Der wilde Odenwald

Dieser Tage mal wieder bei Freund Henner vorbeigeschaut. Und wieder bekommt er dieses heimliche Grinsen und sagt „Komm mit, ich zeig Dir was“. Ich weiß dann in der Regel, wo es hingeht. In Henners Kühlkammernschatztruhe:

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Wild im Odenwald

Dieses Bild vom Landleben im Odenwald lassen wir jetzt vorsichtshalber erstmal klein. Es gibt ja immer noch genug Menschen, die soetwas nicht sehen können. Aber mein Sonntagsbraten ist gesichert. Und außerdem kann man es ja großklicken.

Seit ich im Odenwald lebe, gehört Wild regelmäßig auf den Speiseplan. Glücklich gelebt, gut ernährt – bis es plötzlich, kurz und meistens schmerzlos (je nach Jäger), „Peng!“ macht.

Früher fand ich Jäger natürlich auch das Allerletzte. Jagen armes kleines Bambi. Ich hätte mich stundenlang darüber aufregen können, während ich ein schönes Schweinschnitzel aus dem Supermarkt in der Pfanne wendete, bis auch der letzte Liter Wasser irgendwie verdampft war. „Das Kilo heute neunundneunzig Cent!“, brüllten die Reklameschilder beim Discounter.

Das Wild im Odenwald gibt’s auch im Sonderangebot. Weil es keiner will. Die Jäger – Abschußpflicht im Rücken – werfen einem die besten Teile förmlich hinterher. Das Kilo, mit Haut und Knochen gewogen, für zwei Euro.

Aber Landmenschen wollen modern sein. Omas Rehbraten war un-modern und schmeckte auch noch scheußlich. Er hing: erst, so lange bis die Fliegen kamen (von wegen dem hautgout) –, dann den Landmenschen zum Halse raus. Jetzt also lieber Schweinefleisch vom Metzger oder aus dem Supermarkt. An Feiertagen darf es manchmal auch ein Hirschbraten sein. Aus Neuseeland.

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