Beim Blick in den dramatischen Abendhimmel musste ich dieser Tage wieder schlucken. Ja, da oben ist jetzt unsere Uschi, dachte ich wehmütig, möge ihr die Erde leicht sein im Himmel. Uschi, das Granaten-Huhn. Das mir immer auf den Arm gesprungen ist, wenn ich in den Hühnchenauslauf kam. Uschi, die tagsüber immer in der Nachbarschaft spazierengegangen ist, und kein Mensch weiß, wie sie den Zaun überwunden hat. Uschi, die dann abends vor der Garage saß, um mich nach Feierabend zu begrüßen. Und Uschi, die dann irgendwann gar nicht mehr zu sehen war. Spurlos verschwunden. Tagelang.
Ich sah Uschi vor meinem inneren Auge zermalmt unter LKW-Reifen, oder totgebissen von freilaufenden Nachbarshunden. Ich sah sie verhungert und verdurstet in einem Straßengraben, wahlweise zitternd und frierend im Wald, weil sie den Heimweg nicht mehr fand. Ach, Uschi.
Ach, Uschi, Du dämliche Kuh. Hättest Du uns nicht gleich sagen können, dass Du die ganze Zeit direkt neben unserer Terrasse sitzt? Hinter dem kleinen Gartenhäuschen, versteckt zwischen Holzbrettern, einer alten Tür, Drahtrollen und anderem Kruscht, den wir da abstellen, weil wir nicht wissen, wohin sonst damit?
Hättest Du denn nicht mal wenigstens kurz gackern können, damit wir Dich finden in all unserem Kummer? Wahrscheinlich hast Du leise dreckig gekichert, wenn ich auf der Terrasse saß und bittere Tränen weinte, Ach, meine arme arme Uschi, buhuhuuuuu. Ja, witzig!, gell? Sehr witzig.
Jedenfalls fand der kleine Hund gestern das Gartenhäuschen und all den Krempel außergewöhnlich interessant, und deswegen habe ich mal genauer geguckt, was sich da wohl in alle dem Gerümpel verbergen könnte. Ratten? Mäuse? Marder? Man weiß das nie, wenn man auf dem Lande lebt. Stattdessen also Uschi. Auf 15 Eiern. Ich glotze Uschi an, Uschi glotzt mich an, und Richtung Terrasse brülle ich hysterisch USCHI LEBT!!.

Nach einer Viertelstunde haben wir den ganzen Krempel aus der Ecke hinter dem Gartenhäuschen entfernt, um an Uschi und die Eier heranzukommen. Schwitzend und schimpfend, wie diese mit Stirnlampen und schwerem Gerät ausgerüsteten Trupps, die irgendwelche Forscher aus überfluteten Höhlen retten müssen und sich dabei mühsam voranarbeiten, so muss man sich das vorstellen. Uschi ist allerdings not amused, sie fühlt sich da in der Ecke offenbar ganz wohl. Undank ist der Welten Lohn.
Nun also sitzt sie im separaten Gluckenstall auf einem weichen Nest. Bleiben Sie dran und drücken Sie bitte die Daumen. Ich habe keinen Bock auf ein weiteres Kükendrama.
Naja, Sie wissen schon.
Meine Güte, Hühnerhaltung scheint ja bei weitem kein so friedliches, entspannendes, den Blutdruck senkendes Hobby zu sein, so wie ich mir das immer vorgestellt habe. Schon beim bloßen Lesen bekomme ich, ja was, Rücken?? nee, den bekommt Horst Schlämmer. Na, dann eben Blutdruck!
Ist Uschi das Huhn, das vorher auch schon auf Unmengen von Eiern verzweifelt gebrütet hat und vor lauter Eifer nicht gemerkt hat, dass sie schon Erfolge hatte, zweimal, die beiden armen kleinen Küken, die im mütterlichen, beinahe hätte ich Busen gesagt, na eben in den mütterlichen Federn erdrückt wurden? Hier kann man allerdings nicht behaupten, dass ihre Kolleginnen ihr Eier untergeschoben haben, es sei denn, sie haben sich heimlich, jede ein Ei unterm Arm, sorry Flügel, in ihr Versteck geschlichen.
Jetzt muss ich mit dem Schreiben aufhören, weil ich mit dem Daumendrücken anfange. Jedenfalls alles Gute, Uschi und Nachwuchs!
Danke für diesen wahrhaft sonn-täglichen Beitrag!
Als ich die Überschrift im RSS-Reader las, tippte ich ganz überrascht auf den Post und erwartete eine Story von Uschi Obermayer und Herrn Langhans oder Mck Jagger im Odenwald, aber die Hühnergeschichte ist eigentlich noch amüsanter.
#gackert