Ein Kriegserlebnis.

Ich hatte neulich ein Kriegserlebnis, mitten im Wald. Das mag nun etwas merkwürdig klingen, im Jahr 2016, tief in der deutschen Provinz, aber es fühlte sich so an. Und es war einer dieser Momente, wo einem plötzlich etwas ganz glasklar wird, wo man etwas tatsächlich spürt, was man bislang zwar im Kopf gewußt, aber eben nie so richtig erfahren hat. Sie können diese Geschichte jetzt lächerlich finden oder nicht, vielleicht ist sie tatsächlich lächerlich, aber ich wollte sie nun doch loswerden.

Ich war da also unterwegs in einem Wald bei Altheim, das gehört zu Walldürn, und die Leute hier legen Wert darauf, dass sie nicht mehr zum Odenwald gehören, sondern zum Bauland, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Jedenfalls hat der Altheimer Heimatverein einen kleinen Lehrpfad angelegt, hier im lauschigen Wald, einen Pfad, der mehrere Bombentrichter aus dem Zweiten Weltkrieg miteinander verbindet.

bomben1

Die Bombenabwürfe über dem Wald bei Altheim sind mehr als 70 Jahre her, das ist nun wirklich eine lange Zeit, und tatsächlich sind die Bombentrichter so gesehen reichlich unspektakulär. Ein Zeitzeuge hatte den Heimatverein auf die Idee gebracht, die Bombentrichter dennoch wieder zugänglich zu machen; jener Mann war am 9. September 1944 als Kind auf den Altheimer Feldern unterwegs gewesen, als sich von Richtung Mannheim/Ludwigshafen dröhnend und brummend um die 500 Kriegsflugzeuge näherten, Bomber und Jagdflugzeuge.

Die Amerikaner hatten den Rangierbahnhof in Mannheim bombardiert und waren nun auf dem Rückflug. Irgendwas bewog sie, Ladung abzuwerfen, übriggebliebene Bomben, die beim Flug nur Ballast waren. Also ließen sie die Bomben fallen, bei Altheim, über dem Wald.

All das hat der Heimatverein akribisch recherchiert und dokumentiert, zunächst etwas widerwillig, dann mit steigendem Interesse und Begeisterung, und nun ist also in vielen freiwilligen Arbeitsstunden der kleine Lehrpfad entstanden, 70 Jahre nach dem Kriegsgeschehen. Am Startpunkt gibt es eine kleine Tafel, da ist von Krieg und Frieden die Rede, und davon, wie wichtig der Frieden auf der Welt ist, so pädagogische und irgendwie rührende Sätze auch für Kinder und für Jugendliche, naja, man kennt das ja.

Da oben bin ich also unterwegs an einem herrlichen Nachmittag, die Sonne blitzt durch die noch grünen Buchenblätter, die Vöglein piepsen, ein Specht hämmert wild auf einen toten Stamm, sonst hört man nichts im Wald. Ich laufe die elf freigelegten Bombentrichter ab, entdecke zwischendurch im Unterholz noch andere. Große runde Krater in der Erde, vielleicht fünf oder auch mal acht Meter im Durchmesser. Tiefe, aber unscheinbare Löcher, aus denen inzwischen die Bäume herauswachsen, an denen man vermutlich achtlos vorbeigegangen wäre, wenn man nicht wüsste, was es ist.

bomben2

Nah beieinander liegen die Trichter, so nah, dass man von einer Kraterlandschaft sprechen könnte. Und plötzlich sehen die Löcher für mich aus wie überdimensionierte Narben, wie in den Waldboden geschlagene riesige Wunden. Die Vöglein piepsen, der Specht hämmert weiter, es könnte nicht friedlicher sein, und ich gehe von einem Krater zum nächsten, schaue hinab in die Löcher und spüre förmlich die Kräfte, die hier und anderswo gewütet haben müssen. Die Zerstörung, die Wucht, die Gewalt, all das ist plötzlich wie in einem Brennglas zu erkennen, hier im spätsommerlich warmen Wald. Und irgendwie bin ich ehrlich ergriffen, das ist ein peinliches Wort, aber mir fällt nun kein besseres ein, der tiefe Friede um mich herum, die piepsenden Vöglein, das raschelnde Laub, der Specht – und die Krater.

Und ich denke darüber nach, dass ich natürlich dauernd ganz entsetzliche Bilder von Kriegen und Bombenangriffen sehe, es gibt ja weiß Gott genug davon auf der Welt, jeden Tag, in jeder Zeitung, auf jedem Kanal, und ich denke an die syrischen Flüchtlinge, von denen ich dieses und jenes gehört habe an grauenhaften Geschichten, die mir allesamt nachgehen. Und die mir doch, so scheint es mir plötzlich, ferner bleiben als diese paar uralten Krater im Wald.

