Woanders.

Wir waren ein paar Tage unterwegs, so eine kleine Auszeit zum Jahresanfang, bevor nun der Alltag wieder losgeht. Wir waren im Münsterland, das klingt in meinen Ohren immer ganz grauenhaft spießig, Münsterland, wir kannten es nicht und sind deswegen gezielt da hingefahren. Getreu dem alten englischen Motto Know Your country first!. Freunde von uns waren in Südafrika, andere in den Schweizer Alpen zum Skilaufen, und wir also, naja, im Münsterland. Know Your country first, und wenn es noch so spießig klingt.

Und was soll ich Ihnen sagen: das Münsterland ist ganz großartig. Topfeben, weit und großzügig, der Blick bis an den Horizont. In die eine Richtung sehen Sie das vergangene Wochenende, und in die andere das kommende. Sagt man da so. Ein Eldorado für Radfahrer, dazu offensichtlich seit jeher wohlhabend. Alle Naslang stolpert man über Schlösser und Burgen, über die Herren von Bodelschwingh und über die Frau von Droste-Hülshoff, alles ist voller Backsteinbauten, die Leute sind redselig und freundlich. Fette Gutshöfe überall, die nächsten Nachbarn einen halben oder ganzen Kilometer entfernt, wilde Pferde, Auerochsen und Fasane.

Wir informieren uns als fachkundige Touristen natürlich immer zuerst über Acker- und Baulandpreise (pro Quadratmeter, voll erschlossen), beides ist in unseren Ohren leider horrend, die Immobilienpreise auch, wir scheinen also nicht die Einzigen zu sein, die es dort schön finden. Und mein Geo wird seinen Traum vom Leben im Münsterland auch gleich wieder begraben müssen. Naja, aber nochmal hinfahren können wir ja jederzeit.

Da wohnt die Frau Corinna. Das Gewässer ist allerdings rein meteorologisch bedingt.

Nicht zuletzt, um die freundliche Nachbarbloggerin Corinna nocheinmal zu besuchen, die wir nun also endlich mal im wirklichen Leben kennengelernt haben, ich bin ja inzwischen ein großer Fan von Blind-Dates mit netten Menschen aus dem Internet und wurde da noch nie enttäuscht. Falls Sie mal im Münsterland unterwegs sein sollten, in einer etwas angenehmeren Jahreszeit, machen Sie doch bitte einen Abstecher zum Hofsafari-Café, Lage und Aussicht sind herrlich, und dann grüßen Sie die Menschen und die Rindviecher von mir und lassen sich den Kuchen schmecken. Vorher können Sie sich hier noch ein bisschen informieren, mit wem Sie es da überhaupt zu tun haben.

 

 

 

 

Schön hier.

Wieder ein neues Jahr, wieder werden wir alle ein Jahr älter, so ist das leider. Und das geht ja gerade so weiter, nächstes Jahr, übernächstes Jahr, überübernächstes Jahr, die Jahre bringen allerlei Überraschendes und gleichzeitig immer dasselbe: wir werden immer älter, krummer, buckliger. Und irgendwann, – naja, Sie wissen schon: sind wir dann wirklich alt. 

Wenn Sie in der Region leben und noch nicht sooooo alt sind, sich aber hin und wieder Gedanken machen, wie das denn so wird, dann habe ich hier eine spannende Geschichte für Sie, einen Gastbeitrag von Frau Ulla. Frau Ulla heißt im richtigen Leben Ulla Brinkmann und ist Journalistin in Mosbach und – Achtung – Mitinitiatorin eines Wohnprojektes, in dem es, Sie ahnen das bereits, ums Wohnen im Alter geht. Hier im Odenwald, versteht sich.

