Geht doch.

Die wollten wissen, was es mit dem Volkstrauertag auf sich hat. Da hat man denen das erklärt. Und dann sind die plötzlich alle bei der kleinen Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof aufgetaucht. Und hinterher im katholischen Gottesdienst. Alles Syrer und Afghanen, alles Moslems. Der Mann grinst breit, einige Zuhörer grinsen mit. Geht doch, hier im Odenwald, sagt er grinsend und lehnt sich zurück.

Dieser Tage im kleinen Städtchen hier um die Ecke. Die Kreisverwaltung informiert die Bürger. 200 Flüchtlinge sollen in riesigen Leichtbauhallen am Rande der Innenstadt untergebracht werden, woanders ist derzeit kein Platz. Zuwenig geeignete Immobilien, zuviele zugewiesene Menschen selbst hier, am vermeintlichen Ende der Welt. Schon Anfang Dezember sollen die Zelthallen in der 20.000-Seelen-Gemeinde aufgebaut werden, ab Januar werden die Flüchtlinge erwartet, Männer aus Syrien zum Großteil, die Verwaltung will den Bewohnern des Städchens ihre Pläne vorstellen.

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Um es gleich vorweg zu nehmen: es wird ein stinklangweiliger Abend. Erfrischend langweilig, entspannend langweilig. Die Halle ist nur dreiviertel gefüllt, die 80 oder 90 Besucher hören zu und fragen nach, äußern Sorgen und Bedenken, machen Vorschläge, einige tragen sich hinterher in die Listen des Helferkreises ein, der dringend Unterstützung braucht. Der Sportverein, direkt hinter den geplanten Hallen, hat schon angeboten, daß die Männer mittrainieren können auf dem Fußballplatz, heißt es. Und einer will wissen, ob man die Flüchtlinge schon beschäftigen dürfe, arbeitsrechtlich undsoweiter.

Ich hatte mich auf Gemaule, Gepöbel und Geschrei gefasst gemacht und werde wieder einmal wohltuend enttäuscht. Ganz zum Schluß fragt einer aber doch, eine knappe Woche nach dem Terror in Paris, in Richtung Bürgermeister Können Sie uns garantieren, daß da keine Terroristen mit dabei sind? Der Bürgermeister schüttelt den Kopf. Nein, das kann ich nicht, sagt er. Ich kann Ihnen ja auch nicht garantieren, daß nicht heute abend, unter uns, ein Terrorist ist. Beifall brandet auf.

Am Ende erzählt einer noch von den Erfahrungen aus den winzigen Dörfern, rund ums Städtchen. Überall sind hier schon Flüchtlinge untergebracht, überall kümmern sich Nachbarn und Dorfbewohner. Wir machen auf den kleinsten Dörfern die besten Erfahrungen, sagt der Mann von der Kreisverwaltung, der den undankbaren Job hat, die vielen Menschen unterzubringen, irgendwo, irgendwie. Die Anekdote mit dem Volkstrauertag und dem Gottesdienst kannte er noch nicht, passt aber, sagt er und grinst auch.

Ich sitze also dabei und langweile mich wohltuend und denke an den unsäglichen Artikel im Berliner Tagesspiegel, Monate ist das schon her. Schickt die Flüchtlinge nicht auf die Dörfer!, flehte die Autorin gleichsam die Politik an, Dörfer und Provinz, das sei hässlich, abweisend und feindselig, per se, überall in Deutschland. So richtig Fuß fassen könne ein traumatisierter Mensch aus einem Kriegsgebiet eben nur in Berlin-Mitte, zur Not auch noch in Hamburg oder München, sonst eigentlich fast nirgendwo. Ich musste das seinerzeit natürlich hier im Blog zum Thema machen, wenn Sie möchten, können Sie das hier nocheinmal nachlesen.

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Ich denke außerdem über einen Satz nach, den ich neulich aufschnappte: Die Toleranz steigt mit dem Abstand zum Problem. Soll heißen: je weiter die Flüchtlinge weg sind, desto toleranter sind wir, aber wehe, sie ziehen direkt in die Nachbarschaft. Bezogen auf den armen Odenwald ist dieser Satz ganz schlichtweg falsch, so scheint es mir. Je näher die Fremden kommen, desto größer werden Empathie und tatkräftige Unterstützung. Erst wird hier und da gemault über die Asyllande, und irgendwann wird nicht mehr groß gefragt, sondern geholfen, ganz pragmatisch. Und wenn der Abdul Fußball spielen kann: bitte sehr, wir suchen dringend einen Stürmer.

