Knabberspaß.

 

 

Nein, also die lauschigste Ecke hat er sich wirklich nicht ausgesucht, der alte Knabe.

Rechts die einzige und häßlichste Beton-Hochstraße weit und breit, oben dröhnender Autoverkehr, links ein 5000qm-Hundeklo, dazwischen Parkplatz, Mülleimer, vielbefahrener Radweg, kreischende Kinder, kläffende Köter.

 

Schön hier.

Schön hier.

 

 

Wenn ich Biber wäre, und neu in der Gegend, ich hätte mir ein anderes Plätzchen gesucht. Gibt ja nun wirklich genug verwunschene Eckchen im weiten, weiten Odenwald.

Aber bitte.

 

Er ist vielleicht ein bißchen dumm, sagt der inoffizielle Biberbeautragte der Stadt. Und der Mann kennt sich aus. Seit Wochen hockt er nachts mit Taschenlampe und Foto auf der Lauer, um den alten Knaben hier in Mosbach abzulichten. Leider bislang ohne Erfolg.

 

Macht nichts, denn der Biber ist auch so schon weithin sichtbar.

 

 

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Des Bibers nächtlicher Knabberspaß sorgt dafür, daß es am Neckarufer aussieht wie nach einem Sturm. Oder so, als hätten urtümliche Riesen dort Mikado gespielt.

60 teilweise stattliche Weiden hat der gute Biber allein in diesem Winter in die Knie gezwungen, so oder so. Manche einfach um-geknabbert, andere nur an-geknabbert. Das aber so nachhaltig, daß die Männer vom Bauhof hinterher die Bäume fällen mussten. Aus Sicherheitsgründen.

 

 

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Die Leute rufen bei der Stadtverwaltung an, sagt der kommunale Biber-Mann. Um sich nach dem Biber zu erkundigen? Um sich mit Ihnen zu freuen?

 

Nein, nur, um sich zu beschweren. Wie das hier unten aussieht. Der doofe Problem-Biber.

Naja, so siehts eben aus, wenn Natur Natur sein darf. Aber die Leute haben dafür kein Gefühl mehr.

 

Nicht mal hier auf dem Land?

Schon gar nicht hier auf dem Land.

 

Foto: Jens Bredehorn/pixelio

Foto: Jens Bredehorn/pixelio

 

Dabei könnte man noch stolz sein. Schließlich lassen Biber sich nicht wahllos einfach nieder. Die Wasserqualität muß hervorragend sein, das Drumrum ökologisch wertvoll. Der Biber ist quasi der fleisch- und zottelpelzgewordene Orden, den sich Naturschützer an die Brust heften können. Und auch den Bäumen hier schadet unser unsichtbarer Biber nicht. Macht sie bloß einen Kopf kürzer. Wenns wärmer wird, schlagen die neuen Triebe aus, dann wächst alles wieder, und der Biber hat noch umso mehr zu fressen.

Und im Frühjahr ist der Spuk dann ohnehin vorbei. Weidenrinde schmeckt dem Biber nämlich nur im Winter, den Rest des Jahres frißt er irgendetwas anderes. Hauptsache Grün.

 

 

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Noch vor etwas über 20 Jahren galt das weltweit zweitgrößte Nagetier als ausgerottet. Inzwischen gibt es wieder jede Menge Biber, allein in Baden-Württemberg rund 800 Stück.

Und auch im Odenwald trifft man die Biber immer öfter.

 

Manchmal auch mit der Flinte.

Sorry, ich dachte, es handle sich um eine Wasserratte, soll ein Jäger gesagt haben, nachdem er vor einiger Zeit einen Biber plattgeschossen und dann rasch entsorgt hatte.

 

Naja, kann ja mal passieren.

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Den Beitrag habsch gehört und musste echt lachen. Sorry aber wie kann man denn so sein und sich beschweren? man sieht doch, dass hier ein Biber am Werk war. Ich glaube, man muss nicht alles verstehen, besonders nicht auf dem Land 😉 Ich find’s schön, dass hier noch Natur so sein darf.

  2. Das die Natur auch immer so unordentlich sein muss: Laub, Bäume und alles liegt nur so herum -tzzz.
    Über die ersten Biber bei uns freuen sich momentan noch alle. Bin mal gespannt, wie sich das entwickelt.
    Grüße von der Lippe!

  3. Pingback: Woanders – diesmal mit der Vorsorge, dem Abriss, den Buddeln und anderem | Herzdamengeschichten

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