Voila:

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Wenn ich alt werde…, hat mich die Landlebenbloggerin vor geraumer Zeit für die Rubrik „Menschen“ gefragt, und ich habe geantwortet: „…bleibe ich hier. Wir gründen gerade eine Ollen-WG!  Gegründet ist sie inzwischen, die Ollen-WG, und hat die Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Ganz „hier bleiben“ tue ich nicht; fünf, sechs Kilometer weiter aber hat das Projekt schon ziemlich konkrete Formen angenommen. Das Grundstück ist gekauft, das Planungsbüro hat geplant, die Gruppe ist gewachsen. Vor allem zusammengewachsen.

Oh, sogar Hunde sind dabei. Und Freundin Ulla ist die Vierte von links.

Dabei bin ich noch nicht richtig alt, 58 gerade geworden, was manchen über ein Projekt wie das unsere staunen lässt. Das wundert wiederum mich. Denn Gedanken darüber, wie und wo und mit wem ich mein Alter verbringen will, die mache ich mir schon viel länger. So wie der prominente WG-Senior Henning Scherf. Der war nicht viel über 50, als der ehemalige Bürgermeister von Bremen ebendort eine Wohngemeinschaft für Ältere gründete. In der lebt er seit vielen Jahren und berichtete auch hierzulande begeistert davon.

Die Idee, im Alter nicht nur nicht allein zu sein, sondern die Lebensumstände dafür selbst zu gestalten, früh genug  und mit anderen zu gestalten, war zunächst eine Idee, dann ein Funke, der andere erfasste, dann ein Projekt, an dem gemeinsam gebaut wurde und wird. Mit jeder und jedem Neuen kam frischer Wind in die Sache. Das wirkt sich aus auf unser Gemeinschaftswerk und ist symptomatisch für unser Konzept. Miteinander und füreinander könnte es simpel überschrieben sein. Die beiden Wörtchen sind jedoch die Essenz dessen, was uns antreibt. Alle haben Bedürfnisse, Vorstellungen, Möglichkeiten; nicht immer sind es die gleichen. Es muss angepasst, erweitert, gestrichen werden. Am Ende der Diskussionen steht ein Konsens. So haben wir eine gute Kultur des Miteinanders entwickelt, in der auch Raum ist für Zweifel.

Apropos Raum: der ist am Fuße des Henschelbergs in Mosbach gefunden, ein 2000 m² großes Hanggrundstück, auf dem (noch) ein alter Bauernhof steht. Er wird weichen in den nächsten Monaten. Die Lage erfüllt  wichtige Vorstellungen: zentrumsnah soll unser Standort sein,  gut angebunden, grün und ruhig. Der Lage und seiner Geschichte verdankt sich auch der Name unserer GbR: Henschelberghof.

Einen Hof für gemeinschaftliche Aktivität wird es dort geben. Mehr noch: ein eigenes Häuschen mit Gemeinschaftsküche hinten im Hang. Gemeinschaftlich bauen wir auch ein Gäste-Appartement, wo gegebenenfalls eine Pflegekraft untergebracht werden kann.  Die Gartenterrassen und Nutzräume, ja, sogar die Laubengänge verstehen wir als Räume der Begegnung. Ohne Muss. Wem der Sinn gerade nicht nach Gemeinschaft steht, hat den Platz dazu in den eigenen Räumen, auf den eigenen Balkonen.

Acht Wohneinheiten auf drei Ebenen sind geplant, sechs schon belegt. Vier Paare sind wir bisher, und zwei Frauen. Auf unterschiedlichen Wegen erfuhren unterschiedliche Menschen von unserem Vorhaben, zeigten Interesse einzusteigen. Wir beschnupperten uns, gingen kleinere oder längere Wegabschnitte miteinander, gingen aus unterschiedlichen Gründen wieder auseinander oder machten uns zusammen auf den weiteren Weg. Ein Ziel haben wir ja.

Denn: Ende 2020 wollen wir drin sein. Dann bin ich noch 60 oder gerade 61. Alt genug für eine Ollen-WG? Jetzt schon weiß ich: Gut, dass wir so früh angefangen haben. „Ihr werdet euch noch wundern“ beginnt Udo Jürgens Rentner-Song. Dem Refrain, dass das Leben mit 66 Jahren anfange, stimmen wir in dieser plakativ-verkürzten Betrachtungsweise allerdings nicht zu. Aber dass das Leben im Alter mit seinen besonderen Anforderungen für uns ein Anfang ist, dem wir uns bewusst stellen und den wir gemeinsam aktiv anpacken, das nehmen wir gern in Anspruch – und Angriff.

