Tierisch.

7. März 2021

Wir werden heute das C-Wort nicht erwähnen auf diesem Blog, nein, nein, nein, Sie können also unbesorgt weiterlesen. Hier ist auch ohne C-Wort schon tierisch was los, also bitte.

Klein-Rüdiger übt weiterhin fleißig Krähen, es klingt unverändert nach einer Mischung aus mongolischem Keuchhusten und verrosteter Wasserpumpe, aber er macht Fortschritte. Die Hennen machen sich trotzdem weiterhin über ihn lustig, das ist nicht nett, aber nachvolllziehbar, er benimmt sich da draußen im Auslauf immernoch wie ein dämliches Riesen-Baby, nicht wie einer, der mal stolzer Hahn werden will.

Gleichzeitig lese ich mit Schrecken, dass im Nachbarkreis bereits teilweise die Aufstallungspflicht gilt, alles Vogelvolk muß eingesperrt werden, die doofe Vogelgrippe wieder. Einsperren oder überdachen – so oder so sehe ich das mit Grausen, beides ist kaum möglich rund ums Haus. Ich denke laut vor mich hin Lieber schlachten wir dann alle Hühner, als dass wir ihnen und uns das antun, der Gatte ist empört und schimpft. Er fuchtelt mit den Armen in unbestimmte Richtung und setzt sein entschlossenes Gesicht auf Wir werfen einfach Netze über den Zaun und dann über den Hühnerwagen und das binden wir dahinten dann irgendwie fest, aha, aha, naja, Sie wissen schon, aber es überzeugt mich nicht.

Bei der letzten Vogelgrippe haben wir Partyzelte gekauft für die Hühner, das sah sehr verwegen aus, als feierten die Hühner eine Dauer-Garten-Party, man meinte, dass Klirren der Sektgläser und ein bißchen easy-listening-Jazz im Hintergrund zu hören, aber die Dinger fielen beim ersten kleinen Wind knarzend und raschelnd in sich zusammen und begruben die Hühner vorübergehend unter sich, alles zeterte und motzte, die kläglich verknitterten Zelte lagen dann wochenlang im Hühnerauslauf und taten so, als schützten sie vor Vogelgrippe. Partyzelte sind also auch keine Lösung, und wenn Sie was Besseres wissen, bitte sehr, schreiben Sie mir.

A propos Federvieh: Am Forellenteich draußen am Wald schickt ein Reiherpaar sich an, sich häuslich niederzulassen, mit Nest und Kita und allem Pipapo, und die gefülllten Futtertröge (= Forellenteich) aber direkt vor dem Schnabel. Für Reiher ist der Teich sowas wie ein MacDonalds-McDrive, für den kleinen und den großen Hunger zwischendurch. Im großen Bogen anfahren, kurz rechts ran, Bestellung aufgeben, Ware entgegennehmen, happs!, rein in Hals. 500 kleine Forellenkinder hat der Teichbesitzer im vergangenen Jahr eingesetzt, am Ende der Sasion hatte er 150 Fische herausgeholt und der See war leer. Falls Sie in Mathe ebenso schlecht sind wie ich: Das heißt übersetzt, der Reiher hatte in der einen Saison 350 Fische aus dem Teich entnommen.

Nun könnte es also in diesem Jahr zwei Reiher geben, und wenn die (sagen wir jetzt mal so) Drillinge bekommen, dann sind das fünf Reiher a 350 Forellen, das macht dann also 1750 Forellen, die in den finstren Reiherschlunden auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Ich sags ja nur mal so.

Das wird zwangsläufig Knatsch geben, und der konfliktscheue Bibi Biber hat sich deswegen vorsorglich schon mal zurückgezogen vom Teich. Er hatte da ein paar Wochen gewohnt, sich sogar eine schicke Burg gebaut und sehr elegant ein paar Bäume gefällt, aber inzwischen ist er weitergezogen, den Bach runter. Wie so vieles im Leben derzeit, naja, Sie wissen schon.

Tschüß, Bibi, war nett mit Dir.

Ansonsten verbringe ich meine Tage auf dem Lande damit, Zecken aus Hunden zu pulen, das ist keine besonders appetitliche Beschäftigung, aber besser, als wenn täglich zehn dieser Dreckszecken prall blutgefüllt auf dem Fußboden liegen und man dann barfuß – peng!, quarnsch!, na gut. Die Zecken gehen allerdings nur an Frau Lieselotte, das alte Hündchen verschonen sie. Das alte Hündchen (heute übrigens unser cover-girl auf dem Foto ganz oben) ist aber nun schon so alt, dass sie einen etwas eigenwilligen Körpergeruch entwickelt, der offenbar selbst Zecken abschreckt.

Das Hündchen entwickelt auch etwas eigenwillige Verhaltensweisen, sie ist inzwischen nicht nur komplett taub, sondern auch halbwegs komplett dement. Verliert sie mich für 20 Sekunden aus den Augen, wird sie erst panisch, dann feiern wir überschwänglich Wiedersehen wie nach einer jahrelangen, schmerzhaften Trennung, mit Freudentränen und Juchuu und Hurraa und allem, was dazugehört. Es finden hier im Hause also täglich gefühlt 267 rauschende Wiedersehensparties statt, das hat ja auch was in diesen ansonsten so etwas gedämpften Zeiten.

Update: Der Biber ist wieder am Teich aufgetaucht, nach Wochen. Das verstehe nun, wer will.

  • 6 Kommentare
  • Hauptschulblues 7. März 2021
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    Der Gatte könnte recht haben. H. würde auch mit Netzen arbeiten. Die Frage ist, woher kriegt man sie. Das Befestigen dürfte kein Problem sein. Und die Hennen könnten zufrieden sein.

  • Hauptschulblues 7. März 2021
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    Nachtrag: Es gibt sehr große leichte Netze, mit denen man Weinreben abdecken kann.

    • LandLebenBlog 7. März 2021
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      Aber sind Netze wirklich ausreichend??

      • Alexandra 11. März 2021
        Antworten

        Recherche bringt leicht die Erkenntnis, dass auch Kot ein Übertragungsweg ist. Und den hält kein Netz ab.

        • LandLebenBlog 11. März 2021
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          So hatte ich das eigentlich auch im Kopf, deswegen die Partyzelt-Idee.

  • provinzei 9. März 2021
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    Partyzelte funktionieren schon !
    Man muß nur die Guten kaufen. Was schwierig ist,
    da man im Netz die Qualität schlecht beurteilen kann.
    Die meisten Dinger sind in der Tat absoluter Mist.
    Die Amtlichen mit guten Stahl oder Aluprofilen und fester Plane gehen ab 300 € los, die Baumarkt Schrotteile ( 3 t ?? ) gibt es ab 30 €, also eine ganze Zehnerpotenz weniger.
    Die Qualität ist dementsprechend. Wegwerfteile, die bei den Festivals ( hää, wasndas ? ) gar nicht mehr mitgenommen werden und ein riesigen Müllberg bedeuten. Die Jugend halt.
    Oine an´d Backa nah !!

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