Fundstück.

Ich bin da heute mitten im tiefen Wald durchs unterste Unterholz gestolpert, fernab aller größeren und kleineren Wege, es waren nur noch zugewachsene Pfade, denen ich folgte, und da entdeckte ich sowas wie eine etwas andere Waldhütte.

Ja, ich hatte diesmal wieder nur die olle Händi-Knipse dabei.

Ich nehme an, das ist eine Art Waldarbeiterhütte. Allerdings fehlten die entsprechenden Busen- Pinups Klischee-Bilder innen an den Wänden. Ja, ich habe einen Blick hinein geworfen, die Tür stand halb offen, ich war so frei. Und hatte ja auch Hunde dabei, für den Fall, dass da ein Massenmörder herausgesprungen wäre. Ein Waldschrat mit verfilztem Zottelbart und wirrem Haar. Oder mir eine Leiche entgegengekullert käme. Mit alldem hatte ich ein bisschen gerechnet, zugegeben. *wischt sich immernoch den Angstschweiß von der Stirne*

Waldarbeiterhütte? Oder Endstation Unterholz-Schrottplatz? Spart die Entsorgungskosten, man kennt das ja, leider. Jedenfalls war es ein bisschen unheimlich.

Vielleicht habe ich nur zu oft Tatort geschaut. Oder irgendwelche Horrorfilme, die im Wald spielen. Um genau zu sein, habe ich in meinem Leben allerdings noch nicht einen einzigen Tatort und noch keinen einzigen Horrorfilm geschaut. Ich werde ja schon bei ollen Krimi-Klassikern wie Edgar Wallace Der Frosch mit der Maske ganz wuschig, weil ich so zart besaitet bin.

Und in Wirklichkeit ist das vielleicht weder eine Waldarbeiterhütte noch ein Ersatzschrottplatz, sondern eine romantische Liebeslaube. Für wen und wann und was auch immer. Des krieje mer aa noch raus!, würde der alte Kalle Friedmann jetzt grinsend sagen. Oder sowas in der Art.

 

 

P.S. Im Übrigen traf ich später auf dem größeren Waldweg dann noch eine Schlägertruppe. Also, eine Christbaum-Schläger-Truppe. Mit schwerem Gerät und Netzen und allem, was man halt so braucht, wenn man Christbäume schlagen und eintüten will. Ja, es geht schon wieder los. Damit Sie zum Heiligen Christfest unter einem frisch geschlagenen Tannenbaum sitzen und Oh, Du Fröööh-liche-he singen können.

 

 

 

Unterwegs.

Ich habe heute zur mittäglichen Hunderunde im Wald zwischen Waldhausen und Bödigheim endlich mal wieder diese blödsinnig schweren zwei Drecksspiegelreflexkameras einen vernünftigen Fotoapparat mitgenommen. Buchen- und Mischwald im Goldenen Herbst,  es gibt wenig Schöneres, wenn Sie mich fragen. Aber mich fragt ja wieder keiner.

 

 

 

 

 

 

 

 

WMDEDGT.

Heute will einmal mehr die freundliche Nachbarbloggerin wissen, was wir eigentlich alle so den ganzen Tag treiben, in Kurzform heißt das wmdedgt, also zu Deutsch: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag. Bitte sehr: hier kann man alle Beiträge lesen, und ich bin gerne auch dabei.

Obwohl das nun mal wieder ein stinknormaler Montag ist. Das heißt, so stinknormal nicht, denn ich habe verschlafen. Ja, wenn Sie mich kennen würden, von Kindesbeinen an, dann wüssten Sie, welche Dramatik in diesen drei Worten liegt, ich habe verschlafen, diesen Satz hat man von mir in den vergangenen 51 Jahren vielleicht einmal oder, wenns hoch kommt, zweimal gehört, ich habe nicht mal zu Schulzeiten verschlafen, nicht ein einziges Mal, so eine schlimme Streberin so ein braves Schulkind war ich.

Heute also verschlafen bis kurz vor Sieben Uhr, das bedeutet eine gewisse Hektik am Morgen, Ziegen füttern, Hühner füttern, Eier einsammeln, Haare kämmen, Krönchen richten, mit den Hunden rasch mal ums Quadrat, naja, was halt so anfällt, morgens auf dem Lande. Dann schnell ins Büro und ans Telefon geklemmt, Schaltkonferenz mit den Kollegen im großen Funkhaus, wer macht was und wieso überhaupt, was kann die rasende Reporterin vom Odenwald liefern, und was sollte man im Blick behalten.

