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Es ist der Fünfte des Monats, und das ist traditionell der Tag, an dem die freundliche Nachbarbloggerin wissen will, was wir eigentlich so treiben, den lieben, langen Tag. Treue Leser kennen das, hier erfahren Sie mehr und können auch die anderen entsprechenden Beiträge nachlesen. Tagebuchbloggen nennt man das, und ich mache immer wieder gerne mit. Auch an so vergleichsweise unspektakulären Tagen wie heute.

Also, was mache ich den ganzen Tag, hier in der vermeintlichen Provinz? Ich stehe erstmal auf. Sie ja wohl auch. Dann Kaffee in dunkler Küche, ja, es ist wieder soweit, morgens, wenn der Wecker klingelt, ist es stockefinster in der Küche. Dem Hahn zuhören, dem neuen, der Gatte bestand darauf, also musste ein Hahn her. Die vorprogrammierten Konflikte mit der freundlichen Nachbarin wird er zu gegebener Zeit lösen, großes Ehrenwort.

Raus mit den Hunden, große Runde, am See die Forellen füttern und Grünzeugs für die Ziegen sammeln. Is klar. So macht man das als überzeugte Landpomeranze. Zuhause dann rasch Ziegenstall checken, Ziegen füttern, Hühnerstall checken, Hühner füttern, übellaunige Katze reinlassen und Katze füttern, zu guter Letzt die Hunde füttern. Soweit das mit den Hunden einfach so geht, Frau Lieselotte musste dieser Tage einen Teil ihrer Rute beim Tierarzt lassen und trägt seitdem ohne jede Anmut, ohne jeden Stolz, einen überdimensionierten Plastiktrichter auf dem Kopf.

Das sieht nicht nur behämmert aus, wie eine Mischung aus Buchemer Faschenacht und Weltraumhündin Laika (oder wie die hieß) am Weltraumbahnhof Baikonur, es ist auch behämmert, vorallem nervenaufreibend, weil das gute Tier im fünf-Sekunden-Takt bei jedem krachenden Andotzen des Trichters an einem x-beliebigen Möbelstück, einer Tür oder dem Fußboden hysterische An- und Ausfälle bekommt, ja, man gönnt sich ja sonst nix, morgens um Sieben. Da ist die Welt schon nicht mehr in Ordnung.

Dann Abfahrt ins Büro, mit dem betrichterten Hund auf der Rückbank. Der Hund glotzt hechelnd aus dem Fenster und ich denke mir, es ist vielleicht gar nicht so verkehrt, die Welt mal durch einen milchigen Plastiktrichter hindurch zu sehen, alles ist ein bisschen verschwommen, eine weichgezeichnete Traumlandschaft, wie weiland die Fotos von Herrn Hamilton, die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern, mit und ohne Grausen.

Weil aber das Leben einer Journalistin tief im Odenwald nicht immer weichgezeichnet ist, muß ich mich heute im Büro mal wieder auch mit unerfreulichen Dingen befassen, mit den allgegenwärtigen Mobilfunklöchern hierzulande beispielsweise, mit dem Kampf der kleinen Kommunalpolitiker gegen die Windmühlenflügel der großen Mobilfunkpolitik. Mit Apothekenrecht und einem Medikamentenversandhandel. Mit dem Wiederaufbau einer abgebrannten Flüchtlingsunterkunft. Damit, dass die Hälfte aller antelefonierten Gesprächspartner im Urlaub ist, während ich hier sitze und schwitze.

Zum Mittagessen gibt es unterwegs ein paar Pflaumen und Äpfel, frisch vom Baum gepflückt, das erfüllt zwar den Tatbestand des Mundraubs, ist aber lecker. Und außerdem hat mich ja niemand erwischt. Könnteste mit einem Arbeitsplatz in Berlin-Mitte ja ooch nich so einfach machen. Wa.

Am Nachmittag wieder sitzen und schwitzen und telefonieren und formulieren und Hörerfragen beantworten und Beiträge basteln und Post sichten und den Trichterhund bemitleiden, der sich vorwurfsvoll-stumm in sein Trichterschicksal fügt.

Schlußendlich Feierabend, zumindest so halb. Den Trichterhund zuhause abliefern, nach den Ziegen und den Hühnern schauen, einen Kaffee mit Geo, dem Göttergatten, trinken und mir von seinem Tag berichten lassen. Dann wieder los ins Städtchen, eine abendliche Ausstellungseröffnung im Bezirksmuseum Buchen. Ich bin gespannt.

Danach werde ich ins Bett fallen und dem knarzenden Trichterhund auf seiner Hundematte lauschen und von einer weichgezeichneten Welt träumen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

 

 

 

8 Kommentare

  1. Gratulation zum Hahn! Freu mich auf ein Foto.
    Hoffentlich hat der Hund die Trichterzeit bald geschafft. Das Leben mit so einem Ding ist wirklich grässlich.

  2. Gibt es mit Hahn dann bald schon wieder Küken? Eine gute Entscheidung :-)

    Und unsere Katze hatte vor kurzem während einer Woche so einen Trichter. Sie lag eigentlich den ganzen Tag beleidigt und sich ihrem Schicksal ergebend unter dem Bett.
    Nichts macht so mehr Spass. Fressen, spielen, springen, das ist alles so mühsam. Und raus durfte sie ja schon gar nicht.
    Ich kann Frau Lieselotte so gut verstehen!!
    Gute Besserung der Dame.
    Liebe Grüsse
    asty

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