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Oha, heute ist schon wieder mal der Zwölfte des Monats, und da sind wir immer herzlich aufgefordert, zwölf Bilder zum Tage zu zeigen, für alle, die das spannend finden. So will es die Frau mit den Kännchen, und dem kommen wir gerne nach, bei der Kännchenfrau können Sie dann auch alle anderen Zwölfer begucken.

Wie immer morgens: Hunderunde.

 

Kalt und eklig.

 

Ich will da rein! Fische füttern, Mäuse jagen.

 

Forellenfüttern ist ohne Forellenschlüssel leider essig. Der Schlüssel liegt daheim, da liegt er gut.

 

Ja, ja, der Spätsommer im Odenwald-Büro.

 

Termin zum Thema: Bundestagswahlkampf. Ja, da staunt man.

 

Bürohündchen bleibt auf dem Teppich.

 

Mittagspause. Ja, Sie dürfen ein bisschen neidisch sein.

 

Unter www.marinetraffic.com recherchiert. Irgendwo da ist ein Castortransport unterwegs. Ein bisschen Fernweh bekommen.

 

Bürohund möchte man sein.

 

Feierabend naht. Büroschuhe aus, Gummibotten wieder an.

Chorprobe.

 

 

 

 

In eigener Sache.

Der weltbeste Drucker unseres Vertrauens ist ein treuer und offenbar auch begeisterter Leser dieses Blogs, denn er hat schon lange darauf gedrungen, dass wir endlich mal einen Fotokalender herausbringen sollten, mit Bildern eben hier aus diesem Blog.

Da hat er mehr oder weniger Eulen in den Odenwald getragen, wir haben nicht so sehr lange überlegen müssen, aber dann doch ziemlich lange ausgewählt, gestaltet, verworfen, neu geplant, fotografiert, gezeichnet und gerechnet und gespeichert.

Und jetzt ist er also da: Für alle, die sich ein Stückchen dieser schönen Region nach Hause holen wollen, und für alle, die sich an den Fotos erfreuen können!

 

Unterwegs.

Der LandLebenBlog Kalender 2018

 

 

Impressionen aus Odenwald, Neckartal und Bauland.

 

DIN A3 Hochformat

 

mit Fotos rund um Balsbach, Wagenschwend, Waldhausen, Bödigheim, Altheim, Ünglert, Gottersdorf, Neckargerach, Dallau, Buchen.

 

 

Erschienen bei: Folio Editionen

Druck: Henn und Bauer, Limbach

Abholpreis: 18,00 € inkl MwSt, oder 22,00 € inkl Verpackung, Versand und Porto.

 

Hier können Sie den Kalender bestellen:

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wmdedgt.

Die ganze grosse Bloggerszene wird einmal monatlich zum sogenannten Tagebuchbloggen aufgerufen, also dazu, zu beschreiben, was man den lieben langen Tag eigentlich so macht, kurz: wmdedgt, oder zu Deutsch Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Frau Brüllen  hat das vor Jahren mal losgetreten, bei ihr verlinken alle Tagebuchblogger  heute ab 18 Uhr ihre Beiträge und können sich dann also gegenseitig ins Tagebuch reinschmulen.

Ich bin heute zum immerhin 22. Mal dabei, und heute ist einer dieser wenigen Tage, an denen ich tatsächlich ausnahmsweise auch was tue, und nicht nur faul in der Sonne herumliege, ja, da staune ich selber.

A propos liegen, das war heute früh eher essig, ich federe um 4 Uhr 30 aus den Federn, so lässig, wie die Uhrzeit und die müden Knochen das eben zulassen um diese frühe Stunde. Also eher etwas un-lässig, um es mal vorsichtig zu formulieren.

Der Job führt mich um diese Tageszeit zu einem wenig romantischen Ort am ansonsten doch ganz lauschigen Neckar, ich betrachte das abgeschaltete Kernkraftwerk Obrigheim, das still und schläfrig am Ufer herumsteht, obwohl ich doch eigentlich geschäftiges Treiben erwartet hatte.

