WMDEDGT.

5. Juni 2015

 

Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?, fragt Frau Brüllen heute wieder in die Blogger-Runde, und ich frage mich das auch:

Was? mache? ich? eigentlich? den? ganzen? Tag?

 

Nichts.

Gar nichts.

Ich lasse das Leben auf mich regnen*.

 

 

Kein kannstemal und machjetztmal,

kein hasteschon,

kein wannkommstdudenn

duwolltestdoch

wiesodennnicht. 

 

 

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Fisheye-selfie in der Rosenkugel.

 

Ich nehme seit zwei Wochen an einem Crash-Kurs Einführung in den Müßiggang teil, die Sache war besiegelt, als der freundliche Hausarzt seine Unterschrift auf den gelben Zettel setzte. Bloß wegen vier lächerlichen Löchern im Bauch, also ehrlich. Aber bitte. Seitdem übe ich also Müßiggang. Gar nicht so einfach für eine preußische Protestantin, ich kann Ihnen sagen. Aber es wird. Und Müßiggang auf dem Lande ist vermutlich auch nur halb so schwer wie in der Großstadt.

 

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Müßig zu erwähnen: eines der schönsten Flecken Odenwald. Heute entdeckt.

 

Heute das Müßiggang-Hardcore-Programm. Im Garten in der Sonne liegen. Dem Rauschen lauschen, wenn der Wind in die Esche fährt, oder in den Haselstrauch. Den Meisenküken beim Flüggewerden zuschauen. Die Hühner beim Eierlegen beobachten. In den Himmel glotzen, hoch zu den fiepsenden Mauerseglern, und auf die Felder, wo die Bauern das Heu einholen. In den Wald gehen, und an den Bach, mit den Hunden.

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. 

 

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Alle Meisen haben Kinder. (Umgekehrt würde vermutlich ein shitstorm draus.)

 

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Erster Aus-Flug. Noch in einer Art Pyjama.

 

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Demnächst in diesem Theater: Picknick. Heute beschlossen.

 

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Die Hunde machen einen ganz nervös mit ihrem geschäftigen Treiben.

 

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Warum ich selber nicht die Füße ins Wasser hänge: nicht nachvollziehbar.

 

 

Wenn ein Mensch einmal einen halben Tag lang in den Wäldern spazieren geht, weil er sie liebt, dann besteht die Gefahr, dass er als Tagedieb angesehen wird; wenn er dagegen den ganzen Tag als Unternehmer zubringt und diese Wälder abhackt und die Erde vorzeitig kahl werden lässt, so wird er als fleißiger und unternehmungslustiger Bürger betrachtet.

(Henry David Thoreau, 1817-1862)

 

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Deutscher Wald, Du stehst so sti-hi-lee.

 

Ich trage seit zwei Wochen mit nichts zum wirtschaftlichen Aufschwung dieses Landes bei. Ich trage zu überhaupt gar keinem Aufschwung bei. Ich richte andrerseits auch keinen großen Schaden an, so muß man das ja auch mal sehen. Und überhaupt: Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit, weiß schon der gute alte Salomo. Na, also bitte. Von schlechtem Gewissen ist da keine Rede. Und welche Weisheit da gemeint sein könnte, das werde ich auch noch herausfinden. Bis Montagmorgen habe ich noch Zeit dazu.

 

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich muß mich wieder in den Garten legen.

 

Den Hühnern zuschauen.

 

Und in den Himmel glotzen.

 

 

 

 

 

P.S. Wenn Sie – wie ich bis gestern oder vorgestern – auch nicht so recht wissen, was es mit dem Müßiggang so auf sich hat, und warum der sich mal lohnen könnte, dann schauen Sie mal hier. Die Homepage der Bremer Initiative zur Rehabilitierung von Müßiggang und Muße. Die haben ansonsten offenbar nicht viel zu tun, aber trotzdem sehr sympathische Leute. Oder hier, ein Aufsatz von olle Siggi Lenz aus den 60ern, aber irgendwie erschreckend aktuell.

 

 

 

 

*Rahel Varnhagen

 

 

  • 14 Kommentare
  • Sylvia Hubele 5. Juni 2015
    Antworten

    Ob bei so viel Genuss am Müßiggang ein „Gute Besserung“ nicht völlig kontraproduktiv ist?