Ob das alles mit bis zu 200 Männern in zwei großen Zelten so gut funktioniert wie mit ein paar Dutzend pro Dorf drumherum, das muß sich zeigen. Wir haben keine andere Wahl, sagt der Mann vom Landratsamt. Es fehlen geeignete Gebäude, die neue große Gemeinschaftsunterkunft im Städtchen wird erst im kommenden Sommer fertig, so lange muß die Lösung mit den Zelthallen her. Niemand weiß, wie die Zahlen sich entwickeln, wieviele noch kommen, wieviele gehen. Wir waren ja als Verwaltung doch bisher immer stolz darauf, alles gut im Griff zu haben, sagt der Bürgermeister, im Moment haben wir in dieser Sache kaum noch was im Griff. Er verweist auf die Homepage der Stadt, auch da kann sich eintragen, wer helfen mag. Wir sind auf Ihre Unterstützung angewiesen. 

Tags drauf treffe ich einen Mann aus dem Dorf mit der Volkstrauer- und Gottesdienst-Anekdote. Eben hat er einen Flüchtling zum Zahnarzt gefahren. Läuft bei uns, ruft er aus dem Autofenster seines schicken Wagens. Die Menschen machen uns doch null Probleme. Wenn uns was Probleme macht, dann nur die große Politik.

 

 

Wenn Sie vom Thema immernoch nicht genug haben, lesen Sie mal das hier. 750 Flüchtlinge auf 102 Einwohner in einem Nest in Norddeutschland. Nicht das Ob steht im Vordergrund, sondern das Wie.

 

 

 

Stadt.Land.Stuss.

Liebe Frau Fetscher, verehrte Kollegin,

 

Sie haben da diesen Artikel geschrieben, neulich im Berliner Tagesspiegel. Das ist schon ein paar Wochen her, aber Ihr Text geht mir nicht aus dem Kopf.

Schickt die Flüchtlinge nicht auf die Dörfer!, war der Titel, und drunter gab es die Zusammenfassung: Nirgendwo ist der einzelne Mensch der örtlichen Bevölkerung so ausgeliefert wie in der Provinz. Wer von Krieg traumatisiert ist, braucht keine feindselige Umgebung. Sondern Stadtluft und Möglichkeiten. Warum Flüchtlinge ins Zentrum der Gesellschaft gehören – Ein Plädoyer.

 

 

Nirgendwo ist der einzelne Mensch der örtlichen Bevölkerung so ausgeliefert wie in der Provinz, da haben Sie schön recht. Ein gräßlicher Zustand, und die syrische Familie im Nachbardorf, die von einem einheimischen Ehepaar an die Hand genommen und in den deutschen Alltag eingeführt wird, die tut mir jetzt schon leid. Wo soll das enden? Oder die vier afrikanischen Frauen im kleinen Städtchen nebenan, um die sich acht Odenwälder Frauen kümmern und die unter Sachspenden schon ächzen, nee, also ehrlich. So geht das hier allerorten, oft gibt es deutlich mehr Helfer als Flüchtlinge, eine bedrohliche Auslieferungsübermacht quasi, ich kann das alles gar nicht aufzählen, man muß sich das mal vorstellen.

 

Und überall die provinzielle Vetternwirtschaft: da kennt einer einen, der einen kennt, und der könnte einen neuen Mitarbeiter gut gebrauchen, und dann bekommt ein Flüchtling einen Job. Um den Friseur aus Damaskus rissen sich gleich mehrere, hin- und hergerissen ist der arme Mann. Und wenn es irgendwo mal hakt, dann kennt einer einen, der den Landrat kennt, und dann wird da schnell mal angerufen, kurzer Dienstweg, alles vermutlich hart an der Grenze zu Unmenschlichkeit und Illegalität. Und ich sage Ihnen, wir erleben das hier täglich. Schlimm ist das.

 

Wer von Krieg traumatisiert ist, braucht keine feindselige Umgebung. Nochmal: bingo. Dann lieber Berlin, nur so als Beispiel. Eine buntschillernde Metropole, mit Stadtluft und jeder Menge Möglichkeiten, deren täglicher Polizeibericht (ja, den lese ich, so zum Vergnügen) voll von fröhlich-freundlichen Begegnungen zwischen einheimischen Schwachmaten und Menschen fremder Herkunft ist. Da wird in der U-Bahn beleidigt, geprügelt und erstochen, auch in der S-Bahn und in Bussen, da fuchteln angeheiterte Berliner Großgeister mit Samuraischwertern/Baseballschlägern/Zaunlatten in Flüchtlingswohnheimen herum, da pissen singende Nazis am hellichten Tag gegen die Stelen der Holocaust-Gedenkstätte,  – aber wenigstens ist da was los! Und sicher meinen die das gar nicht so. Wenn ich da unterwegs wäre, mit einer falschen Hautfarbe, ich nähme soetwas mit einem amüsierten Augenzwinkern zur Kenntnis. Sind doch niedlich, diese pickeligen Typen in den schwarzen Bomberjacken.

 

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Ein Symbolbild. Unwirtliche Gegend meets Bleiwüste.

