WMDEDGT.

Ach, es ist schon wieder soweit, die Zeit rast, man kommt kaum hinterher. Immer am Fünften eines Monats will die freundliche Nachbarbloggerin wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag so treiben, das ist eine Art Rudel-Tagebuch-Bloggerei, und ich mache gerne mit.

Auch, wenn das heute voraussichtlich ein stinknormaler Tag wird. Morgens um Sechs aufstehen und Kaffee trinken, die Stille genießen, der Welt beim Wachwerden zuschauen. In der Dämmerung mit dem Hund eine Stunde lang durch den Wald, die feucht-milde Luft einatmen, mit den Füßen durch nasses rotes Laub und dicken Schlamm. Lieselotte versprüht nachgeradezu aufreizende Lebensfreude im Unterholz, die Vögel und die Rehe sind empört.

Dann im Büro im Städtchen erstmal raus aus den Hunde-Schlammklamotten und rein in die Büro-Kluft. Hoffentlich kommt heute kein Besuch, wie sähe das denn aus.

Und gleich zum ersten Termin, Interview mit einem jungen Kaplan im katholischen Pfarramt bei einer guten Tasse Kaffee. Hier hängen auch Klamotten rum, stelle ich fest, aber irgendwie anders. Und vorallem so schön sauber.

Einen Beitrag produzieren, der schon seit ein paar Tagen darauf wartet. Über den 21jährigen, der den Euthanasie-Opfern in seiner Heimatgemeinde ein Gesicht gibt und ihre Lebens- und Leidensgeschichte erzählt. Ein Thema, das regional, vor Ort, nur wenig erforscht ist bisher. Ich frage mich zwischendurch, ob ein 21jähriger seine Freizeit nicht anders verbringen sollte als mit der Recherche zu Euthanasie-Opfern vor der eigenen Haustür. Und dann denke ich wieder Großartig, dass es solche jungen Leute gibt!. Es ist kompliziert. Oder auch nicht. Naja, Sie wissen schon.

Dann: Neues Thema, neue Recherche. Herumtelefonieren, leider komplett erfolglos. Nicht mal Anrufbeantworter erreiche ich, auf denen ich etwas hinterlassen könnte. Es geht um „Flächenfraß in Baden-Württemberg“. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen werden zu Bau- oder Verkehrs-Land. So lautet die These. Die ich leider weder bestätigt noch widerlegt bekomme, siehe oben. Angeblich sind doch inzwischen alle Menschen jederzeit erreichbar, immer online. Hm. Wenn ich anrufe, offenbar nicht. Das gibt mir zu denken. Und frustrierend ist es obendrein.

Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Statistiken wälzen, Zahlen, Daten, Fakten zusammentragen, vergleichen, in Bezug setzen. Und am Ende bin ich genauso schlau wie vorher. Dann doch lieber erstmal Mittagspause im Städtchen machen. Mit der lieben Freundin aus dem Rathaus bei Kaffee und Kuchen den Flächenfraß erörtern, vielleicht kann sie weiterhelfen, während wir gemütlich fressen essen und trinken. So wird die private Verabredung im Handumdrehen zur dienstlichen Recherche. So gehts in diesem Job mitunter.

Der Hund wartet unter der Bank. Und ja, die rote Tüte ist leer.

Ja, die Freundin konnte helfen, aber meine Bauchschmerzen rund um die Recherche hat sie nicht etwa verkleinert, sondern eher vergrößert. Auch das gehört zum Job. Sich gegebenenfalls von Themen trennen müssen. Ich werde das mit den Kollegen besprechen. Fernmündlich, wie immer. Ich habe ja das Glück und das Pech, dass meine Kollegen rund 80 Kilometer entfernt sind. Die zwei täglichen Telefonschaltkonferenzen Mannheim-Odenwald verbinden uns.

Rumtelefonieren und nachdenken. Nachdenken und rumtelefonieren. Aus dem Fenster glotzen und auf Erleuchtung warten.

