Selbstversorger, die Zweite

Kartoffeln, Äpfel, Pflaumenmus, Erdbeermarmelade, Holunderblüten- und Zitronenmelissesirup, Pfefferminz- und Salbeischnaps, italienischer Likör aus Odenwälder Walnüssen, getrocknete Kräuter, Wiesenchampignons, Steinpilze.

Manchmal wird es eng im Keller.

In meinem früheren Leben habe ich selbst im Bett noch stern und Focus, taz und FAZ studiert. Alles sehr wichtig, aber wenig nachhaltig. Außerdem konnte einem da der Appetit vergehen.

Inzwischen gehört das Standardwerk der Landfrau, „Einwecken und Haltbarmachen – jetzt ganz leicht!“ zu meiner regelmäßigen Nacht-Lektüre.

 

Wenn ich mich in der gärtnerischen Hochsaison mal wieder schlaflos im Bett hin- und herwälze, Kohlkopf- und Möhrenarmeen auf mich zumarschieren sehe, wenn ich im Traum auf einem Erdbeerberg stehe oder es Knoblauchknollen regnet, nehme ich zur Beruhigung „Einwecken und Haltbarmachen – jetzt ganz leicht!“ zur Hand und lese und schaue mir die bunten Bilder an.

Manchmal ramme ich dem schlafenden Geo morgens um Drei meinen Ellenbogen in die Seite: „Hast Du gewusst, dass man sogar Gänseblümchen einlegen kann?“, frage ich entgeistert in die Nacht hinein. Geo macht dann meistens nur ein undefinierbares Geräusch und dreht sich auf die andere Seite. Mit dem beneidenswert-gelassenen Grundvertrauen, das allen Selbstversorgern eigen ist.

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