 

Hier auf dem Land hingegen hört und liest man nichts, und das ist ja schon feindselig genug. Hoch verdächtig außerdem. Hier findet ja immer alles hinter zugezogenen Gardinen und hinter vorgehaltener Hand statt. Und wenn sich in einem 360-Seelen-Dorf 40 potentielle ehrenamtliche Helfer für die Flüchtlingsarbeit treffen, noch bevor die ersten Flüchtlinge überhaupt da sind, dann sollte einen das nun wirklich stutzig machen. Geradezu konspirativ rotten sich die Menschen hier zusammen, im erwähnten Beispiel sind das immerhin zehn Prozent der Bevölkerung, und das ist in anderen Dörfern nicht anders, herrjeh. Man muß sich Sorgen machen.

 

Aber wen wunderts? Ressentiments und Bildungsferne von Randgruppen sowohl in ländlichen Gebieten als auch in der Bevölkerung der Banlieues ähneln einander. Genau.so.ist.es. Besonders hier in Baden-Württemberg. Gehen Sie da mal auf ein Dorf – ich meine, da sind der Wedding und die Gropiusstadt doch ein Dreck dagegen! Ressentimentsbeladene Randgruppen, wo man nur hinschaut, man traut sich selber nicht mehr auf die Straße. Bildungsferne Bauern halt. Dauernd in der Angst, es könnte ihnen einer die Butter vom Brot nehmen. Unglücklich und unzufrieden. Wahrscheinlich verprügeln die ununterbrochen in irgendwelchen finstren Ecken arme andre Menschen, zwecks Frustabbau, nur liest man leider nie davon, siehe oben. Naja, gleichgeschaltete Presse, undsoweiter, Sie wissen schon.

 

Baracken und Kasernen in unwirtlicher Gegend sind dabei keine Hilfe, sondern eine unmenschliche Zumutung. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Und ich meine, mal ehrlich, die gesamte deutsche Provinz besteht ja aus nichts anderem als aus Baracken und Kasernen. In unwirtlicher Gegend. Aber es kommt noch schlimmer: Bei uns im Kreis sind Flüchtlingsfamilien in Einfamilienhäusern untergebracht. Und in Wohnungen. Tür an Tür mit den übergriffigen Nachbarn, denen sie so hilflos ausgeliefert sind, siehe oben.

Man muß sich das mal vorstellen.

 

(Ironie-Modus: AUS.)

 

 

Liebe Frau Fetscher, ich könnte jetzt noch zahllose weitere Zitate aus Ihrem beispiellos bornierten Text herauspicken, oder viele Beispiele hier aus der Provinz mit Links verlinken, aber es ist mir allzu mühsam und zu dumm. Irgendwo las ich, sie seien aus Tübingen und lebten nun in Berlin, in Ihrem Zentrum der Gesellschaft, ich könnte jetzt sagen, aha, das erklärt alles, und das sind mir die Allerliebsten, manchmal bin ich dann eben doch wieder gerne gebürtige und arrogante berliner Großstadt-Zicke, aber ich verkneife mir das nun. Fest steht, daß Sie offenbar ganz gerne in Schwarz-Weiß denken und nur wenig Ahnung von Stadt und Land haben, oder daß Sie – was noch schlimmer wäre – von einem Dorf auf alle Dörfer schließen, ohne je in der deutschen Provinz wirklich unterwegs gewesen zu sein.

 

Ich lade Sie herzlich ein, kommen Sie doch gerne mal bei uns vorbei, hier in den deutschen Süden, und machen sich ein Bild. Ich würde Sie dann auch mit all den vielen Leuten zusammenbringen, die hier sehr aktiv sind in der Flüchtlingsarbeit. Ich kann Ihnen allerdings nicht versprechen, daß die Zeit haben für Sie, die haben nämlich alle Hände voll zu tun. Und vermutlich wenig Bock auf Berliner Journalisten, die Ihnen einmal mehr erklären wollen, wie schlimm das hier so zugeht auf dem Land.

 

 

 

P.S. Ja, auch hier gibt es sicher etliche Schwachmaten, die am Stammtisch diesen oder jenen Blödsinn loslassen. Und auch hier gab es inzwischen vereinzelt hörbare Proteste. Aber nicht auf den Dörfern, sondern ausgerechnet da, wo die Bewohner immer gern betonen, daß sie ja in einer Stadt leben. Honi soit qui mal y pense. Alles Weitere können Sie hier nochmal nachlesen, im Grunde passt der Text bis heute.

 

 

 

 

Preisfrage.

Die hiesige Polizei meldet in ihrem täglichen Bericht heute drei kleinere Unfälle/Parkrempler in der Region, mit und ohne Fahrerflucht.

 

Entstandener Sachschaden: knapp 10.000 Euro.

 

Preisfrage:

Wie alt sind die drei Unfallverursacher zusammen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lösung:

Zweihundertvierundvierzig Jahre.

 

So ist das auf dem (klick!) Land.

 

 

 

 

 

Medienstars.

Die Kollegin stutzte kurz. Ich hatte sie am Telefon nach dem Arbeitstitel der Reportage gefragt, die sie über uns schreiben wollte. Wenn Journalisten stutzen, sollte man hellhörig werden. Arbeitstitel? Ja, also… äh… „Wie kann man denn sooo leben???“, das wäre der Arbeitstitel.