Es gibt da wohl eine psychologische Erklärung, so sagt eine Freundin, und sinngemäß geht die ungefähr so: was ich im Fernsehen sehe, oder auf Bildern, das tägliche Grauen, das wird mir alles durch einen Filter vor Augen geführt, ich erfahre das alles gottlob nur aus zweiter Hand. Mit den Berichten der Flüchtlinge ist es dasselbe, ich bekomme etwas erzählt, aber ich erfahre es, wieder gottlob, nicht selber, ich fühle es nicht in seiner wahren Dramatik.

Und da stolpere ich also durchs Unterholz irgendwo in der süddeutschen Provinz und gehe über den neuen Lehrpfad eines klitzekleinen Heimatvereins und bekomme eine tatsächliche, fast körperliche Ahnung, wie das war und was das ist: Krieg, Zerstörung, Gewalt.

Vielleicht ist das tatsächlich lächerlich, wer weiß das schon. Sie können es ja selber einmal testen, wenn Sie das nächste Mal in der Gegend sind. Dann fragen Sie in Altheim einfach nach dem Lehrpfad am Noledorn und gehen Sie auf eine kleine Zeitreise ins Jahr 1944. Vielleicht macht Sie das noch ein bisschen sensibler für das Heute. So war es bei mir jedenfalls.

 

 

 

Ein Tipp.

Wenn Sie für morgen, Sonntag, noch nichts vorhaben und irgendwo in der Region wohnen, dann könnte ich Ihnen einen Ausflug ins benachbarte Wagenschwend empfehlen. Das ist jetzt nicht wirklich der Nabel der Welt, also nicht vergleichbar mit Barcelona oder München, aber dafür eben umso beschaulicher. Und das Museumsfest in Wagenschwend eines der nettesten Feste weit und breit, so sagt man mir zumindest.

dav

Ich muss gestehen, dass ich da selber noch nie war, bei einem dieser Feste, Asche auf mein Haupt, irgendwas kam immer dazwischen. Aber diesmal bin ich ganz bestimmt dabei, ich habe nämlich vor einiger Zeit eine Beitrittserklärung für den Museumsverein unterzeichnet, solche Arbeit muß man schließlich unterstützten. Ich war mein Lebtag noch nicht Mitglied in irgendeinem Verein, das wurde nun mal Zeit. Und dass ich seit 15 Jahren Mitglied bei der Buchener FG Narhalla bin (ja, da staunen Sie), das verschweigen wir an dieser Stelle, weil ich mich nicht mehr erinnern kann (und selber staune), wie das wohl zustande kam. Aber austreten gehört sich nicht, Brauchtum undsoweiter, naja, Sie wissen schon.

Jedenfalls bin ich auch im winzigen Wagenschwender Museum gerne Mitglied, die machen eine tolle Arbeit da, vor und hinter den Kulissen, und dem Chef sind wir inzwischen von Herzen sehr verbunden. Und morgen also wird gefeiert, da gibt es allerlei zu sehen und zu lernen und zu trinken und zu essen.

dav

Der alte Stein-Ofen war heute vormittag schon angeheizt, die ersten Brote sind gebacken, sie können gekauft oder auch gleich verzehrt werden. Ich habe sowohl als auch, heute mittag schon.

dav

Ich habe da also heute schon ein bisschen rumgestanden und den Vereinskollegen bei den Vorarbeiten zugeschaut und schlaue Reden geführt und zwei, drei Handgriffe geholfen und mich einweisen lassen. Morgen bin ich nämlich eingeteilt zum Soße schöpfen für die Gäste, das ist eine wirklich verantwortungsvolle Aufgabe für so ein Neumitglied wie mich, und man sieht daran, dass ich so langsam ankomme in der Dorfgemeinschaft. Bratwurstsoßeschöpfen als Initiationsritus, ich hoffe, ich bestehe das. Ich meine, sind wir doch mal ehrlich: die Soße auf das Kraut statt auf die Wurst, oder auf die Wurst statt auf die Schupfnudeln, da heulen die Kinder und murren die Väter, man kennt das von sich selber, da ist das ganze Fest doch schon gelaufen. Eben. 

dav

Also, langer Rede kurzer Sinn: Ich gebe mein Bestes, und Sie kommen halt mal vorbei, wir wollen schließlich Spaß haben und Geld verdienen, beides kann so ein Museum auf dem Dorfe gut gebrauchen. Das mit Ihrer Soße auf den Würsten kriegen wir dann auch noch hin. Und außerdem ist ein Imker da mit Bienen und mit Honig, einer macht Most, und und und, und Kinderschminken gibt es auch, falls Sie darauf besonders spekulieren. Und natürlich gibts das kleine, liebevoll gemachte Museum vom Keller bis zum Dach, alles voller Erinnerungen und Funden aus der guten alten Zeit, die gar nicht immer nur so gut war auf dem Lande.

dav

Also: Sonntag, 11 bis 18 Uhr in Wagenschwend, das gehört zu Limbach, Ihr Navi weiß dann schon bescheid. Und Limbach (Baden), nicht Limbach-Oberfrohna, falls Sie von weiter weg hierherkommen und Ihr Navi fragen sollte. Is klar. Und hier können Sie nochmal im Internet zum Museum nachlesen.