Aber der Premieren sind noch nicht genug: Am Vormittag nehme ich am ersten Webinar meines ansonsten doch recht durchdigitalisierten Lebens teil, Bildgestaltung für Hörfunker nennt sich das und ist sehr spannend. Unsereiner ist ja inzwischen nicht mehr Hörfunker oder Fernsehfrau oder onliner, sondern jeder und jede alles in Einem, und das will gelernt sein. Ich entdecke da nach anfänglichem Zögern einen großen Reiz, und während andere Kollegen noch angsterfüllt auf die vielen Apps und blinkenden Balken auf dem Smartphone starren, bin ich schon am Fummeln. Leider bisher zwar mit großer Neugierde, aber ohne jedes fachliche Wissen, aber naja, wir alle haben mal klein angefangen.

Dann telefoniere ich mit einer netten Kollegin vom Deutschlandfunk, die mich für eine Gesprächsrunde gewinnen will, oha. Über die Attraktivität des Landlebens. Na also, bitte.  Wie sie denn auf mich gekommen sei, frage ich, und sie antwortet, na, durch Ihr cooles Blog. Ich bin natürlich maximal geschmeichelt, Sie können sich das denken.

Was ich denn so tue, als Korrespondentin auf dem Lande, will sie wissen, das ist so ähnlich wie die heutige Blogger-Frage Was machst Du eigentlich den ganzen Tag. Worüber ich denn so berichte? Über alles. antworte ich wahrheitsgemäß. Wie, über alles?, fragt sie ratlos nach, für manch einen Kollegen in den großen Funkhäusern ist das ganz und gar nicht vorstellbar. Und ich spule die übliche Leier vom Reporter-Trüffelschwein vor Ort ab: Ich berichte über Politik, Wirtschaft und Kultur, Polizeibericht und Landwirtschaft, hin und wieder über Sport, human touch, Tierbabies und Kinder. Tierbabies und Kinder gehen immer, wegen der süßen großen Augen, selbst im Radio, Sie kennen das.

Und heute ist das eigentlich auch so ein Tag, ich befasse mich mit Drogenhändlern, einer alten Dorflinde, mit dem ehrenamtlichen Engagement im Landkreis, mit der Bilanz der hiesigen Festspielsaison. Ich sitze im Büro, telefoniere herum, mache eine Mittagspause im Herbstwald, gehe am späten Nachmittag zu einer Ausschußsitzung des Kreistages, plaudere hier und da, mache Termine aus, sammle Ideen. Später am Abend wieder ins Büro, die entsprechenden Beiträge und Nachrichten für morgen basteln.

Und jetzt zuhause dem Mann beim Kochen zuschauen.

Also eben doch ein stinknormaler Tag.

 

 

 

Unterwegs.

Ich bin da heute mal wieder kreuz und quer durch den Landkreis gefahren. Über Bundesstraßen, Landesstraßen, Ortsdurchfahrten, Gemeindeverbindungswege, eigentlich wie immer, das ganze Programm. Oder vielleicht sollte ich eher sagen, ich bin mal gefahren, mal gehoppelt, denn manch eine Straße hier hat es ja durchaus in sich. Da braucht ein Fahranfänger gute Nerven.

Weil ich aber kein Fahranfänger bin, und zudem gestählt durch inzwischen jahrelange Erfahrung in der vermeintlichen Provinz, brauche ich keine guten Nerven mehr, nur gute Stoßdämpfer. Naja, Sie wissen schon. Ländlicher Raum halt. Im reichsten Bundesland immerhin.

Kommen Sie einfach mal mit zu einem wilden Ritt (Binnenreim, hamse gemerkt, wa) über den Asphalt. Wenn man das überhaupt noch so nennen kannÜber eine unserer schönsten Landesstraßen*. Schlimmer als in der hintersten Walachei!, schimpft manch einer hier. Ich war noch nie in der Walachei, ich weiß nicht mal, wo deren hinterste Ecke liegt, also schauen Sie mal besser selber.

 

 

*Das Wort Landesstraße verweist in diesem Falle sehr klar auf die Zuständigkeiten. Für Landesstraßen ist das Land verantwortlich. Für Bundesstraßen – richtig! – der Bund. Ja, da hamse wieder was gelernt. Und wenn ich das richtig verstanden habe, kann kein popeliger Landkreis dieser Welt eine Landes- oder Bundesstraße sanieren oderwasweissich, wenn das zuständige Land oder der zuständige Bund sich nicht so richtig kümmert. Da kann man nur danebenstehen und weinen. Oder den abgefallenen Auspufftopf einsammeln.

Das Einzige, was da vermutlich hülfe: mal die verantwortlichen Damen und Herren zu einer lustigen Ausfahrt einladen, gerne in einem Porsche 959. Brettharte Sportversion, ohne Niveauregulierung. Oder in einem maximal schaukelnden 2CV, da kommen sich die Damen und die Herren sicher näher und sind hinterher ganz handzahm. Hei, Kinder, das wird ein Spaß.

 

 

P.S.: Wir haben hier natürlich auch sehr schicke Straßen, so richtig feine, bei denen einem die Stoßdämpfer bald einschlafen vor lauter Nichtstun. So isses ja nun nicht. Und vielleicht sind die ollen Hoppelstrecken ja auch nur dazu da, dass wir die tollen Straßen wieder schätzen lernen. Oder das Autofahren nicht ver-lernen.

