Elemente.

18. Juli 2015

Mitten in der Nacht brüllt die Sirene vom Dach des Dorfgemeinschaftshauses, so laut, als stünde sie direkt neben dem Bett. Blitz und Donner streiten sich lautstark, explosionsartig schleudern sie mit Argumenten um sich, der Sturm schüttelt die riesigen Bäume, sie zittern wie kleine Grashälmchen und ducken sich weg, Hagelkörner knattern auf Haus und Terrasse wie Gewehrsalven.

Hagel

Überall in den Fenstern gehen Lichter an, nachts um halb Zwei. Eilig werden Autotüren geöffnet und geschlossen, Motoren angeworfen, die Freiwilligen Feuerwehrmänner fahren zum Gerätehaus, zum Einsatz. Auch ein Dorf weiter heulen jetzt die Sirenen. Der tosende Sturm weht ein Stimmengewirr übers Tal, und das Brummen der Motorsägen, die Kühe drüben beim Nachbarn brüllen gegen die Elemente an.

Nach ein paar Minuten ist alles vorbei.

Was bleibt, sind die stummen Zeugen der Nacht. Und die Wettervorhersage, die für heute vor neuen, schweren Gewittern warnt.

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Jetzt ein bißchen aufräumen im Garten. Nicht maulen wegen der paar zerstörten Tomatenpflanzen. Darüber nachdenken, daß es andere viel schlimmer und viel öfter trifft, an allen Enden der Welt. Darüber, daß es manchen die Existenz verhagelt, im wahrsten Sinne des Wortes. Darüber, daß es immernoch besser ist, das Toben der Elemente vom Fenster aus beobachten zu können, anstatt da rauszumüssen, mitten in der Nacht. Und darüber, daß man manchmal innerhalb von zehn Minuten eine klitzekleine Ahnung davon kriegt, was Wetter sein kann.

 

 

 

  • 12 Kommentare
  • Amélie 18. Juli 2015
    Antworten

    Oh je. War es in der gesamten Gegend so heftig?

    • LandLebenBlog 18. Juli 2015
      Antworten

      Nein, das war wohl wirklich lokal begrenzt, so gesehen nur auf einer winzigen Fläche von zwei, drei Dörfern.

  • Anja 18. Juli 2015
    Antworten

    Oh je! Bei uns war es bei weitem nicht so schlimm. Wach waren wir, aber keine Schäden. Ich war vor zwei Wochen in Framersheim, wo einen Tag zuvor ein Tornado durchs Dorf gezogen ist. Schrecklich! Sogar Strassenschilder waren dort verbogen…. Viele Grüße, Anja

    • LandLebenBlog 19. Juli 2015
      Antworten

      Framersheim war der Hammer. Aber wir kriegen hier grad eine Ahnung davon, wie das gewesen sein muß.

  • Christjann 18. Juli 2015
    Antworten

    Aber immerhin das Internet geht noch :-)
    Und wie immer so schöne Fotos!

    • LandLebenBlog 19. Juli 2015
      Antworten

      Ja, das war das Erste, was mein Gatte gegen den tosenden Strum anbrüllte, völlig verwundert: „Wieso geht der Strom noch?????“ Sehr ungewöhnlich.

  • Astridka 18. Juli 2015
    Antworten

    Oh je! Diese Naturgewalten, die haben immer zu den Sommern in Badisch Sibirien gehört und ihre Schäden angerichtet. Kein Wunder, dass früher Weiheprozessionen durch Feld & Flur gemacht wurden, um für geringen Flurschaden zu bitten, der die Existenz der Bauern erheblich bedrohen konnte. Auf sonstige, abergläubische oder recht(-haberisch)gläubige Praktiken will ich mal gar nicht eingehen. Die lassen mich heute noch den Kopf schütteln.
    In der Hoffnung, dass alles reparabel ist, wünsche ich einen schönen Sonntag.
    Astrid

    • Lammwirt 19. Juli 2015
      Antworten

      ja,ja: vor Blitz Hagel und Ungewitter….. wohne Luftlinie ca. 12km entfernt — sind im Vergleich ungeschoren davon gekommen — 5 Liter Regen + ein paar heftige Sturmböen — aber machen wir uns nichts vor, füher oder säter sind auch wir in der Gemeinde Mudau wieder dabei!

      • LandLebenBlog 19. Juli 2015
        Antworten

        Normalerweise erwischt es Mudau ja stärker als uns hier. Insofern… ausgleichende Gerechtigkeit, oder so.

    • LandLebenBlog 19. Juli 2015
      Antworten

      Kennst Du die Hagelfeiertage? Manche Dörfer hatten hier früher sowas, wenn ich das richtig weiß, als Erinnerung an irgendein besonders schlimmes Hagel-Ereignis. Ich weiß nicht, ob es das noch gibt. Vielleicht nur in der kollektiven Erinnerung.

  • Manuela 19. Juli 2015
    Antworten

    Oha, am Freitag Abend hatten wir einen mega Sturm, 1,5 Stunden lang,
    während in Straßbourg auch ein wahnsinns Unwetter tobte, wir bekamen
    nur die Ausäufer und den lang ersehten Regen, einfach so.
    Jetzt gewittert es gerade ein bisschen und es regnet so vor sich hin,
    gottseidank.
    Man muss heute wirklich dankbar sein, wenn es glimpflich abgeht, da
    draußen.

    • LandLebenBlog 19. Juli 2015
      Antworten

      Iihh, anderthalb Stunden Sturm, da würde ich ja irre werden. Mir reichen die paar verheerenden Minuten.

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