Hier im Blog haben wir auch schon manches mal über das Engagement des Museumsvereins berichtet, unter anderem über die Forschungen rund um eine polnische Zwangsarbeiterin, die in Wagenschwend erschossen worden war, 1945. Und zuletzt darüber, wie die Geschichte weiterging, hier können Sie das nochmal nachlesen, beachten Sie da auch die Kommentare. Und den Hinweis auf das Büchlein, das können Sie beim Fest natürlich kaufen. 

 

 

Sommerfrische.

Zur ärztlich verordneten Sommerfrische gehört auch ein Kulturprogramm, ja, das hätten Sie nun nicht gedacht. Ich auch nicht. Aber das gibt mir die Gelegenheit, Ihnen einen kleinen Ausflugstipp zu offerieren. Außerdem gibt es mir die Chance, mich in Ruhe und Geduld zu üben, das hauseigene Internet fordert da alles vom Benutzer, Sie dürfen sich das in etwa vorstellen wie die digitalen Zustände in belgisch-Kongo, aber wir wollen nicht maulen. Oooooom.

DSC_5146_2062

Wie dem auch sei, ich war also in Wissembourg und kann das nur empfehlen. Kennwa, warnwa schon, alles voller doofer Touris. Ja, ja, ja, das ging mir ganz genauso, aber hinterher war alles anders, wie so oft im Leben.

DSC_5179_2027

Das Geheimnis liegt im Stadtführer, das klingt nun furchtbar spiessig, erwies sich aber als sehr sinnvoll, so ein Mensch zeigt einem ja Ecken und Kanten, die man ohne ihn niemals entdeckt hätte, und die ersten zwei Stunden hätte ich schwören können, ich sei noch nie in dieser kleinen Stadt gewesen.

DSC_5183_2028

Spiessig hin oder her, Sie sollten sich das angewöhnen, erstmal mit einem begeisterten Ortskundigen neue Orte zu erkunden. Ich könnte Ihnen inzwischen die tollsten Geschichten aus Wissembourg erzählen, und Ihnen an die 490 Fotos zeigen, wie weiland Onkel Karl bei den beliebten Dia-Abenden für die Familie, allein, das belgisch-Kongo-Internet, Naja, Sie wissen schon. DSC_5165_2046

DSC_5155_2068

DSC_5143_2061

Stay tuned. Sagt man ja so.
 

 

 

 

Nochn Tipp.

Wenn ich die Großstädter in meiner Twitter-Timeline nicht hätte, ich wüsste schier nicht, wohin an schönen Wochenenden in der Provinz. Es ist nicht zu glauben, tztztztz. In diesem Sinne gibts heute einen Ausflugstipp, den ich von der freundlichen Geschichtenagentin aus der nächsten Großstadt bekommen habe, danke dafür.

image

So war ich also mal rasch in Italien mit meinem Geo, der ja ohnehin dauernd plärrt, er wäre lieber dort als im unwirtlichen Odenwald, schon wettertechnisch undsoweiter. Ein paar Kilometer Richtung Norden gefahren, nach Aschaffenburg, das ist nicht weit von uns und eigentlich schon lang bekannt. Eigentlich, naja, Sie wissen schon. Der italienische Teil Aschaffenburgs war uns gänzlich unbekannt, aber er war die kleine Reise durchaus wert. Die ganze Anlage ist ein Traum und lädt zum Schauen und Verweilen und Lustwandeln ein. Die Fotos hier werden vielleicht auch Sie überzeugen, den Text und die nötigen Infos dazu finden Sie bei der (klick:) lesenwerten Geschichtenagentin.

DSC_3753_1769

DSC_3769_1779

DSC_3768_1778

DSC_3767_1777

DSC_3754_1770

DSC_3759_1773

DSC_3774_1783

DSC_3765_1776

DSC_3775_1784

DSC_3782_1787

DSC_3771_1781

DSC_3761_1774

DSC_3779_1785

Und noch ein Tipp: Gehen Sie da nicht an einem strahlend schönen Muttertagssonntag hin. Es war die Hölle los. Menschen aus aller Herren Länder, vereinzelt sogar Bayern dazwischen. Ein babylonisches Sprachengewirr. Warten Sie lieber auf einen strahlend schönen Werktag.

 

 

 

 

 

Ein Tipp.

Meine bereits erwähnte Gelbsucht hat mich dieser Tage in das kleine Bödigheim geführt, da gibt es eines der zahlreichen Schlösser hier in der Region, niederer Landadel undsoweiter, naja, Sie wissen schon. Das Schloß kann man leider nur von außen begucken, weil darinnen ganz normale Menschen wohnen, zur Miete, sehr profan, aber die (Klick:) Anlage ist sehenswert, und besonders hübsch ist der kleine Park dahinter.