 

P.P.s.: Ich habe jetzt nochmal recherchiert, was es eigentlich mit der Walachei auf sich hat. Die ist so alt, die gibt’s schon gar nicht mehr. Die hat sich quasi aufgelöst. Wie andernorts der Straßenbelag. Und ausserdem hat sie was mit Dracula zu tun. Wahrscheinlich hätte der sich an manchen Themen hier schön die spitzen Zähne ausgebissen.

 

 

 

 

 

 

 

Messermänner.

Wir alle stammen ja mehr oder weniger direkt vom Neandertaler ab. Die Älteren unter Ihnen werden sich vielleicht an die seligen Zeiten erinnern, als Vati bis an die Zähne bewaffnet loszog, um eigenhändig Bären oder Elche zu meucheln, während Mutti in der Höhle blieb und wartete, was er denn wohl mit heimbrächte. Naja, Sie wissen schon. 

Aber ich schweife ab.

Jedenfalls war ich neulich dienstlich unterwegs, ich bin derzeit eigentlich ununterbrochen dienstlich unterwegs, und es verschlug mich in einen sogenannten sicherheitsrelevanten Bereich. Das sind diese Orte, wo man selbst als Journalist nicht so ohne Weiteres reinkommt, man muss sich akkreditieren, eine Woche vorher Personalausweisnummer angeben, Augenfarbe, Schuhgröße, Geburtsort, kulinarische und anderweitige Vorlieben, das ganze Programm.

Und dann steht man immer noch vor verschlossenen Türen, es geht durch elektronische Schleusen, man wird in einem kleinen Kämmerchen abgescannt und abgetastet und muss das Handy abgeben, oh mein Gott, ja, man stelle sich das vor. Und wenn es ganz schlimm kommt, muss man sich vor Eintritt auch noch einen viel zu großen, extrem peinlichen und quietschgelben Helm auf die sorgsam gestylte Frisur klemmen, der leider nur entfernt an Bob, den Baumeister, erinnert, viel eher aber an eine missglückte Fasenachtsverkleidung.

Jedenfalls fummele ich vor der ganzen Sicherheitsprozedur an einer renitenten Heftklammer herum, die sich in meinem Schreibblock verhakelt hat, und sogleich springt mir der freundliche Odenwälder Kollege mit seinem Taschenmesser zur Hilfe, um die blöde Klammer aufzubiegen.  Keine Waffen! schreit es leicht erregt und mit zweiunddreißig hörbaren Ausrufezeichen aus einer Ecke des Raumes, und wir beide schauen verdutzt in das halbwegs verzerrte Gesicht irgendeines hochbezahlten Vorstandsmitglieds im schicken dunklen Anzug.

Was?, fragt der Kollege reichlich begriffsstutzig, das gezückte Taschenmesser mit kombiniertem Sägeblatt, Feile, Seilwinde, Notstromaggregat, Wagenheber und Zahnstocher in der Hand. Keine! Waffen!, sagt der feine Herr nochmal sehr deutlich, Sie dürfen hier keine Waffen mitbringen! Der Kollege begreift immer noch nicht. Was für Waffen?, fragt er, aber ich bin ja blitzschnell im Denken und kläre ihn auf. Du darfst das Taschenmesser hier nicht mit reinnehmen, sage ich und deeskaliere die Situation damit zunächst ganz professionell.

Taschenmesser abgeben ist um ein Vielfaches schlimmer als Händi abgeben, jedenfalls reißt der liebe Odenwälder mit einer Mischung aus Verzweiflung und Verwunderung die Augen auf. Ich gehe nie ohne mein Taschenmesser. Es vergeht kein Tag, an dem ich es nicht benutze. Das wiederum löst eine gewisse Verwirrung beim dem großstädtischen Head of Management officer Facility-CEO- Gedöns-Herren aus. Wofür brauchen Sie täglich ein Taschenmesser? Gibts hier im Odenwald noch Bären oder was?

Man(n) hat einfach ein Taschenmesser dabei. Immer. Fertig. Aus. Keine Pointe. Wer weiß, welche Widrigkeiten einem begegnen, so den lieben langen und ländlichen Tag. Das Taschenmesser scheint manchem hier wie angewachsen, ein unverzichtbares Accessoire, ein Körperteil, ohne das man sich nackt, ja gleichsam amputiert fühlt.

Auch die Sicherheitsmänner im Berliner Bundestag können ein Lied davon singen, hört man aus gut unterrichteten Kreisen, und allein der Hinweis Odenwälder auf den Bundestags-Besucher-Listen lasse sie erschaudern. Immer wieder besuchen Odenwälder Gruppen den Bundestag, immerhin sitzt da einer von uns und macht Politik und lädt immer wieder ein, zu politischer Bildung und Kreuzberger Nächten. Und immer wieder erweisen sich die Odenwälder als wahre Messermänner.