Ganz investigativ starre ich also da rüber, aber es hilft alles Starren und Hypnotisieren nichts, das Kraftwerk schläft, die Castorbehälter schlafen offensichtlich auch, und das Transportschiff, das mal wieder eine Ladung Brennelemente nach Neckarwestheim bringen soll, begleitet von Protesten, das schläft erst recht. Und die iphone-Kamera macht auch nicht, was ich will, Sie sehen das ja selber.

Also alles vergebens, ich informiere die Kollegen in den angeschlossenen Funkhäusern, so nannte man das früher, alles Mist, sage ich, ich bin umsonst hier draussen, die Laune droht zu leiden, da gehe ich stattdessen doch ein bisschen spazieren, was soll man morgens gegen 6 Uhr schon anderes machen.

Und schön isses, da unten am Kraftwerk, zumindest, wenn man in die entgegengesetzte Richtung läuft, mit dem Atommeiler im Rücken, die Frachtschiffe schieben sich tuckernd und blubbernd behäbig durch den Fluss, es riecht nach Kamille und frisch gemähtem Gras, am Ufer stehen Reiher, Regen und Tau glitzern in den Wiesen, an den Maisblättern hängen dicke Tropfen. Irgendwann ist es Sieben, Zeit ins Büro zu gehen und endlich mal ein bisschen was zu schaffen, hahaha.

Mittags gönne ich mir eine kleine Pause und einen Besuch beim Doktor, im Wartezimmer werde ich zwangsweise in den Ruhemodus versetzt, das kann ja mal nicht schaden.

Zurück im Büro wachsen meine Ohren quasi mit dem Headset des Telefons zusammen, während ich mit beiden Händen durch das www surfe und recherchiere, was Beobachter vor Ort so sagen.

Also:  morgen, morgen, nur nicht heute,  im Geiste stelle ich den Wecker schon mal erneut auf 4 Uhr 30. Der Bürohund schläft derweil den Schlaf der Gerechten, er hat es sich verdient, er ist seit 4 Uhr 30 auf den Beinen, ich hingegen ja erst seit fast 13 Stunden. Aber ich will nicht maulen, solche Tage machen ja auch Spaß zwischendurch, wozu ist man sonst Reporter geworden, das hätte man sich früher überlegen müssen. Aber beim Anblick des selig schnarchende Hundes überkommt mich doch ein gewisser Neid.

Und deswegen fahre ich jetzt heim, natürlich nochmal am abgeschalteten Kraftwerk vorbei, dann den Neckar entlang, es gibt Schlimmeres. Denken Sie immer dran: Manch ein Japaner zahlt ein Jahresgehalt, um hier ein einziges mal im Leben langfahren zu können!, pflegt mein Bürovermieter zu sagen, wenn ich mal wieder über die Strecke schimpfe, weil sie sich mitunter zieht wie Kaugummi. Er hat ja recht.

Also, bitte, fahre ich jetzt eben los. Lasse mich dann zuhause bekochen vom Gatten, werde nochmal nach den Hühnern gucken und dann mit ihnen ins Bett gehen. Also, im übertragenen Sinne, naja, Sie wissen schon. 

 

 

 

 

 

 

Im Vorbeifahren.

Treue Leser kennen das Procedere bereits: Die Kamera wird willenlos aus dem fahrenden Auto auf alles gerichtet, was da so vorbeizieht, und fast ebenso willenlos wird auf den Auslöser gedrückt. Manches wird schief und krumm, manches etwas unscharf, aber so bekommen Sie mal einen unmittelbaren Eindruck von dem ganzen Drumherum hier. Und wenn Sie jetzt noch ahnen, wo wir diesmal unterwegs waren, sind Sie schon ein echter Profi.

 

 

 

 

 

Tapetenwechsel.