DSC_0013_1752

DSC_0015_1753

DSC_3665_1760

Ich hatte leider nur wenig Zeit, das Gelb so richtig in Szene zu setzen, denn kaum hatte ich die Kamera ausgepackt, um mich an die Löwenzähne heranzuschleichen, näherte sich brüllend eine Art Micky Maus auf einem überdimensionierten Rasentraktor, es war vielmehr ein halber Rasen-Panzer, ein unglaubliches Teil, das furchterregend seine Bahnen zog und von einem Herrn mit, siehe oben, Micky-Maus-Ohrenschützern gelenkt wurde. Das mit dem Gelb hat sich also vermutlich inzwischen erledigt.

Ich kann Ihnen das Schloß trotzdem sehr empfehlen, wenn Sie in der Gegend unterwegs sind. Sie können nach soviel lauschiger Idylle im Schloßgarten dann auch einen Abstecher zum Jüdischen Friedhof in Bödigheim machen, auch der ist absolut sehenswert und gilt als einer der ältesten in der Region. Hier können Sie das nochmal nachlesen, ein Beitrag aus uralten Zeiten, als ich noch mit dem Händi experimentelle Fotos machte.

Dieser Tage gibt es da eine Führung, über den Friedhof, normalerweise kommt man nämlich auch da nicht rein (wenn man nicht die Schlupflöcher kennt, ähem), ich fürchte aber, ich habe Datum und Uhrzeit nur im Vorüberfahren gesehen und nicht im Kopf behalten. Aber vielleicht kann das ja jemand in den Kommentaren nachtragen. Oder Sie finden halt das Schlupfloch.

 

 

 

Augustinisch unterwegs.

Bewegen Sie sich an der frischen Luft, gehen Sie wandern, machen Sie Ausflüge, sagt die freundliche Ärztin, und weil ich in der Regel tue, was man mir sagt, habe ich also heute tatsächlich mal einen richtigen Ausflug gemacht, also so einen richtig richtigen, mit längerer Anfahrt und Proviant und allem Pipapo, und daraus wird jetzt ein Ausflugstipp für alle, die heute schon ans nächste Wochenende denken und vielleicht mal in den Main-Tauber-Kreis rüberschauen wollen.

image

Ich hatte zugegeben keine Ahnung, wer oder was Messelhausen ist und dass es da mal ein Augustinerkloster gab, aber wofür hat man facebook-Bekanntschaften, die nicht nur theologisch, sondern auch wandernd unterwegs sind. So gesehen ist dieser Ausflugstipp ein abgeguckter, danke dafür an den facebookenden Pfarrer in meiner Freundesliste.

DSC_2509_1431

Sie müssen aber selber gar nicht theologisch drauf sein, wenn Sie rund um Messelhausen wandern und ab und zu augustinische Weisheit lesen wollen, theologisch oder gar fromm, der Weg lohnt sich allemal, und hin und wieder am Wegesrande innehalten und ein bißchen nachdenken hat ja noch niemandem geschadet, auch Atheisten nicht.

DSC_2476_1420

Also, wie dem auch sei: es gab da dieses Kloster Messelhausen, ein Augustinerkloster, und dort hatte man ein besonderes Faible für – wen wundert es – den Augustinus. Ob der gerne wandern ging, muß an dieser Stelle unbeantwortet bleiben, jedenfalls sind rund um das Messelhausener Kloster in den vergangenen Jahren mehrere Wander- oder eher Pilgerwege entstanden, die sich Augustinus und seiner Sicht der Dinge widmen.

DSC_2502_1429

DSC_2529_1405

So geht man also von Station zu Station durch die Felder und Wiesen, über kleine Bächlein und durch weite Täler, vorbei an Sinnsprüchen und manchen Skulpturen, durch lichte Buchenwälder, in denen in diesen Tagen Buschwindröschen und Bärlauch um die Wette wachsen. Das ist in der Tat sehenswert, und falls Sie für soetwas einen Sinn haben, sollten Sie so bald wie möglich dort vorbeischauen und ernten oder einfach nur schweigend das Schauspiel genießen.

DSC_2626_1397

DSC_2612_1393

DSC_2621_1395

DSC_2496_1427

DSC_2475_1419

DSC_2491_1425

Vier verschiedene Routen gibt es, ich hatte mich für den Schwarzen Weg entschieden, für den Klassiker für Augustiner-Anfänger sozusagen. Dass das Wanderzeichen, dem ich vier Stunden lang folgen musste (oder durfte), nun ausgerechnet ein flammendes Herz ist, das betrachten wir jetzt mal als eine kleine augenzwinkernde Ironie, die der Herr Augustinus der burnout-geschädigten Seele mit auf den Weg geben wollte, zwinkerzwinker, hahaha. Der hat ja offenbar Humor, der Gute.

