Das neue Jahr ist da. Draußen auf den Feldern greift es mit eiskalten Händen nach mir, es zerrt am Mantel und am Schal, kriecht in Ärmel und Hosenbeine. Es bläst mir seinen scharfen Atem ins Gesicht, bis meine Augen tränen; auf den geröteten Wangen hinterlassen die Tränen eine beißende, salzige Spur. Es ist, als wollte das neue Jahr sagen Zieh Dich bloß warm an, Mensch!

Dabei denke ich kurz, es könne doch eigentlich alles nur besser werden im Neuen Jahr, so allgemein und insgesamt, aber wir werden wieder einmal mit Allem zu rechnen haben. Auch mit dem Besten. Hoffnung ist die erste Christenpflicht. Naja, Sie wissen schon.

Ansonsten war Silvester auch in diesem Fall mal wieder die Gelegenheit schlechthin, das Dorfleben über den grünen Klee zu loben, besonders für Tierhalter und alle anderen Menschen, die von Knallerei und Böllerei aber sowas von genervt sind. Im Dorf geht es um kurz vor Mitternacht los mit dem Krach, um 0 Uhr 30 ist zuverlässig wieder alles vorbei.

Ich entnehme den Berichten in den sozialen Netzwerken, dass Menschen in Großstädten schon ab kurz nach Heiligabend nicht mehr wissen, wo sie mit ihren ängstlichen Hunden Gassi gehen sollen, das scheint wie ein tagelanger anstrengender Ausnahmezustand zu sein, – nein, davon kann hier keine Rede sein.

Ein Kollege aus einer mittelgroßen Stadt in der Region hat sich über Silvester in einem Hotel auf dem Frankfurter Flughafen eingebucht mit seinen zwei Hunden, beste Entscheidung ever, schrieb er, schallisoliert und fernab von allem; das können Sie sich bei Bedarf also mal notieren als Not-Lösung für kommende Jahre. Das bieten ja inzwischen ganz viele Flughäfen in Deutschland an.

Ich werde mal recherchieren, ob man da auch mit acht Hühnern übernachten dürfte. Um die hatte ich mehr Angst als um die Hunde, aber sie sind heute früh alle wohlauf. Und ansonsten bin ich inzwischen auch der Meinung, dass nicht die Knallkörper, sondern die Knallköppe das Problem sind, aber weil es nun mal von Letzteren deutlich zu viele gibt, sollte man das ganze dämliche und sinnbefreite private Geböller doch bitteschön einfach verbieten.

Mit der Pyrotechnik – auch das las ich im Internet – verhalte es sich doch im Grunde wie mit dem Geigenspiel: Wenn geübte und erfahrene Profis am Werk sind: bitte sehr, da ist man gerne dabei. Wenn aber der leicht beschickerte Onkel Erwin ein einziges Mal im Jahr die Geige hervorholt und uns feierlich was vorgeigt, dann geht das schon in Richtung Körperverletzung und muss nicht sein.

Egal, wie: Ich wünsche Ihnen allen für das Jahr alles Gute, eigentlich nur das Allerbeste. Seien Sie nett zu sich und anderen, die Zeiten sind auch so schon schwer genug. Und bleiben Sie gerne diesem Blog treu. Man tut, was man kann, und ich denke und hoffe, dass mir auch 2026 die Lust und die Ideen zum Schreiben und Knipsen nicht ausgehen. Das Landleben ist ja vermutlich auch weiterhin aufregend und abenteuerlich genug.

14 Kommentare zu “2026”

  1. Auch für Sie nur das Beste! Selbstverständlich bleibe ich dem Blog treu, die Qualität ist heutzutage selten und muss geehrt werden.
    Liebe Grüße, Juliane

  2. Ein gutes Neues! Hier sind wir ja etwas urbaner unterwegs, aber das Geböllere hielt sich vor Mitternacht auch in Grenzen und heute ist es ruhig.

  3. Alles Gute für Sie und Ihre Lieben. Ich freue mich jedes Mal, wenn es etwas von Ihnen zu lesen gibt.

    Herzliche Grüße von der stürmischen Nordseeküste

    Andrea

  4. Auch Ihnen, Ihrem Gatten und Getier alles Gute für das neue Jahr! Ich freue mich auf weitere Berichte aus dem Odenwald von Ihnen, die mir immer wieder die Mundwinkel heben.
    Herzliche Grüße aus Bonn

  5. …allen vier Vor-Schreiber’innen schließe ich mich sehr gerne an und danke für heute ganz besonders für den poetischen Beginn des Textes.
    Vielen lieben Dank und ein von Poesie begleitetes Jahr!

  6. Wenn denn das feurige Geknalle wenigstens die bösen Geister vertreiben würde …

    Ich wünsche Ihnen und uns allen ein gutes neues Jahr! Mit vielen neuen Beiträgen zu Ihrem Blog!

  7. Ich habe Sie und Ihr wundervolles Blog ja erst kürzlich entdeckt – aber ich freue mich jetzt sehr auf ein ganzes Jahr 2026 mit Ihren Bildern und Geschichten vom Land! Alles Gute Ihnen und Ihren Lieben für das Neue Jahr!
    Frau Lakritz

  8. Alles Gute für Sie, den malenden Gatten und alles Getier. Ich schliesse mich Sonja an, die Vorstellung mit Hunden und Hühnern im Flughafenhotel einzuchecken ist allerliebst. Johl.
    Danke für die Beiträge in Bild und Wort, die so gut tun. Sie wissen schon…
    Herzlich vom Rhein in den Odenwald gewunken. Eva

  9. Ein gutes, gesundes und gesegnetes neues Jahr an alle!

    Danke für die wunderbar köstlichen und nachdenklichen Blogs und Fotos. Mit mir als Leserin können se weiterhin rechnen.

  10. Ein gutes neues Jahr, garniert mit vielen bunten Abenteuern, mit netten Menschen und weniger Bekloppten, mit lieben Tieren.
    Dem Landlebenblog bleibe ich natürlich treu, die Frage stellt sich ja gar nicht. Ja, er trägt oft zu meiner guten Laune bei – und auch Ernstes nehme ich gerne an.
    Herzliche Grüße in den Odenwald, C Stern

  11. Musste dieser erste Absatz denn sein? Hinter mir knistert ein Holzofen und ich vermeide den Blick aus dem Fenster. Im Gegensatz zu meinen Katzen, die sehnsüchtig nach draußen blicken, aber dann doch lieber nicht rausgehen. Um diese Jahreszeit erfreut sich sogar das heimische Katzenklo, sonst verachtet, großer Beliebtheit.

  12. Ein schöner Einstig in ein gutes gesundes neues Jahr. Dankeschön für all die wunderbaren Blickwinkel und Erzählungen, den Humor und so vieles mehr, was Sie und diesen Blog so besonders macht.
    Mit lieben Grüßen
    nina

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