Mit drei Fragezeichen.

 

Aha.

 

 

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Teil einer Serie sollten wir werden, einer Serie über die abgedrehtesten Lebensentwürfe im Ländle. Oder so ähnlich. Vielleicht habe ich da aber auch was falsch verstanden. Soooo abgedreht fand ich uns bis dato gar nicht.

 

Aber bitte.

 

Jedenfalls luden wir sie herzlich ein, zu uns in den tiefen Odenwald.

 

Nein, Sie müssen nicht im Gasthaus übernachten, Sie schaffen die 60 Kilometer hin und 60 Kilometer her in einem Tag. Doch, es gibt schon asphaltierte Straßen hier. Und wenn Sie gar nicht weiterwissen, rufen Sie von unterwegs schnell an. Ja, wir haben Telefon. Sie schaffen das! Ich sprach ihr Mut zu. Mit Städtern muß man manchmal reden wie mit Kindern.

 

 

Und sie schaffte es tatsächlich. Blieb gleich ein paar Stündchen, wollte alles wissen, sie fragte, wir erzählten fast alles, sie staunte, machte sich Notizen. Wollte die Hühner sehen (wieviel Eier legen die denn so?) und den Hasen-Riesen (Wahnsinn! Läßt der sich streicheln?), nahm ein paar getrocknete Steinpilze mit (Wissen Sie, was die in Heidelberg beim Feinkostladen kosten??) und machte sich irgendwann auf den weiten Heimweg, zurück in die Stadt.

 

 

Wenn Sie also nochmal en detail wissen wollen, wie man denn so leben kann, Zahlen, Daten, Fakten, dann können Sie das jetzt also auch in der (klick!) Stuttgarter Zeitung lesen. Wens interessiert. Sie machen unser Dorf ja noch berühmt, hat der Bäcker heute früh gesagt. Der Freund des Schwagers seiner Cousine-der-ihrer-Tochter, der hatte den Artikel gesehen und ihm die ganze Zeitung gleich geschickt. Wenn ich das richtig verstanden habe.

 

 

Und wenn es jetzt der Bäcker weiß, weiß es morgen der halbe Landkreis. Und hoffentlich bald auch der Landrat und die Bürgermeister. Ich finde nämlich langsam, es wären jetzt mal Tantiemen fällig. Oder so.

 

 

 

 

 

P.S. Liebe Johanna Eberhardt, wenn Ihnen mal wieder der Sinn nach einer aufregenden Landpartie steht: Immer gerne! Herzliche Einladung. Sie wissen ja jetzt, wo es den besten Cappuccino nördlich der Alpen gibt, die schönsten Hühner, die besten Eier, die leckersten Steinpilze und überhaupt. Ich sage nur: Odenwald! Das Glück liegt direkt vor der Haustür. 

 

 

 

 

 

Informationsgesellschaft.

Auf der morgendlichen Hunderunde vorbei an einer windschiefen durchhängenden Telefonleitung. Dann weiter Richtung Wald. Endloser Himmel. Nichts verstellt den Blick, keine Hochspannungsmasten, keine Häuser.

 

 

morgenrunde

 

 

 

Nur hinter den Bäumen ahnt man den schlanken Turm, der uns mit dem Wichtigsten versorgt. Mit Internet. Mit Mobilfunk. Er sorgt dafür, daß wir auch hier alles wissen, alles sofort weitersagen können, immerzu und überall. Informationen aus aller Welt, rund um die Uhr. Das vermeintliche Ende der Welt ist schon lange nicht mehr das Ende der Welt.

 

 

 

Der Mast und die 50.000er-Leitung im Boden sorgen dafür, daß wir im Minutentakt Nachrichten aus aller Herren Länder abrufen können, lesen, bewerten, weiterschicken, verlinken. Soll niemand sagen, er hätte nichts gewußt, hier hinten, tief im Wald. Soll niemand sagen, wir wären abgehängt in der Provinz.

 

 

Ob im Unterholz oder am Schreibtisch mit Blick auf das schläfrige Dorf: aus den Geräten quellen die Kriege und die Toten, die Erschossenen und die Zerbombten, fanatisches Geschrei und aufgeregte Diskussionen, zack!, bumm!, bäng!, landen sie auf dem Display, zwischen die Platinen hindurch sickern Angst und Hass auf den Bildschirm und wabern durchs Haus, durch den Wald. Erschüttern noch den friedlichsten Platz. Sorgen dafür, daß Du unten am wild rauschenden Bach stehst, an der kleinen Brücke, wo nie jemand unterwegs ist und die Idylle stört, den Hunden beim übermütigen Spiel zuschaust und denkst: Was für eine Scheißwelt.

 

 

Und während Du dann zu den Hühnern gehst, um auf andere Gedanken zu kommen, um nach dem Rechten zu schauen, ob sie alles haben und ob sie froh und glücklich sind, denkst Du darüber nach, was die Lösung wäre. Abschalten, alles?

