Doppelwhopper.

Wir haben da mal wieder eine Henne, die meint, Mutter werden zu müssen. Jetzt, sofort und unbedingt. Man kann den Hühnern das ja leider nicht ausreden, mit aller Engelsgeduld nicht. Also hockt und hockt sie. Und wer einfach nur ein Ei legen möchte, seinen angestammten Legeplatz aber besetzt vorfindet, setzt sich einfach oben drauf.

Dass die Glucke dabei etwas plattgemacht wird: macht nix! Auch wenn wir auf diesem Foto durchaus einen gewissen Unmut in ihrem Blick erkennen können. Wobei das hier ja noch gar nichts ist. Wir hatten auch schon drei Hühner übereinander, wie eine Mischung aus Bremer Stadtmusikanten und Turmbau zu Babel.

Ich stelle mir dann immer die ähnliche Situation im Kreißsaal vor. Krankenhäuser müssen sparen, das gesamte Gesundheitssystem ist dramatisch unterfinanziert, heißt es immer, also greifen auch die Damen und Herren auf der Entbindungsstation zu pragmatischen Lösungen. Einfach alle Gebärenden übereinanderstapeln, und am Ende muss sich aus einem Haufen Neugeborener eine Jede ihren Säugling herauskruschteln. Zehn Mütter, zehn Säuglinge, aber nur ein Kreißsaal und nur ein Geburtshilfeteam, und nur ein hochbezahlter Arzt nötig. Das wäre doch mal eine Einsparmöglichkeit.

Statt herumzurennen wie die aufgescheuchten Hühner, sollten die bei der CDU mal denken wie die Hühner. Lieber Herr Spahn, das kann doch nicht so schwer sein! Sich einfach die Natur zum Vorbild nehmen. Das wäre doch grade im Gesundheitswesen ein Ansatz. Ganzheitlich und so, Eins-Sein mit der Schöpfung. Naja, Sie wissen schon. Aber auf mich hört ja wieder keiner.

Alopochen aegyptiaca.

Jahahahaaaa, da staunen Sie, über so eine schlaue Überschrift. Klingt doch sehr gebildet, finden Sie nicht? Dahinter verbirgt sich allerdings nichts anderes als ein tendenziell aggressiver, watschelnder Vogel, der sich nicht so recht entscheiden kann, ob er nun eigentlich Ente oder Gans sein will. Aber hübsch sindse.

Mitm Händi ausm Auto raus geknipst, ich bitte mal wieder um Nachsicht.

Ich habe diese zwei Nilgänse (Alopochen aegyptiaca) jetzt schon mehrfach beim Buchener Ortsteil Einbach getroffen, Herr und Frau Nilgans haben sich da wohl zumindest vorübergehend niedergelassen. Hoch oben im nördlichsten Zipfel Baden-Württembergs also, in dieser Region, die man auch Badisch-Sibirien nennt. Insofern fand ich das durchaus bemerkens- und berichtenswert.

Nilgänse kommen ursprünglich aus Afrika, da ist es ja manchmal etwas wärmer als in Badisch-Sibirien. Aber ich habe gelesen, dass die Exemplare, die inzwischen auch quer durch Deutschland anzutreffen sind, zu einem Gutteil aus den Niederlanden eingereist sind. Da wurden sie früher als Ziergeflügel gezüchtet, irgendwann sind ein paar Viecher geflüchtet, schwupp, Richtung Rhein, und dann immer Richtung Süden. Und jetzt verkacken und bevölkern sie also zum Beispiel in Mannheim und Heidelberg die Flussufer und Liegewiesen und vergrätzen in ihrer etwas unhöflichen Art einheimische Wasservögel und einheimische Sonnenanbeter.

Dass sie es aber bis hoch in den Odenwald geschafft haben, das ist mir neu. Vielleicht habe ich aber bisher auch nur nicht aufmerksam genug geguckt. Wenigstens gibts hier weder Flussufer noch Liegewiesen, auf denen es zu interkulturellen und inter-spezi-ellen Konflikten kommen könnte. Wir haben hier ja nichts.