Keine Besuchergruppe, in der nicht fünf, sieben oder gar zehn Taschenmesser gefunden und zunächst eingezogen werden, bevor es in die Heiligen Hallen der Bundesregierung geht. Verstehen tut das hier niemand, dass ein praktisches kleines, aber eben doch überlebens-wichtiges und ganz und gar nicht lebens-gefährliches Messer in der Hosentasche für gewisse Aufregung an der Sicherheitsschleuse sorgt, immer hin sind das doch auch alles CDU-Mitglieder seit Jahrhunderten, also bitte. Aber seis drum.

Um es gleich mal klarzustellen: Ich verstehe das mit dem Taschenmesser nur allzu gut. Ich selber trage inzwischen stets und ständig ein Schweizer Messer bei mir, zumindest außerdienstlich. Blümchen schnippeln, Steinpilze absäbeln, im Wald ramponierte Nistkästen richten, Wanderstock schnitzen, Wildsauen erlegen. Sie wissen schon. Ich trage auch eine Stirnlampe immer bei mir, mal auf der Stirn, mal in der Tasche, und überhaupt würde ich die Liste der unentbehrlichen Odenwälder Alltags-Accessoires also noch erweitern wollen, um Stirnlampe und Motorsäge. Das mit der Motorsäge erzähle ich Ihnen ein andermal.

Ich werde jedenfalls bei meinem nächsten Berlin-Besuch mal den Bundestag besichtigen. Das habe ich jetzt hiermit spontan beschlossen. Ich war da noch nie, Sie vielleicht? Ich werde das mal probieren, mit Stirnlampe, Motorsäge und Taschenmesser da reinzukommen. Als Odenwälderin. Und als Frau. Ich werde endlich mal Aufklärungsarbeit an der Sicherheitsschleuse leisten, sozialhistorisch und geopolitisch, die werden schön dumm aus der Wäsche gucken. Und es kann ja nicht schaden, wenn die da im Berliner Bundestag ein bisschen Respekt vor uns Odenwäldern bekommen.

 

 

 

 

St. Die

Ich wollte mal so ein richtiges, typisches, französisches Kleinstädtchen besuchen, schnuckelige Fachwerkhäuser, bunte Fassaden, schmale Gassen, naja Sie wissen schon. Also sind wir spontan nach St. Die gefahren. Ein Reinfall sondergleichen. Aber sowas von. Allerdings nur auf den ersten Blick.

St. Die des Vosges ist alles andere als ein typisches französisches Städtchen. Nix Fachwerk, nix bunte Fassaden. Die 17.000-Einwohner-Stadt ist komplett (komplett!) im Stil der 50er Jahre erbaut, nüchtern und sachlich, wie Architektur-Kenner es nennen würden. Unter diesem Aspekt ist St. Die natürlich durchaus spannend, aber wohnen wollte ich hier nicht, bei aller Liebe zur modernen Architektur. Wenn schon Frankreich, dann bitte richtig.

Wir gehen etwas ernüchtert in eine kleine, sehr hübsche Patisserie in diesen 50er Jahre-Arkaden, die junge Chefin hinter der Theke ist das, was man früher zauberhaft genannt hätte, und leider fällt mir gar kein anderes Wort ein, sie ist einfach zauberhaft, mit einem strahlenden Lächeln und ebenso strahlenden Augen. Während wir auf unseren Kaffee warten, nutze ich das allgegenwärtige WLAN, um mal herauszufinden, was es denn mit dieser Stadt auf sich hat, abgesehen von der prächtigen Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert, die wir natürlich auch anschauen wollen.

St. Die ist das, was die Nationalsozialisten stolz Verbrannte Erde nannten. Auf ihrem Rückzug im November 1944 wollten sie den vorrückenden Alliierten nichts hinterlassen als eben diese verbrannte Erde. Eine Wüstenei, mit der nichts mehr anzufangen wäre, keine Zukunft mehr denkbar. Niemand sollte mehr ein Dach über dem Kopf- , oder im bevorstehenden Winter ein warmes Haus haben.

So waren die Deutschen auch in St Die. Zunächst trieben sie fast 1000 Jungs und Männer zusammen und deportierten sie zur Zwangsarbeit nach Mannheim. Dann plünderten sie Häuser und Geschäfte, raubten LKW-weise, was ihnen wertvoll erschien, schlugen alles andere kurz und klein. Sie kamen mit Flammenwerfern und Granaten, legten mehr als 2000 Gebäude in Schutt und Asche. Fünf Tage lang war die ganze Stadt ein einziges brennendes Trümmerfeld, und am Ende die größte Ruinenstadt in ganz Ostfrankreich, wie ich hier auf dieser sehr interessanten Website nachgelesen habe.

