Flüchtlinge.

5. September 2014

 

 

Eines Tages kam eine Kommission und schaute, wieviele Zimmer man hatte und wieviele Personen im Haus waren. Die Kommission entschied, welche Räume abgegeben werden konnten und beschlagnahmte die dann. 

 

(…)

 

Wir hatten dann lange eine Flüchtlingsfamilie aus der Slowakei. Das war ein altes Ehepaar mit einer ledigen Tochter, deren Kind und einem ungefähr 14jährigen Buben.

Die fünf Personen belegten zwei Räume. Der eine wurde als Küche eingerichtet, denn sie wollten ihre eigenen Rezepte kochen und alleine sein. Im anderen Raum schliefen sie.

 

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Die Frau hat in der Landwirtschaft geholfen und ist auch bezahlt worden.  Der alte Mann konnte nicht mehr arbeiten. Aber er hat sich einen Holzschuppen gebaut, drüben,  unter unserem Lindenbaum. Dann ist er mit dem Schubkarren in den Wald gefahren und hat Trockenholz gesammelt, und damit haben sie gekocht und geheizt.

 

Sie hatten auch noch erwachsene Kinder, denen haben wir im Obergeschoß noch ein Schlafzimmer gegeben, damit sie übernachten konnten, wenn sie zu Besuch kamen. Die Familie hat viele Jahre bei uns gelebt, bis ich 1958 geheiratet habe. Sie sind dann nach Osterburken gezogen.

 

 

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Erinnerungen aus Rosenberg-Bronnacker.

Aufgezeichnet von Elli Geiger, Rosenberg.

 

 

 

 

  • 2 Kommentare
  • Astridka 5. September 2014
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    Komisch, dass du gerade so einen kleinen Bericht schreibst….
    Ich habe mich gerade auch mit dem Flüchtlingsdasein meiner Mutter & Oma auseinandergesetzt, die damals nach langem Hin und her in Bad. Sibirien abgesetzt wurden ( mit weitreichenden Folgen ). Habe gerade ein altes Kissen mit Stickerei meiner Oma „repariert“ und bin DARAN erinnert worden.
    Ein Post dazu kommt am Montag….
    Es war übrigens so, dass die Einheimischen gar nicht gut auf die Flüchtlinge zu sprechen waren. Mein Vater musste mit Gewalt & Trickserei die Eheschließung mit meiner Mutter in seiner Familie durchsetzen.
    Wäre auch mal einen Post wert…
    Liebe Grüße
    Astrid

    • LandLebenBlog 5. September 2014
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      Auf die Geschichte warte ich gespannt. So reibungslos wie in den zitierten Erinnerungen hat das sicher nicht immer geklappt, weder im Oudewald noch sonstwo. Meine Mutter musste als Berliner Kind auch mit Mutter und Geschwistern irgendwo unterkommen, weil ausgebombt. Die Zeit als Preußin im Kloster Ettal gehört nicht zu ihren schönsten Kindheitserinnerungen.

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