Die Stühle sind lange schon hochgestellt, und sie warten darauf, dass jemand sie abholt. Der Müllwagen vielleicht, oder irgendwer, der sie noch gebrauchen kann, der ein Herz und einen Sinn für urdeutsche Massivholzwertarbeit hat. Sie stehen da im großen Saal, sie warten gemeinsam mit den Tellern und den Tassen und den Gläsern, den Messern und Gabeln, mit dem schweren Kristall und den Silbertabletts, mit den Töpfen und Pfannen und der Fritteuse in der Küche. Warten auf irgendwas, auf irgendwen.

Der große Gastraum und der riesige Tanzsaal gleich nebenan: eine Mischung aus Abstellraum und Wartesaal wider Willen. Lange her, dass hier getrunken und gegessen, getanzt und gefeiert wurde. Und doch riecht es immernoch nach Wirtschaft, nach Gasthaus, ein bisschen nach Bier, ein bisschen nach altem Zigarettenrauch, irgendwie oll und wohlig-wehmütig zugleich.

Wer still wird hier unten, hört vielleicht noch die Fußballübertragungen, die aus dem klobigen Röhrenfernseher plärren, die WM 1978, den Brehme-Elfmeter 1990, er hört das Gluckern aus den Bierflaschen, das Quietschen, wenn die Weinflaschen entkorkt werden, das alte Klavier, das Gemurmel der Männer, die lachenden Frauen, am Schluss den Wirt, wie er Monat für Monat, Woche für Woche, immer langsamer und schwerfälliger über den Fußboden schlurft. Irgendwann dann: Licht aus, Türen zu und Rolläden runter. Das Ende einer Gasthaustradition, die in die Anfänge des vorigen Jahrhunderts zurückgeht.

Fast unberührt steht das alles seit Jahren, und ich stelle mir vor, wie es hier unten zugeht, wenn es Nacht wird, wenn es dunkel ist. Wie dann vielleicht wispernd die hochgestellten Stühle mit den staubigen Tischen sprechen, mit den Gläsern und den Tellern und mit dem alten Klavier, wie sie sich erzählen von alten Zeiten, als es hier die besten Schnitzel weit und breit gab, die gigantischen Portionen glänzender Pommes und Salat, wie drüben im Saal geschwoft wurde bis morgens früh um Drei. Wie es immer laut und immer lustig war. Wie dann alles anders wurde, und wie sich das Gasthaus zu all den anderen Gasthäusern dazugesellte, die erst kränkelten, dann langsam aber sicher starben.

Fast unberührt stand also alles seit Jahren, nur veränderte sich manchmal das Zu-Verkaufen- Schild an der Tür, mal stand es rechts, mal stand es links, und der Kaufpreis veränderte sich auch, aber trotzdem glaubte niemand daran, dass das Haus eine Zukunft haben würde.

Aber jetzt wispern die Tische und die Stühle nachts, dass sich doch einer gefunden hat. Einer, der zumindest mal im Obergeschoss wieder Leben in die Bude und damit auch ein bisschen Zukunft bringt. In all diese Räume in den verwinkelten Fluren, in die Zimmer 1 bis 16, in denen so lange nur noch die Vergangenheit zuhause war.

Zumindest hier oben spielt jetzt wieder die Musik, sie plärrt aus einem alten Kofferradio, das, umrahmt von vollen Aschenbechern und angebrochenen Limonadeflaschen, ein Stillleben der Renovierung bildet. Es wird gehämmert und gebohrt, gekachelt, abgeschliffen, ausgebessert.

In den Zimmern schreien die Tapeten in Knallfarben und op-Art-Mustern von den Wänden, dass es den Betrachter schwindelt, die Spitzenreiter der Tapetenmode der 60er, 70er Jahre ist hier versammelt, Retro lässt grüßen. Manche der alten Tapeten werden dennoch dran glauben müssen, manch ein hölzerner Fußboden aber kann gerettet werden. Die Möbel: Gute deutsche Arbeit, sagt einer der Helfer, alt, aber solide. Mit seiner riesigen verstaubten Hand streicht er vorsichtig über einen der Schränke: Nix Ikea. Hat Geschichte. Hat Charme.

