Ein Tipp.

Meine bereits erwähnte Gelbsucht hat mich dieser Tage in das kleine Bödigheim geführt, da gibt es eines der zahlreichen Schlösser hier in der Region, niederer Landadel undsoweiter, naja, Sie wissen schon. Das Schloß kann man leider nur von außen begucken, weil darinnen ganz normale Menschen wohnen, zur Miete, sehr profan, aber die (Klick:) Anlage ist sehenswert, und besonders hübsch ist der kleine Park dahinter.

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Ich hatte leider nur wenig Zeit, das Gelb so richtig in Szene zu setzen, denn kaum hatte ich die Kamera ausgepackt, um mich an die Löwenzähne heranzuschleichen, näherte sich brüllend eine Art Micky Maus auf einem überdimensionierten Rasentraktor, es war vielmehr ein halber Rasen-Panzer, ein unglaubliches Teil, das furchterregend seine Bahnen zog und von einem Herrn mit, siehe oben, Micky-Maus-Ohrenschützern gelenkt wurde. Das mit dem Gelb hat sich also vermutlich inzwischen erledigt.

Ich kann Ihnen das Schloß trotzdem sehr empfehlen, wenn Sie in der Gegend unterwegs sind. Sie können nach soviel lauschiger Idylle im Schloßgarten dann auch einen Abstecher zum Jüdischen Friedhof in Bödigheim machen, auch der ist absolut sehenswert und gilt als einer der ältesten in der Region. Hier können Sie das nochmal nachlesen, ein Beitrag aus uralten Zeiten, als ich noch mit dem Händi experimentelle Fotos machte.

Dieser Tage gibt es da eine Führung, über den Friedhof, normalerweise kommt man nämlich auch da nicht rein (wenn man nicht die Schlupflöcher kennt, ähem), ich fürchte aber, ich habe Datum und Uhrzeit nur im Vorüberfahren gesehen und nicht im Kopf behalten. Aber vielleicht kann das ja jemand in den Kommentaren nachtragen. Oder Sie finden halt das Schlupfloch.

 

 

 

Augustinisch unterwegs.

Bewegen Sie sich an der frischen Luft, gehen Sie wandern, machen Sie Ausflüge, sagt die freundliche Ärztin, und weil ich in der Regel tue, was man mir sagt, habe ich also heute tatsächlich mal einen richtigen Ausflug gemacht, also so einen richtig richtigen, mit längerer Anfahrt und Proviant und allem Pipapo, und daraus wird jetzt ein Ausflugstipp für alle, die heute schon ans nächste Wochenende denken und vielleicht mal in den Main-Tauber-Kreis rüberschauen wollen.

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Ich hatte zugegeben keine Ahnung, wer oder was Messelhausen ist und dass es da mal ein Augustinerkloster gab, aber wofür hat man facebook-Bekanntschaften, die nicht nur theologisch, sondern auch wandernd unterwegs sind. So gesehen ist dieser Ausflugstipp ein abgeguckter, danke dafür an den facebookenden Pfarrer in meiner Freundesliste.

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Sie müssen aber selber gar nicht theologisch drauf sein, wenn Sie rund um Messelhausen wandern und ab und zu augustinische Weisheit lesen wollen, theologisch oder gar fromm, der Weg lohnt sich allemal, und hin und wieder am Wegesrande innehalten und ein bißchen nachdenken hat ja noch niemandem geschadet, auch Atheisten nicht.

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Also, wie dem auch sei: es gab da dieses Kloster Messelhausen, ein Augustinerkloster, und dort hatte man ein besonderes Faible für – wen wundert es – den Augustinus. Ob der gerne wandern ging, muß an dieser Stelle unbeantwortet bleiben, jedenfalls sind rund um das Messelhausener Kloster in den vergangenen Jahren mehrere Wander- oder eher Pilgerwege entstanden, die sich Augustinus und seiner Sicht der Dinge widmen.

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So geht man also von Station zu Station durch die Felder und Wiesen, über kleine Bächlein und durch weite Täler, vorbei an Sinnsprüchen und manchen Skulpturen, durch lichte Buchenwälder, in denen in diesen Tagen Buschwindröschen und Bärlauch um die Wette wachsen. Das ist in der Tat sehenswert, und falls Sie für soetwas einen Sinn haben, sollten Sie so bald wie möglich dort vorbeischauen und ernten oder einfach nur schweigend das Schauspiel genießen.

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Vier verschiedene Routen gibt es, ich hatte mich für den Schwarzen Weg entschieden, für den Klassiker für Augustiner-Anfänger sozusagen. Dass das Wanderzeichen, dem ich vier Stunden lang folgen musste (oder durfte), nun ausgerechnet ein flammendes Herz ist, das betrachten wir jetzt mal als eine kleine augenzwinkernde Ironie, die der Herr Augustinus der burnout-geschädigten Seele mit auf den Weg geben wollte, zwinkerzwinker, hahaha. Der hat ja offenbar Humor, der Gute.

