Ausgebrannt.

17. Juni 2015

Es hat gebrannt. In einem kleinen Ort nicht weit von hier. Mitten in der Nacht, lichterloh, ein Drei-Familienhaus. Alle haben sie geschlafen, nur der elfjährige Yannick, der war wach, obwohl am nächsten Tag doch Schule war, vielleicht hat er am Computer herumgespielt, vielleicht heimlich gelesen, auf jeden Fall war er wach und aufmerksam. Hat ein Geräusch gehört, ist zum Fenster und hat Rauch gesehen. Die Mutter und die Schwester hat er geweckt, die sind rüber zu den anderen Bewohnern, alles hat geschrien, alle sind gerannt, die Treppen runter, nur raus, in Schlafanzügen, barfuß. Ihr Portmonnaie hat Yannicks Tante noch mitnehmen können, der Onkel sein Handy, alles andere haben sie zurückgelassen.

 

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Foto: R. Kühnle (Danke dafür.)

 

Als die Feuerwehr anrückt, ist das Haus nicht mehr begehbar, überall sind Flammen und dichter Rauch. Ein paar Minuten später, und da wäre keiner lebend rausgekommen, sagt einer. Yannick hat uns das Leben gerettet, uns allen, sagt die Tante und kämpft mit den Tränen.

Jetzt stehen sie da, mit dem, was sie am Leibe tragen, mehr haben sie nicht. Alles verbrannt. Möbel, Geschirr, Akten, Erinnerungen, Fotoalben. Führerscheine, Bankkarten, Versicherungskarten, Autoschlüssel, alles verkokelt und zusammengeschmolzen.

Die Gemeinde hat gleich den stellvertretenden Bürgermeister geschickt, noch nachts war er bei den Löscharbeiten, hat mit der Familie gesprochen und Hilfe angeboten. Schnell und unbürokratisch sollen zuerst mal die neuen Ausweispapiere her. Das ist ja wohl das Mindeste, was eine Gemeinde für ihre Bürger tun kann, sagt er. Auch ein Spendenkonto wird eingerichtet, auf der Homepage der Gemeinde stehen alle Infos, das ist doch selbstverständlich.  

Die Nachbarn im kleinen Ort sind noch in der Nacht zusammengelaufen, überhaupt das halbe Dorf. Man kennt sich schließlich. Und jeder bietet Hilfe an.

Das kann sich niemand vorstellen, wie das ist, wenn man von jetzt auf gleich nichts mehr hat, sagt der Vater. Ich meine: gar nichts mehr. Einfach: Nichts. Er schüttelt ungläubig den Kopf. Aber man kann sich auch nicht vorstellen, wie das ist, wenn alle helfen wollen. Ich hätte das nie gedacht. Alle wollen helfen, sagt er. Hunderte. 

 

 

  • 2 Kommentare
  • Heike Langenkamp 17. Juni 2015
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    Boooahhh – ich krieg eine Gänsehaut am ganzen Körper…. So etwas ist ein absoluter Horror und weckt echt Urängste in mir.

  • PamyLotta 17. Juni 2015
    Antworten

    Zum Glück ist es (noch) genau so hier in der Gegend, wenn einem solch ein Übel wiederfährt. Ich bin mal wieder stolz auf unsere Region und hoffe, dass der Familie -auch sonst- schnell geholfen werden kann.

    LG
    Pamy

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