Zumindest Übernachtungsmöglichkeiten sollen hier wieder entstehen, für Monteure, für Arbeiter, die Nachfrage ist groß in der Region, heißt es. Das Gasthaus bleibt Gast-Haus. Und vielleicht findet sich dann auch noch eine Verwendung für den unteren Teil, vielleicht gibt es irgendwann Geld und Zeit und eine Zukunft für die alte Wirtschaft und den riesigen Tanzsaal. Für die Bänke und die Stühle, die Gläser und die Teller, für den Stammtisch, für die Musik, die Schnitzel, den Salat und für die Käsespätzle.

 

 

 

Naturalien.

Wir hatten gestern abend mal wieder sehr netten Besuch zum Essen in unserer ollen Scheune KunstHalle, das ist ein etwas spezieller Ort zum Essen, und insgesamt etwas unpraktisch, was den Küchenservice angeht, treppauf, treppab, die Küche ist gefühlte 500 Meter und unzählige Treppenstufen vom Esstisch entfernt, aber irgendwie ist ein Abend da eben doch auch sehr schön. Also, wir finden das zumindest, und Besuch findet das meistens auch so.

Und überhaupt ist das Unschlagbare an diesem etwas anderen Esszimmer, dass die Gastgeber durch das ständige Rauf- und Runter-Gerenne nach einem überüppigen Mahl mehr Kalorien verbrannt als zu sich genommen haben, na, wenn das nichts ist.

Jedenfalls haben wir in der Regel durchaus wohlerzogenen Besuch, und der bringt zu einer Einladung logischerweise ein Gastgeschenk mit, ein Mitbringsel quasi, das macht man ja so, das kann man schon im Knigge nachlesen, falls irgendjemand von Ihnen da regelmäßig hineinschaut, in den Knigge.

Ich nahm also in diesem Fall ein Glas wunderbarer selbstgemachter Marmelade entgegen und zum Anlass, mal über Gastgeschenke hierzulande nachzudenken, und darüber, wie man das wohl in der Stadt handhabt. Ich schätze, man handhabt es dort zumindest irgendwie anders, aber ich habe keine Ahnung und kann mich nicht erinnern an alte Berliner Zeiten, soweit ist das schon gekommen.

So ließ ich also mal die Mitbringsel vor meinem inneren Auge vorbeimarschieren, die in unserem Bekanntenkreis munter und großzügig ausgetauscht werden, man muss sich das wie einen liebevollen Naturalienhandel vorstellen, wir lassen uns von der Natur beschenken und schenken fröhlich weiter.

Das haben bestimmt schon die alten Knaben im Paläolithikum  so gemacht, der Paranthropus robustus hat ja auch nicht in irgendeinem Kruschtellädchen irgendeinen Schruz gekauft, den keiner braucht und keiner will; oder nehmen Sie den Homo erectus,  der hat ja, wenn er die Freunde in der Nachbarhöhle besuchte, auch keine unoriginelle Flasche Riesling aus dem Rewe mitgebracht, sondern ein Stück Säbelzahntiger oder einen feschen Feuerstein oder einen schönen Strauß Farne, so stelle ich mir das zumindest vor. Und so ist das letzten Endes auf dem Lande auch.

Wir schenken, wenn wir eingeladen sind, gerne – logo – freilaufende Eier von glücklichen Hühnern, ein Mitbringsel, das sich inbesondere in den vergangenen Wochen zum echten Kassenschlager entwickelt, ohne, dass dabei die Kasse klingeln würde. Wir verschenken außerdem mal eine Kiste Kartoffeln aus dem Garten, eine Flasche Holunderblütensirup, ein Körbchen Holunderbeeren. Gläserweise getrocknete Steinpilze an Nicht-Sammler (bei allen anderen ernten Sie damit nur ein müdes Lächeln, das nur mal als Tipp.).