    • LandLebenBlog 5. Juni 2015
      Antworten

      Ich fürchte: ja. Allein, es hilft nichts. Oder doch: vielleicht kann ich mit neu gewonnener Weisheit auch meinen Arbeitsalltag neu gestalten, wer weiß. Ich bin zuversichtlich.

  • Astridka 5. Juni 2015
    Antworten

    Ein genüsslerischer Post sozusagen! Hat viel Freude gemacht!
    Es gibt doch noch gute Ärzte ( meiner hat mir mal eine Reise nach Wien mit Kaffeehaus- & Opernbesuch verordnet )! Selbst verordnetes Picknick ist auch gut!
    Herzlichst
    Astrid, otium cum dignitate

  • arboretum 5. Juni 2015
    Antworten

    Ihnen weiterhin gute Genesung zu wünschen, ist aber bestimmt nicht müßig.

    • LandLebenBlog 5. Juni 2015
      Antworten

      Nee. trotzallem.

  • Manuela 5. Juni 2015
    Antworten

    Manchmal kann es passieren, das man nach sowas sein gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Mir ging das so, nach 2x Intensivstatin innerhalb eines halben Jahres. Seither fahr ich nur noch halbe Schiene. Mache Tal MBSR
    Und achtsamkeitsyoga und lasse 5grade sein wenn es mir passt.
    Ich kann nun sehr gut im Liegestuhl liegen, lesen, schlafen oder den
    Vögeln zu hören. Seither habe ich keine Magenprobleme und sSchulerschmerzen mehr.
    Such dir doch in deiner Nähe einen MBSR Kurs, es lohnt sich.
    Weiterhin gute Besserung und genieße den Müßiggang, da ist nun keine
    Ironie sondern totaler ernst, das Leben ist zu Wertvoll, wir sollten
    Lernen es zu schätzen und unsere Gesundheit sollte es uns auch Wert sein.

    • LandLebenBlog 5. Juni 2015
      Antworten

      MBSR muß ich erstmal googlen. Und zumindest Arbeits-Leben und Arbeits-Alltag auf den Kopf stellen, das habe ich fest vor. Mehr selbst-, weniger fremdbestimmt. Das müsste herrlich sein.

      • Manuela 5. Juni 2015
        Antworten

        Das ist herrlich, mach ich gerade. Wenn ich nicht will, kann ich
        Plötzlich Nein sagen….
        Selbst mein Gatte sagte im Urlaub allererstes zu mir, wenn er noch
        Mal so ein finanzielles Angebot bekommt, wie vor 6 Jahren, dann wird er es annehmen und auf Rügen einen Hof kaufen und Büffel
        Anschaffen, ich darf dann die Mozzarella machen….der mag
        Auch nicht mehr so recht……
        Dir noch ein erholsames Wochenende.

  • meertau 5. Juni 2015
    Antworten

    „Und ich werde Staatsminister und es wird ein Dekret erlassen, dass wer sich Schwielen in die Hände schafft unter Kuratel gestellt wird, dass wer sich krank arbeitet kriminalistisch strafbar ist, dass Jeder der sich rühmt sein Brod im Schweisse seines Angesichts zu essen, für verrückt und der menschlichen Gesellschaft gefährlich erklärt wird und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Makkaroni, Melonen und Feigen, um musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine kommde Religion.“

    (Büchner, Leonce und Lena)

    • LandLebenBlog 6. Juni 2015
      Antworten

      Wir bitten Gott um Makkaroni???? (wunderbares Zitat, danke dafür!!)

      • Manuela 6. Juni 2015
        Antworten

        Wunderbar, so machen wir das, ich bitte noch um ganz viel Eis und
        Hugo’s (nichts falsches denken, ich das Getränk) hüstel.

        • LandLebenBlog 6. Juni 2015
          Antworten

          Hugo-Hollersirup ist soeben angesetzt. (Nicht, daß der Eindruck entsteht, ich täte nix.)

          • Astridka 6. Juni 2015

            Wusst ichs doch: Büchner, Leonce & Lena – mein allerliebstes Theaterstück….Visionen. Wie konnten wir nur in dieses Hamsterrad geraten, wider besseres Wissen?
            Heute ist der Himmel hier wieder grau & schwül-schwer….
            Übrigens seit ihr, was die Hollerblüte gar nicht zurück…
            LG
            Astrid

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