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Ich werde mir die anderen Routen auch noch vornehmen, und vielleicht kaufe ich mir mal ein Buch von oder über Augustinus, das kann in einem evangelischen Haushalt nicht verkehrt sein. Schlimm genug, dass sich sowas hier noch gar nicht findet. Einstweilen lege ich Ihnen die Messelhausener Wege ans Herz, ans flammende und auch ans ausgebrannte, nur sollten Sie da nicht im Hochsommer lang, auf den weiten Strecken über die Felder brennt es Ihnen sonst das Hirn weg oder flammt Ihnen ein veritabler Sonnenbrand die Stirne rot.

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Hier finden Sie ein paar nähere Informationen zu den Wegen, und hier auch.

 

Die Eremitage.

Wir haben hier mal wieder einen Ausflugstipp für Sie, ausnahmsweise nicht aus dem Odenwald. Unsereiner kommt ja rum, nicht wahr, vorallem an verregneten Wochenenden. Schönes Wetter wäre diesmal eindeutig schöner gewesen, aber das, was wir sehen wollten, war das Gebäude von Innen; und das, was draußen ist, ist eh derzeit eine riesige Baustelle. Ein Abstecher lohnt sich trotzdem allemal. Oder Sie merken sich das rasch fürs Jahr 2018 oder 2019 vor, wenn Sie da noch einen Termin frei haben, bis dahin dürften auch die Außenanlagen fertiggestellt sein.

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Ich wohne hier quasi um die Ecke, sagt der Mann mit dem grauen Haar und lächelt ein bisschen entschuldigend, aber ich war seit 20 Jahren nicht mehr da. Tat zu sehr weh, das Ganze. 45 Jahre lang hat er für die Zuckerfabrik gearbeitet, jedes Gebäude auf dem riesigen Areal kannte er wie seine Westentasche. Auch die historischen Verwaltungsgebäude, in denen ging er ein und aus. Aber die waren damals noch nicht so schön hergerichtet wie heute. 

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Anfang des 18. Jahrhunderts hatte der damalige Fürstbischof von Speyer mit dem Bau der Eremitage in Waghäusel begonnen, die genaue Geschichte können Sie hier nachlesen, mir zumindest war das alles völlig neu, obwohl ich die Region seit gefühlten Jahrzehnten kenne. Jedenfalls machte der berühmt-berüchtigte Reichsdeputationshauptschluß der ganzen Sache einen Strich durch die Rechnung, und die Eremitage fiel an den badischen Staat. Der wiederum verkaufte das gesamte riesige Areal 1837 an die Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation, und das barocke Schlösschen fand sich schlußendlich in einem Industriegebiet wieder.

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Die Zuckerfabrik machte 1995 dicht und verkaufte das Gelände wieder, mit barockem Schlösschen, Parkanlagen, Fabrikhallen und Silotürmen. 13 Hektar Fläche, die seitdem der Stadt Waghäusel gehören.  

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Die Silotürme wollen sie jetzt irgendwann endlich abreißen, erzählt der Mann, auch das tut mir irgendwie leid, ich habe hier nicht nur gearbeitet, ich habe für die Zuckerfabrik gelebt. Heute also ist er zum ersten Mal wieder hier auf dem Gelände und schaut sich um, an seinem ehemaligen Arbeitsplatz.

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In einem der Gebäude, dem sogenannten Küchenbau, ist eine Galerie untergebracht, es gibt wechselnde Ausstellungen moderner Kunst und ein winziges, wunderbares Café. Der Galerist schleppt Tabletts mit selbstgebackenem Kuchen und gutem, starkem Kaffee in 70er-Jahre-Tassen herbei, er plaudert mit den Gästen und erklärt bei Bedarf die aktuelle Ausstellung.

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Das sieht schon toll aus jetzt, sagt der Zuckermann, und der Schokoladenkuchen war der beste, den ich je gegessen habe, und wieder lächelt er halb verlegen, halb entschuldigend. Vielleicht komme ich mal wieder. 

Wir haben das definitiv auch vor. Sei es zur nächsten Ausstellung oder nur auf einen Kaffee in ungewöhnlichem Ambiente. Oder, um mal mit der Kamera über das ehemalige Fabrikgelände zu stolpern, keine Ahnung, was es außer den riesigen Silotürmen dort noch zu sehen gibt, wo man überall noch hinkommt. Oder durch den Park hinter dem Schloß, der derzeit eine große Baustelle ist.

Schlimm genug, dass wir das alles noch nicht kannten.