Während ich das also schnell überfliege auf dem Smartphone und mir die erste Enttäuschung über die vermeintlich hässliche Architektur dieses Ortes im Halse stecken bleibt, serviert die zauberhafte Chefin uns strahlend Kaffee und Croissants. Wir entschuldigen uns, dass wir nur so wenig französisch sprechen, sie entschuldigt sich, dass sie kein Deutsch kann, leider, leider, sagt sie.

Weil mein Geo noch rauchen möchte, bestelle ich mit perfekter französischer Aussprache, aber mit leider komplett verkehrter Vokabel einen Fahrstuhl, einen ascenseur, woraufhin die zauberhafte junge Frau lachend die Augen aufreißt und damit noch hübscher aussieht als ohnehin schon. Non, non, non, sagt sie, ascenseur: und dann macht sie eine schnelle Bewegung mit der Hand, rauf und runter, rauf und runter, Sie meinen cendrier, einen Aschenbecher. Dann lachen wir sehr herzlich miteinander, und jedes Mal, wenn sie nach uns und unseren Wünschen schaut, hier draußen unter den Arkaden, wird der ascenseur zum Running Gag.

Beim Gehen bedanke ich mich für den guten Kaffee, die feinen Croissants und natürlich auch für den Fahrstuhl, dann lachen wir wieder miteinander, sie winkt und sagt Danke für Ihren Besuch.

Und wenn Sie mich fragen: Das ist Europa.

 

 

 

P.S. Ich glaube fast, das könnte nochmal ein Beitrag für die Blogparade #SalonEuropa werden, zu der das Museum Burg Posterstein aufgerufen hat. Also bitte.

 

La Chapelotte.

Der Wald ist freundlich in den Vogesen. Besonders hier oben, auf dem Col de la Chapelotte. Sandiger, weicher Boden, zarte Birken und Eichen, schlanke Kiefern und riesige Esskastanien, die ihr gelbes Herbstlaub wie einen Sonnenschirm über die Wege breiten, damit dem Wanderer der Aufstieg nicht allzu anstrengend wird.

Überall auf den Wegen liegen die Eicheln und die Esskastanien, die Natur wirft ihre ganze Fülle dem Besucher zu Füßen, fast wird das Gehen dadurch erschwert. Ein Herbst wie ein rauschendes Fest.

Ja, ich hatte nur das olle Händi dabei. Sie müssen halt selber mal da hinfahren.

Und doch ist das hier oben ein einziges Schlachtfeld. Ein ehemaliges, zumindest. Gäbe es ein Ranking der grauenhaftesten Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs, wäre La Chapelotte vermutlich eher so im Mittelfeld zu finden, Verdun stünde da wohl an oberster Stelle. Aber so ein Ranking interessiert niemanden, und schon gar nicht die Tausenden von Toten auch hier oben auf La Chapelotte.

Franzosen und Deutsche haben hier gegeneinander gekämpft, das felsige Gelände war unübersichtlich, so entschied man sich für den Minenkampf. Den Gegner unterirdisch wegbomben. Auf beiden Seiten wurden Bunker gebaut, Versorgungsschächte für Strom und Luft, ganze Stollen in den Berg hineingetrieben.

Reste eines Stolleneingangs. 80 Meter geht es hier in die Tiefe.

Derselbe Stolleneingang vor seiner Zerstörung 1918. Man beachte die Schmalspurschienen für Loren.

Rund um den Berg und durch den Wald, den freundlichen, geht es durch Gänge und Schützengräben, die in den harten Fels gehauen sind, eine qualvolle Schinderei, wochenlang, monatelang. Aber nichts gegen die Qualen, die in den kommenden Jahren folgen sollten hier oben.

Monatelang, jahrelang waren die Soldaten hier, tausende von jungen Männern, die noch mit Hurraa! in diesen Krieg gezogen waren. Sie haben geschossen und gelitten, gesungen und vielleicht gebetet, gegessen, getrunken, geschlafen. Sie haben bestimmt auch mal gelacht, sich von ihren Mädchen daheim erzählt, von ihren Kindern, sie haben Sehnsucht nach Zuhause gehabt, weiter geschossen, geschrien, geweint, sich heimlich verbrüdert, sich gegenseitig weggebombt. Alleine 2000 Franzosen sind auf La Chapelotte ums Leben gekommen, heißt es auf einem Schild im Wald, zu der Zahl der deutschen Todesopfer habe ich auf die Schnelle im Internet nichts finden können.

Einen Hinweis auf die Ruinen eines deutschen Lazaretts auf La Chapelotte hatte ich im Netz aber entdeckt, ein versteckter Ort, bisher nicht markiert, nicht ausgeschildert, schwer zu finden.

Reste eines Lazaretts.

Unterhalb des Lazaretts die verfallenen Reste einer Seilbahnstation. Wenn es im unwegsamen Gelände um Waffennachschub oder Kranken- und Material-Transporte ging, scheuten die Deutschen weder Kosten noch Mühen.

