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Was ich im Odenwald schon gelernt habe.

 

Foto: S. Hoschlaeger/pixelio.de

Foto: S. Hoschlaeger/pixelio.de

 

Heute:  Die Qualität von Gasthäusern bemisst sich nach der Haufengröße. 

 

 

Wer im Odenwald sein Gegenüber nach einer empfehlenswerten Restauration befragt, sollte genau auf dessen Hände achten. Lobt er das Essen der angepriesenen Wirtschaft einfach verbal, dann ist davon auszugehen, daß die Speisen dort tatsächlich gut schmecken.

In vielen Fällen jedoch setzt das Gegenüber zusätzlich seine Hände ein, um die Qualität des Hauses zu unterstreichen.

 

 

Mit einer schnellen Bewegung wird die Größe der Portionen nachgezeichnet, und je größer der gestisch angedeutete Haufen auf dem imaginären Teller, desto besser also das Lokal. Solche! Schnitzel! Sooo ein Berg Pommes!, lautet der stumme sub-Text.

 

Fachleute vergleichen dann noch unaufgefordert Preis und Leistung, also angedeutete Haufengröße mit der zu bezahlenden Summe. Oder halten sich den Bauch. Das Lokal ist sooo gut, daß ich die ganze Nacht nicht schlafen konnte, hahaha. Lieber sich den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt. Die Gallenblase läßt schön grüßen.

 

 

Wir haben inzwischen trotzdem ein paar Restaurants und Wirtschaften gefunden, die uns zusagen. Manche davon sogar, obwohl die Portionen sooo groß sind.

 

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Friederike,

    doppelt köstlich und aus meiner Erinnerung als Exil-Odenwälder treffend beschrieben von Dir. Ob „Riesenschnitzelburg“ oder „Pommesschubkarre“, zu meiner Zeit sprachen wir Jugendlichen mit speichelauslösenden Codenamen wie pawlowsche Hunde über Gasthäuser in der Umgebung mit großen Portionen.

    Besten Gruß
    Stefan

  2. Ganz wunderbar trifft dieses Phänomen der in Buchen geborene Harald Hurst in seiner Geschichte Gemütlich sitze. Sehr zu empfehlen, auch wenn er eher in Karlsruher Dialekt schreibt.

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