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Wenn Sie da mal hinwollen: die aktuelle Ausstellung läuft noch bis Ende Februar, bis dahin ist der Küchenbau sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Ob und wie man in das Hauptgebäude des Schlosses hineinkommt, ist uns nicht ganz klar geworden, offenbar nur zu Veranstaltungen. Oder Sie lassen sich da standesamtlich trauen, falls Sie eh grade sowas in der Art planen, das wäre auch eine Möglichkeit, die ich der Homepage entnehme. Auf der sollten Sie einfach mal stöbern, und dann einfach mal hinfahren. 

 

 

 

Tarnname: Goldfisch.

Ich sehe sie vor mir, wie sie in ihren Uniformen an einem dunklen Eichentisch stehen, Landkarten auseinanderfalten und sich konzentriert darüberbeugen. Wie ein Zeigefinger von Berlin aus Richtung Süddeutschland über die Karte fährt, vorbei an Frankfurt und Darmstadt, weiter nach Süden.  Dann im Odenwald zögert, und am Rand des Odenwaldes anhält.

Genau da, wo der Neckar sich mit seinem Tal direkt an die wildromantischen Odenwaldhänge schmiegt. Da, wo auf der Landkarte das winzige Dörfchen Obrigheim eingezeichnet ist. Da, wo die Welt halbwegs in Ordnung und der Krieg immernoch weit weg ist Anfang 1944.

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Ich höre einige aus dem Jägerstab sagen: Wieso denn ausgerechnet da? Odenwald? Neckartal? Wo um Himmelswillen soll das sein? Und ist das nicht ein bißchen sehr weit weg? Nein, ist es nicht. Es ist optimal für ihre Zwecke, hier gibt es die versteckten Gipsstollen im Berg, hier finden sie uns nie, und hier gibt es in der Nähe eine Bahnlinie. Güterverkehr. Genau das, was wir brauchen.

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Seit Anfang  1944 haben die Bombenangriffe rund um Berlin zugenommen, auch die auf das kleine Genshagen. Hier hat Daimler-Benz ein großes Werk, Flugzeugmotoren, kriegswichtiges Material. Das soll jetzt verschwinden. Versteckt werden, damit man weiter produzieren, weiter Bomber Richtung Alliierte schicken kann. Das Werk soll unter die Erde verlegt werden. In Obrigheim. Am Rande des Odenwaldes.

Schon im März 1944 kommen die ersten 500 Häftlinge. Zwangsarbeiter, politische Gefangene aus Dachau. Zusammengepfercht in der kleinen Grundschule in Neckarelz.  Jeden Morgen nach dem Appell müssen sie zu Fuß in groben Holzschuhen und ihren gestreiften Häftlingsanzügen Richtung Obrigheim aufbrechen, quer durch Neckarelz, dann über die Neckarbrücke, rauf zum Gipsstollen.

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Das dunkle Loch im Berg soll sich in nur sieben Wochen in eine riesige Produktionshalle verwandeln, in eine unterirdische Fabrik mit einer Grundfläche von 50.000 Quadratmetern, hoch genug, damit Kräne und schwere LKW hier ein- und ausfahren können.  Daimler-Benz leiht sich für vier Reichsmark pro Tag von der SS insgesamt bis zu 3500 KZ-Bauhäftlinge, die den aberwitzigen Plan umsetzen sollen. Koste es, was es wolle.

Die Männer aus allen Teilen Europas schuften um ihr Leben, rackern sich zu Tode. Tonnenweise Stahl, Beton, Holzbalken, alles schleppen die ohnehin schon ausgemergelten Arbeiter zu Fuß über 40 Höhenmeter eine schmale, wacklige Treppe im Hang zum Stollen hinauf, wer mit den ausgetretenen Holzschuhen auf dem schlammigen Grund ins Rutschen kommt, muß sehen, wo er bleibt. Oder bekommt Schläge. Schufte, oder stirb.

Den Stollen selber höhlen sie mit Hacke und Spaten aus, Zentimeter um Zentimeter, verlegen Leitungen, bauen Küchen und Sanitäranlagen in den Berg. Zu Essen gibt es Wassersuppe.  Immer wieder kommt menschlicher Nachschub für das Projekt unter dem Tarnnamen Goldfisch, viele der Männer sterben an Erschöpfung, verhungern, gehen im Krankenlager des Neckarelzer KZ elend zugrunde.