 

 

 

In diesem Zusammenhang fällt mir die Schreckensnacht von Balsbach ein, im April 1944.

 

Fast fünf Jahre tobte der Zweite Weltkrieg da schon in Europa, aber Balsbach war weit weg, von allem. Heimatpost von Soldaten kam, wenn überhaupt, nur selten, das Radio vermeldete, wenn überhaupt, nur angebliche Siege, die Sonne ging morgens auf und abends unter, die Kühe gaben Milch, das Korn wuchs, Kartoffeln wurden gesetzt und geerntet. Der Krieg tobte, Menschen starben, meine Berliner Mutter verbrachte einen Gutteil ihrer Kindheit im Luftschutzbunker, meine Schwiegermutter flüchtete mit zwei kleinen Kindern auf dem Arm zu Fuß von Köln Richtung Franken, die Welt drehte sich weiter und tief im Odenwald ging alles halbwegs seinen Gang. So stelle ich mir das vor.

 

Manchmal vielleicht stiegen Männer und Frauen auf die Anhöhe zwischen den Dörfern, sahen Flugzeuge ihre Bomben abwerfen, weit weit in der Ferne, sahen vielleicht die Angriffe auf Heilbronn oder Stuttgart. Flammen wie ein Feuerwerk. Das war der Krieg.

 

 

 

Bis zu jener Schreckensnacht, als auch in Balsbach Bomben fielen. Als der dann schon fünfjährige Krieg dröhnend auch in diesem kleinen Dorf ankam. Mit ungeheurem Knall detonierte eine schwere Sprengbombe 150 Meter vor Balsbach im Felde, notiert der damalige Ortspfarrer Andreas Leimbach in seinen Aufzeichnungen, die Fensterscheiben fast aller Häuser gingen größtenteils zu Bruch. Dächer wurden abgedeckt. Eine zweite schwere Bombe detonierte im Walde des Herrn Ernst Müller. Durchmesser des Trichters ca. 20 Meter.  Brandbomben fielen eine Menge in die benachbarten Wälder. In Reisenbach brannten mehrere Gehöfte nieder.

 

 

 

Die Menschen hätten sich ins Freie gerettet und sich auf die Wiesen gelegt oder sonstwo Deckung gesucht, beschreibt der Pfarrer die Schreckensnacht weiter. Tote gab es keine. Fast fünf Jahre nach Kriegsausbruch hat die nackte Angst auch das Dorf am Ende der Welt erreicht, und Pfarrer Leimbach notiert:

Die Leute sind nach diesem nächtlichen Erlebnis etwas bange.

 

 

 

 

 

 

Nachlesen kann man die Geschichte der Balsbacher Schreckensnacht in einem Aufsatz unseres Ortschronisten Norbert Schwing im Unser-Land-Kalender. 

 

 

 

 

Marketing-Offensive.

Marketing-Offensive für mehr Lehrer im ländlichen Raum.

 

 

Damit nehmen wir von der eigentlichen Pfalz Abschied und wandern übers Neckartal hinüber , ins eigentliche Frankenland, in das Revier heiterer, lebensfroher Menschen und kreuzfideler Gemütlichkeit.

 

Zwar sind jene Marken unserer Gauen mitunter etwas sehr verschrauen, aber nur von Leuten, welche die Gegend gar nicht kennen, deshalb ein ganz unbegründetes törichtes Vorurteil hegen und sogar der Meinung sind, dort seis bei hellem Tag Nacht.

 

Und doch, wenn solch Befangene mit offenen Augen um sich schauen würden, müßten sie zugestehen, daß unter 100 Behörden, Beamten und Angestellten aller Kategorien, 90 % von dort hinten jenseits des Neckar, herstammen, die Leute somit doch nicht ganz hinter dem Monde daheim sind.

 

 

Ich habe rund zehn Jahre da unten gewürgt, gesungen und gedatzt, im Walldürner, Mudauer und Schefflenzer Revier und schließlich in der Walldürner Wallfahrtskirche mit einem Walldürner Müllersmädle Hochzig gemacht, was heute noch meine Frau ist und eine außerordentlich gesegnete Stammmutter abgegeben hat: denn mein Bärwele von der Talmühle hat mich so nach und nach mit 12 Kindern beschenkt. Mehr kann man wahrlich von einem verliebten Müllersmädle doch nicht verlangen!

 

 

Kurz und gut. Die dort hinten verlebten Tage und Jahre zählen heute noch zu den angenehmsten Erinnerungen meines Lebens, und ich wollte, ich wäre noch im Alter wie damals, als 22jähriger Hauptlehrer zu Reisenbach.

 

 

Jakob Josef Hoffmann, Hauptlehrer, um 1900.

 

 

Gefunden im Unser-Land-Kalender 2015, Beitrag von Norbert Schwing: „Lehrerstelle mit Aussicht (…) Verlag Rhein-Neckar-Zeitung

Politik des Gehörtwerdens.