DSC_2479_1422

Ich werde mir die anderen Routen auch noch vornehmen, und vielleicht kaufe ich mir mal ein Buch von oder über Augustinus, das kann in einem evangelischen Haushalt nicht verkehrt sein. Schlimm genug, dass sich sowas hier noch gar nicht findet. Einstweilen lege ich Ihnen die Messelhausener Wege ans Herz, ans flammende und auch ans ausgebrannte, nur sollten Sie da nicht im Hochsommer lang, auf den weiten Strecken über die Felder brennt es Ihnen sonst das Hirn weg oder flammt Ihnen ein veritabler Sonnenbrand die Stirne rot.

DSC_2515_1402

DSC_2517_1403

DSC_2622_1396

DSC_2465_1417

DSC_2639_1401

 

Hier finden Sie ein paar nähere Informationen zu den Wegen, und hier auch.

 

Die Eremitage.

Wir haben hier mal wieder einen Ausflugstipp für Sie, ausnahmsweise nicht aus dem Odenwald. Unsereiner kommt ja rum, nicht wahr, vorallem an verregneten Wochenenden. Schönes Wetter wäre diesmal eindeutig schöner gewesen, aber das, was wir sehen wollten, war das Gebäude von Innen; und das, was draußen ist, ist eh derzeit eine riesige Baustelle. Ein Abstecher lohnt sich trotzdem allemal. Oder Sie merken sich das rasch fürs Jahr 2018 oder 2019 vor, wenn Sie da noch einen Termin frei haben, bis dahin dürften auch die Außenanlagen fertiggestellt sein.

image

Ich wohne hier quasi um die Ecke, sagt der Mann mit dem grauen Haar und lächelt ein bisschen entschuldigend, aber ich war seit 20 Jahren nicht mehr da. Tat zu sehr weh, das Ganze. 45 Jahre lang hat er für die Zuckerfabrik gearbeitet, jedes Gebäude auf dem riesigen Areal kannte er wie seine Westentasche. Auch die historischen Verwaltungsgebäude, in denen ging er ein und aus. Aber die waren damals noch nicht so schön hergerichtet wie heute. 

DSC_0004_872

Anfang des 18. Jahrhunderts hatte der damalige Fürstbischof von Speyer mit dem Bau der Eremitage in Waghäusel begonnen, die genaue Geschichte können Sie hier nachlesen, mir zumindest war das alles völlig neu, obwohl ich die Region seit gefühlten Jahrzehnten kenne. Jedenfalls machte der berühmt-berüchtigte Reichsdeputationshauptschluß der ganzen Sache einen Strich durch die Rechnung, und die Eremitage fiel an den badischen Staat. Der wiederum verkaufte das gesamte riesige Areal 1837 an die Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation, und das barocke Schlösschen fand sich schlußendlich in einem Industriegebiet wieder.

DSC_0005_873

Die Zuckerfabrik machte 1995 dicht und verkaufte das Gelände wieder, mit barockem Schlösschen, Parkanlagen, Fabrikhallen und Silotürmen. 13 Hektar Fläche, die seitdem der Stadt Waghäusel gehören.  

DSC_1096_878

Die Silotürme wollen sie jetzt irgendwann endlich abreißen, erzählt der Mann, auch das tut mir irgendwie leid, ich habe hier nicht nur gearbeitet, ich habe für die Zuckerfabrik gelebt. Heute also ist er zum ersten Mal wieder hier auf dem Gelände und schaut sich um, an seinem ehemaligen Arbeitsplatz.

DSC_1091_875

In einem der Gebäude, dem sogenannten Küchenbau, ist eine Galerie untergebracht, es gibt wechselnde Ausstellungen moderner Kunst und ein winziges, wunderbares Café. Der Galerist schleppt Tabletts mit selbstgebackenem Kuchen und gutem, starkem Kaffee in 70er-Jahre-Tassen herbei, er plaudert mit den Gästen und erklärt bei Bedarf die aktuelle Ausstellung.

DSC_1106_881

DSC_1120_887

DSC_1109_884

DSC_1108_883

Das sieht schon toll aus jetzt, sagt der Zuckermann, und der Schokoladenkuchen war der beste, den ich je gegessen habe, und wieder lächelt er halb verlegen, halb entschuldigend. Vielleicht komme ich mal wieder. 

Wir haben das definitiv auch vor. Sei es zur nächsten Ausstellung oder nur auf einen Kaffee in ungewöhnlichem Ambiente. Oder, um mal mit der Kamera über das ehemalige Fabrikgelände zu stolpern, keine Ahnung, was es außer den riesigen Silotürmen dort noch zu sehen gibt, wo man überall noch hinkommt. Oder durch den Park hinter dem Schloß, der derzeit eine große Baustelle ist.

Schlimm genug, dass wir das alles noch nicht kannten.

DSC_1128_890

 

Wenn Sie da mal hinwollen: die aktuelle Ausstellung läuft noch bis Ende Februar, bis dahin ist der Küchenbau sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Ob und wie man in das Hauptgebäude des Schlosses hineinkommt, ist uns nicht ganz klar geworden, offenbar nur zu Veranstaltungen. Oder Sie lassen sich da standesamtlich trauen, falls Sie eh grade sowas in der Art planen, das wäre auch eine Möglichkeit, die ich der Homepage entnehme. Auf der sollten Sie einfach mal stöbern, und dann einfach mal hinfahren. 