Aber mit den Nilgänsen hätten wir dann doch was (hab ich gelesen): Heilige Vögel, die im Alten Ägypten dem Schöpfergott Amun gewidmet waren. Oder die wahlweise selber Götter waren, die schlussendlich die Welt und das Licht erschaffen haben. Mit ihrem Geschnatter und/oder mit dem Welten-Ei, so ganz genau ist das nicht bekannt. Das Ei jedenfalls landete aus ihrem Hinterteil direkt in einem Feigenbaum in der Stadt Heliopolis, aus dem dann wiederum der Sonnengott Re entstand. Alles klar? Und das also im Odenwald! Ich meine, das ist doch was. Bitte benehmen Sie sich dementsprechend, falls Sie auch mal ein paar Nilgänse hier oben treffen.

Wmdedgt.

Schon wieder ein Monat rum. Schon wieder will die freundliche Nachbarbloggerin wissen, was ich so den ganzen Tag mache. Oder was Sie so den ganzen Tag machen. Sie können all die Tagebuch-Bloggereien zum Fünften des Monats heute ab 18 Uhr hier nachlesen.

Bei mir am Morgen das übliche Programm. Hühner, Ziegen, Katz versorgen. Dann Hunderunde durch den Wald, der uns kühl und vielstimmig in seine Arme nimmt. Wie in einem Konzertsaal ist es, gespielt wird eine Symphonie für 265 Vogelstimmen. Der Dirigent bleibt unsichtbar. Die Stimmen kommen aus allen Richtungen, von vorne und hinten, von rechts und links, nah und fern. Wenn ich mich aufs Hören konzentriere, stellt sich augenblicklich maximale Entspannung ein. So fängt ein Tag gut an.

Am Forellenteich, beim Fische-Füttern, erhasche ich einen kurzen Blick auf ein wahres Entenküken-Gewimmel, bevor die Klitzekleinen mit der Mutter Stockente ins Unterholz flüchten. Ich werde mich am Abend mit der Kamera auf die Lauer legen, versprochen.

Kurz ins Büro, dann mit Funkhund Lieselotte vom Büro ins Cafe wechseln.

Stress pur. Ich kann Ihnen sagen. „Produktionshilfe“ nennt sich das auf ARD-Deutsch, ich verleihe Büro und Technik quasi für einen Moment an Kollegen, die hier etwas produzieren müssen. Dann muss ich eben weg. Also, bitte. Erst Dienstauto putzen, dann Cafe. Schlimm, schlimm, schlimm.

Kaum sind die Kollegen raus, kommt ein schwerer Verkehrsunfall rein und ich also gleich ins Rennen. Allerdings nur im übertragenen, weil telefonischen, Sinne. Infos zusammenklauben und an die Nachrichtenredaktionen weitergeben, dann losfahren zum Termin ans andere Ende des Landkreises. Nur: wie? Nach dem Unfall sind (fast) alle Wege nach Norden gesperrt. Plötzlich Hektik. Kennen wir ja, sowas. Also Ruhe bewahren.

Klappt dann doch dank Schleichwegen ausgesprochen gut. Und für eine Pullerpause ist auch noch Zeit. Für den Funkhund Lieselotte, nicht für mich, wo denken Sie hin? Unsereiner säuft zwar bei diesen Temperaturen gefühlte zehn Liter Wasser pro Tag weg, aber das verdunstet alles, irgendwo auf dem Weg zwischen Kehle und Magen.

Am Ziel. Fast.

Jetzt noch kurz aufhübschen für den Termin, dann kanns losgehen. Aseptische Berichterstattung nennt man sowas. Das ist ja schwer am Kommen. Inklusive Schuhdesinfektionsbad. Lebensmittelverarbeitender Betrieb, naja, Sie wissen schon. Lieselotte wartet brav im Schatten draußen. Häubchen und desinfiziertes Schuhwerk sind eh nicht so ihr Ding.

Wer eitel ist, sollte nicht Regionalreporterin werden.

Zurück ins Büro, diesmal ins andere. Video- und Tonmaterial sichten. Schwitzen und trinken, immer abwechselnd. Am Schreibtisch sind es inzwischen 29 Grad, Altbau-Charme, Dämmung Nein-danke, und den ganzen Tag die knalle Sonne auf die Fenster.