Wir bringen etwas ruppige Blumensträuße aus eigener Zucht mit, dazu wahlweise Zucchini oder Tomaten oder unser selbstgemachtes Suppengewürz. Zu besonderen Anlässen eine Dose Wurst vom heimischen Metzger. Zu einem Geburtstag in einem Frankfurter Nobelviertel brachten wir dieser Tage als Mitbringsel ein glückliches, wenngleich gerupftes, splitterfasernacktes Huhn von den Ausmaßen eines Truthahns mit, in einer durchsichtigen Plastiktüte, der Beschenkte freute sich sehr, der Rest der illustren Gäste guckte irgendwie komisch. Aber glauben Sie mir, auch daran gewöhnt man sich als Landmensch. 

Umgekehrt bekommen wir die tollsten Gastgeschenke, wenn wir Freunde zu uns einladen. Die einen bringen Marmelade mit, oder einen Sack bereits geputzten Feldsalat, die anderen selbstgebrannten Schnaps, Freund H. knallt uns wortlos einen Rehrücken auf die Anrichte, oder eine Wildschweinkeule, das Ehepaar aus dem Nachbardorf bringt frischgefangene Forellenteile mit, mal als Sushi, mal geräuchert, mal auch gleich den ganzen Fisch, direkt aus dem See.

Besonders lieben wir auch jene Bekannte, die uns bei jedem Besuch mit einem Sack guter echter Korken beglückt, ohne die entsprechenden Flaschen dazu, wohlgemerkt; die Korken werden zu Anzündern für das Kaminfeuer und verhindern über die Monate Oktober bis Mai den Odenwälder Tod durch Erfrieren. Ebenso lieben wir die Freundin, die körbeweise Tannenzapfen mitbringt, zum selben Zweck.

Ja, wenn Sie mir das alles früher erzählt hätten, da hätte ich auch irgendwie komisch geguckt. Ich war über Jahre Stammgast bei Nanu-Nana in Wilmersdorf, die Berliner unter Ihnen werden sich erinnern, dort habe ich mein Geld hinein- und irgendwelchen blödsinnigen Schwachsinn wieder hinausgetragen, der dann andere Menschen erfreuen sollte. Keine Ahnung, ob das je geklappt hat mit dem freuen.

Jedenfalls habe ich mich mit großer Begeisterung an die ländliche Art der Mitbringselei gewöhnt. Nur an eines kann und will ich mich zugebenermaßen bis heute nicht gewöhnen: An diese merkwürdige Sitte, als Geschenk ein Päckchen Filterkaffee mitzubringen. Gibts hier auch noch, immer wieder. Den Präsentkorb mit Dosenwurst, Prosecco, Filterkaffee und siebzehn Metern durchsichtiger Knisterfolie. Ich habe keine Ahnung, wo das herkommt. So arg will ich dann doch nicht werden. Sollte ich Ihnen also jemals ein halbes Pfund Filterkaffee schenken, erinnern Sie mich dran.

 

 

 

 

P.S.: Kaum waren gestern abend die Gäste gegangen, hopste unter dem Esstisch eine gigantische und gigantisch-hässliche Kröte hervor, vielleicht hatte sie ja schon seit Tagen dort gesessen, oder sie war auch ein Mitbringsel, ach, was weiß denn ich, auf dem Lande muss man ja mit allem rechnen, was das angeht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruhe.

Bei wirklich kniffligen Recherchen klinke ich mich gerne einmal aus. Verlasse das Arbeitszimmer und richte mich im Garten ein. Laptop, wlan, Händi machens möglich, gerne auch an Samstagen, das ist nicht mehr ganz Arbeitswoche und noch nicht ganz Wochenende. 

Da sitze ich dann unter dem riesigen Walnussbaum, schaue übers Dorf, denke nach und recherchiere in der Sonne. Die Glocken am Kloster läuten, die Hühner staksen durch die Wiese, Geo werkelt schweigend im Gemüsegarten. Und irgendwo bellt der berühmte Hund. Die Inspiration kommt da von ganz alleine.

dreihühner

Stadt, Land, Flucht ist so ein Thema, das mich derzeit umtreibt. Warum wollen Menschen aufs Land? Was treibt sie in die Provinz, und wovon träumen sie?  Während ich suchend durchs www surfe, brummt Schmitte Erwin mit dem Traktor gemächlich durchs Dorf, den Buckel rauf, den Buckel runter.