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2000 Maschinen aus Berlin werden geliefert. 7000 Mann Belegschaft aus Genshagen sollen in der neuen Fabrik im Berg so schnell wie möglich ihre Arbeit aufnehmen. Die Zeit drängt, die Alliierten rücken näher, und Daimler-Benz will retten, was zu retten ist und die Produktion der Flugzeugmotoren nicht aussetzen. Die Wächter im Obrigheimer Stollen werden immer hektischer, drängen die fast Verhungernden, noch schneller zu arbeiten. Wer nicht schnell genug war, bekam Schläge, bis er gar nicht mehr arbeiten konnte, erinnert sich ein französischer Überlebender. Schnell! Schnell!, das riefen die Deutschen immerzu.

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Am 10. November 1944 wird die geheime Flugzeugmotorenfabrik unter der Erde feierlich eingeweiht. Die Häftlinge haben 50.000 Quadratmeter Stollen besenrein hergerichtet, müssen ein Musikstück spielen für den hohen Besuch aus Berlin. Der Großbetrieb mit fast 10.000 Beschäftigten nimmt die Produktion auf.

Dann kommen die Amerikaner. Haben die Anlage geortet, werfen erste Bomben. Es heißt,  daß es den Befehl aus Berlin gegeben habe, alle KZ-Arbeiter im Stollen zu versammeln und den ganzen Berg zu sprengen.  Der Kommandant verweigert das. Stattdessen werden die Häftlinge zu Fuß losgeschickt. Für viele ein Todesmarsch. Die, die sich nicht mehr alleine auf den Beinen halten können, Hunderte sind das, werden hektisch  zum nächsten Bahnhof gebracht und in einen Zug gepfercht.

Der bleibt mit einem Triebwerksschaden schon nach wenigen Kilometern bei Osterburken im Gelände stehen. Stundenlang harren die Überlebenden im Zug aus, lauschen in die Totenstille draußen.

Bis sie merken:  Ihre Peiniger sind verschwunden.

Davongerannt über Gleise und Wiesen.

Sie sind weg.

 

 

Genauer und fundierter kann man dieses Stück deutscher Geschichte hier nachlesen.

Seit Jahren kümmert sich sehr engagiert – und zunächst nicht immer wohlgelitten – der Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz um dieses Thema. Ein Besuch der Gedenkstätte neben der Neckarelzer Grundschule ist absolut empfehlenswert. Ebenso die ca. einstündige Wanderung über den Goldfisch-Geschichts-LehrPfad durch den Wald zum Obrigheimer Stollen, auf dem auch die Bilder zu diesem Blogbeitrag entstanden sind. Fotografieren am und im Stollen geht nur mit Voranmeldung und Genehmigung, weil hier inzwischen wieder industriell Gips abgebaut wird.

Einmal im Jahr kommt man trotzdem hinein: Immer im Herbst organisiert der Gedenkstättenverein eine Busfahrt in den Berg, in dem Reste der Fabrik noch zu sehen sind. In den vergangenen Jahren waren da auch immer wieder Überlebende aus Frankreich dabei. Aber sie werden immer älter, immer weniger.

 

 

 

 

Lovestory.

Hierzulande wimmelt es ja nur so von ollen Burgen und Schlössern, und viele davon nimmt man gar nicht recht als solche wahr. Ein Fehler, wie sich einmal mehr herausgestellt hat. Sie können sich in den Tagen nach Silvester selber davon überzeugen.

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Eher durch Zufall kam ich irgendwann auf die Idee, mal nach den Resten der Minneburg bei Neckargerach zu schauen. Durchs Unterholz nach oben kraxeln, da ein paar olle Klumpen finden, wieder runter, wird ein netter Ausflug. Dachte ich mir so. Das mit dem Unterholz war schon mal gar nicht falsch.

Aha, der Neckar fließt hier irgendwo im Unterholz.

Aha, der Neckar fließt hier irgendwo im Unterholz.

 

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Lebensgefahr! Fällarbeiten!, schrien die Schilder. Aber auf diesem Ohr bin ich manchmal taub.

 

Und keine Menschenseele weit und breit. Typisch für hier.

Und keine Menschenseele weit und breit. Typisch für hier.

Die Sache mit den ollen Klumpen sollte sich als völlige Fehleinschätzung herausstellen. Denn oben auf dem Berg, gegenüber von Neckargerach, steht eine – wenn man mal von kleinen Unordnungen absieht – , nahezu komplett erhaltene Burg. Oder zumindest eine komplette halbe Burg. Man könnte sofort einziehen. Jedenfalls im Sommer. Die Zentralheizung fehlt. Und hier und da auch das Dach. Aber sonst….

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Hat der arme Ritter Edelmut von Ehrenberg gebaut. Dafür war Geld da.

 

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Hatte natürlich was mit Liebe zu tun, logo.

 

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Hier hat olle Edelmut vielleicht hinausgeschaut und von seiner Minna geträumt.

 

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Minna war leider schon so gut wie tot, als der geliebte Edelmut von seinen Kreuzzügen zurückkehrte.