Sehr geehrte Frau Staatsministerin,

liebe Frau Krebs,

 

 

Ja, sowas Dummes aber auch! Da waren Sie nun mal wieder in der Region, und ich hab Sie verpasst. Schade! Trotzdem supi, daß Sie da waren. Ich habe in der Zeitung davon gelesen. Dolle Sache!

 

Ist ja überhaupt gut, sich mal in den strukturschwachen Regionen Baden-Württembergs umzuschauen. Gerade wir Hinterwäldler haben ja manches Mal den Eindruck, in der Politik nicht recht gehört zu werden. Sie wissen schon: Minderwertigkeitsgefühl und so.

 

Aber zum Glück propagiert auch unser Landesvater ja die Politik des Gehörtwerdens. Da freuen gerade wir im finstren Wald uns sehr. Denn wie gesagt: wir haben manchmal das Gefühl, uns nimmt man nicht so ernst.

 

 

Also: Vorbildlich, daß Sie jetzt mal wieder da waren. Weil Sie uns eben doch sehr ernst nehmen.

 

 

Klasse Idee, ein Meinungsforschungsinstitut zu beauftragen, uns hier mal so richtig aufs Maul zu schauen. Im Rahmen einer Fokusgruppenbefragung ein paar ausgewählte Bürger zu einer Versammlung einladen, und dann: Feuer frei!

 

 

Leute, wo drückt Euch der Schuh? Immer raus damit! Keine Scheu, wir wollen alles wissen! Wir begleiten das auch wissenschaftlich, damit die Sache Hand und Fuß hat. Schließlich will die Landesregierung wissen, was das Volk so denkt. So ein Engagement begrüße ich. Der Draht zwischen Volk und Regierung könnte nicht direkter sein.

 

 

Liebe Frau Krebs, das ist ja klar, daß Sie das nicht versäumen wollten, diese Bürgerversammlung tief im Odenwald. Logo. Politik des Gehörtwerdens und so.

 

Mir ist auch völlig klar, warum Sie da inkognito waren, also unerkannt. Ich meine: eine Grüne, tief im CDU-Land, undsoweiter? Bei den Odenwäldern weiß man nie. Mal unter uns: Ich bin ja zugezogen und wähle auch nicht immer CDU, ich weiß also, wovon wir reden, zwinkerzwinker. Im Oudewald is schnell mal druffgeschlage‘. Sagt man ja so. Ist vielleicht ein bißchen übertrieben, aber wer weiß das schon? Sicher ist sicher. Sind Sie also anonym hin.

 

 

Do hinne, wo die schwärzesten Keiler leben, da erkennt Sie ja zwar ohnehin kein Mensch, aber bevor Sie sich eine blutige Nase holen….nein, ich verstehe das. Und wenn es um dem Odenwälder seine Alltagsprobleme geht, lang ersehnte Umgehungsstraßen, drohender Abzug der Bundeswehr, Aussterben der Ortskerne, fehlende Fachkräfte – da kann schon mal eine handfeste Schlägerei entstehen, Also nur gut, daß Sie sich nicht geoutet haben!

 

 

Ich verstehe auch, daß Sie gar nicht wirklich bei der Bürgerversammlung waren, um dem Volk aufs Maul zu schauen und Gehör zu schenken, sondern daß Sie lieber in einem Nebenraum Platz genommen haben. Vor einem TV-Gerät. LiveÜbertragung der Gespräche nebenan. Bei einem guten Grauburgunder.

 

Schon allein das Glas Wein hätte Sie verdächtig gemacht do hinne, wo wahrscheinlich alle nur Bier saufen. Und wahrscheinlich gabs bei der LiveÜbertragung auch hochdeutsche Untertitel der Wortbeiträge, denn der Odenwälder an sich redet ja so breiten Dialekt – Sie hätten gar nichts verstanden! Also nur nachvollziehbar, daß Sie die live-Übertragung OmU vorgezogen haben. War auch zum Notizenmachen sicher besser, da im Nebenraum, in aller Ruhe, is ja klar.

 

Das Gespräch wäre schließlich nicht dasselbe gewesen, wenn die Ministerin am Tisch gesessen hätte, sagt ein Wissenschaftler. Meine Rede. Die Odenwälder hätten vor lauter Schreck das Maul nicht aufgekriegt. Oder gehauen, siehe oben.

 

Schade, daß Sie dann sehr schnell verschwunden sind, offensichtlich immernoch inkognito. Ich hätte Sie – wie gesagt – gerne mal getroffen. Gerne da im Nebenraum, da hätten wir mal ein bißchen plaudern können, über den Odenwälder an sich. Über die strukturschwachen Räume und über die Probleme der Leute hier. Ich als Zugezogene hätte Ihnen da Sachen erzählen können…!

 

Naja, ist müßig, darüber nachzudenken, denn die Presse war ja unerwünscht an diesem Abend, von wegen wissenschaftliche Fokusgruppenbefragung und so. Nachvollziehbar, trotzdem schade.