Noch ein bisschen dienstlich herumtelefonieren und etwas weniger aseptische Termine ausmachen. Dann Richtung Feierabend. Richtung Horizont, der sich nicht so recht zwischen Blau und Gewittergrau entscheiden mag. Und nachher nochmal an den Forellenteich, Entenküken kieken. Wenn ich sie vor die Linse bekomme, erfahren Sie das hier auf diesem Blog. Und dann bekochen lassen vom Gatten. Ja, da staunen Sie. Ein Hausmann in Höchstform. Hat ja auch was gutzumachen, der Gute. Die Ziegen, Sie erinnern sich vielleicht.

P.S. Nix Hausmann. Der Gute hat eine Verabredung heute abend, und ich muß sehen, wo ich mit meinem Bärenhunger bleibe. Auf dem Weg zum Teich stolpere ich unvermutet in einen Herrenstammtisch mitten im Gelände, mitten in den Feldern. Die sind mit allem ausgestattet da draußen und laden mich als Dame sogleich zu Steak und Salat ein, Herren-Stammtisch hin oder her. Die lassen auch mal Fünfe grade sein. Und dann wird gelacht und gequasselt und gesungen und getrunken und gegessen, und für einen Moment könnte man mal wieder glauben, dass alles gut wird auf dieser merkwürdigen Welt. Danke für die nette Einladung, Männer!

Na, wenn das so ist, dann Prost.

P.P.S. Und am Forellenteich natürlich keine Stockente und keine Küken angetroffen. Alle unterwegs. Ich frage mich ja ernsthaft, wo die Alte mit den Kindern um diese Uhrzeit noch herumschwarwenzelt. Es ist schon gleich 21 Uhr. Die Küken müssten längst im Bett sein. Das ist doch ein Fall fürs Jugendamt.

Zum Weinen.

Die Ziegen müssen weg. Fritzi und Luise. Das Gemecker ist nicht mehr auszuhalten. Also, das vom Göttergatten. Nicht das der Ziegen. Die werden ja fürs gelegentliche Meckern eigentlich bezahlt. Ich hatte die Wahl zwischen Scheidungsanwalt und Kleinanzeige. Zutrauliche Ziegen suchen neuen Wirkungskreis. Morgen kommt der erste ernsthafte Interessent. Es ist zum Meckern Weinen. Ach, fragen Sie nicht.

Heute nachmittag bei Bödigheim.

Wir müssen dieser Tatsache also einfach ins Auge blicken, die Wahrheit soll da nicht verschwiegen werden. Anders als im – von mir sehr gerne gelesenen – Blog Read on my dear, read on. Ich brauche den jetzt hier nicht zu verlinken, er ist inzwischen offline, weil die Bloggerin mit ihren Geschichten von der jüdischen Familie und allerlei anderen spannenden Stories das Blaue vom Himmel heruntererfunden hat es leider mit der Wahrheit nicht allzu genau nahm. Um es mal vorsichtig zu formulieren. Das Münchhausen-Syndrom ist jetzt also auch bei den Bloggern angekommen, und dieser Fall ist besonders perfide, wenn man es in der Presse verfolgt. Es ist zum Weinen.

Das Wetter bringt auch Viele zum Weinen, erst war es viel zu kalt für die Jahreszeit, dann zwei Tage lang viel zu heiß, und jetzt ist mal wieder Land unter. Krachende Blitze und rumpelnder Donner und eimerweise Wasser von oben. Auch wieder nicht recht.

Was mich gleich zur nächsten Sorge bringt: Zur Stockente. Die brütet seit Wochen draußen am Forellenteich, sie sitzt offenbar immernoch auf mindestens acht Eiern, und das Ende ist abzusehen. Am kommenden Wochenende sollten die Küken schlüpfen, so haben wir uns das zusammengerechnet, der Forellenmann und ich. Und nun sitzt die Arme also bei Sturm und Hagelschlag, das Nest wird nass und nässer, ach je, ich mag gar nicht daran denken. Ich werde nachher nochmal vorbeifahren, die kleinen Forellen füttern und nach der braven Ente schauen. Getreu dem Motto: Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche.

Und dann waren da heute auf dem Weg durchs Städtchen noch diese grundsätzlich sehr coolen, aber eben doch leider akut verzweifelten Jungs, so um die 12 Jahre alt, die versehentlich ihren Fußball in eine hohe ungemähte Wiese gekickt hatten. Ich meine, man muß sich das mal vorstellen! In. Eine. Hohe. Wiese.