 

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Hier hätte das gemeinsame Esszimmer hingesollt. Wurde nun nichts draus.

 

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Und dabei hatte Minna wirklich lange auf Edelmut gewartet. Und sich in einer Höhle versteckt, um anderweitiger Vermählung zu entgehen. Machte man damals so.

 

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So starb sie unverheiratet. Und durch diese Fenster hat sie auch nie gucken können.

 

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Ich kann das nicht entziffern. Sie?

 

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Auf jeden Fall alles schwer romantisch da oben. Und menschenleer.

 

 

Wer also dieser Tage noch nichts vorhat: hingehen. Raufwandern. Hier steht die Wegbeschreibung.

Oder Sie gehen das Ganze als Teil des Neckarsteigs an. Dann können Sie auch die Margarethenschlucht noch mitnehmen.

Aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.

 

 

Und wenn Sie ein Schlösser-Fan sind: schaun Sie auch mal HIER. Lohnt auch einen Ausflug, in jeder Jahreszeit.

 

 

 

 

 

Versunken.

Unser heutiger Ausflugstipp führt Sie schon wieder ins Unterholz, sorry, aber das liegt quasi in der Natur der Odenwälder Sache. Und wieder kann man auf den zweiten Blick im Unterholz mehr entdecken als nur Unterholz.

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Also: Sie suchen sich auf der Karte das kleine Dörfchen Oberscheidental (Scheidental wie Wasserscheide – die zwischen Main und Neckar) und biegen dann quasi direkt in den finstren Wald ein.

Dann eine gute Stunde durch die Einsamkeit, immer bergab. Nur das Hecheln und Knistern und Knastern der Hunde im Ohr, falls Sie Hunde haben, so wie ich, und die empörten Rufe der Spechte. Keine Menschenseele weit und breit.

Dabei hat hier, mitten im Nirgendwo, mal ein stattlicher Hof gestanden.

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Hier hat einst ein Förster mit seiner Frau gewohnt. Der Gute rammte eines Nachts auf dem Heimweg mit seiner Kutsche einen Bildstock im nahegelegenen Dorf. Weil ihm das fromme kleine Bauwerk aber herzlich schnuppe war, fuhr er einfach weiter, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Macht man nicht, sowas. Im Odenwald schon zweimal nicht.

Logo, daß der liebe Gott (oder wer auch immer) das nicht durchgehen lassen konnte. Er schickte dem guten Mann und seiner alsbald hysterisch-kreischenden Frau eine Schlangenplage ins Haus.

Der Dorfpfarrrer, um Rat gefragt, empfahl die Reparatur des Bildstocks. Schlangenplage ade. Weil der Förster aber offenbar einer der ersten urkundlich erwähnten Geiz-ist-geil-Jünger war, krachte der billig reparierte Bildstock beim nächsten lauen Wind schon wieder um.

Und? Richtig! Das ganze Haus schon wieder voller Schlangen. Forstmann und Forstweib suchten schließlich das Weite, und ihr Schlangenhaus sucht bis zum heutigen Tage einen neuen Besitzer, leider bislang  erfolglos.

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Wer das Schlangenhaus gefunden hat, findet auch das versunkene Dorf. Immer tiefer geht es durch den Wald hinab ins Tal.

 

Bis sich plötzlich, völlig unerwartet, die Landschaft öffnet.

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Wer hier einen Moment innehält und in die Stille hineinlauscht, kann das Meckern der Ziegen hören, die gackernden Hühner und vielleicht das hungrige Schmatzen der klapperdürren Kühe, die hier um 1830 auf den Wiesen standen.

Kann das Kreischen spielender Kinder in zerrissenen Kleidern hören, die Rufe der Mütter, die Flüche der Väter, wenn wieder nicht genug zu essen auf den Tisch kam. Das dürfte in Galmbach öfter der Fall gewesen sein, denn die 150 Menschen, die hier in 19 Häusern lebten, waren bettelarm.

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Ein Großteil derer, die in Galmbach lebten, verdiente seinen Lebensunterhalt irgendwann nur noch mit Diebereien, Wilderei, kleinen Überfällen. Bis es den Nachbarn  – und dem Fürsten zu Leinigen zu blöd wurde. Der Fürst kaufte das Dorf, siedelte die braven Galmbacher in Nachbargemeinden um und gab ihnen besseres Land. Die Besitzlosen aber, die sich im Dorf breitgemacht hatten, wollte keiner haben. Also drückte man ihnen einen Reisegutschein in die Hand:

Einmal Nordamerika und nicht zurück.

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Als der letzte Galmbacher Haus und Hof verlassen hatte, ließ der Fürst die Häuser einreißen. Nur einen Hof ließ er stehen, als neue Dienstwohnung für seinen Förster. Schlangenfrei, siehe oben.

