Der Blaumann und die süßen Häschen.

Blaumann

 

Ja, ja, die süßen Häschen. Die Häschen sind natürlich gar keine Häschen, sondern Kaninchen; weil alle, die nach Häschen aussehen, in Wirklichkeit Kaninchen sind. Nur der Feldhase, der ist ein Hase. Wenn ich das richtig verstanden habe. Alles andere: Kaninchen.  Auch meine acht-Kilo-Wuchtbrummen: Kaninchen. Biologisch.  Ich bleibe trotzdem bei: Hasen.

 

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Herr Hase. Der Neue. Und nicht mehr ganz der Alte. Ähem.

 

 

Aber ich komme vom Thema ab. Vom zweiten Blaumannthema des gestrigen Tages.

Unser neuer Untermieter, Herr Hase, seiner Manneskraft beraubt, saß nun seit sechs Wochen in einem extra-Gehege, um noch ein bißchen nachzudenken über dies und das, bevor er endlich zu den neuen Kumpels darf. Kastra-Frist heißt das auf Hasendeutsch, und meint: sechs Wochen lang könnte er noch, wenn er wollte, und er würde sicher wollen, aber unsereiner will das nicht. Alles klar? Alles klar.

 

Klammer auf: Kastra-Frist?? Ich bin manchmal schon selber sehr beeindruckt von meinem landwirtschaftlichen Wortschatz. Sie nicht auch? Klammer zu.

 

herr Hase3

 

 

Jetzt also ging es an die Zusammenführung. Putziges Häschen zu putzigen Häschen setzen, ganz einfach. Gehegetrennung abgebaut, freie Fahrt für freie Hasen,  das wird eine Freude für die lieben Tierchen sein!

 

Ja, so hab ich mir das früher auch gedacht, ist aber leider komplett essig. Und wer sich schonmal ernsthafter mit Kaninchen befasst hat, weiß, was jetzt kommt. (ich wußte es auch, weil leidgeprüft.)

 

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Erst Eiszeit. Dann Kalter Krieg.

 

 

Dann Schaukämpfe fürs staunende Publikum.

Dann Schaukämpfe fürs staunende Publikum.

 

Aus possierlichen KnuddelKaninchen und niedlichen HachWieSüßHäschen werden blutrünstige Furien, sobald es ums Revier geht.  Mordlüstige Monster, die sich auf den Eindringling stürzen, sobald er die erste Pfote ins Gelände setzt.

 

Kaninchen kennen da keine Gnade, wütend attackieren sie den Gegner, verfolgen ihn, fallen über ihn her, krallen und beißen sich in ihm fest, wenns sein muß. Man erkennt sein putzig‘ Häschen kaum mehr wieder. Und manch ein blauäugiger Kaninchenbesitzer musste nach mißglückter Vergesellschaftung schon mit den blutenden Kriegsopfern zum Tierarzt, einmal nähen, bitte.

 

(Nein, wir schreiben an dieser Stelle nicht, was von Käfighaltung für Kaninchen generell zu halten ist, und im Besonderen, was davon zu halten ist, irgendwann einfach ein zweites Kaninchen da mit reinzustopfen in den ohnehin schon viel zu kleinen Käfig. Als Spielkamerad.)

 

Langer Rede kurzer Sinn: Es ging zur Sache. Aber wie. Herr Albrecht und Frau Schwarz bewiesen wenig Sinn für Humor und noch weniger für Gastfreundschaft. Alle Welt redet von Integration, aber die beiden taten, als hätten sie noch nie davon gehört. Herr Hase verlor büschelweise Haare und ein paar Hautfetzen. Aber nicht die Zuversicht.

 

Und der Blaumann? Steht erst daneben und leidet und mischt sich aber ja nicht ein. Also fast nicht. Und geht dann einfach irgendwann ins Haus, vor den Kamin, nimmt ein gutes Buch zur Hand und tut, als wäre nichts gewesen. Und schaut nur alle anderthalb Minuten mal, ob alle noch am Leben sind.

 

Sind sie. Schwer atmend sitzen sie dann zwischendurch im weitläufigen Gelände, Kräfte sammeln für den nächsten Angriff.

Häschen. Ach, wie süüüß.

 

 

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V.l.n.r.: Herr Albrecht, Frau Schwarz, Herr Hase. Geht doch.

 

Am nächsten Morgen: Als wäre nichts gewesen. Der Blaumann hat Augenringe wie Bratpfannen, weil: die ganze Nacht von wilden Albträumen geschüttelt, verblutende Häschen, Monsterkaninchen mit überdimensionalen Hauern sind durch sein Unterbewußtsein gewütet im Schlaf, und die drei hier: sitzen da und mümmeln friedlich und tun, als wäre nichts gewesen.