 

Kaum ist es im Kopf und im Herzen zusammenzubringen. Die absolut friedliche, freundliche Natur an diesem wundervollen Herbsttag – und die Schützengräben, die Minentrichter überall im Gelände, die Bunker und das Grauen dieser Kämpfe. So schlängele ich mich durch die in den Fels gehauenen Gänge und durch diese merkwürdig holprige Landschaft, in der jeder einzelne Hügel, jede größere Senke eine eigene, entsetzliche Geschichte zu erzählen hat. Unfassbar! höre ich mich hin und wieder raunen, absolut unfassbar!

Dann raschelt es schon wieder im Gebüsch, die Hunde reagieren, gucken, ziehen an der Leine. Der freundliche Wald ist voll mit freundlichen Franzosen, die Esskastanien sammeln. Tütenweise, eimerweise. Überall kriechen sie hier oben gebückt durch das Herbstlaub, prüfen, bewerten, werfen die Maronen wieder auf den Boden oder in den Eimer.

Mit einer älteren Frau mit zwei großen Eimern komme ich in ein kleines Gespräch, soweit das mit meinen Französisch-Kenntnissen möglich ist. Es geht um Hunde, natürlich, Ich habe auch zwei, aber sie ziehen so furchtbar, dass ich sie hier zum Sammeln nicht mitnehmen kann, sagt sie. Dass ich meine Beiden vor dem traurigen Schicksal als südländische Strassenköter gerettet habe, verdiene einen Orden, lobt sie mich. Bonne Journee!, ruft sie am Ende fröhlich-winkend hinter mir her und verschwindet lachend wieder im Unterholz mit der grauenhaften deutsch-französischen Geschichte, um zwischen Schützengräben und Bombentrichtern nach Esskastanien zu suchen.

Und ich bin mir am Ende nicht sicher, ob ich das äußerst befremdlich – oder doch sehr tröstlich finden soll.

Nationalfarbiges Rindenmulch an einer Gedenktafel.

 

 

 

Prioritäten.

Der Typ ist mir gleich aufgefallen. Ich habe ja durchaus einen Sinn für attraktive Männer. In diesem Fall fasziniert mich aber weniger sein Aussehen, sondern vielmehr das, was er tut.

Samstag Vormittag, ein Supermarkt auf dem Lande, in den Vogesen, am gefühlten Ende der Welt. Genau gesagt gibt es in dem winzigen Provinznest drei riesige Supermärkte, oder sogar vier, aber der Leclerc ist vermutlich der feinste von ihnen, und sicher auch der teuerste, weil un-discounterisch.

Foto: M.E./pixelio.de

Und brechend voll ist er an diesem Morgen. Wenn ich mir die halbausgestorbenen Dörfer rundum anschaue, dann frage ich mich, wo plötzlich all diese Menschen herkommen. Sie kaufen ein, als gäbe es kein Morgen, oder als drohe den französischen Vogesen eine Hungersnot. Der Vollständigkeit halber muss ich allerdings erwähnen, dass das hier an jedem Wochentag so zugeht, nicht nur samstags.

In dem gigantischen Laden jedenfalls steht dieser attraktive Franzose mittleren Alters, er steht vor der Blumenkohl- Auslage, die allein schon die Ausmaße eines Handballfeldes hat, wie das halt in Frankreich so ist. In diesem Moment gibt es nur den Mann und den Blumenkohl. Er steht in einer Mischung aus Konzentration und Meditation vor den Kohlköpfen und scheint die anderen Kunden gar nicht mehr wahrzunehmen, die in Dutzenden und nach einer genetisch angelegten Choreographie (oder der französischen Straßenverkehrsordnung, wer weiß das schon) an ihm vorbei drängeln, schieben, fachsimpeln, lachen oder sich gegenseitig ihre XXL-Einkaufswagen in die Hacken rammen.

Der Mann steht also vor knapp 100 Blumenkohlen, er scannt mit seinen Augen die Auslage ab, dann hebt er langsam die Arme und umfasst mit zartem Griff einen Blumenkohl, vorsichtig, wie ein Neugeborenes, hebt er den Kohlkopf aus der Auslage und beugt sich langsam über ihn, um an den weißen Röschen zu schnuppern. Sehr behutsam tut er das, fast wirkt es wie eine sakrale Handlung.

Der Blumenkohl allerdings scheint seinen sakralen oder olfaktorischen Anforderungen nicht gerecht zu werden, vorsichtig legt er ihn zurück in die entstandene Lücke, scannt wieder die gesamte Auslage und schreitet sie langsam ab, hebt vorsichtig den nächsten heraus, beugt sich über ihn, schnüffelt. Drei-, viermal geht das so, bis der Mann sich für einen Blumenkohl entschieden hat, der sowohl in der Druck-, wie auch der Riechprobe erfolgreich abschneidet. Der  Auserwählte wandert vorsichtig in eine hauchdünne Plastiktüte und wird dann auf all den anderen Gütern im XXL-Einkaufswagen behutsam abgelegt.