Hat der eigentlich auch einen zweiten Gang, der Traktor?, ruft Geo aus dem Gemüsegarten zu mir rüber. Hä? frage ich zurück, denn just in diesem Moment startet Nachbar 1.0 seinen Aufsitzrasenmäher, mit seinen überdimensionierten Ohrenschützern saust er über den  Rasen und träumt vielleicht von einer Harley Davidson. Meine Inspiration springt kurzzeitig vor Schreck auf einen WalnussAst, und die Kinder des Nachbarn kreischen juchzend durch den Garten, immer vor dem brummenden Ungetüm her.

Akustische Ablenkung hin oder her: Ich bin im Netz fündig geworden: mehr als jeder zweite Stadtbewohner kann sich laut einer aktuellen forsa-Umfrage einen Umzug aufs Land vorstellen.

Aha, na also, da ham wirs doch, rufe ich Geo zu, dessen Aufmerksamkeit inzwischen von Nachbar 2.0 gefordert wird. Der veranstaltet jetzt auf der Pferdekoppel eine Art Parallel-Mähen, lautstark und synchron. Am entgegengesetzten Ende des Dorfes füttert irgendwer die schrill wimmernde Wippsäge mit Holz für den Winter. Hä? ruft Geo zurück.

Ich lese unbeirrt weiter: 91 Prozent der Befragten wünschten sich mehr Nähe zur Natur, und 86 Prozent erhofften sich von einem Leben auf dem Lande „gute Luft“. Gute Luft,  Geo, schreie ich, die gute Luft isses!

Was für ein Luftkissen? schreit Geo zurück. Soviel zumindest lese ich von seinen Lippen ab, denn inzwischen hat auch Nachbar 3.0 mit einem High-Tech-Gartengerät die open-Air-Bühne betreten und bietet jetzt eine theatralische Mischung aus Ein-Mann-Ballett und Motorsensenmassaker dar. Das dazugehörige Geräusch weckt Erinnerungen an die letztjährige Zahnwurzelbehandlung. Geo im Gemüsegarten macht ein entsprechendes Gesicht. Keine Bange, in zwei Stunden ist der fertig.

Zurück zur Arbeit, volle Konzentration auf die Recherche: Jetzt kommts, schreie ich Richtung Gemüsegarten, während vor dem Haus eine 37köpfige Gruppe Mannheimer Motorradfahrer vorbeiblubbert und nun auch noch unser JoHahn vor lauter Aufregung ohrenbetäubend kräht, als ginge es um sein Leben.: 87 Prozent der über 18jährigen Städter wollen wegen der Ruhe aufs Land.

Jetzt kläffen auch unsere Hunde.

Wegen der was?, brüllt Geo.

(Wegen der Ruhe.)

 

 

 

Dieser Beitrag ist hier schon vor ein paar Jahren mal erschienen, am gestrigen Samstag fiel er mir wieder ein. Aus Gründen. Und trotzdem – oder gerade deshalb – liebe ich das LandLeben. 

 

 

 

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Zwölf Bilder, die den Zwölften eines Monats dokumentieren, das wünscht sich ja immer die freundliche Frau mit den Kännchen, ich bin heute sehr spät dran, ich musste arbeiten. Also, so richtig, meine ich. für meinen Arbeitgeber und für Geld, naja, Sie wissen schon. Das tue ich jetzt um 21 Uhr 15 immer noch, aber das macht nichts, ich unterbreche mal eben, um Sie ein bisschen an diesem merkwürdigen Tag teilhaben zu lassen.

 

Merk-würdige Fundstücke von der morgendlichen Hunderunde:

Dann zu einem dienstlichen Termin. Wohnmobilkonvoiweltrekordversuch in Walldürn, was es nicht alles gibt. Mit einer very britishen Schiedsrichterin des Guiness-book-of-Records-Verbandes.