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Quelle und Buchtipp:

Rainer Türk, Wanderungen zwischen Elz und Neckar. Verlag: Hubert Brunnengräber, 2013.

 

Anm.:  Wers ganz genau wissen will, sollte die Kommentare zu diesem Post lesen. Meine Quelle ist bei der historischen Aufarbeitung der Geschichte Galmbachs offenbar etwas großzügiger vorgegangen als Kommentator Michael.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschichtsstunde im Unterholz.

Manchmal erzählt das Unterholz, erzählen die alten Kiefern und Buchen, die weiten Wiesen und Felder die tollsten Geschichten. Man muß nur genau hinhören. Hinschauen. Wie hier, rund um den kleinen Weiler Schlempertshof bei Höpfingen, unserem heutigen Ausflugstipp.

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Auch im Winter lohnt sich ein Spaziergang hier allemal. Wobei: was heißt in diesem Jahr schon Winter?

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In den letzten Kriegsjahren haben die Nazis hier am vermeintlichen Ende der Welt einen geheimen Flugplatz angelegt, dazu Bahnlinien und Transportwege durch den Wald, Munitionsdepots, Bunker, Baracken für Arbeiter und Kommandanten.

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Die Details von dem kleinen Stück großer Weltgeschichte im winzigen Schlempertshof kann man hier, sehr ausführlich und sehr interessant, nachlesen.

Und sich dann auf den Weg machen. Knapp 8 Kilometer durch den Wald und über die Felder. Zwei Stunden lang eintauchen in ein vergessenes, wiederentdecktes Stück deutscher Geschichte.

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Vor gut zwei Jahren hat der Heimatverein Höpfingen den Weg offiziell eingeweiht. Die Beschilderung führt den Wanderer sicher und informativ einmal quer durch die Geschichte des Flugplatzes. Vorbei an den stummen Zeugen jener Zeit, immer auf den Wald- und WiesenWegen, auf denen seinerzeit die Wehrmacht-LKWs entlangbrummten, Rekruten marschierten, Höpfinger Männer und Frauen Kisten mit Munition und Fallschirmseide schleppten. In dieser Gegend, in der der Krieg doch meilenweit entfernt schien.

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Den genauen Wegverlauf kann man hier herunterladen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die wilde Burg.

Regen. Wind und Kälte. Vorsichtig muß man einen Schritt vor den anderen setzen, um nicht ins Rutschen zu kommen, hier auf den matschigen Waldwegen. Immer steil bergab. In weiter Ferne, irgendwo bei Kirchzell, läuten die Kirchenglocken und rufen zum Gottesdienst. Alle anderen Geräusche verschluckt der Regen. Keine Menschenseele weit und breit.

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Die Gegend ist ideal für einen spannenden Ausflug zwischen den Jahren. Bloß gutes Schuhwerk brauchen Sie.

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Plötzlich steht man mittendrin in einem Stück Deutscher Geschichte.  An einem Abhang, hoch über den Wipfeln, mit weitem Blick ins Land, mitten im Odenwald.

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Die Burg Wildenberg. Gebaut irgendwann um 1200. Nur noch eine Ruine, aber trotzdem eine der besterhaltenen stauferzeitlichen Burgen in Süddeutschland.

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Wer ein bißchen Fantasie hat und ein bißchen Zeit, dem erzählen die alten Steine allerhand von der wildbewegten Geschichte der Wildenburg. Davon, wie fleißige Steinmetze die Burg Quader um Quader errichteten und in den Steinen ihre Zeichen hinterließen. Davon, wie hier mitten im Odenwälder Urwald vor hunderten von Jahren Protz und Prunk zuhause waren. Davon, wie die Burg immer wieder den Besitzer wechselte und davon, wie schließlich im Mai 1525 ein Haufen Bauernkrieger im Auftrag von Götz von Berlichingen die Festung niederbrannte.

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Wer ein bißchen Fantasie hat, und ein bißchen Zeit, der trifft hier oben all die Männer und Frauen, die einst auf der Burg gelebt haben. Sieht sie oben auf dem Turm nach Feinden ausschauen, sieht sie in der Kapelle sitzen, im Kellergewölbe Fleisch und Wein holen. Sieht, wie sie an kalten und regnerischen Tagen wie diesem im Palais versammelt sind und sich vom gigantischen Kamin wärmen lassen.

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Der sieht vielleicht auch den Dichter und Minnesänger Wolfram von Eschenbach, der hier auf der Burg seinen Parzival geschrieben haben soll, zumindest Teile davon, nachts beim Schein einer Kerze und tagsüber mit Blick übers Land.

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Wer ein bißchen Fantasie hat, und ein bißchen Zeit, der kann hier schon ein Weilchen zubringen, mitten in diesem steinernen Stück Geschichte.

