Es sieht ein bisschen aus wie eine kleine Demo, zu der sich die Spinnen neuerdings tagsüber auf unserer Hauswand versammeln. Ich warte nur darauf, dass sie kleine Papp-Schildchen und winzige Transparente in die Höhe halten Rettet die Weberknechte!, oder Schluss mit den politischen Spinnereien!, irgendsowas in der Art.
Manchmal lausche ich, ob wohl Sprechchöre zu hören sind, bisher aber bleibt alles still bei dieser eigenwilligen Spinnen-Demo, die im Übrigen auch relativ statisch abläuft, die Viecher scheinen sich tagsüber keinen Millimeter vom Fleck zu bewegen. Eine Steh-Demo vielleicht. Es gibt ja auch Liegend-Demos, warum also keine Stehdemos?
Angeblich aber ist das gar keine Demo. Angeblich gehen die nachts auf die Jagd und schlafen tagsüber, und das dann alles zusammengeknubbelt auf einem Haufen. Für mich wäre das ja nichts. Ich brauche beim Schlafen Arm- und Beinfreiheit, und die Vorstellung, dass ich nachts andrer Leuts Füße oder Spinnenbeine im Gesicht habe, ist mir äußerst unbehaglich. Aber ich bin ja auch keine Spinne. Eine Spinnerin, das sicher, aber sicher keine Spinne.
Ich habe das mit den merkwürdigen Demo-Spinnen hier mal nachgelesen, weil ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal in meinem Leben so einen Haufen aus klitzekleinen Körpern und gefühlt tausenden von langen Beinen gesehen habe, und nun weiß ich bescheid. Die breiten sich in Deutschland aus, und nun sind sie mit ihren ellenlangen dürren Beinen also auch bis in den Odenwald gewandert. Das wiederum versteht man ja.
Ansonsten war ich im hessischen Teil des Odenwaldes unterwegs, das passiert mir ja auch nicht allzu häufig. Ein echtes Versäumnis, da isses nämlich richtig schön, wie ich auf diesem semi-dienstlichen Ausflug einmal mehr feststellen konnte.
Sie sollten da allerdings nur unter der Woche herumfahren, an Wochenenden sind auf den schönsten Strecken leider immer wieder solche Motorradfahrer unterwegs, die mit brüllenden Motoren und gefühlten 180 Stundenkilometern in den engsten Kurven irgendwelche männlichen körperlichen Defizite kompensieren oder ihre ausgeprägte Todessehnsucht an den anderen Verkehrsteilnehmern ausleben. Das nur als kleiner Tipp.
Jedenfalls isses ausgesprochen schön da, und zwischendurch einen Happen essen kann man auch, am gefühlten Ende der Welt bei Waldmichelbach. Französische Bistro-Küche auf einem Odenwälder Bio-Bauernhof, eine echte Entdeckung. Da oben sind auch die drei Fotos hier entstanden. Ich hatte eine großartige professionelle Fotografin an meiner Seite, da war ich etwas gehemmt, sonst hätte ich noch mehr herumgeknipst. Naja, Sie wissen schon.



Passend zur Location haben wir uns über das Magazin MyOdenwald unterhalten, das die Fotografin Petra Arnold erdacht und entwickelt hat. Kennen Sie nicht? Sollten Sie aber. Zumindest dann, wenn Sie ein Fan des Odenwaldes sind und Lust auf ein richtig gut gemachtes Magazin haben. Ganz analog, mit Seiten aus Papier, das weich und schwer zugleich ist und bei jedem Umblättern nach Natur und Holz – und irgendwie nach Odenwald duftet. (Ich darf da auch manchmal Geschichten beisteuern. Und eine Kolumne, immer wieder.) (*Ende des Werbeblocks*).
Super-schöne Bilder!!! … und das Magazin ‚My Odenwald‘ kann ich ebenfalls nur empfehlen – allen, die ‚irgendwie‘ eine Zugang zum Thema Heimat haben, gleichgütig, wo sich diese biographisch befindet. Schönen Sonntag!
Danke für den interessanten Beitrag über die die Plumpweberknechte mit Migrationshintergrund. Prima, was Neues. Und offensichtlich völlig harmlos (wenn man grad kein Phobiker ist). – Als einziger, aber nicht unberühmter Steh-Demonstrant fiel mir prompt der „Standing Man“ in Istanbul während der Gezi-Park-Proteste 2013 ein, der ausnahmsweise mal gruppenlos und stumm ohne alles und ganz alleine große Achtung erlangte. Geführt hat dessen Steh-Demo aber bis heute zu nichts, auch wenn er sich damals die Beine in den Bauch gestanden hat. Also doch lieber in der Gruppe zusammen mit anderen auf und abzittern und hektisch hin und herlaufen.