Eine Melodie.

14. Juni 2015

Wenn Sie mal hier in der Ecke unterwegs sind, und hungrig, dann gehen Sie ins Gasthaus Engel.  Ein grundsolides, nettes Haus. Und dann bestellen Sie einen kleinen gemischten Salat, so einen mit GrünZeug und GrünKern und Gurken und Bohnen, und dann denken Sie an dieses Bild zurück.

 

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Balsbacher Bohnenstangen.

 

Die Bohnen setzt und zieht und pflückt der SeniorChef persönlich. Manchmal sehe ich ihn, auf der weiten Fläche eine winzige Gestalt neben einer Handvoll Bohnenstangen. Er setzt und zieht und begutachtet und pflückt, mit diesen riesigen Händen, die nicht mehr ganz so wollen, wie er will, er geht über den unebenen Acker auf zwei Beinen, die nach mehr als 80 Jahren auch nicht mehr so wollen, wie er will, und er tut alles in stiller Ruhe, ohne Hektik, und am Ende des Bohnenjahres trägt er die Beute zum Haus und wuchtet die Körbe auf einen Tisch.

Und dann, abends, in der Küche, wenn um ihn herum die Schnitzel gebraten werden und die Fritteuse blubbert, wenn die Bedienungen an ihm vorbeiflitzen und riesige Tabletts mit Tellern und Gläsern schleppen, wenn seine Töchter sich quer durch den Raum die Bestellungen zurufen, wenn seine alte Frau klappernd die Töpfe und Pfannen vorschrubbt und nebendran die moderne Spülmaschine summt und die elektronische Kasse piept, dann sitzt er auf einem Stuhl an einem Tisch und dreht in stoischer Ruhe die Handkurbel an diesem merkwürdigen Schneidegerät, das aussieht, als sei es mindestens so alt wie er. Wimmernd zerschneiden die Messer jede einzelne Bohne in Streifen, aus den frischen Stangenbohnen werden haltbare Schnippelbohnen, und die Kurbel jammert, durch die Türen, bis in den Gastraum, stundenlang.

Und wenn man genau hinhört, dann klingt es wie die rhythmische Melodie einer anderen Zeit.

 

 

  • 4 Kommentare
  • Christjann 14. Juni 2015
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    Ach Frau Kroitzsch, ich kann doch jetzt nicht jedes Mal sagen, wie sehr ich liebe, dass Sie so viel Liebe für den Odenwald und das Leben und die Menschen dort haben, oder? Und wie wundervoll ich Ihre Aufnahmen finde … einmal für immer reicht vermutlich auch nicht …
    Für heute Herzensgrüße und ein großes Seufzen in die hügelige sonntägliche Stille geschickt.

  • LandLebenBlog 14. Juni 2015
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    Ich seufze auch. Und werde ja ganz rot. Danke. Und liebe Grüße aus der Stille zurück!

  • Manuela 14. Juni 2015
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    Ach wie nett, ich seh gerade meine Oma vor mir, wenn sie die Bohnen gedreht hat. Wie schön kann doch so ein Landleben sein, ich will es gar nicht anders!
    Durch deine Beiträge wird mir das immer bewusster. Danke dafür!

    • LandLebenBlog 14. Juni 2015
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      Gerne!

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