Was man eben so macht als rasende Reporterin: Ich habe mich eingehend mit dicken, gelblich-weißen Fliegenlarven befasst. Was läge denn auch näher bei 38 Grad im Schatten? Das sind Termine, wo man hinterher meint, auf dem ganzen, verschwitzten Körper würde es kribbeln und krabbeln, aber spannend ist die Geschichte schon, hier können Sie bei Bedarf nachlesen, dass im Odenwald die größte industrielle Insektenmastanlage Deutschlands entstehen soll. Aber beklagen Sie sich hinterher nicht, wenns überall kribbelt und krabbelt, ich habe Sie gewarnt.

Ansonsten hatte ich vor, im großen Stil Hitze und Dürre fotografisch zu dokumentieren, es wäre so eine Art Lebenswerk geworden, und ganz sicher hätte ich es mit den Fotografien in eine Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Fotografie zum Thema Wetter oder Klimawandel geschafft, keine Frage, aber es war schlichtweg: viel zu heiß zum Knipsen. Auf der Fahrt von hier nach da nur kurz aus dem Autofenster rausfotografiert, mehr war nicht zu machen. Ich bin ja nicht lebensmüde.

Ich war eine grüne Wiese.

Mit den Hunden gehe ich morgens in aller Frühe, die alte, herzschwache Leni hechelt schon nach fünf Minuten, als hauche sie ihr Leben aus, es ist ein Elend. Der See bei Mülben, normalerweise wildromantisch und prall gefüllt, – auch er sieht aus, als wolle er demnächst sein Leben aushauchen, und ein bisschen riecht er auch genauso.

Im Garten die Pfingstrosen, die Lilien, die Rosen, sie beginnen nun auch, ihr Leben auszuhauchen, selbst die unkaputtbaren Löwenzähne liegen sterbend auf dem staubigen Boden. Wir fangen im Haus anfallendes Wasser in Bütten auf und schleppen sie mehrmals am Tag zu Bäumen und Sträuchern, aber wir kommen nicht mehr hinterher. Und das in einer Gegend, die im Untertitel Badisch-Sibirien heißt, nicht nur wegen der Abgeschiedenheit, sondern auch wegen der Witterung. Jahrhundertlang hat das gegolten. Jetzt gilt es offenbar nicht mehr.

Im Hühnerauslauf bahnt sich – auffällig unauffällig – eine neue, zarte Romanze an, das Hähnchen und die dicke Schwarze stehen ständig beieinander; sie denken natürlich, wir merken das nicht, aber wir sind ja nicht blöd. Wenn da demnächst wieder Eier ausgebrütet werden sollen, bekomme ich einen hysterischen Schreikrampf. Und werde das irgendwie zu verhindern wissen.

Drölfzigtausend Wasserstellen für Insekten und anderes Getier gibt es im Garten und im Hühnchenauslauf, niemand soll bei der Hitze verdursten. Dass sich die Bienen aus der imkernden Nachbarschaft ausgerechnet die offizielle Hühnchentränke als Trinkbrunnen ausgesucht haben, ist ein bisschen ungeschickt. Meine Meinung.

Ständig muss ich da vorbei, ständig gibt es einen Bienchenaufstand, ein wildes Durcheinander, ein Summen und Brummen. Die Bienen fühlen sich gestört, umfliegen meinen Kopf, die Arme, die Beine. Es wird nicht mehr lange dauern, dann sind sie so genervt von mir, dass sie zum Angriff übergehen werden. Falls Sie also auf diesem Blog irgendwann nichts mehr lesen, dann wissen Sie bescheid.

Und als wären das nicht alles schon Aufregungen genug, stand mein Geo neulich noch in einem Stau. (Hier bitte eine Kunstpause einfügen). Ja, ein Stau. Auf der Fahrt ins Städtchen. Das kannst Du Dir nicht vorstellen!, berichtete er hinterher atemlos und mit schreckensgeweiteten Augen. Die Tragweite dieses Stau-Zustandes können nur Landmenschen erfassen.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an den (einzigen) Tag, als ich vor einiger Zeit mal zu spät ins Büro kam, ich schrieb dem Chef noch aus dem Auto heraus Chef, ich komme zu spät, ich stehe im Stau!, woraufhin er zurückschrieb Liebe Frau Landlebenblog, das glaubt Ihnen ja nun wirklich kein Mensch.

Naja, Sie wissen schon.

2 Kommentare zu “Dies und Das bei 38 Grad”

  1. mal wieder: Super-schöne Bilder!
    Wann ist mit dem Kalender für’s neue Jahr zu rechnen? Ich meine, „… wer jetzt nicht anfängt an Weihnachtsgeschenke zu denken, der denkt an gar nichts mehr …“ — jedenfalls so ähnlich. Schöne Grüße an alle!

  2. Besonders der Schluss der Geschichte hat’s mir angetan….😂😂😂😂 Ansonsten ist es apokalyptisch, was ich sehe. Bei uns gibt’s noch nicht einmal ein einziges Gewitter….. Jetzt müssen die neugepflanzten Jungreben in den Weinbergen ganz sparsam bewässert werden, die alten Reben mit den tiefen Wurzeln kommen noch gerade so über die Runden.

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