Der kann dann weiter bergab gehen, auf einem der vielen Wanderwege, die irgendwann wieder nach Kirchzell oder Preunschen oder Amorbach führen.

Und dabei langsam, ganz langsam, auftauchen aus der Vergangenheit.

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P.S.: Die Wildenburg mitten in der Grünen Wüste hat es 2001 sogar bis auf die Kinoleinwände geschafft. In einem Film u.a. mit Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Corinna Harfouch und Heino Ferch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die einarmige Heilige.

Ich meine, das muß man sich mal vorstellen: Kommt der Vater zu Tür rein und sagt So, nun heirateste mal brav den lieben Samo. Ausgerechnet einen Wendenfürsten, unchristlich bis zum Gehtnichtmehr. Nee, also ehrlich.

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So ungefähr jedenfalls beginnt die Geschichte zu unserem heutigen Ausflugstipp.

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Tochter Notburga jedenfalls diskutiert mit dem Vater gar nicht erst lange rum, sondern macht sich schnellstens aus dem Staub. Versteckt sich in einer Höhle, um der Ehe zu entgehen. Machte man damals so, 7. Jahrhundert, naja, Sie wissen schon. Und weil es damals den McDonalds am Mosbacher Kreuz noch nicht gab, läßt sie sich das Essen in die Höhle von einer Hirschkuh bringen, 7. Jahrhundert, da waren die Dinge halt noch etwas altmodischer als heute.

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Wie dem auch sei: Der Vater ist zornig und sucht –  und findet die Tochter in der Höhle. Und will sie mit Gewalt nach Hause zerren, das wiederum war damals auch nicht anders als es heutzutage bei manchen Vätern immer noch so ist. Bei dem generationsübergreifenden Gerangel erweist sich Notburga zwar letzten Endes als die Stärkere, muß aber einen Arm lassen. Der Vater zieht also mit töchterlichem Arm unterm Arm, aber ohne eigentliche Tochter wieder ab.

Mit ohne Arm.

Mit ohne Arm.

Die Sage wäre keine echte Sage, wenn jetzt nicht eine Schlange ins Spiel käme. Eine sehr nette Schlange. Die bringt Kräuter und lauter feine blutstillende Sachen, als Notfallversorgung der etwas anderen Art. Die Wunde heilt, der appe Arm stört kaum, und Notburga verlegt sich von Stund an auf das Missionieren und christianisiert aus ihrer finstren Höhle heraus das halbe Neckartal.

Beim Stichwort Christanisieren sind wir jetzt natürlich bei der Kirche. Bei der klitzekleinen Kirche in Hassmersheim-Hochhausen, gleich bei der Notburga-Höhle um die Ecke. Daß das kleine Kirchlein genau da steht, wo es steht, ist auch die Schuld der einarmigen Dame. Die nämlich verfügt vor ihrem Tod, daß ihre Leiche bitteschön auf einem Wagen von wilden Ochsen egal-wohin gezogen werden möge, und wo die stehenbleiben, solle eine Kirche gebaut werden.

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Das kleine Kirchlein aus dem 12., 13. Jahrhundert ist so ziemlich eines der schönsten Ausflugsziele in der Region, wenn Sie mich fragen. Trotzdem ein Geheimtipp. Hier kommt kaum ein Fremder je vorbei, wenn man mal von Heidelberger Kunstgeschichtsprofessoren oder eingefleischten Heiligen-Verehrern absieht. Letztere gehen ja aber angeblich nur ungerne in evangelische Gotteshäuser.

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Wer das Kirchlein besichtigen will, guckt am besten vorher mal hier, von wegen Führung und so. Evangelische Kirchen sind ja ansonsten gerne geschlossen, fällt mir grad so ein.

 

 

 

 

Auf die Bäume, fertig, los.

Wir haben Ihnen für die Zeit bis zum 6. Januar, zwischen Gänsebraten und Plätzchenteller, zwischen Oma Eins und Oma Zwei-besuchen mal ein paar Ausflugstipps zusammengestellt. Falls Ihnen und Ihren Lieben zwischendurch mal nach Bewegung oder Fortbildung oder gar beidem zumute ist. Oder nach einem Ausflug in den Odenwald. So, wies aussieht, können Sie die Schneeketten getrost zuhause lassen und einfach leicht bekleidet durch die Gegend wandern. Und wenn Sie also noch kein rechtes Ziel vor Augen haben, bekommen Sie hier auf dem Blog in den kommenden Tagen ein paar Anregungen aus dem Archiv. Sagen Sie also hinterher nicht, Sie hätten nicht gewußt, wohin. Wir starten heute mit dem Watterbacher Haus bei Preunschen.