 

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Hasenstreit macht Hunger. (und das Gegenteil)

 

 

Wahrscheinlich knutschen sie schon heimlich. Und lachen sich tot über die alberne Möchtegerne-Landfrau im Blaumann, weil die sich so angestellt und immer Oh nein! und Aufhören, aufhören!! gerufen hat, als es grade lustig wurde mit der Rauferei.

Ha, ha, ha! Wie blöd ist das denn?

 

Wißt Ihr was? Ihr könnt mich mal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8 Kommentare

  1. Wir haben vier Kaninchen: Die zwei weiß-schwarzen deutschen Riesen „Monopoly“ und „Lucky“, ein schwarzes Lohkaninchen „Stupsi“ und ein braunes Zwergkaninchen „Brauni“. Dazu noch vier Meerschweinchen namens „Fritzi“, „Sunny“, „Zoe“ und „Pedro“. Unsere unmittelbar neben uns wohnenden Nachbarn und Freunde haben drei Hühner und einen Hahn, auch diese vier tierischen Freunde haben Namen. Und alle Tiere haben ausreichend Platz im Freien.

    Deine „Viechzeuch“-Blogs sind déjà-vues, liebe Friederike. Alles auch schon erlebt, erlitten, erduldet und das Weiterleben der süßen Viecher teuer beim Tierarzt erkauft („Lucky“ verpassten wir nach einer unbilligen Not-OP aufgrund versuchten Totschlags bzw. -biß‘ durch „Stupsi“ im vergangenen Sommer den zusätzlichen Namen „Der Goldhase von Lindt“). Beißen, kratzen, hauen, stechen – die Kaninchen haben’s drauf. Und ja, von Integration nix‘ gehört. Wir haben „Brauni“ leider immer noch im Gehege-Séparé, da sie und „Stupsi“ so gar nicht miteinander können und Erstere altersbedingt bei uns ihr Gnadenbrot erhält. „Lucky“, der Riese, ist mittlerweile sehr viel größer als „Stupsi“. Da traut sich der „schwarze Dämon“ (noch so’n Zweitname, der über den wahren Charakter mehr als die süßen euphemistischen „So-hätte-ich-gerne-meine-Kaninchen“-Namen verrät) nicht mehr ran.

    Der Hahn unserer Nachbarn hat nach anfänglicher zurückhaltender „Ich-check-erst-mal-die-chicken“-Sondierung der zuvor reinen Frauen-WG mit dem frühmorgenlichen Krähen und täglichen Krähen und Posing begonnen. Am Anfang war’s ungewohnt, um halbsechs und jetzt sogar um mal um viertel nach drei Uhr morgens wach zu werden. Um sich jedoch zu arrangieren und das erst einmal reflexartig als störend empfundene aber eigentlich herrliche Landgeräusch zu mögen, muß man nur nachdenken: Weshalb wollte ich noch mal auf’m Land leben? Genau deshalb, oder? Ich schon. (Und wenn’s mit der Liebe zum Landgeräusch nicht ganz so herzlich und auf Anhieb klappt, dann gibt’s ja auch noch Fenster. Die kann man mit einem einfachen Handgriff vom geöffneten in den geschlossenen Zustand ihres Daseins transformieren.)

  2. … und Hühner können das auch … bei Neuzugängen oder einmal sogar bei einem Schwächeanfall … Eigentlich doch genauso wie bei Menschen, die machen das manchmal subtiler, aber „mir darf nix genommen werden“ ist da doch sehr verbreitet …

  3. Hahahaha, zu köstlich dein Post, liebe Friederike.
    Ja, so ist das Zusammenraufen (im wahrsten Sinne des Wortes) bei den Kaninchen.
    Bei uns ist das bei den vielen Neuzu- und auch Abgängen immer wieder ein wahres Wunder der Sozialisierung 🙂
    Hg sendet Dir
    Birgit

    • So lange nur genug Platz ist und es genug Versteckmöglichkeiten gibt, sehe ich da auch nicht wirklich ein Problem. Aber trotzdem zittere ich immer mit… Großstadtfrau halt…. Aber wie andere Leute einfach das eine Kaninchen zum anderen in einen Käfig packen können, bleibt mir ein Rätsel.

  4. was Frau hier nicht alles lernt. Ich mit meinem städtischen Laienverstand hätte das Kaninchen wahrscheinlich auch gleich mit in den Käfig zu den anderen gesetzt, damit es in der Fremde nicht sooo allein ist.:-)
    Nun weiß ich zumindest um was es geht, wenn sich die Herren bei der nächsten Kleintierschau über Kastra-Frist unterhalten.
    Danke Friederike für den immer wieder interessanten Lehrstoff.

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