WMDEDGT.

5. September 2021

Der Fünfte eines Monats, das ist der wmdedgt-Tag, zu Deutsch heißt das Was machst Du eigentlich den ganzen Tag, das will die freundliche Nachbarbloggerin wissen, und ich bin wieder dabei.

Wie sich das für eine anständige Landfrau gehört, springe ich um 5 Uhr 30 elastisch aus den Federn, ich betrachte die schmale Mondsichel und lasse die Hundegreisin in den Garten. Die Kaffeemaschine summt und blubbert, mein Hirn summt und blubbert auch, und ich frage mich, was um alles in der Welt ich so früh schon machen will.

Im Keller wartet die Wäsche, auf dem Tisch liegt vorwurfsvoll eine handgeschriebene To-Do-Liste, der Staub auf dem Fensterbrett grinst mich hämisch an. Während ich all das betrachte und bedenke, ist es plötzlich schon neun Uhr, vor der Tür steht die Freundin aus dem Nachbardorf, gemeinsam rücken wir dem Holunder auf die Pelle. Wir ziehen und zerren an Ästen und Zweigen, rupfen die Dolden herunter, sammeln die Beeren in einem Eimer. Marmelade will die Freundin machen, mir solls recht sein.

Das war es dann aber auch mit dem Landfrauen-Enthusiasmus für heute, mich überkommt eine entsetzliche, bleierne Müdigkeit, die Wäsche muß warten, die to-Do-Listen auch, der geplante kurze Mittagsschlaf weitet sich zu einem veritablen Halbtagsschlaf aus, selbst meine preußische Disziplin hilft da nicht mehr. Sowas macht man als selbsternannte Landfrau ja eigentlich nicht, einen halben Tag verschlafen, also echt jetzt, hoffentlich liest hier niemand mit. Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, tja, das frage ich mich auch. Gar nichts, offenbar.

Abends noch eine Hunderunde durch den Wald, dann zum Teich, die Forellen füttern. Ich gehe den üblichen Kontrollgang draußen am See, einmal am Ufer entlang, dann hinter die Hütte, und plötzlich bemerke ich im Augenwinkel eine Bewegung, ganz zart. Ein Krischpeln im Unterholz. Und da bewegt sich doch auch was, und dort, und dahinten doch auch! Ich stehe vor Schreck wie erstarrt, bis ich erkenne, was sich da im welken Laub rund um mich tut: erst zähle ich vier winzige Igelbabys, dann fünf, dann sechs, dann sieben.

Sie ackern mit ihren kurzen Beinchen über Stöckchen und Steine, kämpfen sich mühsam durch das Unterholz, wenn ich mich allzu schnell bewege, rollen sie sich ein bißchen ungelenk zusammen, es wirkt wenig überzeugend, aber sie üben ja auch noch. Nach einer Weile haben sie sich an meine Gegenwart gewöhnt, ich gehe von einem Igel-Baby zum anderem, wir plaudern ein bißchen, ich erzähle ihnen von dem komplett verschlafenen Tag und von allem, was mich so müde gemacht hat in den vergangenen Wochen.

Die Müdigkeit ist jetzt wie weggeblasen, faustgroße Igelkinder eiern um mich herum, ich bin ganz entzückt. Es braucht ja nicht viel, um glücklich zu sein. Der Tag ist gerettet.

Ich hatte wieder nur ein olles Handy dabei.

Morgen starte ich mit neuem Schwung in die neue Woche, den Igeln sei dank.

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