Der Wetter-Män im Radio legt hörbares Bedauern in die Stimme, ja, es könnte sein, dass es heute in Teilen des Landes regnet, vielleicht sogar mal gewittert, da müssen wir jetzt offenbar ganz stark sein, schließe ich aus seiner Stimmlage. Aber morgen! Morgen, da dreht der Sommer wieder voll auf, ja, das tröstet uns sogleich, na, Gott sei Dank auch.
Ich höre mit offenem Mund staunend zu und frage mich, in welcher Parallelwelt der freundliche Wettermän lebt. Offenbar in einer, in der man sich über brütende Hitze und wochenlange Trockenheit freut. Vielleicht in einem Haus mit Klimaanlage, und im Garten Tropfbewässerung und Pool.
In unserem Garten lassen alle Pflanzen die Köpfe hängen, wo früher der Boden grün war, ist jetzt nur noch Sand und Staub, der Apfelbaum im Trockenstress wirft viel zu viele, viel zu kleine Früchte ab, der riesige Nussbaum rollt die Blätter ein vor Durst.
Der Wetterbericht hat uns für gestern schon Regen versprochen, bei der Hunderunde blicke ich dauernd nach oben, zuhause renne ich alle zehn Minuten zum Fenster, um die Lage zu beobachten. Ja, das sah nach Regen aus. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Regen und Kühle so herbeigesehnt habe.



Das sah alles äußerst vielversprechend aus, entpuppte sich aber als kompletter Reinfall. Kein Tropfen. Kein einziger. In anderen Teilen Süddeutschlands ist die Welt untergegangen, an uns ging alles vorüber.
Auf einem Weg tief im Wald entdeckt mein Geo ein Rehkitz, es atmet, liegt aber regungslos auf der Seite. Weit und breit keine Mutter zu ahnen. Bald wird es in der prallen Sonne liegen und spätestens dann elend sterben. Wir telefonieren über mehrere Umwege den Förster herbei. Der will den Jagdpächter informieren. Gnadenschuss oder Wildtierstation oder Tierarzt, das soll der entscheiden, wir fahren wieder nach Hause, wir können hier nichts mehr tun. Danke, dass Sie sich gekümmert haben, sagt der Förster zum Abschied. Vielleicht ist die Mutter überfahren worden, vermutet er, und das Kitz ist noch zu jung, um sich alleine durchzuschlagen.
Zuhause liegt unter dem Esstisch der abgebissene Kopf einer Maus, den Hund oder Katze mit hereingebracht haben. Eines von diesen Geschenken, auf die wir gerne verzichten könnten.
Die Küken gehen außerhalb des Auslaufs spazieren und erkunden die Welt. Seit Tagen haben wir alle potentiellen Lücken und Ritzen und Löcher im Zaun mit Brettern und Latten und Drähten und Netzen abgedichtet, verrammelt, verriegelt, wir tun eigentlich derzeit nichts anderes mehr, und die Küken lachen sich schief über unsere erfolglosen Versuche, ihren Bewegungsradius einzuschränken.
Im Kükenauslauf entdecke ich ein mumifiziertes Mäusebaby.
Es wird einem nicht langweilig auf dem Lande, soviel steht fest. Naja, Sie wissen schon.
Tja, ich habe gestern auch den ganzen Tag auf den „versprochenen“ Regen gewartet. Immerhin hat es zwei- oder dreimal getröpfelt, das Wasser ist fast nicht auf der Erde angekommen, vorher verdunstet. Aber 3 ¹/² Liter sind erstaunlicherweise zusammen gekommen.
Meine Katze bringt mir auch immer wieder Geschenke, meist lebend… :-( Hab‘ erst vorgestern Nacht einer Maus das Leben gerettet indem ich diese ins Freie beförderte…
Liebe Grüße gen Westen,
Rolf
…gute Nachrichten aus Fahrenbach: Hier – heute: 3 – 5 Tropfen echter Regen!!
Man darf ja hoffen…
Der Wetter-Män ist zu beneiden…Seine Vedrängung funktioniert. Es gibt recht viele Wetter-Mäns.