„schönhier“ steht über einer anderen Landlebenblog-Rubrik. Dass es dort, wo wir hinziehen und wo es uns hinzieht, schön sein wird, davon sind wir überzeugt. 2020 heißt es für unseren Henschelberghof: „schönhier!“ Wer sich angesprochen fühlt von unserem Vorhaben, kann Kontakt knüpfen über diese Mail-Adresse: henschelberghof@yoneo.de. Zwei Wohneinheiten um die 70 m² sind noch frei…

 

 

 

Abenteuer Wetter.

Ich finde das selber ja ein bisschen peinlich, aber für mich ist das Leben auf dem Lande auch nach all den Jahren immer noch mit allerlei Abenteuern verbunden. Und machmal fühle ich mich wie einer von den ersten Siedlern auf Roanoke Island, naja, Sie wissen schon, die Kolumbus-Roadies, vierzehn- oder fünfzehnhundertlangsam. Vor allem, wenn es Wetter gibt. Also, so richtiges Wetter, nicht so einen Regen wie in der Stadt, oder ein paar vereinzelte Schneeflocken, die sofort den Verkehr zum Erliegen bringen, weil die Städter komplett hysterisch werden, oder ein bisschen Zugluft in den Häuserfluchten. Das kann ja jeder. Nein, ich meine so richtiges, fettes Wetter. 

Wie wir da neulich zum Beispiel schön aus Essen waren. Sagt man hier so, wenn man ins Restaurant geht. Wir also rein bei mildem Vorfrühlingswetter, schön gegessen, und an nichts Böses gedacht. Dann vor der Tür: tiefster sibirischer Winter. Auf der ungeräumten Bundesstraße ging gar nichts mehr. LKWs standen wimmernd und weinend mitten auf der Fahrbahn, Warnblinker blinkten rot und orange durch die Finsternis, Menschen eierten armwedelnd wie betrunkene Pinguine hin und her, vermummt und zugeschneit, durch Schneemassen, die sich meterhoch türmten. Ich schwöre, genauso war es.

Wir schaufelten also vor dem Gasthaus zu Viert das Auto frei und schlichen los, allesamt leicht angespannt und mit den Händen in die Kopfstützen der Vordersitze gekrallt, mit stierem Blick nach Vorne, durch die milchig-beschlagene Windschutzscheibe. Nicht bremsen!, riefen wir vor jeder Kreuzung der Fahrerin zu, nur runterschalten, jetzt! Laaaangsam!, und Ganz vorsichtig Gas geben!, wir alle wussten natürlich, wie man ein Fahrzeug am besten durch die Schneehölle manövriert, durch das geschlossene kniehohe Weiß, das nie zuvor ein Mensch befahren hatte, jetzt zügig weiter, immer weiter, nicht bremsen!!, konnten uns aber leider nicht auf den sinnvollsten Weg einigen.

Es sind diese Gespräche, die ich bei Wetter auf dem Land so liebe: Diskussionen über die meteorologisch-topografisch beste Wegführung, aufgeregte Dispute, die sich um Waldstücke, um Gefällstrecken und Steigungen drehen, um scharfe Kurven und Wendemöglichkeiten. Wer bei Wetter unterwegs ist, muss sich jedes Mal und je nach Lage entscheiden, mit welcher Kirche er wie um welches Dorf herumfährt, wo die Gefahr am größten, das Risiko am geringsten ist.