 

 

 

Tarnname: Goldfisch.

Ich sehe sie vor mir, wie sie in ihren Uniformen an einem dunklen Eichentisch stehen, Landkarten auseinanderfalten und sich konzentriert darüberbeugen. Wie ein Zeigefinger von Berlin aus Richtung Süddeutschland über die Karte fährt, vorbei an Frankfurt und Darmstadt, weiter nach Süden.  Dann im Odenwald zögert, und am Rand des Odenwaldes anhält.

Genau da, wo der Neckar sich mit seinem Tal direkt an die wildromantischen Odenwaldhänge schmiegt. Da, wo auf der Landkarte das winzige Dörfchen Obrigheim eingezeichnet ist. Da, wo die Welt halbwegs in Ordnung und der Krieg immernoch weit weg ist Anfang 1944.

DSC_0035

Ich höre einige aus dem Jägerstab sagen: Wieso denn ausgerechnet da? Odenwald? Neckartal? Wo um Himmelswillen soll das sein? Und ist das nicht ein bißchen sehr weit weg? Nein, ist es nicht. Es ist optimal für ihre Zwecke, hier gibt es die versteckten Gipsstollen im Berg, hier finden sie uns nie, und hier gibt es in der Nähe eine Bahnlinie. Güterverkehr. Genau das, was wir brauchen.

DSC_7243

DSC_7242

Seit Anfang  1944 haben die Bombenangriffe rund um Berlin zugenommen, auch die auf das kleine Genshagen. Hier hat Daimler-Benz ein großes Werk, Flugzeugmotoren, kriegswichtiges Material. Das soll jetzt verschwinden. Versteckt werden, damit man weiter produzieren, weiter Bomber Richtung Alliierte schicken kann. Das Werk soll unter die Erde verlegt werden. In Obrigheim. Am Rande des Odenwaldes.

Schon im März 1944 kommen die ersten 500 Häftlinge. Zwangsarbeiter, politische Gefangene aus Dachau. Zusammengepfercht in der kleinen Grundschule in Neckarelz.  Jeden Morgen nach dem Appell müssen sie zu Fuß in groben Holzschuhen und ihren gestreiften Häftlingsanzügen Richtung Obrigheim aufbrechen, quer durch Neckarelz, dann über die Neckarbrücke, rauf zum Gipsstollen.

DSC_7282

Das dunkle Loch im Berg soll sich in nur sieben Wochen in eine riesige Produktionshalle verwandeln, in eine unterirdische Fabrik mit einer Grundfläche von 50.000 Quadratmetern, hoch genug, damit Kräne und schwere LKW hier ein- und ausfahren können.  Daimler-Benz leiht sich für vier Reichsmark pro Tag von der SS insgesamt bis zu 3500 KZ-Bauhäftlinge, die den aberwitzigen Plan umsetzen sollen. Koste es, was es wolle.

Die Männer aus allen Teilen Europas schuften um ihr Leben, rackern sich zu Tode. Tonnenweise Stahl, Beton, Holzbalken, alles schleppen die ohnehin schon ausgemergelten Arbeiter zu Fuß über 40 Höhenmeter eine schmale, wacklige Treppe im Hang zum Stollen hinauf, wer mit den ausgetretenen Holzschuhen auf dem schlammigen Grund ins Rutschen kommt, muß sehen, wo er bleibt. Oder bekommt Schläge. Schufte, oder stirb.

Den Stollen selber höhlen sie mit Hacke und Spaten aus, Zentimeter um Zentimeter, verlegen Leitungen, bauen Küchen und Sanitäranlagen in den Berg. Zu Essen gibt es Wassersuppe.  Immer wieder kommt menschlicher Nachschub für das Projekt unter dem Tarnnamen Goldfisch, viele der Männer sterben an Erschöpfung, verhungern, gehen im Krankenlager des Neckarelzer KZ elend zugrunde.

DSC_7257

2000 Maschinen aus Berlin werden geliefert. 7000 Mann Belegschaft aus Genshagen sollen in der neuen Fabrik im Berg so schnell wie möglich ihre Arbeit aufnehmen. Die Zeit drängt, die Alliierten rücken näher, und Daimler-Benz will retten, was zu retten ist und die Produktion der Flugzeugmotoren nicht aussetzen. Die Wächter im Obrigheimer Stollen werden immer hektischer, drängen die fast Verhungernden, noch schneller zu arbeiten. Wer nicht schnell genug war, bekam Schläge, bis er gar nicht mehr arbeiten konnte, erinnert sich ein französischer Überlebender. Schnell! Schnell!, das riefen die Deutschen immerzu.

