Amtlich annerkannte Landpomeranze.

Die Dame auf dem regionalen Einwohnermeldeamt ist völlig aufgelöst. „Tut mir wirklich leid, dass sie so lange warten müssen“, sagt sie und hebt entschuldigend die Hände in die Höhe. „Sonst haben wir hier nie so einen Ansturm!“ Der Ansturm besteht in diesem Fall aus zwei Personen: Einem jungen Mann, der seinen Pass verlängert haben will – und mir. Während die Frau auf einer alten Schreibmaschine die Personaldaten des Mannes klappernd auf ein Formular tippt, schaue ich mich im 20-Quadratmeter-Amt um. Gelblichweiß getünchte Wände, ein Gummibaum und ein kränkelnder Farn am Fenster, an den Wänden schlecht kopierte DIN-A-4-Zettel mit lustigen Büro-Weisheiten, dazu ein paar Postkarten, die Schreibstuben-Kollegen aus dem Urlaub an die Daheimgebliebenen geschrieben haben. Griffbereit auf dem Schreibtisch der „Almanach der meldepflichtigen Tierkrankheiten“ und das „Adressverzeichnis baden-württembergische Seuchenkasse“.

Stempel

Nach fünf Minuten ist der Pass vor mir verlängert, jetzt darf noch kurz privat geschwätzt werden. Wieso der Bruno neulich nicht beim Feuerwehreinsatz dabei war, will der junge Mann von der Einwohnermeldeamtsfrau wissen. Ich bin zwar des hiesigen Idioms noch nicht mächtig, höre aber doch vage heraus, dass Bruno Kummer mit einer Kuh hat. Die solle eigentlich „Jung mache“ (was immer das heißen mag), tue das aber nicht. Und deswegen offenbar verbringt Bruno seine Nächte derzeit im Stall, statt sich um brennende Stromverteilerkästen zu kümmern.

 

Dann bin ich an der Reihe, gebe meine Daten zu Protokoll, meinen bisherigen Wohnsitz, die neue Adresse. „Geboren?“ 1967 in Berlin. Die Amtsfrau schaut mit einer Mischung aus Bewunderung und Ratlosigkeit kurz auf. „Größe?“,  fährt sie fort. Immer noch 1 Meter 69. „Augenfarbe?“ Unverändert undefinierbar, graugrünblaugrau.  „Beruf?“ Journalistin. Für einen Augenblick starrt sie mich sprachlos an. „Puh, …wie schreibt man das jetzt, ‚Journalistin’??“, fragt sie verlegen kichernd. Ich buchstabiere. „So was hatten wir hier noch nie“, murmelt sie kopfschüttelnd, während sie das Meldeformular weiter ausfüllt. Am Schluss ein Stempel mit dem Ortswappen, eine Unterschrift. Jetzt bin ich offiziell Kubacher Bürgerin.

 

 

 

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