Nun wurde lautstark und unter Schubsereien debattiert, wer dafür zuständig sei, den Ball da wieder rauszuholen. Keiner, natürlich. Hohe Wiese is VOLL gefährlich, Mann!!, schrie der Eine. Ich hab da echt schon mal Brennnesseln gesehen!, jammerte der Andere. Wer denn den Ball überhaupt da reingeschossen habe, wollte die Pädagogische Fachkraft wissen. Niemand. Irgendwie müsse er wohl wie von Geisterhand da reingeflogen sein. Da waren die Jungs sich doch wieder einig. Ich bedauere im Nachhinein sehr, dass ich nicht die Lösung dieses Problems verfolgt habe, aber ich gehe davon aus, dass am Ende die Schulsanitäter ranmussten. Mindestens.

Ach, es ist zum Weinen. Aber ansonsten gehts uns wirklich gut, Danke der Nachfrage.

P.S. Ich habe zwei Entenkükenköpfchen gesehen. Sie lugten kurz unter dem Gefieder der Mutter hervor und verschwanden dann wieder. Rechnen können wir also offenbar auch nicht. Aber uns jetzt freuen, ungeduldig, das können wir.

Danke.

Danken möchte ich an dieser Stelle dem einen Wähler oder der einen Wählerin für das in mich gesetzte Vertrauen. Irgendwer hat mir bei der Wahl des Ortschaftsrates am vergangenen Sonntag seine oder ihre Stimme geschenkt, obwohl ich doch gar nicht auf der Kandidatenliste stand. Ich habe das zufällig bei Durchsicht der amtlichen Endergebnisse gesehen. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Außer: Danke. Ich bin sehr geschmeichelt.

Ein Symbolbild.

Danke auch schon mal im Voraus an all jene, die am kommenden Wochenende Zeit und Lust haben, beim hiesigen Pfarrfest dabei zu sein. Pfarrfest haut Sie jetzt vielleicht nicht auf den ersten Blick vom Hocker, aber Sie haben die Möglichkeit, erstens bei der Eröffnung am Samstag um 16 Uhr mit der Vernissage mit Bildern (Klick!) von meinem Geo mal einen Einblick in moderne Kunst zu bekommen, und zweitens einen Blick in ein riesiges leerstehendes Kloster zu erhaschen. Für Speis und Trank ist bestens gesorgt, Festzelt steht schon im Klostergarten, Bierwagen ist auch da, naja, Sie wissen schon, und alles andere zum Programm können Sie (Klick!) hier nochmal nachlesen. Und wegen Kloster, und falls Sie zufällig ein solches kaufen möchten, empfehle ich Ihnen nochmal diesen Blogbeitrag.

Unterwegs.

Regen, Regen, Regen. Wie aus Eimern. Und im Kalender ein Termin im Wald, in aller Herrgottsfrühe. Sowas kann mich nicht erschüttern, Gummistiefel, Gummihose, Gummijacke, australischer Outback-Hut aufm Kopp. Das Wetter kann mich mal. Ich bin doch aus dem Odenwald. Wäre doch gelacht.

Wir kennen kein schlechtes Wetter, hat der Gesprächspartner per Mail vorab nochmal versichert, das klang überzeugender, als es am Ende war. Am Ende kneifen die Gesprächspartner nämlich allesamt, zu nass, zu glitschig, zu gefährlich da draußen im Wald. Ein gebürtiger Mannheimer und zahlreiche Herren aus dem immerwarmen regenarmen Florida. Weicheier. Wir wollen da nochmal ein Auge zudrücken. Aber wie ich den Rest des dann ganz unvermutet trockenen Tages im Büro im Vollgummischutz verbringe, – naja, lassen wir das.

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Und zum Feierabend nochmal kurz rechts ranfahren und ein Foto machen, mit der Händiknipse. Überschwemmte Wiesen. Und zwei Nilgänse, die schimpfend aufflattern, als ich durch die Fluten angewatet komme. Nilgänse im Odenwald. Ist mir ja auch neu. Aber bitte. Vielleicht haben die die Morre mit dem Nil verwechselt. Oder den Neckar. Ach, was weiß denn ich.

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Unten im Keller steht das Wasser. Merke ich eben. Ich tue jetzt mal so, als hätte ich es nicht gesehen. Manche Probleme lösen sich ja von selbst und ver-trocknen einfach.