DSC_7245

DSC_7271

DSC_7265

Am 10. November 1944 wird die geheime Flugzeugmotorenfabrik unter der Erde feierlich eingeweiht. Die Häftlinge haben 50.000 Quadratmeter Stollen besenrein hergerichtet, müssen ein Musikstück spielen für den hohen Besuch aus Berlin. Der Großbetrieb mit fast 10.000 Beschäftigten nimmt die Produktion auf.

Dann kommen die Amerikaner. Haben die Anlage geortet, werfen erste Bomben. Es heißt,  daß es den Befehl aus Berlin gegeben habe, alle KZ-Arbeiter im Stollen zu versammeln und den ganzen Berg zu sprengen.  Der Kommandant verweigert das. Stattdessen werden die Häftlinge zu Fuß losgeschickt. Für viele ein Todesmarsch. Die, die sich nicht mehr alleine auf den Beinen halten können, Hunderte sind das, werden hektisch  zum nächsten Bahnhof gebracht und in einen Zug gepfercht.

Der bleibt mit einem Triebwerksschaden schon nach wenigen Kilometern bei Osterburken im Gelände stehen. Stundenlang harren die Überlebenden im Zug aus, lauschen in die Totenstille draußen.

Bis sie merken:  Ihre Peiniger sind verschwunden.

Davongerannt über Gleise und Wiesen.

Sie sind weg.

 

 

Genauer und fundierter kann man dieses Stück deutscher Geschichte hier nachlesen.

Seit Jahren kümmert sich sehr engagiert – und zunächst nicht immer wohlgelitten – der Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz um dieses Thema. Ein Besuch der Gedenkstätte neben der Neckarelzer Grundschule ist absolut empfehlenswert. Ebenso die ca. einstündige Wanderung über den Goldfisch-Geschichts-LehrPfad durch den Wald zum Obrigheimer Stollen, auf dem auch die Bilder zu diesem Blogbeitrag entstanden sind. Fotografieren am und im Stollen geht nur mit Voranmeldung und Genehmigung, weil hier inzwischen wieder industriell Gips abgebaut wird.

Einmal im Jahr kommt man trotzdem hinein: Immer im Herbst organisiert der Gedenkstättenverein eine Busfahrt in den Berg, in dem Reste der Fabrik noch zu sehen sind. In den vergangenen Jahren waren da auch immer wieder Überlebende aus Frankreich dabei. Aber sie werden immer älter, immer weniger.

 

 

 

 

Lovestory.

Hierzulande wimmelt es ja nur so von ollen Burgen und Schlössern, und viele davon nimmt man gar nicht recht als solche wahr. Ein Fehler, wie sich einmal mehr herausgestellt hat. Sie können sich in den Tagen nach Silvester selber davon überzeugen.

image

Eher durch Zufall kam ich irgendwann auf die Idee, mal nach den Resten der Minneburg bei Neckargerach zu schauen. Durchs Unterholz nach oben kraxeln, da ein paar olle Klumpen finden, wieder runter, wird ein netter Ausflug. Dachte ich mir so. Das mit dem Unterholz war schon mal gar nicht falsch.

Aha, der Neckar fließt hier irgendwo im Unterholz.

Aha, der Neckar fließt hier irgendwo im Unterholz.

 

DSC_0050

Lebensgefahr! Fällarbeiten!, schrien die Schilder. Aber auf diesem Ohr bin ich manchmal taub.

 

Und keine Menschenseele weit und breit. Typisch für hier.

Und keine Menschenseele weit und breit. Typisch für hier.

Die Sache mit den ollen Klumpen sollte sich als völlige Fehleinschätzung herausstellen. Denn oben auf dem Berg, gegenüber von Neckargerach, steht eine – wenn man mal von kleinen Unordnungen absieht – , nahezu komplett erhaltene Burg. Oder zumindest eine komplette halbe Burg. Man könnte sofort einziehen. Jedenfalls im Sommer. Die Zentralheizung fehlt. Und hier und da auch das Dach. Aber sonst….

DSC_0098

Hat der arme Ritter Edelmut von Ehrenberg gebaut. Dafür war Geld da.

 

DSC_0087

Hatte natürlich was mit Liebe zu tun, logo.

 

DSC_0102

Hier hat olle Edelmut vielleicht hinausgeschaut und von seiner Minna geträumt.

 

DSC_0108

Minna war leider schon so gut wie tot, als der geliebte Edelmut von seinen Kreuzzügen zurückkehrte.

 

DSC_0096

Hier hätte das gemeinsame Esszimmer hingesollt. Wurde nun nichts draus.

 

DSC_0089

Und dabei hatte Minna wirklich lange auf Edelmut gewartet. Und sich in einer Höhle versteckt, um anderweitiger Vermählung zu entgehen. Machte man damals so.

 

DSC_0094

So starb sie unverheiratet. Und durch diese Fenster hat sie auch nie gucken können.

 

DSC_0073

Ich kann das nicht entziffern. Sie?