 

Egal! Vielleicht klappts ja beim nächsten Mal!?

Kommen Sie doch gerne wieder.

 

Herzliche Grüße,

 

undsoweiter undsoweiter.

 

 

 

Den Zeitungsbericht der Fränkischen Nachrichten von Ihrem Besuch können Sie HIER nochmal abrufen. Für die Akten. Oder ganz aktuell von heute, die Rhein-Neckar-Zeitung: Sturm im Wasserglas. Sag ich doch.

 

 

 

 

 

 

 

 

Stoßverkehr.

Ich fahre jeden Morgen mit dem Auto zur Arbeit. Es bleibt einem wenig anderes übrig auf dem Land, zumal, wenn man wie ich, immerzu und jederzeit beweglich sein muß. Rasende Reporterin, Sie wissen schon.

 

 

Wie dem auch sei. Ich fahre also zuhause los, durch Wald, Wald, Wald, dann durch ein Dorf, durch Wald, Wald, Wald, noch ein Dorf, und dann: die Bundesstraße. Die eine von den zwei Bundesstraßen im ganzen großen Landkreis. Anderthalb mal so groß wie die Republik Malta. Zwei Bundesstraßen. Ampelanlagen, deren Zahl sich (sehen wir mal von der Kreisstadt ab) an einer Hand abzählen läßt.

 

 

Das ist nur ein Symbolbild. Und bloß eine vielbefahrene Landesstraße. Aber die Bundesstraße sieht morgens manchmal ähnlich aus.

Das ist nur ein Symbolbild. Und bloß eine vielbefahrene Landesstraße. Aber die Bundesstraße sieht morgens manchmal ähnlich aus.

 

 

Ich stehe also an der ampellosen Bundesstraßenkreuzung. Und stutze. Nicht selten. Äh, …hab ich mich im Tag geirrt? Ist heute vielleicht Fronleichnam? Oder Ostersonntag? Ein Atomangriff, den ich verpennt habe?

 

 

Der Blick geht kilometerweit nach links: kein Auto weit und breit. Nach rechts: Kein Auto zu sehen. Stille. Leerer Asphalt, so weit das Auge reicht.

 

Meistens stehe ich dann ein paar Sekunden und checke gedanklich den Kalender und die Datumsanzeige im Armaturenbrett. 7 Uhr 50, Dienstag. Passt. Kein Feiertag. Also: beherzt losfahren. Bevor sich womöglich in der Ferne noch ein Auto nähert.

 

Zugegeben: Das ist nicht immer so. Manchmal nähern sich von rechts vier Autos, von links bis zu zehn. Manchmal sogar ein LKW.

 

Was für ein Verkehr.

 

Morgens schon dieses Gedrängel unterwegs.  

 

 

 

 

So. Und als Kontrapunkt lesen Sie jetzt bitte (klick:) diesen Artikel aus der Großstadt. Berliner BerufsverkehrSardinenbüchsensinfonie. Allmorgendliches Quetschkommodenkonzert in der S-Bahn.

Ich würde schreien, jeden Morgen. Ein Magengeschwür bekommen. Oder mich gleich vor den Zug werfen.

Aber das würde in dem Geschiebe vermutlich eh niemanden interessieren.

 

 

 

 

 

Ein Geheimtipp.

Ich war ja zugegebenermaßen ziemlich blauäugig – um nicht zu sagen: dämlich – damals, vor vielen Jahren, als ich meinte, so ein Umzug innerhalb von Deutschland ist ja keine große Sache. Ich dachte, Malawi, oder Timbuktu, das wäre ein gewisses Abenteuer und mit dem einen oder anderen Kulturschock verbunden – aber Süddeutschland? Kann ja nicht so schwer sein. Sprechen die selbe Sprache, sehen in etwa ähnlich aus, haben die selbe Geschichte – alles deutsch halt. Ziemlich dämlich, ich deutete es bereits an.

Der Kulturschock ließ nicht lange auf sich warten. Und er kam nicht etwa daher, daß hier nun Beuys und Brahms, Ai Weiwei und Eichendorff eher selten stattfinden. Die Region, in der ich inzwischen lebe, heißt nicht umsonst aus mehreren Gründen Badisch-Sibirien im Untertitel, und wer nach ihr in den überregionalen Feuilletons sucht, wird eher selten fündig. Um es vorsichtig zu formulieren. War mir alles schnuppe, wozu hat man in Berlin schon als Kind die Kultur quasi mit der Muttermilch aufgesogen.

Der Kulturschock war ein gänzlich anderer. Gleiche Sprache, gleiche Geschichte, gleiche Denke? Hahaha, selten so gelacht. Ich wähnte mich vorübergehend auf einem anderen Stern. Verstand nicht selten Bahnhof. Passiert mir auch nach Jahren heute manchmal noch, aber immer seltener.

Kein Anschluß unter dieser Nummer.

Kein Anschluß unter dieser Nummer.