Immobilienmarkt.

Falls Sie auf der Suche nach einer etwas anderen Immobilie sind: Wir hätten da was. Ein ehemaliges Clarissen-Kapuzinerinnen-Kloster, gegründet vor 70 Jahren in Limbach-Balsbach, in den Sechzigern nochmal schick neu gebaut. Kann man kaufen. Wird sonst abgerissen.

Dieser Tage war Besichtigungstermin, für alle, die wissen wollten, was aus dem Kloster wird. Und natürlich für potentielle Interessenten. Ein Haufen Leute aus der Gemeinde und der Umgebung war da, so oft sieht man ein Kloster ja auch nicht von innen, zumal eines mit einer so strengen Klausur, wie die Clarissen das hier viele Jahre und Jahrzehnte lang gelebt haben.

All die Jahre war das Kloster mit den unsichtbaren Nonnen soetwas wie das Zentrum des Dorfes, der Gemeinde. Jetzt also steht es leer. Die letzten Schwestern sind vor gut vier Jahren umgezogen in eine Art Schwestern-Ruhesitz nach Gengenbach. Zu aufwändig war der Unterhalt des riesigen Gebäudes, des park-ähnlichen Gartens, des klitzekleinen Friedhofs auf dem Areal.

Drinnen, in den langen Gängen und den rund 20 Zellen, in der Küche, im Speisesaal und der Kapelle, sieht eigentlich alles so aus wie früher. Ein paar Möbel haben die Schwestern mitgenommen, manches haben sie vor ihrem Auszug verschenkt und verkauft, viel war es ohnehin nicht. Man lebt ja nicht im Überfluss als Ordensschwester in Klausur.

Sie können das Kloster jetzt also kaufen. Das Bistum, oder wer auch immer letzten Endes dafür zuständig ist, so ganz verstanden habe ich das nicht, will es nicht weiter erhalten. Die Herren klagen gerne über den Niedergang des Ordens-Lebens in den Weiten der nordbadischen Provinz, und das hier war eines der letzten Klöster im ländlichen Nordbaden, wenn nicht sogar das aller-letzte. Egal. Es steht leer, es findet sich keine Ordensgemeinschaft für den vielen Platz, und jetzt soll es also weg. Wie auch immer. Dabei gäbe es Ideen genug. Das zeigt sich auch neulich abend bei der Info- und Besichtigungs-Veranstaltung vor Ort.

Falls Sie also eine Idee haben, oder einen Traum, und ein paar Mark Fuffzich für Brandschutz undsoweiter, dann sollten Sie sich ranhalten und mal beim Bistum Freiburg anklopfen. Wenn nicht demnächst ein tragfähiges Konzept auf dem Tisch des Hauses liegt, gnarz,gnarz, gnarz, so hört man aus Freiburg, und angeblich klimpern die Herren dort schon ungeduldig mit dem Zündschlüssel für die Abrißbagger. Munkelt man so. Die Verantwortung für die Weiternutzung, für einen Verkauf, liegt bei der kleinen Kirchengemeinde vor Ort. Bei Haupt- und vielen Ehrenamtlichen. Sollen die’s doch richten. Sollen die sich doch drum kümmern, wenn sie das Kloster wirklich retten wollen. Ja, nee, is klar.

Die Zeit läuft, die Köpfe und die Telefonleitungen rauchen, und die Zündschlüssel für die Abrissbagger klimpern bedrohlich. Bleibt nach 70 Jahren ora et labora nur noch eine Baugrube? Und baut die Kirche dann, in wenigen Jahren, wenn die geplanten Riesen-Pfarreien Wirklichkeit werden, mit ihren Pastoralen Zentren, – baut die Kirche dann ein paar Kilometer entfernt ein Pastorales Zentrum für ein paar Milliönchen? Ach, was weiß denn ich. Ich bin ja sowieso evangelisch, mir könnte das alles Wurst sein. Jacke wie Hose. Ist es aber nicht. Es wäre schade um das Kloster. Fragen Sie mich nicht, warum. Es wäre einfach schade.