Fahren wir bei Wetter von Limbach direkt nach Laudenberg und Balsbach? Oder besser über Mosbach, Sattelbach und Trienz, wegen der Steigungen? Oder noch schlauer über Neckargerach? Was kümmern uns die 28 Kilometer Umweg, Hauptsache, wir überleben diese Fahrt? Welches Waldstück ist das riskanteste, wo stehen die wackligsten Bäume, und wie kommen wir am Ende um diese eklige Kurve zwischen Krumbach und Wagenschwend, Richtung Balsbach?

Wir haben die Fahrt neulich also hinter uns gebracht und überlebt, Sie erkennen das ja auch daran, dass ich jetzt diesen Beitrag schreibe. Obwohl wir nichtmal eine Kettensäge dabei hatten; jeder normale Odenwälder, der etwas auf sich hält, führt angeblich stets und ständig eine solche Kettensäge bei sich, man weiß ja nie. Sollte sich die Wahl des Weges von A nach B über D, F und H und Y als Fehler herausstellen und umgestürzte Bäume die Fahrbahn unpassierbar machen, hat man immernoch die Kettensäge, um sich gegebenenfalls den Weg freizusägen. Und Fußmatten und Decken, die das Anfahren am schneebedeckten Hang erleichtern, vergessen Sie die Decken und die Matten nicht!

Heute ist wieder so ein Wetter, so ein richtig fettes Wetter, Frau Burglind fegt über das Land, auch die Städter hat es heute bös erwischt, und während ich noch darüber nachdachte, wer sich für einen Orkan einen derart bekloppten Namen ausdenkt, warf Frau Burglind schon die ersten Gegenstände durch den Garten und ums Haus, ach, was sage ich, das ganze Haus bebte unter ihrer zornigen Puste, und ich hatte zwischenzeitlich ernsthaft Angst. Ich vergaß darüber sogar, ein paar Fotos aus dem Fenster zu machen, das muss man sich mal vorstellen, aber Sie haben ja Burglind vermutlich ebenfalls getroffen und erlebt, also wissen Sie, wovon wir reden.

Jedenfalls musste auch ich mir heute wieder die üblichen Fragen des Landmenschen stellen. Wie fahre ich jetzt – wenn ich denn schon muss – am besten von A nach B? Wo ist möglichst wenig Wald, wo drohen die dicksten Äste, welche Kurve dürfte überschwemmt, welche Straße über- oder unterspült sein? Werde ich unten am See im Schlamm stecken bleiben, und wird mich jemand finden, bevor ich dort verhungere? (Verdursten wäre ja nicht das Problem, Wasser gibt es da genug, haha.). Schaffe ich da hinten die Steigung durch Matsch und Geröll, und komme ich an der riskanten Abfahrt da vorne womöglich ins Rutschen?

Auch heute ist es bisher wieder gutgegangen, hoffentlich auch bei Ihnen, umso mehr, wenn Sie in der Stadt wohnen, ich habe da ganz grässliche Bilder gesehen, Frau Burglind hat wirklich gewütet, und in der Stadt wird es dann vermutlich noch gefährlicher als auf dem Land. Wir haben im Dorf bisher keine erkennbaren Schäden, nur ein paar neue Flussauen und Seen, an denen ich heute früh ungläubig stand. Ja, ich war eine Wiese, raunte mir das braune Gewässer gurgelnd zu, aber ich wollte im neuen Jahr etwas Bewegung in mein Leben bringen.  Und jetzt weiß ich auch nicht.

Schicken Sie Burglind zum Teufel und überstehen Sie diesen Tag ohne weitere Schäden.

 

 

 

 

Ein Tipp für Odenwälder.

Die Wasser steigen und steigen, es gurgelt und sprudelt überall, und bevor wir nun alle hinfortgerissen werden, von der einstmals niedlich dahinplätschernden Gerach, der Elz, der Trienzbach, und wie sie alle heißen, bevor wir also davongespült werden, noch rasch ein Tipp für das kommende Jahr.

Ich habe da nämlich eine sehr spannende Frau kennengelernt, die ein nicht weniger spannendes Projekt für den Odenwald gestartet hat. Dieser Wald wiederum wird ja bis heute nicht als eine Region vermittelt und vermarktet, sondern von drei Seiten aus, von der badischen, der hessischen und einer bayerischen, wenn ich das richtig sehe.

