Blaumanns Erzählungen.

7. März 2014

 

 

Blaumann

 

Wochenlang hat der Blaumann jetzt gedarbt. Wochenlang? Monatelang. Monatelang Flaute an der Eier-Front. Wenn es zu kalt ist und zu dunkel, legen die lieben Hühner nicht. Und weil der Blaumann öko ist, und artgerechte Haltung praktiziert, gibt’s auch kein Extra-Licht im Hühnerstall. Legepause ist Legepause.

 

 

 

 

Nun wird es aber warm und wärmer und hell und heller, und immernoch tut sich nichts in Sachen Eier. Hach, wäre das schön, mal wieder morgens ein paar Rühreier, seufzt Geo mit Blick auf die armselige Ausbeute einer ganzen Woche. Fünf Hühner, zwei Eier, nein, rekordverdächtig ist das nicht.

 

DSC_0086~2

 

Und weil mein Geo immer alles ganz genau wissen und den Dingen auf den Grund gehen will, wird Fachliteratur gewälzt. Wenn wir von irgendwas genug im Bücherschrank haben, dann ist es Hühnerpsychofachliteratur.

 

Die Hühner werden doch wohl keinen Pips haben? Vielleicht ist auch die Klimakatastrophe schuld? Oder die allgemeine Weltenlage. Wenn schon unsereiner beim Blick auf Bundespolitik und Krimkrise schlechte Laune bekommt, was sollen da erst Hühner sagen. Sicher schlägt das auf die Legeleistung, sagt mein Geo mit finsterer Miene, und meistens hat er recht. Er liest ja schließlich Hühnerfachliteratur.

 

 

Und wie ich noch darüber nachdenke, in welchem Verhältnis Bundespolitik und Legeleistung, Große Koalition und winziger Eierertrag konkret zusammenhängen könnten, stolpere ich im Hühnerauslauf dieser Tage über ein Ei. Genauer gesagt, das Ei stolpert über mich. Rollt mir direkt vor die Füße. Aus dem alten ausrangierten Hasenstall heraus, der seit Wochen da so rumsteht, weiter zu nichts nutze.

 

Der seit Wochen also da so rumsteht und demnächst wegen Überfüllung wohl geschlossen werden muß. Wegen Eierüberfüllung. Dreißig Eier liegen dort in einem Eck auf einem Eierhaufen, dreißig wunderbare, braune, unversehrte Eier.

 

DSC_0085~2

 

Ein geheimer Eierbunker. Ein Ausweicheier-Quartier. Unsere Hühner haben die schrottreife Hasen-Immobilie übernommen und klammheimlich-widerrechtlich mit Sinn und Zweck und Leben erfüllt.

 

Wie die Hausbesetzer damals, in Berlin.

Seufz.

 

 

 

 

 

Der olle Hasenstall wird trotzdem abgeriegelt. Da muß man hart durchgreifen. Die sollen ihre Eier gefälligst ins ordentliche Hühnernest legen. Wäre ja noch schöner. Hühneranarchie können wir hier nicht brauchen.

 

Und ich hole jetzt mal das alte Kochbuch meiner Urgroßmutter raus.  Jahrhundertwende. Da kommen auf einen kleinen Kuchen immer 15 Eier, Minimum. Müsste passen, um den Eierberg abzuarbeiten.

Oh, Gott, mein Cholesterinspiegel, jammert mein Geo.

 

Wie mans macht, isses verkehrt.

 

 

 

 

 

 

  • 15 Kommentare
  • Roswitha 7. März 2014
    Antworten

    Als wir unseren Versuch vom Selbstversorgerleben auf dem Land abbrachen und das gemietete Grundstück aufräumten, fanden wir mindestens zehn Eiernester! Wir haben sie nicht gegessen, da wir das Alter der Eier nicht kannten. Auch wir hatten ziemlich eigensinnige Hühner, ein Huhn schlief gerne auf dem Baum, eines ritt auf einem Schwein!
    Wunderbare lebendige Erinnerungen…

    • Friederike 7. März 2014
      Antworten

      Nach versteckten Nestern hab ich im Gelände immer wieder geschaut, aber auf den Stall war ich nicht gekommen… Sind halt doch schlau, die Hühner…

  • Peter Grambitter 7. März 2014
    Antworten

    Haseneier … das ist aber wirklich mal was!
    Ich werde sie mit großer Achtsamkeit genießen … Achtsamkeit ist ja eh in zur Zeit.
    An Ostern hole ich mir einen Hasen ab, geht das?

    • Friederike 7. März 2014
      Antworten

      Wir haben auch mehrere ultimative Frische-Tests gemacht, lieber Peter, sie können eigentlich noch gar nicht alt sein. Ich hoffe also, dem Genuss steht nichts entgegen….

      • Friederike 7. März 2014
        Antworten

        Und den Hasen zu Ostern kannste knicken.

        • Peter Grambitter 8. März 2014
          Antworten

          dachte ich mir schon :-)

      • Peter Grambitter 8. März 2014
        Antworten

        mit achtsamkeint meinte ich ja nicht, dass „isch ängschd“ hab‘
        wertschätzung wäre vielleicht klarer gewesen.
        die ersten zwei haben ihr debut heute morgen übrigens bereits gefeiert … voller erfolg! mehrere vorhänge

        • Friederike 8. März 2014
          Antworten

          Wunderbar, das freut mich!

  • Stefan 7. März 2014
    Antworten

    Herrlich, diese Erkenntnis! Und meine Nachbarin fragt sich, weshalb ihre Hennen zur Zeit so wenig Eier legen. Die sind also da, nur wo? Vielleicht helfe ich morgen mal beim Eier suchen. Danke für diese Erkenntnis meiner eigenen selbstverschuldeter Blindheit: Man „sieht“ ja nur was man erwartet – Eier im Hennengelege. Und wenn dort keine drinliegen, dann haben die Hennen eben auch keine gelegt. Eier im Kaninchenstall – die „sieht“ man nicht, denn die gibt es nicht. Also, morgen suche ich zuerst mal in der Garage … .

    • Friederike 7. März 2014
      Antworten

      Garage klingt vielversprechend!!:-)

      • Peter Grambitter 8. März 2014
        Antworten

        Dachte ich mir schon :-)

  • Joona 7. März 2014
    Antworten

    HERRLICH !!! Jetzt weiß Du auch, woher die Ostereier kommen. Die legt nämlich nicht der Hase, sondern die Hühner klammheimlich im Hasenstall.
    Und nu machst Du Ostern mit Deiner Eierernte zunichte.
    Ich rate zu Eierlikör. Da kommen 14 Eier auf ein Rezept.
    Na dann Prost !

    • Friederike 8. März 2014
      Antworten

      Jaaa, Eierliköööör, wie in den Siebzigern! ;-)

  • Waltraud Kessler-Helm 8. März 2014
    Antworten

    oder was hälste von Soleier? Die schmecken toll und kannst auch noch n paar Tage aufheben. Schönes Wochenende und viel Spass mit den Hühner-Hasen-Eier ;-)

    • Friederike 8. März 2014
      Antworten

      Oha, guter Hinweis, danke!!

  • Antworten

Vorheriger Artikel Menschen.
Nächster Artikel Was treibt mich an?