 

DSC_0078

Auf jeden Fall alles schwer romantisch da oben. Und menschenleer.

 

 

Wer also dieser Tage noch nichts vorhat: hingehen. Raufwandern. Hier steht die Wegbeschreibung.

Oder Sie gehen das Ganze als Teil des Neckarsteigs an. Dann können Sie auch die Margarethenschlucht noch mitnehmen.

Aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.

 

 

Und wenn Sie ein Schlösser-Fan sind: schaun Sie auch mal HIER. Lohnt auch einen Ausflug, in jeder Jahreszeit.

 

 

 

 

 

Versunken.

Unser heutiger Ausflugstipp führt Sie schon wieder ins Unterholz, sorry, aber das liegt quasi in der Natur der Odenwälder Sache. Und wieder kann man auf den zweiten Blick im Unterholz mehr entdecken als nur Unterholz.

image

Also: Sie suchen sich auf der Karte das kleine Dörfchen Oberscheidental (Scheidental wie Wasserscheide – die zwischen Main und Neckar) und biegen dann quasi direkt in den finstren Wald ein.

Dann eine gute Stunde durch die Einsamkeit, immer bergab. Nur das Hecheln und Knistern und Knastern der Hunde im Ohr, falls Sie Hunde haben, so wie ich, und die empörten Rufe der Spechte. Keine Menschenseele weit und breit.

Dabei hat hier, mitten im Nirgendwo, mal ein stattlicher Hof gestanden.

schlangenhaus1

schlangehaus2

Hier hat einst ein Förster mit seiner Frau gewohnt. Der Gute rammte eines Nachts auf dem Heimweg mit seiner Kutsche einen Bildstock im nahegelegenen Dorf. Weil ihm das fromme kleine Bauwerk aber herzlich schnuppe war, fuhr er einfach weiter, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Macht man nicht, sowas. Im Odenwald schon zweimal nicht.

Logo, daß der liebe Gott (oder wer auch immer) das nicht durchgehen lassen konnte. Er schickte dem guten Mann und seiner alsbald hysterisch-kreischenden Frau eine Schlangenplage ins Haus.

Der Dorfpfarrrer, um Rat gefragt, empfahl die Reparatur des Bildstocks. Schlangenplage ade. Weil der Förster aber offenbar einer der ersten urkundlich erwähnten Geiz-ist-geil-Jünger war, krachte der billig reparierte Bildstock beim nächsten lauen Wind schon wieder um.

Und? Richtig! Das ganze Haus schon wieder voller Schlangen. Forstmann und Forstweib suchten schließlich das Weite, und ihr Schlangenhaus sucht bis zum heutigen Tage einen neuen Besitzer, leider bislang  erfolglos.

schlangenhaus5

schlangenhaus4

Wer das Schlangenhaus gefunden hat, findet auch das versunkene Dorf. Immer tiefer geht es durch den Wald hinab ins Tal.

 

Bis sich plötzlich, völlig unerwartet, die Landschaft öffnet.

galmbach2

galmbach1

Wer hier einen Moment innehält und in die Stille hineinlauscht, kann das Meckern der Ziegen hören, die gackernden Hühner und vielleicht das hungrige Schmatzen der klapperdürren Kühe, die hier um 1830 auf den Wiesen standen.

Kann das Kreischen spielender Kinder in zerrissenen Kleidern hören, die Rufe der Mütter, die Flüche der Väter, wenn wieder nicht genug zu essen auf den Tisch kam. Das dürfte in Galmbach öfter der Fall gewesen sein, denn die 150 Menschen, die hier in 19 Häusern lebten, waren bettelarm.

galmbach7

galmbach5

Ein Großteil derer, die in Galmbach lebten, verdiente seinen Lebensunterhalt irgendwann nur noch mit Diebereien, Wilderei, kleinen Überfällen. Bis es den Nachbarn  – und dem Fürsten zu Leinigen zu blöd wurde. Der Fürst kaufte das Dorf, siedelte die braven Galmbacher in Nachbargemeinden um und gab ihnen besseres Land. Die Besitzlosen aber, die sich im Dorf breitgemacht hatten, wollte keiner haben. Also drückte man ihnen einen Reisegutschein in die Hand:

Einmal Nordamerika und nicht zurück.

galmbach6

Als der letzte Galmbacher Haus und Hof verlassen hatte, ließ der Fürst die Häuser einreißen. Nur einen Hof ließ er stehen, als neue Dienstwohnung für seinen Förster. Schlangenfrei, siehe oben.

galmbach10

galmbach4

galmbach11

 

 

Quelle und Buchtipp:

Rainer Türk, Wanderungen zwischen Elz und Neckar. Verlag: Hubert Brunnengräber, 2013.

 

Anm.:  Wers ganz genau wissen will, sollte die Kommentare zu diesem Post lesen. Meine Quelle ist bei der historischen Aufarbeitung der Geschichte Galmbachs offenbar etwas großzügiger vorgegangen als Kommentator Michael.