Wenn Sie also mal einen Urlaub im Odenwald planen und dazu ein bisschen im Internet forschen, finden Sie allerlei Odenwalde, ohne, dass Ihnen als Fremder vermutlich so ganz klar ist, wo da nun die Unterschiede liegen. Wenn Sie dann zur Klärung auf eine Touristenmesse wie die ITB in Berlin fahren, stehen Sie auch dort gleich mehreren Odenwald-Ständen gegenüber, einer schöner als der andere, und jeder vermutlich ohne jeden Hinweis auf den jeweils anderen Odenwald.

Ich halte das für nicht so wirklich sinnvoll, ich halte das sogar für hochgradig verwirrend, aber mich fragt ja wieder keiner. Und warum die Badener, die Hesssen und die Bayern es offenbar nicht schaffen, ihren schönen Odenwald gemeinsam zu vermarkten, als Wirtschaftsstandort und als Reiseziel, das will in meinen städtischen Kopf auch nicht so richtig rein, aber, wie gesagt, mich fragt ja keiner. Und vielleicht sehe ich das alles ja auch gänzlich falsch.

Wie dem auch sei: Auch die Frau Arnold aus einem kleinen Odenwälder Dorf sieht das wie ich und schafft nun endlich mal eine gesamt-odenwälderische Plattform fürs Internet. Die soll schlussendlich den gesamten Odenwald präsentieren, egal, ob hessisch, badisch oder bayerisch. Eine Plattform, die die Odenwälder Identität stärken soll, die Fremden Lust auf einen Besuch -, und Firmen die Ansiedlung hier in der vermeintlichen Provinz schmackhaft machen soll. Wenn Sie mich fragen: ein ziemlich cooler Ansatz.

Ein Klick aufs Bild bringt Sie zur Website.

Spannende Geschichten aus der Region, dazu grandiose Fotos, das Ganze zukünftig ohne Ländergrenzen in den Köpfen, ich frage Sie: was will man mehr? Gucken Sie mal rein, sagen Sie es gerne weiter, machen Sie irgendwie mit, unterstützen Sie, in welcher Form auch immer.

 

Das Ganze ist derzeit noch etwas hessen-lastig, weil die Frau Arnold sich zunächst mal dort in ihrer Heimat umgetan hat, das soll sich aber schnellstens ändern, vielleicht sogar mit meiner (badischen) Hilfe. Ich bin jedenfalls ziemlich begeistert.

Und wenn Sie wissen wollen, was die nette Frau Arnold aus dem tiefen Odenwald ansonsten noch für Fotos macht, so ganz und gar un-oudewälderisch, dann schauen Sie mal (Klick!) hier: www.petraarnold.com/

 

 

 

Unterwegs.

Der Herr Petrus gibt noch mal alles, um uns den Abschied von 2017 zu versüßen, er schmeißt gestern Abend und heute Nacht erst tonnenweise Schnee, schickt dann einen warmen Wind und danach Dauerregen, ja so fällt der Abschied leicht. Wir pflügen also in Gummiklamotten durch grauen zähflüssigen Matsch, sind viel zu warm angezogen, schwitzen bei einer einzigen Hunderunde all das Schlechte des vergehenden Jahres einfach aus allen Poren heraus und können so, quasi gereinigt und generalüberholt, ins Neue Jahr starten. Na, wenn das nichts ist.

In diesem Sinne.

 

 

 

 

 

Stille Nacht.

Heute morgen war das Wetter wunderbar und weihnachtlich, ich schwöre es, der Himmel knalleblau, die Sonne schien, die Wiesen voller eisigem Glitzerstaub, ich habe da natürlich sofort die Kameraausrüstung zusammengerafft und bin los, ich hatte alles dabei, nur leider keine Speicherkarte. Ja, gut. Habe ich es also am späten Nachmittag nochmal versucht.