Mein Erweckungserlebnis hatte ich dabei ausgerechnet an einem Ort, der mich als arrogante Großstädterin früher nur müde hätte lächeln lassen. Im Heimatmuseum. Alleine dieses Wort. Freilandmuseum heißt das hierzulande genauer gesagt, in meinem Fall war es – noch genauer – das (klick:) Freilandmuseum Gottersdorf, hoch oben im Neckar-Odenwald-Kreis.

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Heimatmuseen, Dorfmuseen, Freilandmuseen – das sind doch diese schummerigen Stuben, wo dekorativ ein paar Spinnräder herumstehen oder Pflüge an die Wand genagelt sind? Romantisierend bis zum Abwinken? Stimmt, und stimmt nicht. Wenn Sie mit offenen Augen und Ohren in ein Heimatmuseum gehen, dann erzählen Ihnen sogar noch die blöden Spinnräder Geschichten aus der sogenannten guten alten Zeit, die beim genauen Hinsehen (und zumindest hierzulande) alles andere als gut war. Und sie erzählen Ihnen vor allen Dingen, ganz nebenbei, die Geschichte der Bewohner eines Landstrichs.

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Für mich als Zugezogene eröffnete sich da ein neues Universum. Ich sah und hörte Geschichten von Armut, Not und Hunger, von bescheidenem Glück und noch bescheideneren Wohnverhältnissen, Geschichten von Plackerei und Schufterei. Und das ist hierzulande alles gar nicht lange her. Ich sah das alles, und hörte das alles und verstand plötzlich vieles. Verglich manches mit der preußischen Geschichte meiner wohlhabenden (klick:) Vorfahren, merkte, daß da gar nichts zu vergleichen ist, und verstand noch mehr. „Kultur-Vermittlung“ nennt man so was wohl. Im wahrsten Wortsinn.

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Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin inzwischen ein großer Fan von Heimat- und von Dorfmuseen. Selbst, wenn manche von ihnen noch romantisierend mit Spinnrad und Pflügen daherkommen mögen: Irgendwas zieht man als Zugezogener, als Fremder, da immer raus.

Wenn Sie also mal irgendwo fremd sind (und das aber nicht bleiben wollen), wenn es Sie irgendwo in die tiefste Pampa verschlagen hat, fernab aller kulturellen Zentren, dann jammern Sie nicht, daß man für Monet und für Manet, für Bartok und Stockhausen so weit fahren muß. Gehen Sie ins nächste Dorfmuseum und gucken sich da um.

Das ist mindestens genau so viel Kultur.

Wenn nicht sogar mehr.

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P.S. Nicht, daß hier ein falscher Eindruck entsteht: So gesehen hat auch die Region Badisch-Sibirien einen Bezug zu moderner Kunst. Anselm Kiefer hat hier lange gelebt und gearbeitet. Erzählt man sich hier so. Aber wer konnte denn ahnen, daß aus dem dann doch noch mal was wird?

Ach, so, und noch was: Allein in Baden-Württemberg gibt es sieben Freilandmuseen, da wird doch was dabei sein, wenn Sie da irgendwo wohnen.

Und noch ein Letztes: Angeregt wurde ich zu diesem Beitrag von Kulturbloggerin Tanja Praske und ihrer aktuellen Blogparade: Mein Kulturtipp für Euch. (Hätte ich ja auch erst nicht gedacht, daß der Odenwald da etwas beizusteuern hätte. Siehste, so geht’s manchmal.)

 

 

 

 

 

Flüchtlinge.

 

 

Eines Tages kam eine Kommission und schaute, wieviele Zimmer man hatte und wieviele Personen im Haus waren. Die Kommission entschied, welche Räume abgegeben werden konnten und beschlagnahmte die dann. 

 

(…)

 

Wir hatten dann lange eine Flüchtlingsfamilie aus der Slowakei. Das war ein altes Ehepaar mit einer ledigen Tochter, deren Kind und einem ungefähr 14jährigen Buben.

Die fünf Personen belegten zwei Räume. Der eine wurde als Küche eingerichtet, denn sie wollten ihre eigenen Rezepte kochen und alleine sein. Im anderen Raum schliefen sie.

 

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Die Frau hat in der Landwirtschaft geholfen und ist auch bezahlt worden.  Der alte Mann konnte nicht mehr arbeiten. Aber er hat sich einen Holzschuppen gebaut, drüben,  unter unserem Lindenbaum. Dann ist er mit dem Schubkarren in den Wald gefahren und hat Trockenholz gesammelt, und damit haben sie gekocht und geheizt.

 

Sie hatten auch noch erwachsene Kinder, denen haben wir im Obergeschoß noch ein Schlafzimmer gegeben, damit sie übernachten konnten, wenn sie zu Besuch kamen. Die Familie hat viele Jahre bei uns gelebt, bis ich 1958 geheiratet habe. Sie sind dann nach Osterburken gezogen.

 

 

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Erinnerungen aus Rosenberg-Bronnacker.

Aufgezeichnet von Elli Geiger, Rosenberg.