Mit dem Konzept Großstadt hadere ich ja schon seit geraumer Zeit, aber spätestens bei 36 Grad im Schatten überzeugt mich da rein gar nichts mehr. Ich habe das jetzt wieder bei einem Kurzbesuch in einer Großstadt feststellen dürfen. Über Lärm, Dreck, Drängelei und Aggro in großen Städten beklage ich mich ja ganzjährig und unabhängig von den Wetterverhältnissen, wie so eine grantige Alte – aber 36 Grad im Schatten geben Anlass zu weiteren ernstzunehmenden Kritikpunkten.
S-Bahn, U-Bahn, Tram und Bus: Nix ist klimatisiert, oder vielleicht gehen die Klimageräte auch einfach in die Knie. Die stinkende Luft ist zum Schneiden, es mischen sich die Geruchsnoten Achselschweiß, Käsefüße, Deo und babbisch-süßes Parfüm zu einer zähen, klebrigen Masse, die durch das jeweilige Fortbewegungsmittel wabert. An der sogenannten frischen Luft, in der brutzelnden Sonne, kommt der Gestank der Abgase dazu, abends konkurriert die ganze gasförmige Brühe dann alle fünf Meter mit gebratenen Zwiebeln, Knoblauch, Pizza, Rostbraten, Bier und altem Frittenfett.
Und Menschen. Überall Menschen. Menschen, die ihrem Umfeld nahezu alle vorhandenen, verschwitzten Körperteile präsentieren, nackte Beine, nackte Füße, nackte Bäuche, nackte Schultern; dauernd hast Du im allgegenwärtigen Gedränge irgendein fremdes nacktes Körperteil an Dir kleben oder die entsprechenden heißen Ausdünstungen im Nacken.
Ich gehöre ja noch zu der Generation (*Krückstockgefuchtel*, würde Bloggerkollege Buddenbohm hier einfügen), die dazu erzogen wurde, doch wenigstens die primären Geschlechtsmerkmale auch bei größter Hitze halbwegs bedeckt zu halten, aber auch dieser Erziehungsgrundsatz ist in den vergangenen Jahrzehnten offenbar irgendwie unter die Räder gekommen. Dabei entscheide ich in der Regel ganz gerne selber, wessen primäre Geschlechtsmerkmale ich wann und wo betrachten möchte, und wann ich lieber darauf verzichte. Aber naja.

Morgens stinkt es vor dem Hotel dann noch nach Müllabfuhr und anderen süß-sauren Herausforderungen, Passanten halten sich beim Vorübergehen Mund und Nase zu, so streng ist der Geruch. Wie Müllwerker und Andere diese Arbeit bei diesen Temperaturen aushalten, bleibt ein komplettes Rätsel, aber hier geht mal ein großer Dank raus an diese und überhaupt alle Berufsgruppen, die nicht mal eben entscheiden können, heute dann doch lieber aus dem Home-Office zu arbeiten.
Mein Job in der Großstadt hat aber wieder Spaß gemacht. Zwei Tage mit jungen angehenden Kollegen und Kolleginnen arbeiten, die noch daran glauben, dass sie die Welt verbessern können, wie schön und wie beneidenswert ist das denn bitte.
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Wieder zurück im Odenwald: auch 34 Grad, aber besser auszuhalten, irgendwie. Die alte, etwas herzschwache Hündin legt sich im 99-Prozent-schattigen Garten in das einzige Prozent knallheiße Sonne und hechelt. Muss man nicht verstehen.
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Am Trekkingplatz am Wald treffe ich morgens zwei Herren, die ihr Zelt zusammenbauen und weiterlaufen wollen. Ob das ihr Training für die Sahara-Durchquerung sein soll, frage ich die beiden, und sie verziehen ein bisschen gequält die Gesichter. Wir haben halt gebucht, da müssen wir jetzt durch, sagen sie. Ich bin mir nicht sicher, ob mich das Argument überzeugt, an diesen bisher heißesten Tagen des Jahres.
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Uschi sitzt und sitzt. Ich glucke gucke alle paar Stunden, ob sie vielleicht schon geschmolzen ist in ihrem Gluckenstall, ich sorge für Schatten und Fressen und frisches Wasser und rede ihr gut zu. Zwischendurch schleppe ich eimerweise Wasser von einer Regentonne in die nächste und recherchiere parallel zum Thema Tauchpumpen. Ich lerne dabei, dass Tauchpumpen auch als Süffelpumpen bekannt sind, (kein Tag ohne Horizonterweiterung) und entscheide direkt, das in meinen aktiven Wortschatz aufzunehmen. Du hast wohl an der Süffelpumpe gesüffelt, Du oller Süffelpumperich Du!
Was man halt so macht, an einem Samstag auf dem Lande.
(Falls Sie übrigens Zeit und Lust haben: Das Nachbardorf feiert am Wochenende. Aber wie! (Klick) Hier finden Sie alles, was Sie wissen müssen.)
Hitze in einer Großstadt (einer sehr großen): Ich, eine noch sehr junge Frau in einem Zug in Tokyo im Hochsommer, in den 70er Jahren. Überall wedeln Fächer, feine weiße, sorgfältig gebügelte Taschentücher sind im Einsatz, um den Schweiß diskret zu entfernen. Mir gegenüber ein fein aussehender, alter Herr. Plötzlich fängt er an, sich zu entkleiden! Ich kann nicht anders, ich starre. Er steigt aus seiner Hose, faltet sie sorgfältig und legt sie auf das Gepäcknetz. Dann die Anzugsjacke, verfährt mit ihr wie mit der Hose. Dann Krawatte und Hemd. Und dann sitzt er hochzufrieden in einem sehr dünnen, weiten Unterhemd und einer ebenso weiten, dünnen, ziemlich durchsichtigen langen Unterhose und fächert sich zufrieden lächelnd, die Kühle, die durch den dünnen Stoff zieht, genießend. Ich gucke um mich und stelle fest, dass ich die einzige bin, die sich wundert.
Ich musste im Lauf der Zeit lernen, dass ältere Männer das eben so tun und auch dürfen und war dann nicht mehr erstaunt.
Aber ich habe ihn schon ein bißchen beneidet, um seine Freiheit und darum, dass ihm die Hitze so etwas erträglicher gemacht wurde.
Und Uschi, die unerschrocken in der Hitze nicht anders kann, als auf ihren Eiern auszuharren. Müssten die denn nicht allmählich riechen? Haben Hühner Nasen? irgendwo am Schnabel angebracht? Ich habe noch keine Gelegenheit gehabt, ein Huhn aus der Nähe auf anatomische Besonderheiten zu untersuchen, daher kann mir jetzt jede Antwort untergeschoben werden, ich glaube alles …
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Herrlich, diese Formulierungen!!!
Primäre oder eher sekundäre Geschlechtsmerkmale?
Hätten Sie sich doch bei mir gemeldet, da gibt es auch eine Übernachtungsmöglichkeit in München, bei guter Luft.
Dompierre ist allerdings erste Wahl bei Croissants, die Türkenstraße nicht.
Herzlich H.
Primäre. :(