Da sah das jetzt schon nicht mehr so wunderbar und weihnachtlich aus, aber das ist hier derzeit einfach so, Badisch-Sibirien löst traditionell erst im Januar-Februar ein, was es im Namen verspricht, aber dann, ich kann Ihnen sagen. Bis dahin werden Sie auf Schneefotos noch warten müssen.

 

Ansonsten ist es nachgeradezu beängstigend still im Dorf, es fehlen die Traktoren und die LKW, die in den vergangenen acht Wochen die Weihnachtsbäume hin- und hergefahren haben, auf riesigen Anhängern, hunderte von Weihnachtsbäumen lagen da auf einem Hänger, ach, was sage ich, es waren sicher tausende. Die Motoren brüllten rund um die Uhr, die Kettensägen jaulten immerzu, in den Plantagen schufteten die Männer – und das alles nur, damit Sie an Heiligabend eine schöne Tanne haben. Also bitte. Das fehlt uns nun ein bisschen, es ist stille Nacht und stiller Tag.

Ich hätte Bilder von der ChristbaumErnte machen sollen, das nehme ich mir jedes Jahr vor, aber vermutlich hätte ich eh wieder die Speicherkarten zuhause vergessen, ach, es ist ein Elend. Und erinnert mich an diesen denkwürdigen Nachmittag, als ich mit Helmut Kohl in seiner Oggersheimer Villa saß, – ja, ich saß da also tatsächlich alleine mit dem riesigen Kanzler und macht ein Interview mit Mikrofon und Kassettenrekorder, die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern. Naja, und irgendwann fiel mir auf, dass in dem Rekorder – naja, jedenfalls  ist das eigentlich eine ganz andere Geschichte, die ich Ihnen vielleicht besser doch  nicht erzählen möchte.

 

 

 

Bloss kein Stress.

Ja, das Heilige Christfest naht, alle sind ganz furchtbar besinnlich drauf, es schneit und schneit, und man hört schon die Glöckchen klingeln, jingle bells undsoweiter, aber bei Ihnen in den Ohren schrillen bloß die Alarmglocken, weil sie immer noch kein passendes Weihnachtsgeschenk für die liebe Verwandtschaft haben? Wir hätten da eine Idee für Odenwaldfans und solche, die es werden wollen. (Ja, jetzt kommt Werbung. In eigener Sache.)

 

 

 

Impressionen aus Odenwald, Neckartal und Bauland.

 

DIN A3 Hochformat

 

mit Fotos rund um Balsbach, Wagenschwend, Waldhausen, Bödigheim, Altheim, Ünglert, Gottersdorf, Neckargerach, Dallau, Buchen.

 

Wie wäre es mit einem unserer letzten verfügbaren Wandkalender? Die Fotos sind auf meinen regelmäßigen Hunderunden durch Feld und Flur entstanden.

 

Erschienen bei: Folio Editionen

Druck: Henn und Bauer, Limbach

Abholpreis: 18,00 € inkl MwSt, oder 22,00 € inkl Verpackung, Versand und Porto.

 

Hier können Sie den Kalender bestellen:

Schreiben Sie uns einfach, wieviele Exemplare wir an welche Adresse schicken dürfen! Das müsste dann auch noch zum Heiligabend klappen. Bestellungen aus dem näheren Umkreis liefern wir u.U. sogar persönlich ab.

Ihr Name (Pflichtfeld)

Ihre E-Mail-Adresse (Pflichtfeld)

Betreff

Ihre Nachricht

Spamschutz - Bitte lösen Sie eine kleine Rechenaufgabe:

 

 

 

 

12 von 12.