Fröhliche Camper getroffen. Ich beneide solche Leute manchmal. Ehrlich.

So ein Konvoi von fast 700 Wohnmobilen, der dauert. Also zwischendurch ein bisschen den Odenwälder Wald erkundet und zumindest etwas frische Luft geschnappt, von wegen Feinstaub undsoweiter. Das böse D-Wort sagen wir an dieser Stelle gar nicht.

Und schnell wieder zurück aus dem tiefen Wald an die brüllend-laute Weltrekordstrecke und zur gestrengen Schiedsrichterin, mit Mikrofon und allem PiPaPo.

Dann endlich durchatmen und heimfahren, durch den Wald und über die Felder, anders wäre da sowieso kein Durchkommen vor lauter Wohnmobilen überall.

Unterwegs kurz Guten Tag gesagt und über die Merkwürdigkeiten dieser Welt nachgedacht.

Zuhause überraschender lieber Besuch, der fachmännisch des Gatten merkwürdigste Kunstwerke begutachtet.

 

Dann fängt die eigentliche Arbeit an. Zwischendurch hat der Mann das Essen gekocht, Huhn mit – dreimal dürfen Sie raten, siehe oben. Und ich schaff jetzt weiter, gute Nacht.

 

 

 

 

Unterwegs.

Ich bin heute dienstlich auf der grössten und modernsten Getreideannahmestelle zwischen Heilbronn und Würzburg unterwegs gewesen, das ist nicht so sehr die Postkartenidylle, die man hier ansonsten gewöhnt ist, war aber doch sehr spannend. Weizen, Hafer, Gerste sieht auf den Odenwälder Feldern ja sehr romantisch aus, aber irgendwo muss das Zeugs ja hin, wenn es einen Sinn machen soll.

Ich habe mich da jedenfalls mal in experimenteller Landwirtschafts-Fotografie versucht, ich hatte ja sonst kaum was zu tun heute, ähem, naja, Sie wissen schon. 

 

 

 

 

WMDEDGT.

Immer am Fünften eines Monats fordert uns die freundliche Frau Brüllen aus dem Nachbarblog dazu auf, hier mal detailliert zu berichten, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen. Was machst Du eigentlich den ganzen Tag, kurz (klick!) WMDEDGT, is klar.

Ich mache samstags traditionell gar nichts, ich wasche nicht mein Auto, ich mähe keinen Rasen und ich zupfe auch kein Unkraut vor der Haustür, genau genommen mache ich all das ja sowieso niemals. Ja, irgendwann musste es herauskommen, aber die Dorfgemeinschaft weiß das alles ohnehin schon längst.

Ich mache also samstags einfach gar nichts, wobei dieses GarNichts heute vergleichsweise ereignisreich war, also zumindest für selbsternannte Landpomeranzen wie mich.

Da ist zuerst mal die obligatorische HundeRunde am frühen Morgen, die uns heute unter Schäfchenwolken durch Sonnenblumenfelder führt, und natürlich an den See, zur Fütterung der Forellen, treue Leser kennen das bereits.

Am frühen Morgen deshalb, weil ich es so will, ja, wirklich, ich stelle mir selbst an Wochenenden den Wecker, weil ich den frühen Morgen für die schönste Tageszeit halte. Ich muss die Hunde dann immer bitten, doch mit mir hinauszugehen, vielleicht…, also, wenn sie es irgendwie einrichten könnten.., usw,  sie gähnen mich träge an, und aus ihren Augen spricht der entsetzte Morgenmuffel. Klarer Fall für den Tierschutz!, maulen sie, und dann rappeln sie sich langsam auf und folgen mir genervt nach draußen.

Die Hütte am See.

Nach der Hunderunde und dem zweiten Kaffee geht es über die breiten Avenidas des Odenwaldes zu einem ausgewachsenen Geburtstagskind am vermeintlichen Ende der Welt…

…und dort auf Tuchfühlung mit allerlei Vierbeinern rund ums Haus.

