigermaßen fressgierigem Hund mal den Versuch: verstecken sie mal auf x-Quadratmetern im Haus ein paar Keksbrösel oder klitzekleine Käsewürfel, meine brauchen zum verputzen der Leckerei unter 2 Minuten…

    Noch was: Flohbutz und Töle hört ein Hund auch nicht gern

    • waswegmuss 18. August 2015
      Antworten

      Wir hatten früher immer Schnauzer(Zwerg- oder Mittel für Muttern) und altdeutsche Schäferhunde oder Strobel im Team. Die Großen hießen immer Bello und gingen auf Handzeichen. (Das den Hunden zu beizubringen ist sehr einfach. Man muss nur den Spieltrieb ausnutzen und Geduld haben). In der Stadt sind solche Hunde nicht zu halten. Das wäre verantwortungslos.
      Ich habe einmal einen Bello durch Rattengift verloren. Das war meine Schuld weil ich vergessen hatte die Schachtel wegzuschließen. Sonst sind die Bellos immer zwischen 10 und 12 Jahren, die Schnauzer zwischen 14 und 16 Jahren alt geworden.

      Nun nochmal zum Schneckenkorn. Bei korrekter Ausbringung müsste der Hund (Aussi? 10Kilo?) ca. 40m² Gartenboden komplett abgrasen um ernsthaften Schaden zu nehmen. (http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?clinitox/toxdb/KLT_010.htm?clinitox/klt/toxiklt.htm).

  • Conny 19. August 2015
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    Wie wäre es mit ein paar Laufenten? Bei uns sorgt ein äußerst munteres Trio für Schneckenfreiheit (Freiheit – liegt in diesem Fall im Auge des Betrachters) .

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