Am Zwölften eines Monats zwölf Bilder zeigen, die den Tag beschreiben, das wünscht sich in schöner Regelmäßigkeit die Bloggerin mit den Kännchen, und ich bin gerne dabei. Auch, wenn Sie auf Bilder von heute ganz früh verzichten müssen, ich werde mir doch Ihretwegen nicht die Finger abfrieren lassen, also, ehrlich, soweit geht die Liebe nicht. Das Wetter ist also gräßlich, so gräßlich, dass ich es auf der morgendlichen Hunderunde über die Felder nicht mal mehr fotografieren wollte. Dafür aber das Folgende:

Der Bürohund soll auch mal was tun. Hier: Frühstück aus dem Postkorb fischen. Fragen Sie nicht, wie das Büro hinterher aussieht.

 

Schaffe, schaffe, Beitrag baue‘. Über ein geplantes Literaturmuseum zu Augusta Bender. Von der berichte ich ein andermal. Oder Sie gucken bei wikidinsgsbums.

 

Ordnung ist das halbe Leben. Oder so.

 

Mittagspause an der rauschenden Morre.

 

Und in den Buchener Gassen. Der Bürohund muss üben, hysteriefrei durch die Stadt zu gehen.

 

Zur Belohnung wartet ein süffiges Tröpfchen.

 

Weiterschaffen.

 

Recherchieren. Ja, noch ganz altmodisch, per Telefon.

 

Runterfahren.

 

Durch den Wald zum Jäger meines Vertrauens. Weihnachtsbraten usw, naja, Sie wissen schon.

 

Oh, ein Päckchen. Nein, zwei. Ich fürchte aber, nix Weihnachtliches.

 

Noch weiter runterfahren. Feierabend vorm Kamin.

 

 

 

 

Sonntag.

Schneetreiben und strammer Wind im Hohen Odenwald. Eben sah ich Richtung Katzenbuckel einen Mann auf Skiern, der ließ sich von einem riesigen Drachen über die weißen Wiesen ziehen, in einem Affenzahn.

Deutlich langsamer sind die Autofahrer mit einem oder zwei Buchstaben auf dem Kennzeichen, sie schleichen hier mit durchgetretenem Gaspedal und kreischenden 8000 Umdrehungen den kleinen Buckel am Haus hinauf, nur zentimeterweise kommen sie voran.

Die Fahrer und Fahrerinnen wirken leicht angespannt und in Schweiß gebadet, als würden sie das Auto eigenhändig hinaufschieben, und ich stehe am Fenster und bin ein bißchen gehässig und warte darauf, dass die Räder jetzt endlich mal greifen, bei durchgetretenem Gaspedal und 8000 Umdrehungen, hei, das wird ein Spaß.

Müssig zu erwähnen, dass die Autos mit den drei Buchstaben hurtig vorbeisausen, heissa, was kostet die Welt, Autofahren können sie halt, die Odenwälder.

Ansonsten: ein Tag zum Zuhausebleiben.

 

 

 

 

Wild thing.

Also, früher war das ja so, als ich noch in Berlin gelebt habe. Gelebt und gearbeitet, ja, ich habe da tatsächlich auch gearbeitet. Beim Sender Freies Berlin, die Radio-Veteranen unter Ihnen werden sich erinnern.

Früher war das also so: Wir saßen da morgens in der Redaktion herum, der legendäre Redaktionschef Peter Kohagen verteilte die Termine des Tages, und dann stolperten wir Reporter los, hinein ins pralle Großstadtleben, zu der Adresse, die auf dem Terminzettel stand. Zu irgendeiner Einweihung, einer Pressekonferenz, einem Empfang, zu einer Schiffstaufe oder zu Oma Erna, die glücklich ihren 50. Urenkel im Arm hielt. Das Magazin zur besten Sendezeit hieß nicht nur Rund um die Berolina, es war auch so.

Die Feineren unter uns fuhren zu ihren wichtigen Terminen im Ü-Wagen, zwar ist ein Menschenohr recht klein/doch passt ein ganzes Funkhaus rein, Ü-Eins im Ohr!, die anderen mit dem eigenen Auto oder mit den Öffentlichen. Berlin hat rund 10.000 Straßen, das ist durchaus eine stattliche Zahl im Gegensatz zu hiesigen Mittelzentren, aber der Großteil der Adressen sagte mir schon irgendwas, den Bezirk, die grobe Richtung. Das Streckennetz von U- und S-Bahn kannte ich ohnehin auswendig.