Foto: Herbert Dazo/pixelio.de

Dass mich das so dermaßen fasziniert, dass ich den Mann minutenlang anstarre, entlarvt mich dabei natürlich als doofe Deutsche. Kein anderer schenkt der heiligen Handlung irgendeine Aufmerksamkeit, denn im Prinzip macht der Mann ja, was offenbar alle Franzosen machen, wenn sie Nahrungsmittel einkaufen: riechen und fühlen, ehrfürchtig tasten und drücken, fachmännisch probieren und auf der Zunge zergehen lassen.

An der Käsetheke stehen diese Typen, die in ihren ausgeleierten Acryl -Jogginghosen zu wohnen scheinen, der Hosenboden nach unten verrutscht, freier Blick auf die Kimme, gerne auch mal unrasiert (das Gesicht, die Kimme sowieso) und mit wild bedruckten T-Shirts über der etwas zu dicken Brust. Sie stehen an der Käsetheke, wahlweise Fisch-oder Fleischtheke, vergessen für einen Moment ihre brüllenden rotznasigen Blagen, die im riesigen Einkaufswagen zwischen den Schätzen wie in einem Bällebad hocken und lautstark zanken, sie probieren hier, probieren dort.

Sie fachsimpeln mit der etwas mausgrauen Verkäuferin, die für einen Moment die schönste und wichtigste Frau in ihrem Leben zu sein scheint, sie entscheiden, verwerfen, plaudern, probieren nochmal und nochmal und entscheiden erst dann. Die erstandene Ware wird hernach nicht mit männlicher, lässig-cooler Geste in den Wagen geworfen, sondern eher gebettet, zu den brüllenden Kindern und zu all den anderen wertvollen Schätzen.

Am Ende sind die Einkaufswagen randvoll gefüllt, wie Güterwaggons so groß, alles wird noch einmal sorgfältig auf das Förderband an der Kasse gelegt, dann wiederum halbwegs sorgfältig in den Wagen verstaut. Die Digitalanzeige an der Kasse zeigt in der Regel eine dreistellige Summe, das scheint hier normal zu sein, und niemand beschwert sich, dass er an der Kassenschlange hinter jemandem gelandet ist, der eben mal 238 Artikel zu bezahlen hat.

Das Warten hat ja auch eine gesellschaftliche Komponente, man kommt mit Vorder- oder Hintermann ins Gespräch, über die Qualität der Weine, des Käses, des aktuellen Rinderfilets im Angebot. Nein, die Pilze habe ich noch nicht mitgenommen… der Sommer!, ach, ach, der Sommer!, alles viel zu trocken…. Aber die Wachteln da hinten im Regal, haben Sie die gesehen?, davon habe ich mir gleich sechs Stück eingepackt.

Dann geht es mit dem prall gefüllten Wagen quer über den gigantischen Parkplatz, vorbei an all diesen kleinen, praktischen Autos, die alle zu fahren scheinen, zumindest hier auf dem Land. Chromblitzende Familienvans mit den Ausmaßen eines Leopard- Panzers der Bundeswehr findet man hier ebensowenig wie diese technikstrotzenden 280 PS- Einfamilienhäuser, die auf deutschen Supermarktparkplätzen das Bild bestimmen, Sie kennen das: je billiger der Discounter, desto größer die Autos davor.

Hier stehen kleine neue Autos herum, kleine alte Autos, und klitzekleine uralte Autos, Dreckschleudern und knatternde, hustende Rostlauben, die von einem langen Leben und allerlei schlechten Straßen erzählen. Hauptsache, die kleinen Neuen und die Schrottschüsseln fahren von A nach B und transportieren die Schätze nach Hause.

Prioritäten setzen nennt man das wohl.
Savoir vivre, naja, Sie wissen schon.

 

 

 

P.S: Ich bin ermuntert worden, diesen Beitrag zur Blogparade #SalonEuropa des Museums Burg Posterstein hinzuzufügen, was ich hiermit natürlich gerne mache. Was die Geschichte mit Europa zu tun hat? Wir fahren doch alle dauernd quer durch Europa. Und sollten uns vielleicht hie und da das Eine oder Andere abgucken. Zum Beispiel, dass Geld besser in gute Lebensmittel investiert wäre als in schicke Autos. Meine janz persönlische Meinung, wa. Naja, Sie wissen schon. 

 

 

 

 

WMDEDGT.

Der Fünfte des Monats, Tagebuchbloggen, Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, kurz wmdedgt, naja, Sie wissen schon. Die Frau Brüllen möchte von uns einen kleinen Abriss eines stinknormalen Tages, also bitte sehr.

So ganz stinknormal ist das natürlich nicht, denn wir sind im Urlaub. Der Hund da oben im Bild fasst das im Prinzip eigentlich schon sehr gut zusammen, was wir hier so tun in den Vogesen, aber Faulenzen wird ja auf die Dauer auch langweilig, weil man nie genau weiß, wann man fertig ist damit, deswegen tun wir also noch anderes. Zumindest zwischendurch.