Ja, so habe ich auch geguckt. Die Geschichte erzähle ich Ihnen aber ein andermal.

Und wenn wir schon unterwegs sind, erlauben wir uns einen Abstecher in die nächstgrößere Stadt, das ist ja immer aufregend. Und außerdem gibt es auch hier liebe Freunde, die wir spontan treffen, wir haben heute einen für unsere Verhältnisse ungewöhnlich geselligen Tag.

Ein kleines Gedränge und Geschiebe in der Fußgängerzone, im historischen Altstadtkern, da sind tatsächlich Touristen unterwegs, und nicht zu knapp, sogar Asiaten haben wir gesehen, es ist ja kaum zu glauben, ein untrügliches Zeichen für die Tourismusfähigkeit einer Stadt. Die Flusskreuzfahrten machen hier Station, die Schiffe spucken dicke Menschentrauben aus, und das Städtchen freut sich über soviel Zulauf. Und wir freuen uns, weil es ein sehr hübsches Café und den besten (weil und einzigen) Fischladen weit und breit gibt.

Durch Wälder und Felder geht es gegen Mittag wieder nach Hause, vom Bayernland ins Badische, wir lassen die Gerüche der Stadt hinter uns, den Fischduft und die Touristenparfüms, der Wind wirbelt durchs Auto, wir tauchen wieder ein in feuchtwarmen Walddunst und die Gerüche von frisch geschlagenem Holz und Silage.

Unterwegs begegnen wir den wochenendlichen Motorradrasern mit Kennzeichen von sonstwo, die im Odenwald heulend und jaulend ihre Todessehnsucht ausleben. Na, der stirbt auch nicht im BETT, pflegte meine Großmutter beim Anblick dieser motorisierten Kampfhornissen zu sagen, Gott hab sie selig. Wir kommen dennoch unfallfrei zuhause an, das ist ja schon mal was.

Nach so viel Stadt, nach so viel Fahrerei gehe ich dann erstmal wieder mit den Hunden raus, nachmittags sind sie ja durchaus zu begeistern mit Spaziergängen, und ich genieße die Ruhe im Wald. Dabei fällt mir die ehemalige Chefin ein, sie pflegte zu sagen Ich bevorzuge die Stille, ich fand das viele Jahre ziemlich dämlich eigenwillig, inzwischen aber habe ich verstanden und den Satz zu einer meiner Leitlinien gemacht. Ich. bevorzuge. die. Stille. Und wenn ich nicht mindestens einmal am Tag Stille genieße, werde ich ungenießbar.

Hahaha, werden Sie sagen, ausgerechnet die Quasselstrippe aus dem Radio braucht Stille, das ist ja wohl ein Scherz, und noch dazu ein Widerspruch in sich. Nein, ich glaube, es ist mehr etwas von Ursache und Wirkung. Ich werde darüber mal nachdenken und einen philosophisch-sozialkritischen Essay verfassen. Aber nicht heute, Sie müssen sich da leider noch gedulden.

Ein wasserfallartiger Regenguss scheucht uns nach Hause, die Bäume biegen sich, die Welt geht vorübergehend unter. Das Küken draußen im Garten absolviert die Prüfung zum ersten Schwimmabzeichen seines kleinen Lebens, während wir hektisch die Knoblauchernte dieses Jahres retten. Sollen die Knollen lieber in der Küche trocknen als an der durchnässten Hauswand.

Dann will ich endlich weiterlesen, mal in aller Ruhe, ich habe das Buch gestern angefangen und den ersten Teil trotz aller anfänglichen Skepsis regelrecht verschlungen. Ich gebe Ihnen bescheid, wenn ich mehr weiß.

Stattdessen aber muss ich Fischrezepte studieren, für das Abendessen. Siehe oben, Fischgeschäft und so. Wären wir doch bloß zuhause geblieben. Aber vielleicht habe ich ja vor dem Schlafengehen noch mal Zeit und Ruhe für Lektüre. Also, so gegen 20 Uhr. Mit den Hühnern undsoweiter, naja, Sie wissen schon.