Sie können sich die Immobilie ja mal vor Ort anschauen. In zwei Wochen feiert das Kloster, das leerstehende, ohnehin sein 70jähriges Bestehen mit einem großen Pfarrfest, da sind Gäste immer herzlich willkommen. Am 2. Juni ist großes Programm auf dem ganzen Kloster-Gelände, ab vormittags schon und bis in den Abend, leider finde ich dazu auf der Website der Seelsorgeeinheit keinen Eintrag, vielleicht bin ich auch nur blind, jedenfalls ist das zum Weinen schade, sonst könnte ich das hier verlinken.

Wie dem auch sei: Falls Sie Interesse haben, oder Ideen, oder einen Traum, der sich in einem leerstehenden Kloster mit Park und jede Menge Landschaft und Natur drumrum verwirklichen ließe – nur zu. Sie wissen ja: Die Wege des HERRN sind manchmal unergründlich, und vielleicht führen sie in diesem Fall direkt nach Balsbach. Ich meine, es könnte ja immerhin sein. Oder nicht?

12 von 12.

Zwölf Bilder, die den Zwölften des Monats beschreiben. So will es die freundliche Frau mit den Kännchen, und alle machen mit. Ich auch. Nun werden Sie beim Betrachten der Bilder denken, naja, das wird doch wohl nicht alles gewesen sein heute. Oh, doch! Ich habe den lieben langen Tag nichts anderes getan als im Wald herumzustiefeln und grüne Blätter anzuglotzen. Jetzt bin ich ganz berauscht. Ja, ich habe zwischendurch auch einmal daheim gesessen und mit dem netten Ekke einen Kaffee getrunken, der hat uns heute Hühner geliefert. Also nackte, für die Küche. Ansonsten: Nur Grün-Rausch. Da müssen Sie jetzt durch.

Mutterseelenallein bin ich da mal wieder unterwegs, kein Mensch weit und breit. Ich bin immer froh, wenn ich keine Wandergruppen treffe, die lachend und plappernd durch den Wald eilen, leider sind viel zu viele Wandergruppen lärmend und laut unterwegs, wenn Sie mich fragen. Ich weiß gar nicht, warum die in den Wald gehen, die sehen nichts, die hören nichts, die eilen plappernd ihrer Wege, da könnten sie auch den Ku’damm auf- und ablaufen. Aber vielleicht bin ich nur neidisch.

Und laut genug ist es doch eh schon im Wald, wenn man nur genau hinhört. Der Wind in den Wipfeln. Die eigenen Schritte und der eigene Atem. Hundegehechel und Rehgeraschel im Unterholz. Das aufgeregte Gezeter der Häher. Ganz oben irgendwo der Bussard. Und unten, in den Zweigen, das Konzert der Singvögel. Und, wenn man Pech hat, der Lärm im eigenen Kopf.


Ich habe ansonsten auf dem Weg in den Wald und zurück auch noch jede Menge Menschen gesehen (aber nicht fotografiert), die mal mehr, mal weniger missmutig mit Müttern spazierengehen. So sah es zumindest aus. Ist ja Muttertag. Wenn ich Mutter wäre, ich glaube, ich würde das nicht wollen. Zumindest nicht gezwungenermaßen und missmutig. Aber vielleicht bin ich ja da auch nur neidisch.

Was schön war.

Ganz viel war in der vergangenen Woche los, ganz viele Termine, ganz viel Nerverei, ganz viel Gerenne und ganz viel Gequassel, mal mehr, mal weniger bedeutungsschwer. Und ganz viel Regen, kübelweise, und noch mehr Matsch im Ziegen- und Hühnergehege.

Und ganz viel Schönes war auch. Man übersieht und vergisst das ja gerne. Und damit das eben nicht passiert, hat irgendwer mal diese Bloggeschichte Was schön war eingeführt, leider kriege ich nicht mehr zusammen, wer das war, ich habe es von dem hochverehrten Herrn Buddenbohm übernommen, der weiß bestimmt, wer die Urheberin ist oder war.

Schön war das Gute im schlechten Wetter zwischendurch. Schwarze Wolken vor blauem Himmel, ein gleißendes Licht, und das knallgrüne Maigrün. Und immer wieder: die Weite. Und immer wieder bloß die Händiknipse, ich werde es nicht mehr lernen. Und bin aber auch nach nunmehr fast 20 Jahren immer wieder berührt von Himmel und Wolken hier oben, ich fahre durch die Gegend und sage Boah und Waaaahnsinn vor mich hin am Steuer und bremse dann irgendwo unvermittelt und mit quietschenden Reifen, um ein Foto zu machen. Ob diese Begeisterung für den Himmel je aufhört? Ich hoffe, nein. Das wäre schön.