Auf Gallenkoliken warten zum Beispiel. Ja, Sie haben richtig gelesen. Ich warte. Mal mit, mal ohne Erfolg. Heute blieb ich verschont, da freut man sich. Keine Bange, sagt der deutsche Arztfreund zu meinen detaillierten Beschreibungen der dramatischen Szenerie am Telefon, da musste durch, is blöd, aber nicht gefährlich. Man wird halt nicht jünger. Nicht mal im Urlaub.

Leider wird man auch nicht satt. Der französische Zwieback gilt zwar unter Connaisseusen als das non-plus-ultra der internationalen Zwieback-Kunst, hat aber noch niemanden jemals wirklich satt gemacht. Also gibt es zum Frühstück erst einen kleinen Zwieback, dann einen großen Hunger. Und dazu einen feinen Kümmel-Fenchel-Tee. Ja, da staunen Sie.

Und weil ungewöhnliche Vorkommnisse in diesem Urlaub offenbar groß im Kommen sind, fahre ich nach dem Frühstück schon wieder Richtung Deutschland, Richtung Saarland. Ein Todesfall im Freundeskreis, da fährt man hin. Ein alter Mann ist da gestorben, ein Vater, Opa, Uropa, das geht in Ordnung, und die Trauerfeier im riesigen Familienkreis ist wunderschön, ich kann es gar nicht anders sagen. Ich finde ja überhaupt Feiern in riesigen Familienkreisen immer ausgesprochen beneidenswert, aus Gründen, aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte. Oder nur ein romantisierendes Vorurteil, das müssen jene entscheiden, die einen riesigen Familienkreis ihr Eigen nennen.

Jedenfalls fahre ich bei strahlender Sonne und milder Luft ein paar Stunden über Land, das Navi lotst mich von einem Dorf ins nächste, über Nationalstraßen und Rue Dingsbums und Avenue Sowieso, das Navi spricht alle diese französischen Namen amerikanisch aus, das ist zuweilen lustig, erfordert vom Fahrer allerdings auch allerlei phonetische Phantasie.

Die Dörfer sind alle sehr hübsch, aber auch sehr ausgestorben, das hat auch wieder einen romantischen Reiz, ist aber vermutlich für die Dagebliebenen nicht der Brüller. Die Szene bei Regenwetter würde man vermutlich trostlos nennen.

In Frankreich scheint das Land noch deutlich strukturschwächer und reizärmer zu sein als im angeblich so strukturschwachen Odenwald, so wirkt es beim Passieren zumindest. Kein Cafe, kein Restaurant, an jeder Ecke Häuser zu verkaufen, Läden zu vermieten, die entsprechenden Schilder sehen so aus, als würden sie schon seit 1870/71 erfolglos nach Käufern oder Mietern rufen.

Und wieder mal ärgere ich mich, dass ich zuwenig Französisch spreche, andernfalls wäre ich auf dem Rückweg von der Beerdigung mal ausgestiegen und hätte irgendjemand angequatscht, ein paar Leute sind immerhin hie und da unterwegs in den Dörfchen.

Meine Französisch-Sprachkenntnisse sind aber in etwa auf dem Niveau eines Kleinkindes, also lasse ich das und fahre weiter über Land, vorbei an riesigen Feldern, über eine lange Birken(!)-Allee, ich tuckere hinter Traktoren und Schulbussen her und bewundere über -zig Kilometer die Rückfront eines dieser merkwürdigen Winzmobile, die hier gerne von Rentnern gefahren werden, Maximalgeschwindigkeit 15 Stundenkilometer. Überholen verboten, ja, gut. Aber ich habe ja Zeit. Ich habe ja Urlaub.

Umme Ecke vom Ferienhaus.

Am Abend bin ich zurück im Ferienhaus, die Hunde bellen und wedeln wie wild, mein Geo freut sich und kocht eine Diät für mich, Kalbsschnitzelchen mit Spargelrisotto oder sowas in der Art. Es schmeckt herrlich und ich lasse sicherheitshalber zwei Drittel der Portion stehen. Nur wer jemals eine Gallenkolik hatte, kann das verstehen.

Dann sitzen wir in diesem fremden und doch schon vertrauten Häuschen bei Kerzenschein in der Küche, wir essen und trinken und reden, dem Anlass angemessen, über das Leben und über den Tod. Und darüber, ob sich gläubige Menschen wohl mit dem Sterben leichter tun als nicht-gläubige. Und darüber, wie man im Jetzt lebt, im Heute, und nicht dauernd im Gestern, im Morgen.

Man sollte das ja überhaupt viel öfter tun: im Heute leben, im Jetzt. Zumindest könnte man ja mal anfangen, es regelmäßig zu üben. Heute. Spätestens morgen.