Es wäre dem Weltfrieden zuträglich, wenn sich jeder Mensch einfach still irgendwo hinsetzen – und Küken beim Wachsen zugucken würde. So denke ich mir das, und so habe ich es jetzt für mich beschlossen; ich werde bis ans Ende meiner Tage hier sitzen und Küken glotzen. Ich will einfach nur hier sitzen. Ich richte damit keinen Schaden an, und damit ist ja schon viel gewonnen, heutzutage.

Die Sache hat – wie alles, was dem Weltfrieden theoretisch zuträglich wäre – leider einen Haken, denn die neun Küken wachsen so schnell, dass man hier nicht lange wird sitzen und zugucken können, sie sind jetzt noch keine vier Wochen alt und gehen dem Aussehen nach schon stramm auf die Pubertät zu. Die Haare wirr und unentschlossen, die Füße viel zu groß, die Flügel noch zu klein, und überhaupt stimmt mit den Proportionen überhaupt nichts mehr.

Es wird nur noch ein paar Tage dauern, dann wissen die Küken – auch optisch – vorübergehend nicht mehr, ob sie lieber Geier oder Hühner werden möchten, man kennt diesen Zustand von Teenagern. Mütter tragen das mit Fassung, was bleibt ihnen auch anderes übrig.

Uschi, die Übermutti.
Vati checkt mal wieder gar nix. Der wundert sich nur.

Ja, ich gestehe: Natürlich habe ich meine Favoriten in der kleinen Truppe, und besonders hat es mir dieser Freund hier angetan. Seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten und genauso zutraulich.

Uschi sah ganz ähnlich aus, als ich sie vor ziemlich genau einem Jahr spätabends im Unterholz traf und sie dann mit ihren Freunden in mein Auto stieg, Sie erinnern sich vielleicht, ansonsten können Sie das hier nochmal nachlesen. Die Geschichte der Hühnchen-Gang, die per Anhalter durch die Galaxie wollte, ja, genau so hat sich das zugetragen.

Klein-Uschi, die im Mai 2025 noch nichts von Mutterfreuden ahnte.

Dass den einen Küken deutlich deutlichere Kämme wachsen als den anderen, das ignorieren wir geflissentlich, der Tag kommt früh genug, an dem wir uns was ausdenken müssen. Falls Sie also über die Anschaffung eines Jung-Hahns nachdenken, bitte sehr, wir hätten da vermutlich demnächst welche abzugeben. Eine Mischung aus (unerwartet potentem, ähem) österreichischem Steinpipperl und einer wagemutigen Anhalterin, die nachts im Wald unter Vortäuschung einer Notlage Autos anhält, um sich mit ihren Kumpels von A nach B fahren zu lassen. Na, das kann ja was werden.

Wenn das mit dem Wachstum so rasant weitergeht, werde ich also nicht lange sitzen und zugucken – und damit den Weltfrieden heraufbeschwören können. Wenn das andererseits so weitergeht mit dem völlig unterschätzten Hähnchen und seiner Fortpflanzungsfreude, dann kommen gleich wieder Küken, und wieder und wieder und wieder, es werden tausende sein, ach, was sage ich: Zehn-tausende, sie werden Haus und Hof überrennen und am Ende die Welt-Herrschaft an sich reißen. Ob mit der Kükenweltherrschaft dann der ersehnte Welt-Frieden einhergehen wird, das muss sich noch rausstellen.

Naja, Sie wissen schon.

Ich halte Sie auf dem Laufenden.

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