Der Heilige Geist hat es zu Pfingsten nicht sonderlich gut mit Glucke und den völlig unerwarteten Küken gemeint, aber vielleicht hatte er einfach auch an anderen Stellen der Welt zu viel zu tun, man weiß es nicht. Jedenfalls war Küken Nr. 1 ein wahres Prachtkerlchen, wurde aber von der Riesenhenne bis zur Unkenntlichkeit plattgedrückt, das Küken starb also an einer Überdosis Mutterliebe. Oder an grobmotorischer Ungeschicklichkeit, man kennt das leider von unerfahrenen Hennen, die zum ersten Mal ein Küken unterm Herzen wärmen wollen und es dann ein bisschen übertreiben.
Tags drauf schlüpfte tatsächlich auch noch Küken Nr. 2. Es wirkte bald schwach und überfordert von der Welt, und bevor wir noch eingreifen konnten, starb es in der folgenden Nacht. Auch unter der Henne, die Gründe sind unklar. Die Unmöglichkeit der Verpaarung? Die Hitze?
Die restlichen Eier fingen an, ungute Gerüche von sich zu geben, wir haben sie in einem passenden Moment aus dem Nest entfernt. Was die Glucke nicht daran hindert, weiter zu glucken.
Jedenfalls war das in dieser Hinsicht ein ganz und gar doofes langes Wochenende. Ein Scheiß-Wochenende nachgeradezu. Ich werde die kommenden Tage damit zubringen, herauszufinden, wie überhaupt ein erwachsener, rational denkender Mensch (ich) sein Herz an kleine Küken verlieren kann. Und wieso unsereinen (mich) das Schicksal dieser kleinen Küken mehr zu berühren und zu beschäftigen scheint als all das grauenhafte Toben der ganzen Welt ringsum. Vielleicht nicht mehr, aber doch ganz anders. Irgendwie umittelbarer. Ich muß darüber nachdenken.
Naja, Sie wissen schon.