Hilft auch nicht.

Anrufe von verzweifelten Hörern entgegennehmen. Das Küchenradio des einen Hörers tut nicht mehr. Und ich soll das nun lösen. Oder reparieren oder wasweißich. KönneSe do nix mache??, ruft er aufgelöst ins Telefon. Auch das gehört zum Job. In schöner Regelmäßigkeit. Und immer freundlich bleiben. Hey: Menschen drehen schier durch, wenn sie unser Programm nicht hören können, gibt es ein schöneres Kompliment? Eben.

Auch bei dem anderen Anrufer freundlich bleiben, der Stress mit der Rundfunkgebühreneinzugszentrale hat und schimpft. Ich weiß nicht, warum die Leute deswegen immer bei mir landen, aber sie landen immer bei mir. Ich helfe, so weit ich es kann. Nicht ohne den Hinweis auf die Sinnhaftig- und Notwendigkeit eines gebührenfinanzierten Rundfunks, jawohl. Diskutieren Sie darüber nicht mit mir, Sie werden mich nicht vom Gegenteil überzeugen. Ende der Durchsage.

Mit der hochoffiziellen SWR-Klamotte in den Drogeriemarkt, Klopapier kaufen. Dienstliches Klopapier, versteht sich. Alles muß man selber machen als einsame Regionalreporterin, Himmelhergottsakra. Ich warte darauf, dass auch solche Tätigkeiten mit Journalistenpreisen wertgeschätzt und honoriert werden.

Dann zu Fuß wieder los, zum nächsten Termin, Gespräch mit einem Bürgermeister.

Wieder was gelernt, über Baulandpreise und Flächenverbrauch, Bevölkerungsentwicklung und demografischen Wandel. Lauter so Zeugs. Sehr erhellend, aber in Sachen der Recherche eher kontraproduktiv. Naja.

Beim Verlassen des Büros zum Feierabend an die Winschutzscheibe geklemmt noch ein…Geschenk?…gefunden. Oder einen freundlichen Hinweis, dass man da mal wieder was im Radio bringen könnte? Egal, eins so gut wies andere. Musik von der besten Odenwälder Jungsformation ever. Danke, Jungs, wird beim Heimfahren gleich in den CD-Player eingeworfen!

Und schlußendlich pünktlich zum Abendessen zuhause. Der Göttergatte kocht. Pasta mit Garnelen. Der Tag könnte schlechter enden.

4 Kommentare

  1. Ach wie kommt mir das alles bekannt vor. Das geht uns Lokalreportern für Print nicht anders. Drei grundverschiedene Themen am Tag, Recherchen, die ins Nichts laufen, endloses Warten auf Rückrufe, zwischendurch Texte ablaichen und irgendwelches fachfremdes Zeug erledigen. Was steht (nicht) in der Stellenbeschreibung der Ressortleisterin einer Außenredaktion? Dafür sorgen, dass das Altpapier in die blaue Tonne kommt und Klopapier aufs Klo (macht sonst keiner). Zwischendurch Zustellprobleme anhören und Leuten, die mit handgeschriebenen Zetteln reinkommen sagen, dass sie ihren Text bitte per E-Mail schicken sollen. Liebste Antwort aller Zeiten: Mein E-Mail ist gerade kaputt. Aber irgendwie macht es doch jeden Tag Spaß.

  2. Ach ja, die „einmalige Fruchtfolge“ und „Land ist nicht vermehrbar“
    Hier im Rheinland wird das auch mal wieder diskutiert, aber trotzdem schießen überall neue Bauten in die Höhe, auch wo vorher ein Feld war. Ausgleich kann dafür eigentlich nicht mehr geschaffen werden, weil… kein Platz.
    Bin sehr gespannt, wie die Recherche weiter und ausgeht!
    Erholsamen Abend noch und liebe Grüße
    Nina

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