Was schön war.

Es waren schon wieder Sachen schön. Kleinigkeiten. Aber schön. Die will ich aufschreiben, damit ich sie nicht vergesse. Man behält sich ja meistens nur die doofen Sachen, die sich so zutragen, das hat irgendwas mit der Evolution zu tun, hab ich mal gelesen.

Die Steinzeitenmenschen waren nämlich gut beraten, nicht immerfort an den schönen Sonnenaufgang von gestern zu denken, sondern sich lieber daran zu erinnern, wie der Säbelzahntiger vor Jahren mal seine Säbelzähne in ihren Oberschenkel rammte. Da kann die Erinnerung bei der nächsten Begegnung mit einem Säbelzahntiger Wunder wirken. Ja, klingt logisch.

Trotzdem. Was schön war: Der Nachbar, den ich nur vom Sehen kenne, und der dieser Tage abends um halb Neun gegen die öffentlich-rechtliche Bürotür klopfte. Er habe mich jetzt so oft im Radio gehört, es werde wohl mal Zeit, endlich Feierabend zu machen, sagt er lachend. Hab ich dann auch gemacht. Wohlmeinende Ratschläge greife ich immer gerne auf.

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Abends im Stall bei den Ziegen sitzen. Kann man jetzt wieder, ohne, dass einem sämtliche Gliedmaßen abfrieren. Also sitze ich und flüstere mit den Ziegen und kraule ihnen den Rücken und den Hals. Die mögen das. Manchmal schnuppern sie in meinem Gesicht, dann kann ich ihren warmen Atem spüren, oder sie knabbern vorsichtig an meinem Haar. Falls Sie sich also manchmal über meine windschiefe Frisur wundern: deswegen. In dem kleinen Stall jedenfalls breitet sich dann sowas wie ein großer tiefer Frieden aus, ich mag das sehr. Dass währenddessen mein Geo den Abendbrottisch abräumt und den Geschirrspüler befüllt, das mag ich auch sehr.

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Die alte Frau mit der beginnenden Demenz. Ich weiß nicht mehr viel, sagt sie, mein Name ist Hase! Und dann lacht sie sehr fröhlich. Und vielleicht muss ich ja auch gar nicht mehr alles wissen.

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Der Kleinbus, der mich mit wilder Lichthupe und ebenso wildem Gefuchtel von hinten quasi an den Straßenrand drängelt. Ich bleibe stehen und steige aus, er bleibt stehen und steigt aus. Ist was mit meinem Auto?, frage ich erschrocken. Er lacht. Nee, alles in Ordnung, aber sie sind doch die vom Radio, ich hab da ne tolle Geschichte für Sie! Nur, falls Sie sich mal wieder fragen, wie eine Reporterin auf dem Lande zu so ihren Stories kommt.

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Das erste Grün für die Ziegen gesammelt. Es wird.

3 Kommentare

  1. Schön ist, morgens früh mit den Hunden laufen zu können, ohne dass man Schmerzen hat und ENDLICH wieder ALLE Jahreszeiten erleben kann. Und im Moment genieße ich morgens die Sonnenaufgänge…..

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