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Am Forellenteich im Wald, den ich mitbetreuen darf, brütet ein Entenpaar. Versteckt und fast unsichtbar im Dickicht am Ufer. Das ist doof, weil ich die Hunde jetzt dort draußen nicht mehr springen lassen will. Und wunderschön, weil demnächst vielleicht zehn winzige Entenküken, wie Perlen auf einer Schnur, aufgeregt hinter Vati und Mutti über den See paddeln werden. Da werde ich dann aber mal die vernünftige Kamera mitnehmen, versprochen.

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Und wo wir gerade bei Bääääbies sind: Am Teich sind neue Forellen geliefert worden, kleine, schlanke Fischlein, die durch das Wasser schießen wie etwas nervöse Blitze. Die verbliebenen alten und großen Forellen finden das junge Gemüse vermutlich auch irgendwie nervig, man kann das ja verstehen, zumal die Kleinen nicht mehr klein genug zum Fressen sind. Ja, Forellen kennen da angeblich gar nichts, das sind ja Raubfische, und wenn in der Nachbarschaft plötzlich Winzlinge auftauchen, happhapp!, weg sind sie. Das funktioniert hier also nicht mehr, die Großen sind genervt und müssen sich mit dem Futter zufrieden geben, das wir in den Teich werfen.

Wobei es jetzt an der Futterstelle am Steg ein gewisses Durcheinander gibt, die Großen kriegen großes Futter, die Kleinen kleines, die Großen wollen die Kleinen wegdrängeln, die Kleinen wuseln kreischend den Großen durch die Beine, also, jetzt im übertragenen Sinne natürlich. Man kann sich das in etwa vorstellen wie an einer überfüllten Imbissbude, es ist ein Hauen und Stechen und geht nicht immer rücksichtsvoll und vornehm zu.

Das führt nun wiederum dazu, dass der Futter-Spender mit zwei verschiedenen Futtergläsern herumrennt, ich renne hierhin und werfe großes Futter, dann dahin und werfe kleines Futter, ich locke die Großen nach links und füttere mit schneller Armbewegung die Kleinen rechts, das Wasser schäumt, es ist ein Zappeln und Klatschen auf und unter der Wasseroberfläche, ich springe hierhin und dahin und sehe vermutlich von Ferne aus wie ein etwas durchgedrehter Herbert von Karajan, der mit fuchtelnden Armen und in einer Mischung aus Genie und Wahnsinn das Forellenquintett vor 543 Orchestermitgliedern dirigiert.

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Wie ich da dieser Tage schwer am Putzen bin daheim, klingelt es an der Tür. Vor mir steht die verschollen geglaubte, liebe Bekannte, die ich vor fast zehn Jahren das letzte Mal gesehen habe. Sie haben damals zu mir gesagt, wenn ich jemals Hilfe brauche, darf ich kommen, sagt sie und lächelt etwas gequält. Darf ich? So viel Mut, so viel Vertrauen. Und so viel Dankbarkeit meinerseits. Und trotz der Umstände so ein schönes Wiedersehen.

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Die Schweizer waren wieder zu Besuch. Das Paar, das über diesen kleinen Blog hier einst den Weg aus der tiefen Schweiz in die Region gefunden hat, einfach mal da hinfahren, in diesen merkwürdigen Odenwald, einfach mal gucken. Inzwischen kommen sie regelmäßig, wir treffen uns abends und schwätzen und schwätzen, sie erzählen und fragen, und wir erzählen und fragen, und das alles ist immer ausgesprochen nett und bereichernd.

Inzwischen haben die beiden hier im Hohen Odenwald mehr Freunde als daheim in der Schweiz, sagen sie, und ich finde, wir sollten das als Kompliment auffassen. Und im Übrigen denken sie darüber nach, irgendwo im Landkreis ein Haus zu kaufen oder zu mieten. Falls Sie also was wissen: immer her damit. Und eine günstige Zwei-Zimmer-Wohnung wird auch gesucht, siehe oben, die verschollene Bekannte. Sie könnten in diesem wie in jenem Fall Freunde fürs Leben gewinnen. Ehrlich.