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Also, bitte:

Böse Zungen behaupten ja, daß zu Zeiten, als im nahegelegenen Heidelberg schon die feinen Damen in der Kutsche herumfuhren und die jungen Herren entweder studierten oder sich in Verbindungen herumschlugen –, daß also zu diesen Zeiten die Menschen im Odenwald noch auf den Bäumen saßen.

Das ist natürlich völliger Blödsinn. Die Odenwälder  – oder zumindest einige von ihnen – saßen nicht noch auf den Bäumen, sondern allenfalls schon wieder. Weil sie eben ziemlich clever waren, und weil sich da oben, in den Bäumen, eine Menge Geld verdienen ließ.

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Und die Geschichte dazu geht ungefähr so:  Irgendwann um das Jahr 800 besiedelten Mönche das Kloster Amorbach, und weil sie Orte und Weiler drumherum gründen sollten, mußten sie erstmal den Odenwald-Urwald roden. Der bestand seinerzeit nur aus Laubbäumen.

Und die Mönche rodeten und rodeten und gründeten und gründeten. Irgendwann war kaum noch Ur-Odenwald da, dafür aber eine Menge kleiner Besiedelungen, deren Bewohner aber alles andere als reich waren. Die Menschen nagten am Hungertuch, versuchten, auf dem gerodeten Waldboden allerlei Essbares anzupflanzen und fragten sich ansonsten, wie um alles in der Welt sie überleben sollten.

Irgendwann, Mitte des 19. Jahrhunderts, erreichte die Not ihren Höhepunkt und viele Odenwälder wanderten aus, die meisten Richtung Amerika. Ein paar Handwerker waren geblieben, aber auch sie mühten sich mehr schlecht als recht, denn in den Wintermonaten gab es für sie nichts zu tun. Und Wintermonate hatte es im Odenwald auch damals schon mehr als genug.

Nun gab es seit vielen Jahren die amtliche Anweisung, den Odenwald wieder aufzuforsten, mit Nadelholz. Gutes Holz bringt guten Ertrag, das war der staatliche Gedanke. Aufforsten ging aber nur mit teuer eingekauftem Samen. Da entwickelten die armen Odenwälder Handwerker ihre Geschäftsidee: Kiefern-, Lärchen-, Tannenzapfen in der arbeits-losen Zeit im Winter selber ernten, den Samen gut verkaufen. Der Beruf des Odenwälder Zapfenpflückers war geboren.

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Des Zapfenpflückers Ausrüstung: ein Jutesack, zwei starke Arme und gesunde Beine. Sein Erkennungszeichen: aufgeschrammte Ellenbogen, wunde Knie. Wer jung und stark genug war, robbte die Stämme hinauf auf die Bäume; wie die Affen tummelten sich Männer in den Wipfeln, 20, 30 Meter hoch. Irgendwann erfand ein schlauer Odenwälder Zeitgenosse Steigeisen für Zapfenpflücker, das machte die Sache etwas einfacher. Die Männer kletterten und holten säckeweise Zapfen von den Bäumen.

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Zu Hoch-Zeiten lebten allein im kleinen Kirchzell bei Amorbach im Odenwald rund 50 Zapfenpflücker. Die waren so erfolgreich und so unerschrocken, daß sie im Auftrag einer Samenhandlung bald in halb Europa hauptberuflich auf die Bäume stiegen.

Auch wenn heute der Bedarf an Kiefern- oder Lärchen-Samen lang nicht mehr so groß ist: Ein paar Zapfensteiger gibt es immernoch. Die sehen inzwischen aus wie High-Tech-Gebirgskletterer, ausgerüstet mit Helm, mit Haken und mit Seilen. Ihre Berufskollegen von anno dazumal würden das vermutlich nur müde belächeln. Schließlich gehörte seinerzeit noch ein Haufen Mut und eine Portion Leichtsinn mit zum Job.

Immer dann zum Beispiel, wenn dem Zapfensteiger das Gesteige auf den Nerv ging und er beschloß, mal rasch von einem Baumwipfel zum nächsten zu springen.

War beliebt und ging ganz einfach: Baumwipfel zum Schwingen bringen und dann – im entscheidenden Moment – mit Hurraa und Sack und Pack in 30 Meter Höhe rüberhopsen, in den nächsten Gipfel.

Meistens ging das gut.

Meistens. 

 

Wers ein bißchen genauer wissen will, oder sich auch sonstwie dafür interessiert, wie Wald und Lebensunterhalt zusammenhingen, Anno Tobak, dem sei das Odenwälder Waldmuseum Watterbacher Haus empfohlen. Winzig klein, aber sehr spannend. Kann man dann mit einem Ausflug auf die wilde Wildenburg verbinden. Über die berichten wir dieser Tage auch noch mal.

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