Blaumanns Erzählungen.

Den ganzen Tag lang auf den digitalen Wetterbericht starren wie das Kaninchen auf die Schlange. Dann auf den blauen Himmel. Dann wieder auf den digitalen Wetterbericht. Dann auf den grauen Himmel. Dann wieder auf das Display. Dann auf den kohlrabenschwarzen Himmel.

Blaumann

Dem Besuchskind oberlehrerhaft erklären: Wenn der Himmel so schwarz ist, und der Wind so still, dann weiß man, daß es jetzt gleich losgeht. Die letzten Silben gehen in diesem Moment schon im Brüllen und Tosen des Sturmes unter, die Töpfe auf der Terrasse kollern über den Holzboden, in riesigen Wellen schwappt der Regen gegen die Fenster. Es fühlt sich an, als führe man mit dem Haus durch eine gigantische Autowaschanlage, Wasser klatscht gegen Wände und Türen, die Regenrinnen spucken im hohen Bogen, wasserfallartig, Fontänen aus, wie ein Ertrinkender.

Nur schreiend kann man sich im Haus jetzt noch verständigen, schnell!, hol Lappen und Handtücher, schreie ich den ansonsten wetterfesten Geo an, der rennt in den Keller, watet schon hier durch stinkendes Wasser aus dem Kanal, laß das, das macht nichts, schreie ich die Treppe runter. In der Halle steht Wasser, hier lagern Bücher und Kunst, und auf Knien rutschend schieben wir mit Lappen und Tüchern kleine Wellen vor uns her und saugen sie auf, während die Wassermassen aufs riesige Hallendach klatschen.

(Wenn ich jetzt, triefend, auf Knien, gesagt hätte, Moment, Geo, ich muß rasch ein Foto machen, Du weißt doch, für das LandlebenBlog, guck mal hier, in die Kamera, und jetzt: lächeln!! – ich glaube, das wäre das Ende der Ehe gewesen. Ich habe für soetwas durchaus Gespür. Deswegen nur ein Stillleben von der Ruhe nach dem Sturm. Sie werden das verstehen.)

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Weil Petrus einen offenbar eigenen Sinn für Humor hat, schickt er schon zehn Minuten später die Sonne vorbei, sie lacht, als wäre nichts gewesen, die Vöglein singen, während ein paar Gärten weiter schon wieder die Motorsägen brummen. Wieder sind überall Bäume umgestürzt, Schlamm versperrt Straßen, in einem Dorf nicht weit von uns hat eine Windhose Dächer abgedeckt.

 

Abends dann nochmal mit den Hunden raus an den Wald, den es seit Freitag am meisten gebeutelt hat. Viele Wege unpassierbar. Unvernüftig, aber vorsichtig durchs Unterholz, immer in der Angst, es könnte irgendwas noch umstürzen.

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To cut a long story short: Wir haben die Schnauze voll von ländlichen Sommergewittern. Und wir haben auch keine Lust mehr, ständig vom Wetter zu reden. Und jetzt muß ich weiter, Sie werden verstehen, nach den Pfützen im Keller schauen. Und heute nacht werde ich davon träumen, wie es wäre, in einem Mietshaus mitten in der Stadt zu wohnen, ohne Verantwortung, dafür mit rührigem Hausmeister und allem pipapo.

Naja, Sie wissen schon. 

 

 

 

 

 

6 Kommentare

  1. oh Gott, sieht ja furchtbar aus mit den zahnstochermäßig abgebrochenen Bäumen … ich hoffe, Sie konnten wenigstens Kunst und Bücher retten und wünsche, Sie bleiben in nächster Zeit verschont und das Dach bleibt drauf und halbwegs dicht. Gibt ja durchaus noch andere Orte für örtliche Gewitter, obwohl ich das so niemandem wünsche, und doch schon auch hin und wieder, allein der Ehrfurcht wegen … man kann nicht alles kontrollieren, Natur und so. Eine geruhsame Nacht wünsche ich. Und Häuser mit Hausmeistern gibts das noch? Und rührige dazu? Am Sonntag?

    • Nein, wahrscheinlich gibts die längst nicht mehr, die rührigen, rührenden Hausmeister meiner Kindheit und Jugend. Ich denke da vermutlich retro-mäßig.

  2. Das nennt man dann lokal begrenzte Gewitter- in Mosbach hats kurz geregnet und gewittert, ohne Folgen.
    Tut mir leid für euch, da bleibt wenig Zeit für Musestunden.

    • Schon ein Dorf weiter: nur ein lauer Wind und etwas Nieselregen. Wirklich unglaublich, ich kannte sowas bisher in dieser Form nur aus dem Fernsehen.

  3. Oje, da hat es Euch ja wirklich übel erwischt. Bei uns wars Freitag Nacht nur ein kleines Gewitter mit zwar heftigem – aber nur kurzem Regen. Und gestern wars ähnlich, im Ortsteil gings aber ähnlich wie bei Euch zu.

    Bei einem hab ich aber echt schmunzeln müssen…… die Vorstellung für den Blog noch hübsche Bilder zu machen…. vermutlich wäre das auch das Aus meiner Ehe gewesen… Zum Glück sind wir Frauen und spüren wenns besser ist, die Klappe zu halten. Auch wenn ein gutes Foto auch schonmal seiner Opfer bedarf 🙂

    Hab ne schöne -gewitterfreie- Woche und hör mir auf mit solch Sachen, von der Großstadt zu träumen. Wo kann ich dann immer so schöne Geschichten -aus der Sicht einer Großstädterin- von unsrer Region lesen?

    LG
    Pamy

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