Die gute alte Zeit.

Die gute alte Zeit war ja in der Regel gar nicht so gut, wie wir uns das rückblickend gerne zurechtbiegen, aber manchmal denke ich in diesen Tagen, vielleicht war sie dann doch gut, zumindest besser als diese Welt, wie sie sich uns heute präsentiert, sobald wir in der Zeitung oder in der Glotze oder im Internet nach den Neuigkeiten des Tages suchen.

So gesehen müssen wir ja die Neuigkeiten gar nicht suchen, sie springen uns aus allen Kanälen förmlich an, mit Hass verseucht und mit Blut beschmiert. So beginnt manch ein Tag schon mit einer kleinen bis großen Verzweiflung, und ich ertappe mich dabei, wie ich all diese Kanäle ausschalten und mich mal netteren Dingen widmen möchte, zumindest für einen Moment.

In diesem Sinne wird das hier jetzt ein ganz und gar unbeschwerter Ausflugstipp für alle, die in der Region unterwegs sind und sich mal ein paar nette Stunden gönnen möchten. Ich für meinen Teil werde jedenfalls morgen, am Pfingstmontag, ins Freilandmuseum Gottersdorf gehen und dort in die 50er Jahre eintauchen. Kalter Hund, Käseigel und Petticoat ist da einmal im Jahr das Motto, und ich fürchte, ich werde es ganz herrlich finden.

Das Haus Bär am Rande des Museumsgeländes ist quasi das steingewordene 50er-Jahre-Gefühl, und es ist insofern eine ganz besondere Art der Geschichtsvermittlung, weil viele der Besucher sich mit wohligem Schaudern und Oh nein! und Schau mal, das hatten wir auch! noch allzugut an diese Zeit erinnern und allerlei Anekdoten zum Besten geben. Bei Historikern übrigens heißt es immer, die Fünfziger Jahre seien eine Zeit der Sehnsucht gewesen, und vielleicht sind sie uns ja damit dann doch näher, als wir denken. Ach, was weiß denn ich. 

Für das leibliche Wohl ist jedenfalls bestens gesorgt, wie das bei solchen Veranstaltungen hier immer so schön heißt, es gibt stilecht Käseigel und Kalten Hund und Toast Hawaii, wobei letzteres hier auf den Speisekarten der Odenwälder Gastronomie eigentlich noch völlig normaler Bestandteil ist. Und sicher gibt es irgendeinen pappsüße Bowle zum Trinken, aus bunten Gläsern. Oder Blümchenkaffee. Und Musik aus den Fuffzigern gibt es auch, die vermutlich so schlimm ist, das es schon wieder schön sein wird.

Alles Weitere lesen Sie am besten hier auf der Website des Museums nach, und vielleicht haben Sie ja morgen Lust auf eine kleine Zeitreise. Vielleicht bekommen Sie eine Ermäßigung, wenn Sie mit Pomade im Haar kommen, oder in einem Nyltex-Hemd. Und die Push-Benachrichtigungen für aktuelle News aus aller Welt, die schalten Sie auf Ihrem smartphone am besten vorher aus.

 

 

 

14 Kommentare

  1. Oh wie herrlich, dass wäre echt ein toller Ausflug! Ja, ja, wenn da nicht die liebe Arbeit wäre. Will doch jeder am Dienstag was in der Zeitung lesen und zum Glück ist das in meinem Fall was angenehmes.

    Ihnen viel Spaß und by the way – so eine Fim-Dose stand auch bei uns in der Küche.

  2. Die Deckenlampe aus dem Odenwald hatten wir schon mal. Aber schön ist sie immer noch … Kann ich die haben?

    Liebe Pfingstgrüße | Peer

  3. Hi Friederike!
    Leider sind wir morgen schon verplant. Wir wollen ins Freilandmuseum Wackershofen bei SHA (www.wackershofen.de). Dort sind morgen zum Mühlentag Vorführungen an deren Mühle geplant.
    Wir waren heute schon mal dort und haben uns das von außen angesehen. Eigentlich wirkt das Dorf Wackershofen schon wie das Museum. Aber es gibt dann doch noch einen Teil der Eintritt kostet. Der erste Eindruck bestätigte uns schon, dass der Besuch zu empfehlen ist. Also dann wünsch‘ ich uns morgen eine schöne Reise in die Vergangenheit!
    Beste Grüße Dietger

      • Nein, das ist, glaube ich, nicht sooo voll aber m. E. einfach nicht der Haupterwerb des Betreibers. Ehrlich gesagt denke ich sogar – und das ist wohlgemerkt reine Spekulation – das hat mal der Omma gehört, dann konnte es die Familie aus sentimentalen Gründen nicht verkaufen und hat es 30 Jahre lang im Dornröschenschlaf dösen lassen. Dann dachte sich einer, wir renovieren das jetzt, reißen den ganzen ollen Mist raus und kaufen was schickes beim Obi. Kurz vor der Aktion hat es dann noch einer der Enkel gesehen, das Potenzial erkannt und alles gestoppt. Seit dem ist nichts mehr bewegt und nur noch abgestaubt worden. Dann wollte der betreffende Enkel aber doch lieber nicht in Vielbrunn wohnen, weil Tourismus da gar nicht sooo gut läuft und die Eltern oder die Cousins machen jetzt nur auf, wenn sich eine ganze Reisegruppe anmeldet.
        Oder so. Oder ganz anders.

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