In Zweifelsfällen half der Stadtplan, den ich immer und überall bei mir führte, ja, wir erinnern uns, Muttern erzählt von früher, es gab ja weder Apps noch Smartphones, der Stadtplan war 376mal verkehrt gefaltet und doppelt so oft begrabbelt und mit Kaffee bekleckert worden, er war dauerfeucht und speckig, man hätte eine nahrhafte Suppe daraus kochen können, aber im Großstadtdschungel war er häufig Gold wert. Man fummelte sich halt so durch. Und fühlte sich fürderhin gestählt für den Rest des Reporterlebens, egal in welchem Winkel dieser großen weiten Welt. Komme, was da wolle.

Nun, die Zeiten ändern sich, Muttern seufzt ein bisschen wehmütig. Jetzt bin ich also Landreporterin, und seitdem sehen die Presseeinladungs-Anhänge und die Terminzettelchen mitunter so aus:

Tjahahaa, da helfen weder Smartphone noch der Stadtplan wirklich weiter, zumal es hier einen Stadtplan in diesem Sinne gar nicht gibt. Allenfalls eine Gemarkungskarte oder ein Messtischblatt, falls Sie verstehen, was ich meine. Ich trage inzwischen immer eine Wanderkarte bei mir, so richtig analog und aus Papier, auch mehr shabby als schick, weil häufig im Gebrauch.

Ich darf aber nicht ganz ohne Stolz an dieser Stelle anmerken, dass ich bei dem oben abgebildeten Hinweis natürlich ziemlich sofort wusste, wo der Termin tatsächlich stattfindet, ja, da staunen Sie. Man lebt, man lernt, und im hiesigen Odenwald mit seinen 1200 Quadratkilometern Fläche ist regionale Kompetenz gleich doppelt wichtig.

Eine gewisse Herausforderung sind auch die Termine mit dem Hinweis Fahren Sie den oberen Feldweg entlang, an allen Absperrungen vorbei, bis es nicht mehr weitergeht. (Kunstpause.) Sie haben doch Allrad? (Nein, habe ich nicht.) Wahlweise Wir treffen uns am 5. Hochsitz, Sie sehen mich dann schon. Oder Kennen Sie den alten Bildstock da am Maisacker? Da müssen Sie hin. Schon manchmal bin ich vor offiziellen Terminen telefonisch gefragt worden: Besitzen Sie Gummistiefel?

Aber selbstverständlich besitze ich Gummistiefel, ich gehe zu keinem Diensttermin mehr ohne, man weiß ja nie. Ich stiefele dienstlich durch Wälder und Felder, durch Matsch und Jauche, ich robbe bäuchlings durch Höhlen, stakse durch Ställe, krieche durchs Unterholz, ich lasse mir das Gesicht verschrammelieren wie so ein dämlicher Verbindungsstudent aus Heidelberg, die Knie aufscheuern, mache mir den Hosenboden und die Hände dreckig, wie früher, als Kind am Brixplatz in Neu-Westend. Ich interviewe Kühe und Wildsauen, lasse mich von Kälbchen abschlotzen und von Lamas bespucken.

Die anderen Termine hier in der vermeintlichen Provinz, die mit den Bürgermeistern und den Landräten, den Ministern und den Staatssekretären, mit den Geschäftsführern und den Hochschulprofessoren mache ich da nachgeradezu mit Links. Zur Not und in der branchenüblichen Eile auch mal mit der Matschklamotte, den verdreckten Gummistiefeln oder den welken Blättern und Zweigen in der zerrupften Frisur, den stummen Zeugen des vorangegangenen Termins. Was solls, ich bin da inzwischen gänzlich uneitel. Und habe ja noch dazu eine Ausrede.

It’s a wild thing, das Journalistenleben auf dem Lande.

 

 

Und hier noch die passende Musik dazu.